Gitschberg und Jochtal: Nah und gut

Den Brenner runter und direkt ab in ein tolles Skigebiet? Das geht. Seit sich Gitschberg und Jochtal vor drei Jahren verbunden haben, finden vor allem Familien und sportliche Genießer unmittelbar am Eingang des Pustertals ein hervorragendes Angebot

neuer_name

© TVB, Alex Filz

Text: Florian Tausch

Gute 20 Pistenkilometer – das ist für ein Skigebiet eine undankbare Größe. Denn einerseits ist man damit zu klein, um auf das Radar von ambitionierten Wintersportlern zu gelangen und wiederkehrenden Gästen genug Abwechslung zu bieten. Andererseits ist man aber zu groß, um sich alle Investitionen zu sparen und nur noch als beschaulicher„Bürgermeisterlift“ oder als Wochen-endvergnügen für Einheimische positionieren zu können. Die Kosten laufen, die Hotelerie will befüllt werden, doch woher die Gäste nehmen? Eine Zwickmühle.

Was also tun, in einem solchen Fall? Am besten: Die Augen offen halten und ein wenig in die Ferne schauen. Nicht zu weit – eine Distanz, die durch ein, zwei Gondel-Anlagen überbrückt werden kann, gilt als ideal. Und mit etwas Glück findet man irgendwo in diesem Umkreis einen Kollegen, der sich in genau der gleichen Situation befindet. Dann muss man nur noch etwa 20 Jahre warten, jede Menge Papierkram erledigen und kann sich schließlich mit dem Nachbarn zu einem Skigebiet zusammenschließen, das im Wettlauf mit der Konkurrenz mithalten kann.

Gut gelegen

Nicht jeder Zusammenschluss ist notwendig oder gar bejubelnswert. Dass aber aus den Gebieten Gitschberg und Jochtal vor drei Jahren Gitschberg Jochtal wurde, hat hier wirklich etwas bewegt – und damit ist mehr gemeint, als die täglich ca. 1.000 Personen, die seit dem Bau die neue Verbindungsbahn durchschnittlich nutzen. Schon in der ersten Saison kamen 16 Prozent mehr Gäste, und auch danach ging es weiterhin bergauf. Von Vorteil ist dabei, dass man seit dem Zusammenschluss sowohl von Meransen als auch von Vals aus in das Skigebiet einsteigen kann. Darüber hinaus führt eine zusätzliche Gondelverbindung als Zubringer vom wesentlich tiefer gelegenen Mühlbach hinauf nach Meransen.

Überhaupt sind Erreichbarkeit und Lage echte Trümpfe im Ärmel der örtlichen Touristiker: Offiziell liegt das Skigebiet im Eisacktal, welches sich direkt hinter dem Brenner bis kurz vor Bozen erstreckt. Heißt: Einerseits sparen sich Anreisende weit-gehend den Weg über die häufig arg volle Pustertaler Straße zu anderen südtiroler Renommier-Gebieten (Und selbst ohne Verkehr dauert etwa die Fahrt bis zum Kronplatz noch ca. 40 Minuten länger). Andererseits gelangt man von Mühlbach aus schnell zu attraktiven Tagesausflugs-Zielen wie Sterzing, Brixen oder Klausen.

Und inoffiziell? Ließe sich Gitschberg Jochtal dem Pustertal zuordnen – was wiederum für die Crème de la Crème der südtiroler Skifreuden und Dolomiten-Blick steht. Letzterer ist wirklich beeindruckend: Die gesamte Kette dieses wunderschönen Gebirges liegt ausgebreitet vor einem. Steht man auf dem 2.510 Meter hohen Gitschberg, reicht die Panorama-Sicht im 360-Grad-Modus von den Dolomiten über die Zillertaler, Stubaier und Ötztaler Alpen. Über 500 Gipfel kann man von hier aus in Augenschein nehmen. An diesem Umstand schließt sich unmittelbar ein weiterer Vorteil an: Die Dolomiten-Aussicht berechtigt Gitschberg Jochtal zur Mitgliedschaft im Dolomiti Superski-Verbund – mit 1.200 Pistenkilometern der größte seiner Art. Konkret heißt das, dass man als Inhaber des Skipasses nicht nur in Gitschberg Jochtal seine Runden ziehen, sondern beispielsweise auch einen Tagesausflug zum Kronplatz oder anderen südtiroler Gebieten unternehmen kann.

