Actionscams: Der richtige Dreh beim Skifahren

Videos gibt es im Netz inzwischen noch und nöcher. Das manche selbst- gedrehten Skivideos unfreiwillig komisch oder einfach nur langweilig sind, liegt weniger an der Technik. Immer ausgereifter, leichter und kleiner ist die neue Generation der Actioncams. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Modelle vor und geben Profitipps, damit der Dreh im Schnee gelingt

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© GoPro, Hersteller

Text: Uli Wittmann

B in 5D“ ist der Grund gewesen, warum mancher Zuschauer mit offenem Mund 2011 auf der Sportmesse ISPO herumstand. Willy Bogner, einer der besten Skifilmer der Welt und erfolgreicher Modeunternehmer, stieß mit dem Film „B in 5D“ in neue Dimensionen vor. Auf 14 Projektoren lief am Messestand von Bogner dieser 32 Minuten lange Skifilm in 360 Grad. Für „B5 in D“ im stereoskopischen 3D griff Bogner auf handelsübliche Actioncameras zurück. An einer speziellen Halterung am Helm von Bogner hingen um ihn herum zehn GoPros.

Im Gegensatz zu einem Profi wie ihm, kommen die meisten Skifahrer mit einer Actioncam aus und stellen ihre Clips auf Plattformen wie Youtube vor. Dort gibt es für die beiden Suchbegriffe Ski und Freeride um die 170.000 Filme. Tendenz steigend. Schwerer als manche Abfahrt abseits der Pisten, ist es für viele Wintersportler, sich zu entscheiden, welche Actioncam sie kaufen sollen. Während Anfang der 2000er Jahre der Markt für Actioncams übersichtlich gewesen ist, bieten nun etliche Hersteller ihre Modelle an. Von No-Name-Kameras, die weit unter der hundert Euro-Marke zu haben sind, bis zu den technisch ausgereiftesten Modellen, die mehr als 400 Euro kosten. Wie soll man da das richtige Modell auswählen?

Wichtige Fragen klären

„Beim Kauf einer Actioncam ist besonders wichtig, sich zu überlegen, für welches Einsatzgebiet sie de facto benötigt wird. Kommt sie im Extremsport zur Anwendung? Sind regelmäßig Zeitrafferaufnahmen und Slow Motions gefragt? Sollen die Videos als Basis für den professionellen Einsatz dienen oder soll damit nur der private Skiausflug dokumentiert werden? Wird die Actioncam auch als Fotokamera zum Einsatz kommen?“ erklärt Thomas Güttler, Geschäftsführer von Rollei und weiter: “Je nach Anwendungsbereich sollte man sich dann nach dem leistungsstärksten 4K-Modell umsehen oder ein Produkt aus dem mittleren oder gar unteren Leistungssegment wählen. Selbst wenn eine Auflösung wie z. B. 4K zunächst nicht benötigt wird, so kann es sinnvoll sein, diese Ausführung trotz allem zu wählen, da aufgrund der Verwendung der leistungsstärkeren Sensoren und Prozessoren in den 4K-Modellen auch die Bildleistung in anderen Modi (zum Beispiel Full HD) deutlich verbessert wird.“

Preislich liegen die am meisten verkauften Actioncams erheblich auseinander. Klar schaut man da beim Vergleich zunächst einmal auf die technischen Aspekte. Aber es gibt auch einen weiteren wichtigen Punkt zu beachten: Wie ist die Actioncam ausgestattet? Muss man nämlich das grundlegende Zubehör (Display, Fernbedienung, etc.) separat erwerben, so kann das ursprünglich attraktive Angebot schnell zum teuren Spaß werden.

