Alpine Punktlandung

Viel Kritik musste der Deutsche Olympische Sportbund für die magere Medaillen-Ausbeute seiner Athleten bei den Olympischen Spielen in Sotschi einstecken. Das alpine Team konnte aber zufrieden die Heimreise antreten. Es erfüllte exakt die Vorgabe von drei Medaillen

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© Head, Nordica/Pentaphoto, Atomic/Gepa

Wir haben unsere Zielvorgabe erreicht und wollten in den beiden Slaloms noch eine Zugabe. In den Slaloms sind wir dann zwei Mal Vierter geworden. Das hatte im ersten Moment natürlich einen bitteren Beigeschmack. Aber alle unser Sportlerinnen und Sportler haben sich gut verkauft und sind sehr sympathisch aufgetreten. Sie waren in jedem Wettbewerb, an dem sie teilgenommen haben, konkurrenzfähig. Unser Fazit lautet deshalb: Mit dem Erreichen der Vorgabe von drei Medaillen ist die Bilanz für uns in Ordnung“, analysierte Wolfgang Maier, Alpindirektor des DSV, die Leistung seines Teams.

Wieder einmal war es Maria Höfl-Riesch, die den größten Beitrag zu dieser positiven Bilanz leistete. Wie bei den letzten Großereignissen, den Olympischen Spielen 2010 sowie den Weltmeisterschaften 2011 und 2013, holte die 29-Jährige zwei Einzel-medaillen. Bei den Spielen in Sotschi triumphierte die Garmisch-Partenkirchnerin in der Super-Kombination und legte mit Silber im Super-G noch eine Medaille nach. Die dritte Medaille für den DSV fuhr Viktoria Rebensburg ein. Die Olympiasiegerin im Riesenslalom von 2010 sicherte sich vier Jahre später in dieser Disziplin Bronze. Mit ihren vierten Plätzen in den Slalom-Bewerben verpassten Maria Höfl-Riesch und Fritz Dopfer eine Medaille nur knapp.

„Maria Höfl-Riesch und Viktoria Rebensburg haben unsere Erwartungen voll erfüllt, vor allem wenn man auch die Vorgeschichte von Viktoria Rebensburg mit der langen Krankheit und der geringen Rennpraxis in der bisherigen Saison bedenkt. Fritz Dopfer hat unsere Erwartungen ebenfalls erfüllt. Bei Felix Neureuther waren nach den Vorleistungen speziell im Januar die Erwartungen allgemein sehr hoch. Er hatte bei den Männern das höchste Potenzial, eine Medaille gewinnen zu können. Dass er im Slalom ausgeschieden ist, schmerzt das gesamte Team“, weiß Wolfgang Maier.

Paradedisziplin Super-Kombi

Das einzige Alpin-Gold für Deutschland gab es bereits am 10. Februar in der Super-Kombination zu feiern: Nach der Abfahrt noch auf dem fünften Platz, nahm Maria Höfl-Riesch den Mitkonkurrentinnen um Gold mit drittbester Laufzeit im Slalom die entscheidenden Zehntelsekunden ab. Im Ziel hatte sie respektable vier Zehntel Vorsprung vor der Österreicherin Nicole Hosp. Die Super-Kombination wurde damit endgültig zu ihrer Paradedisziplin bei Großereignissen. Höfl-Riesch stand bereits bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver in dieser Disziplin ganz oben am Podium. Und auch bei der Weltmeisterschaft 2013 in Schladming ließ sie alle anderen Läuferinnen hinter sich. Im Super-G lag Höfl-Riesch bei den Spielen in Sotschi ebenfalls bis zuletzt auf Goldkurs. Platz eins vergab die 29-Jährige mit einem schweren Fehler im Schlussteil.