Beeindruckende Gipfel und wunder-schöne Landschaften finden sich aber auch in unmittelbarer Umgebung. Kein Wunder also, dass Filmproduktionen das Valsertal immer wieder als Drehort wählen. So war die Fane Alm schon Setting für den beliebtesten Fernseharzt der Alpen – den „Bergdoktor“ (ausgestrahlt wurde die Folge im Dezember 2014). Aktuell wurde der Film „Smitten!“ gedreht, bei dem Oskar-Preisträger Barry Morrow („Rain Man“) das Buch schrieb und Regie führte. Andere große Produktionen sind derzeit bereits in den Bergen rund um Gitschberg Jochtal geplant.

neuer_name
Mehrfach wurde Gitschberg Jochtal in einschlägigen Tests unter die Top-Destinationen für Kinder gewählt
© TVB, Alex Filz

Ausgezeichnete Kinderbetreuung

Doch Hollywood-Stars hin oder her: Letztendlich interessiert uns vor allem, was die Region all jenen bietet, die sich am liebsten auf zwei Brettern gen Tal stürzen – und das ist seit dem Zusammenschluss ein schönes, in sich stimmiges Angebot, das vor allem Familien anspricht. Mit 16 Aufstiegsanlagen und mittlerweile 51 km Pisten in allen Schwierigkeitsgraden sind Genießer genau so gut bedient wie sehr aktive Sportler. So findet jeder für sich das passende Revier, während sich die Kleinen in bester Obhut befinden. Mehrfach wurde Gitschberg Jochtal in einschlägigen Tests unter die Top-Destinationen für Kinder gewählt. Die Kinderskischulen sind zertifiziert und verfügen über pädagogisch ausge-bildete Skilehrer. An mehreren Stellen im Skigebiet (die Zwergerle Winterwelt in Meransen Dorf, die Kinderwelt am Ausstieg der Nesselbahn und der Bambino Club in Vals) finden sich eigens eingerichtete und speziell ausgestattete Areale für die Kleinen. Zudem können die jungen Brettl-Fans in der letztjährig eröffneten Wood Line auf Entdeckungsreise gehen. Dies ist ein Kids-Parcours, der durch den Wald führt, und auf dessen Strecke unterschiedliche Holzelemente darauf warten, skifahrerisch bezwungen zu werden (Der Start befindet sich an der Piste Nr.10, erreichbar von der Bergstation des Sessellifts Hinterberg). Die älteren Geschwister zieht es derweil zum direkt anliegenden großen Snowpark, der drei unterschiedlich schwierige Lines mit Rails, Slides, Kickern und Boxen bietet.

Unterschiedliche Charaktere

Die ehemals getrennten Skigebiete weisen einen durchaus unterschiedlichen Carakter auf: Der Gitschberg gibt sich vor allem als sonnendurchtränkter Genießer. Der Großteil seiner Pisten ist südwärts ausgerichtet, und bei durchschnittlich 280 Sonnentagen im Jahr ist die Chance groß, braun-gebrannt aus dem Skiurlaub wiederzukommen. Außerdem punktet er mit sehr breiten Pisten, die sich zumeist mit angenehmem Gefälle irgendwo zwischen genießerisch und sportlich einordnen. Ein Highlight ist dabei sicherlich die 4,5 Kilometer lange Abfahrt vom Gitsch-Gipfel, die von 2.500 Metern Höhe bis hinab nach Meransen (1.400 Meter) führt. Dabei geht es vor allem im oberen Bereich durchaus ambitioniert zur Sache. Wer eine noch größere Herausforderung sucht, findet diese an der Sergerwiese, der einzigen schwarzen Piste am Gitschberg, oder – ein echtes Highlight für sehr gute Skifahrer – bei der nicht präparierten Tourenabfahrt entlang der Hänge des „Klein Gitsch“. Diese beginnt an der Bergstation des Schleppliftes Mitterwiese und führt fast bis hinunter ins Tal nach Meransen.