Trotz der Unterschiede, gibt’s auch Ähnlichkeiten quer über alle Modelle: Die kleinen Ausmaße, das geringe Gewicht (die meisten Actioncams wiegen weniger als ein Beutel Gummibärchen) und eine einfache Be-dienung sind mittlerweile Standard. Eine weitere Gemeinsamkeit ist das starke Weit-winkelobjektiv ohne Zoommöglichkeit. Eine Actioncam erfasst ein großes Bildfeld, was beim Skifahren besonders sinnvoll ist. Bei einer Freerideabfahrt lässt sich am Bildschirm dadurch nachvollziehen wie faszinierend es ist, abseits der präparierten Piste unterwegs zu sein. Actioncams sind über wenige Tasten zu bedienen. Doch darin liegt ein Problem für Skifahrer. Die Tasten sind mit Handschuhen schwer zu drücken. Wer an einem eiskalten Wintertag mit blanken Fingern immer wieder die Actioncam bedienen muss, dem vergeht schnell der Spaß am Filmen. Für dieses Problem hat GoPro nun eine Lösung: „Um die GoPro mit Handschuhen zu steuern, eignet sich am besten unsere Smart Remote Fernbedienung. Sie wird beispielsweise am Arm befestigt und verfügt über große Knöpfe. Die Kamera kann dann sehr einfach an- und ausgeschaltet werden oder zwischen den Video und Foto-Modi wechseln. Auch Einstellungen sind über die Fernbedienung einfach möglich“, so Patrick Lengenfelder von GoPro. Auch Sony verfügt über ein ähnliches System. Mit einem Kippschalter oder über eine Fernsteuerung ermöglicht es Garmin den Skifahrern, mit angezogenen Handschuhen die neuen VIRB-Kameras zu bedienen. Bei Rollei lässt sich mittels WiFi und dem Smartphone die Actioncam 420 bedienen.