Dem Erfolg entsprechend zufrieden kehrte Maria Höfl-Riesch aus Sotschi zurück. „Der vierte Platz zuletzt beim Slalom war zwar etwas ärgerlich, aber insgesamt kann ich mehr als zufrieden sein: Gold und Silber bei Olympia, nachdem ich in Vancouver schon zwei Goldene geholt hatte. Damit habe ich mir all meine Träume erfüllt“, freute sich die Athletin, die auch gerne an ihre ehrenvolle Aufgabe als Fahnenträgerin zurückdenkt: „Der Einmarsch bei der Eröffnung als Fahnenträgerin war einfach unbeschreiblich. Gänsehautgefühl. Dann meine zwei Medaillen und jeweils die Siegerehrung abends auf der Medals Plaza. Das sind unvergessliche Momente. In der Abfahrt wäre ich gern weiter vorn gelandet, aber es war nicht mein Tag. Ich hatte Schwierigkeiten mit der Piste, dazu die hohen Temperaturen und der weiche Schnee. Aber wie gesagt: Mit Gold und Silber in der Tasche kann ich mich nicht beklagen.“

Gelungenes Comeback

Für Viktoria Rebensburg verlief die Weltcup-Saison bisher alles andere als nach Wunsch. Nur einmal, beim Auftakt-Riesenslalom in Sölden, stand die Kreutherin am Podium. Im Dezember setzte sie eine Lungenentzündung außer Gefecht, eine lange Rennpause war die Folge. Dennoch fuhr die 24-jährige selbstbewusst und mit dem Ziel, eine Medaille zu holen, nach Sotschi. Mit Platz neun im Super-G tankte Rebensburg Selbstvertrauen für ihr großes Rennen am 18. Februar. Bei äußerst schwierigen Bedingungen an der Grenze zur Irregularität belegte sie nach dem ersten Lauf mit 1,36 Sekunden Rückstand auf die zur Halbzeit Führende und spätere Olympiasiegerin Tina Maze aus Slowenien den sechsten Rang. Im zweiten Lauf zeigte Rebensburg mit der besten Zeit ihre besondere Klasse. Letztendlich fehlten ihr 27 Hundertstelsekunden auf Gold – aber auch die Viertplatzierte Nadia Fanchini aus Italien lag nur elf Hundertstelsekunden hinter ihr. „Ich war nach dem ersten Lauf relativ weit hinten, habe aber gewusst, dass mit einem guten Lauf noch etwas nach vorne geht. Dass es für eine Medaille um eine Zehntel gereicht hat, dafür bin ich sehr dankbar. Ich freue mich extrem“, erklärte Rebensburg überglücklich im Ziel.

Kein Speed bei den Herren …

Bei den Herren bestand das Sotschi-Team des DSV aus Felix Neureuther, Fritz Dopfer und Stefan Luitz. Allesamt Techniker, weshalb Deutschland bei den Speed-Bewerben Abfahrt und Super-G und auch in der Super-Kombination keine Athleten am Start hatte. Felix Neureuther galt nach seinen starken Auftritten im Weltcup als die große Medaillen-Hoffnung. Doch Sotschi 2014 brachte dem Garmisch-Partenkirchner kein Glück. Auf der Fahrt zum Flughafen München verunfallte der 29-Jährige. Er zog sich ein Schleudertrauma und Rippenprellungen zu und konnte erst mit Verspätung die Reise nach Russland antreten. Dennoch schlug sich Neureuther beim Riesenslalom mit Platz acht beachtlich. Im Slalom nahm er nach Durchgang eins den für eine Medaille noch immer aussichtsreichen siebten Platz ein. Im zweiten Lauf war dann bereits nach der Hälfte Schluss – Neureuther fädelte ein, gab sich aber wenig später via Facebook schon wieder kämpferisch: „Sportler sein ist mein Traumjob. Doch Freude und Leid liegen manchmal sehr nahe beinander. Ich habe heute alles gegeben. Danke für Eure tolle Unterstützung, Ihr seid die Besten! Batman returns.“

Knapp an einer Medaille vorbei schrammte Fritz Dopfer. Bei seinem vierten Platz im Slalom fehlten ihm nur fünf Hundertstelsekunden auf die Bronze-Medaille. Im Riesenslalom musste er sich mit Platz zwölf zufrieden geben. Pech hatte auch Stefan Luitz. Beim Riesenslalom hätte er nach dem ersten Lauf hinter dem späteren Olympiasieger Ted Ligety und klar vor dem Rest der Welt den zweiten Platz eingenommen. Hätte … wäre nicht das letzte Tor im Weg gestanden. Ein Fehler, der in einem Riesenslalom selten passiert und nach dem sich Luitz selbst mit einem wenig schmeichelhaften „Vollidiot“ bedachte. Im Slalom schied Luitz nach Platz 14 im ersten Lauf im zweiten Durchgang aus.