Gondeln als Erlebnis

Eine größere Auswahl an Abfahrten im schwierigen Bereich finden sich auf der anderen Seite, im Jochtal. Um zwischen den Gebieten zu wechseln, muss man einmal gondeln, um das Altfasstal zu überqueren, dieser enge Einschnitt ist durch keine Skipiste erschlossen. Doch die zusätzliche Fahrt in der Gaisjochbahn ist kein Ärgernis, sondern vielmehr ein Erlebnis. Die Einseilumlaufbahn mit Glasboden-kabinen spannt sich mit bis zu 93 Metern Bodenabstand 1.960 Meter über das Tal. Dabei stehen die Stützen bis zu 538 Meter voneinander entfernt.

Nach schöner Abfahrt in Vals angekommen, führt schließlich eine Gondel auf das 1.920 Meter hohe Valler Jöchl. Von hier aus lässt sich das ehemalige Jochtaler Skigebiet erkunden. Dessen Hänge neigen sich zumeist in östlicher Richtung, weshalb es sich vor allem im späten Frühling anbietet, den Nachmittag hier zu verbringen, wenn die Pisten am Gitsch von der Sonne schon zu weich werden. Doch selbstverständlich kann man am Valler Jöchl und den beiden Gipfeln Hinterberg (2.100 m) und Steinermandl (2.118 m) den ganzen Tag über Spaß haben, denn das Geläuf ist in top Zustand und fordert den Skifahrer geradezu zu weiten, geschnittenen Carvingschwüngen auf. Herausforderungen finden sehr sportliche Skifahrer vor allem an den schwarzen Pisten vom Jöchl (wobei die Mitterling, Nr. 6, mit einem Gefälle von bis zu 38 Grad aufwartet) oder vom hintersten der drei Gipfel, dem Steinermandl. Parallel zu allen schwierigen Abfahrten gibt es aber auch stets eine Vielzahl sanfter Optionen, so dass man auch hier immer mit der Familie unterwegs sein kann.

Sportlichkeit, Familienfreundlichkeit und Genuss, Genuss, Genuss sind also die Schlagworte, um die sich in Gitschberg Jochtal alles rankt. Gerade kulinarisch kommen hier Skifahrer voll auf die Kosten. An kaum einem anderen Ort findet man so viele Almen, Jausen-stationen und Hütten pro Pistenkilometer. 15 Stück sind es alleine direkt im Skigebiet. Manche von ihnen so klein, dass sie nur ein paar Plätze bieten. Die lukullischen Sensationen sind dafür umso größer: Allerorten werden fantastische Leckerein auf den Teller gezaubert, neben den üblichen italienischen Klassikern auch eisacktaler Spezialitäten wie Tirtl (ein traditionelles Schmalzgebäck), Geselchtes mit Sauerkraut oder Knödeln und Schlutzkrapfen. Und so darf der ganze Körper begeistert von Gitschberg Jochtal sein: Die Beine für die tollen Abfahrten, die Augen für die herrliche Aussicht und der Gaumen für die kulinarischen Genüsse.

neuer_name
Der Großteil der Gitschberger Pisten ist südwärts ausgerichtet, und bei durchschnittlich 280 Sonnentagen im Jahr ist die Chance groß, braungebrannt aus dem Skiurlaub wiederzukommen
© TVB, Alex Filz

Gitschberg Jochtal

Der Doppelname ist Programm: Vor drei Jahren haben sich Gitschberg und Jochtal zusammen-geschlossen und bieten seitdem eine genussreiche Ski-Spielwiese, die einfach zu erreichen ist. Als Standort empfehlen sich Vals und Meransen.

Ski & Spaß

- Skigebiet

16 Aufstiegsanlagen, 51 Pistenkilometer, davon 40 % blau, 40 % rot und 20 % schwarz.

Höhenlage: 1.300 bis 2.500 Meter

- Park & Pipe

Der F-Tech Jochtal-Park (am Hinterberg) verfügt über Pro Line, Medium Line und Easy Line mit Rails, Slides, Kicker und Boxen. Zudem gibt es für die kleinsten Freestyler eine Kids-Line, die aus Holz-elementen besteht.