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GoPro Hero 4 Session: 50 Prozent kleiner und 40 Prozent leichter als die Hero 4 Black und Silver Kameras ist die GoPro Hero 4 Session. Dieser Winzling ist minimalistisch, er kommt mit nur einem Knopf aus. Wer die Hero 4 Session damit nur ein- und ausschalten will, kommt damit klar. Automatisch startet die Actioncam mit der Aufnahme. Wer länger auf diesen einen Knopf drückt, der startet die Aufnahme von Serienbildern. Eine weitere Taste befindet sich an diesem Mini-Würfel. Diese verbindet über WLAN die Actioncam mit dem Mobiltelefon. Verzichtet hat GoPro bei der Hero 4 Session auf die bewährte 4K Auflösung. Es steht dafür die Full HD bereit. Pro Sekunde liefert sie 60 Bilder bei 1080 Pixel. Wer die Auflösung auf 720 Pixel heruntersetzt bekommt etwa 100 Bilder pro Sekunde. Die gedrehten Videos kommen an die Hero 4 Black heran. Wenn das Tageslicht nachlässt sind die Farben leicht verfälscht. 115 Minuten lang
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Rollei Actioncam 420: 149Euro kostet dieses Modell. Das Gehäuse ist robust und verträgt auch einen Sturz im Tiefschnee. 140 Minuten lang reicht der Akku, um damit in Full HD zu filmen. Im Gegensatz zu manchem Mitbewerber hat die Rollei Actioncam 420 ein Display integriert. Pro Sekunde schafft sie bei 4K-Videos zehn Bildern pro Sekunde aufzunehmen. Im 2K- Modus sind es etwa 30 Bilder und wer in HD filmt, der kommt mit der Rollei auf ungefähr 60 Bilder in der Sekunde. Bei Fotos überzeugt die Rollei mit ihrer 12-Megapixel-Auflösung. Die Ton- qualität könnte bei diesem Modell besser sein. Doch ein Freeride Video ist schließlich kein Spielfilm und lässt sich nachträglich mit passender Musik untermalen. Alle, die etwas gegen langeweile Videos haben nutzen die Loop Funktion oder aktivieren den Zeitraffer.
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Sony FDR-X1000V: Die Sony FDR-X1000V ist in der oberen Preiskategorie unterwegs. Sie kostet 449 Euro und mit dem Fernbedienungs-Kit, der für Skifahrer sinnvoll ist, einhundert Euro mehr. Für diesen Preis dürfen die Kunden einiges verlangen. Bei der Bildqualität setzt Sony Maßstäbe. Sehr hoch auflösend lassen sich so Details bei einer rasanten Abfahrt im feinsten Powder filmen. In HD sind bis zu 240 Bilder pro Sekunde möglich. Kein Wunder, wenn soviel Leistung auch Strom braucht. Leider ist der Akku nach einer guten Stunde erschöpft, und die Actioncam heizt sich auf. Etwa 960 Linienpaare schafft die Sony FDR-X1000V pro Bildhöhe. 170 Grad deckt das Objektiv von dieser Actioncam ab. Das ist fast der Blickwinkel von einem Menschen. Wer im Ultra HD Modus filmt, nimmt besser eine Speicherkarte die mehr als 64 GByte hat. Ansonsten ist der Speicherplatz schnell verbraucht.
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Garmin VIRB XE: Mit Garmin kam ein Hersteller auf den Markt für Actionkameras, mit dem keiner gerechnet hatte. Die Wurzeln der Firma liegen im GPS Bereich, deshalb sind die neuen VIRB Actioncams mit G-Metrix ausgerüstet. Dadurch lassen sich bald mehr Daten erfassen, als die NSA auf einmal abschöpfen kann: Die Actioncam von Garmin misst die Fahrtgeschwindigkeit, die Herzfrequenz und die Höhe. Ebenfalls zeichnet die Garmin Actioncam die G-Kräfte auf, welche auf den Sportler einwirken. Eine Besonderheit ist die Option, Puls-oder Trittsensoren über Funk anzuschließen – letzteres ist für Skifahrer jedoch eher un- interessant. Die Möglichkeit das Bild zu kontrollieren entfällt, denn Garmin verzichtet auf ein Display. Etwas klein fällt die Digitalanzeige auf der Oberseite aus: Nur ein Zoll ist zu wenig, um über den Aufnahmemodus informiert zu sein. Mit 150 Gramm gehört die VIRB XE zu den schwereren Modellen.
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A-rival aQtion Cam: Soviel wie bei manchem Mitbewerber das Zubehör, kostet die A-rival aQtion Cam. Bei ihr wählen die Nutzer den passenden Aufnahmemodus aus: Neben Nacht, bewölkt und Regen ist auch der Modus Schnee dabei. Im mp4 Format speichert die 59 Gramm leichte Actioncam die Filme ab. Dazu hat sie intern einen 512 MB großen Speicher oder greift auf die microSD Speicherkarte zurück. Wer sehen will wie spektakulär der eigene gedrehte Film ist, der sieht sich auf dem 1,5 Zoll TFT-Bildschirm das Werk an. Sogar mit Lautsprecher ist die A-rival aQtion Cam ausgerüstet, wobei die Tonqualität ausbaufähig ist. Eine gute Idee ist der Bewegungssensor. Wenn die Kamera entsprechend eingestellt ist, startet die Videoaufnahme automatisch. Mit dem umfangreichen Zubehör punktet die A-rival aQtion Cam bei allen preisbewussten Skifahrern.
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Panasonic HX-A1M: Da fehlt doch was?! Während beim Vorgängermodell HX-A500 noch ein Kabel an der Actioncam baumelte und die Kamera mit dem Aufnahme-gerät verband, kommt die Panasonic HX-A1M ohne Kabel aus. James Bond hätte seine Freude an dieser winzigen Actioncam: Sie hat einen Durchmesser von 2,6 Zentimeter und ist nur 8,3 Zentimeter lang. Fast eine Agentenkamera. Auch das Gewicht ist mit 45 Gramm denkbar gering. Mit nur drei Tasten kommt das System aus. Es fehlt bei diesem Winzling ein Dsiplay, doch hierfür gibt es eine schlaue Lösung: Über eine Gratis App lässt sich die Kamera mit dem Smartphone verbinden. So kann man live den späteren Skifilm ansehen. Im Mittelfeld ist der Akku, was seine Leistungsfähigkeit angeht. Eine Stunde und zehn Minuten liefert er Strom. Panasonic verspricht, dass der Zusatzakku für 80 Minuten Power bringt. Die HX-A1M filmt in Full-HD. Bei den meisten Actioncams sind aber 4K-Videos Standard. Trotzdem ist die Qualität beachtlich, der Ton könnte jedoch besser sein.
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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 05 / 2015

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