Top oder Flop?

Wer waren neben den deutschen Olympioniken die Stars, wer die Verlierer im alpinen Lager? Mit zwei Mal Gold in Abfahrt und Riesenslalom trug sich Tina Maze in die Ergebnislisten ein. Die Slowenin, die völlig verkorkst in die Saison startete, kürte sich damit zur erfolgreichsten alpinen Teilnehmerin dieser Spiele. Ebenfalls über zwei Mal Edelmetall jubelten der Norweger Kjetil Jansrud mit Gold im Super-G und Bronze in der Abfahrt, der Italiener Christof Innerhofer mit Silber in der Abfahrt und Bronze in der Super-Kombination sowie die beiden Österreicherinnen Anna Fenninger mit Gold im Super-G und Silber im Riesenslalom und Nicole Hosp mit Silber in der Super-Kombination und Bronze im Super-G. Ihrer Favoritenrolle gerecht und Olympiasieger wurden die US-Amerikaner Ted Ligety im Riesenslalom und Mikaela Shiffrin im Slalom. Für Überraschungen sorgten der Österreicher Matthias Mayer mit Olympia-Gold in der Abfahrt und der Schweizer Sandro Viletta mit Gold in der Super-Kombination. Österreich, Nummer eins im alpinen Medaillenranking, durfte sich zum Abschluss der alpinen Bewerbe noch über einen grandiosen Doppelsieg im Slalom durch Mario Matt, dem damit ältesten alpinen Olympiasieger aller Zeiten, und Marcel Hirscher, der seine erste Olympia-Medaille holte, freuen.

Enttäuscht musste vor allem Aksel Lund Svindal die Heimreise antreten. Der Norweger galt als großer Favorit in den schnellen Disziplinen, kam aber über Platz vier in der Abfahrt nicht hinaus. Svindal kämpfte während der Spiele mit einer Allergie, musste mit Spritzen behandelt werden und war nie im Vollbesitz seiner Kräfte.

Positive Überraschung

Welche Medaille gibt es für die Olympischen Spiele Sotschi 2014 selbst, die vor dem Start heftig in der Kritik standen? Die Organisatoren vor Ort dürften schnell einen Stimmungsumschwung geschafft und Gold verdient haben. „Die Stimmung bei den Spielen war sehr gut. Es waren sehr gute Spiele. Alles war weit besser, als wir vorher gedacht haben. Die Organisation, die Wettkämpfe, die Pisten – das war alles sehr gut. Auch die interne Zusammenarbeit im Team und mit dem DOSB hat sehr gut funktioniert“, berichtet Wolfgang Maier. Auch Maria Höfl-Riesch kann dieser Beurteilung aus Sicht einer Sportlerin nur zustimmen: „Ich war die meiste Zeit im Olympischen Dorf. Dort war die Stimmung super. Auch bei den Rennen. Die Russen haben alles sehr gut organisiert. Im Vorfeld haben ja viele schwarzgemalt, dabei waren es wirklich tolle Olympische Spiele.“

Nach den Olympischen Spielen blieb für die Athletinnen und Athleten nur wenig Zeit zur Erholung. Bereits am ersten März-Wochenende standen wieder Weltcup-Rennen auf dem Programm. Mit dem großen Finale in Lenzerheide in der Schweiz endet Mitte März die Weltcup-Saison. Maria Höfl-Riesch kämpft noch um den Gesamt-Weltcup und um die Disziplinenwertung in der Abfahrt. „Beim Weltcup geht es ja auch noch um etwas. Ich führe in der Gesamtwertung und auch meine Chancen beim Kampf um die kleine Kristallkugel in der Abfahrt stehen nicht schlecht“, hat die 29-Jährige noch große Ziele in dieser Saison. Darauf legt auch Wolfgang Maier seinen Fokus: „Maria Höfl-Riesch hat die Möglichkeit, den Gesamt-Weltcup zu holen. Das ist das große Ziel für die restliche Weltcup-Saison. Und dabei wollen wir ihr so gut es geht helfen.“ Dr. Christian Huber

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 03 / 2014

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