Essen & Feiern

- Hütten

• Nesselhütte. Die 2012 neu errichtete Hütte bietet 65 Innen- und 75 Außen-plätze. Direkt an der Bergstation der Nesselbahn (Gitschberg).

• Berggasthaus Anratterhütte. Gilt als eine der schönsten Almhütten Südtirols. Hier gibt’s täglich 15 verschiedene Knödel, hausgemachte Schlutzer und Strudel. Das Fleisch und der Salat sind aus eigener Landwirtschaft. Am Südhang des Hinterbergs.

• Bergrestaurant Jochtal. Bietet durchgehend warme Küche und eine große Sonnenterasse. Direkt an der Bergstation der Kabinenbahn Jochtal.

• Gitschhütte. Gemütliche Jausenstation an der Talstation der Gitschberg-Abfahrt. Wechselnde Gerichte.

• Bacherhütte. Gemütliche Hütte mit leckerem Essen an einem sonnigen Südwest-Hang am Gitschberg.

- Restaurants

• Dolomitenblick. Leckere Südtiroler Küche und Pizza. Via Ausserecker 20, Meransen, Tel. 0039- 0472-522055

• Die Mühle. Gemütliches Restaurant mit gutem Preis/Leistungs-Verhältnis direkt an der Talstation des Skigebiets Jochtal.

Jochtalstraße 4 Vals, Tel. 0039 0472 547221

Schlafen & Wohlfühlen

- Hotels

• Moarhof. Sehr schönes 4*-Haus in Vals,

in Laufweite zum Skigebiet Jochtal und zum Verbindungslift an den Gitschberg gelegen. Sehr familiäre Atmosphäre und schöner Pool/Spa-Bereich.

Birchwaldweg 10, Vals, Tel. 0039-0472-547 194, www.hotel-moarhof.it

• Zwei speziell auf Familien mit Kindern spezialisierte Hotels sind das Hotel Huber (Kirchdorfstraße 4, Vals, Tel. 0039-0472- 547 186, l|www.hotelhuber.com{|http://www.hotelhuber.com{}) und der Alpenhof (Prockengasse 15, Meransen,Tel. 0039-0472-520 252, www.alpenhof.org).

• Tratterhof. Einziges 4*-S-Haus des Gebiets. Hier trifft Moderne auf Tradition. Sehr gute Küche und schöner Spa-Bereich. Großbergstr. 6, Meransen, Tel. 0039-0472-520108, www.alpenhof.org

• Kaserhof. Gemütliches 3*-Hotel mit Spa-Bereich in sehr guter Lange am Lift-Einstieg. Jochtalstraße 17, Vals, Tel. 0039 0472 547101, www.hotel-kaserhof.com

Gut zu wissen

- Saison

05.12.2015 bis 03.04.2016

- Anreise

Über die Brenner-Autobahn, dann die Ausfahrt Brixen-Pustertal wählen. Von Mühlbach aus führt eine Bergstraße nach Vals und Meransen.

- Skipass-Preise

Hochsaison: Tagespass Erwachsener 43 Euro, 6 Tage 226 Euro. Außerdem gibt es den Eisacktal Superskipass mit diversen Wahlmöglichkeiten. Um das für sich passende Liftticket zu ermitteln, gibt es unter www.skigebiet-gitschberg-jochtal.com einen Skipass-Kalkulator.

- Kinder & Familien

Es gibt drei Kinderparks mit Ganztages-betreuung. Außerdem je eine Skischule in Meransen (Tel. 0039-0472-520202, www.skischule-gitschberg.com) und Vals (Tel. 0039-0472-547210, www.skischule-jochtal.com)

- Insidertipp

Von den drei Aussichtsplattformen Steinermandl, Gitschberg und Astjoch hat man einen atemberaubenden Rundblick auf über 500 Gipfel und Berge.

- Infos

Ski-und Almenregion Gitschberg Jochtal, Tel. 0039-0472-886048, www.gitschberg-jochtal.com

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 04 / 2015

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat

Events

27.10 – 29.10.2017
Sölden - Ski Opening
25.11 – 02.12.2017
SkiMAGAZIN - Skitestwoche in Sulden
26.11 – 02.12.2017
WSV - Saison Opening im Pitztal