Das Allgäu zeigt Hörner

Die Hörnergruppe ist eine Gipfelgruppe der Allgäuer Alpen in 1.787 Metern Höhe. Mit 28 Liften, 85 Pistenkilometern und niedrigen Preisen eines der beliebtesten Skigebiete Deutschlands für Anfänger und für Könner. Auch Weltcup-Rennen finden immer wieder im schneereichen Eck bei Oberstdorf statt

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Text Monika Neiheisser Bild TVB, Allgäuer Berghof

Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg gewinnt 2012 den Riesenslalom beim Weltcup in Ofterschwang bei super Schneeverhältnissen trotz frühlingshafter Temperaturen. DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier ist begeistert von der Arbeit der Pisten-Leute, ohne die der Weltcup im Allgäu nicht möglich wäre. Seit 2010 werden mehr als die Hälfte der Pisten technisch beschneit, mit Talabfahrten wie sonst nirgendwo in Deutschland. So ist das Skigebiet Hörnerdörfer im südlichsten Eck Deutschlands, kurz Hödö genannt, von Dezember bis Mai zu einem schneesicheren Skigebiet geworden – doch es hat bereits seit langem Weltcup- und Olympia-geschichte geschrieben: Ossi Reichert, Deutschlands erste Ski-Olympiasiegerin der Nachkriegszeit, holte 1956 Gold im Riesenslalom bei den Olympischen Spielen in Cortina d’Ampezzo und bereits 1952 Silber beim Slalom in Oslo. Die Allgäuer Ski-Legende trainierte in den Bergen der Hörnergruppe nördlich von Oberstdorf und Kleinwalsertal im Oberallgäu schon im Alter von drei Jahren. Die Hauptgipfel Ofterschwanger Horn, Bolsterlanger Horn, Rangiswanger Horn und Riedberger Horn, mit 1.787 m das höchste dieser Gruppe, gaben der Berggruppe in den Allgäuer Alpen ihren Namen. Und Ossi Reichert war Namensgeberin für den ersten Skilift, der in den Sechzigern vorm Allgäuer Berghof, ihrem Zuhause, gebaut wurde. Mutter Rosl Reichert pachtete 1926 den heutigen Berghof als Alpe Eck für ihr Jungvieh. Durch ihre Gastfreundschaft und die exponierte Lage auf 1.160 Meter Höhe unterhalb des Ofterschwanger Horns mit 1.406 Meter wird die Alpe bald zum beliebten Berggasthaus mit Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeiten für Tourenskigänger. Wenige Jahre später wird Rosl Reichert stolze Besitzerin der Alpe, und eine bis heute andauernde Odysee an Um- und Anbauten, um der ständig steigenden Gästezahl gerecht zu werden, beginnt. Mit der Anzahl der Betten steigt auch der Komfort, und das Gästeangebot wird jährlich erweitert.

Fokus auf Familien

Genervt von Hotelurlauben mit ihren eigenen Kindern, initiiert 1993 Familie Reichert-Neusch, die den Allgäuer Berghof in dritter Generation führt, die familienfreundliche Hotelkooperation „Familotel“. Ein Meilenstein in der Hotelgeschichte der ehemaligen Alpe ist gelegt. Heute, zwanzig Jahre später, ist der Allgäuer Berghof eine Adresse für Familien, die wirklich entspannt Urlaub machen wollen. Denn Margit, Hannes und Sohn Christian Neusch und ihre 55 kinderfreundlichen Mitarbeiter wissen, was Familien mit Kindern vom Babyalter bis zum Jugendlichen brauchen. Sie sorgen mit Herz und Seele für ihr Wohlbefinden, ganz nach dem Motto: „Sind die Kinder entspannt, geht es den Eltern gut.“ Ob Murmelbahn in der Sauna des Familien-Spa, kostenloser Kindertrinkbrunnen oder der Dampfloktisch, auf dem das Buffet in kindgerechter Höhe im Kinderrestaurant angerichtet ist: Familie Neusch gehen die Ideen nicht aus. Der Nachwuchs kann schon ab dem Babyalter in Kleingruppen betreut werden, während sich Jugendliche zum Tisch-Kicker, Airhockey oder Cocktailkurs treffen. Erwachsene freuen sich hingegen darüber, beim entspannenden Schaumbad auf dem im Spiegel des Badezimmers integrierten Flat-Screens, einen Krimi zu sehen und sich dann im Ölbett, ähnlich einem Wasserbett, zum erholsamen Schlaf zu betten.

Doch verschlafen sollte man seinen Urlaub hier sicher nicht. Denn schließlich liegt der Berghof mitten in einem der beliebtesten, schneesichersten Skigebiete Deutschlands, mit traumhafter Aussicht auf die Allgäuer Alpen. Kleine Skihasen können direkt vor der Haustüre ihre ersten Schwünge am Ofterschwanger Horn ziehen, so wie einst Ossi Reichert. Heute stehen den Kids ab drei Jahren jedoch in der hauseigenen Kinderskischule zwei Seillifte und ein Förderband zur Verfügung, sowie Lehrer die nicht müde werden „Pizza“ beim Pflug Fahren zu rufen und Maskotchen Zimi, das animiert und über jedes Wehwehchen hinweg hilft. Die Eltern können von der Sonnenterrasse des Hotels ihren Nachwuchs beobachten oder selbst auf den 78 Pistenkilometern carven. Der Hörnerskipass ermöglicht Skifahren in fünf Skigebieten der Hörnerdörfer Balderschwang, Bolsterlang, Grasgehren-Riedbergerhorn, Ofterschwang-Gunzesried und Fischen.

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Nach dem Rennen? Schlemmen!

Von der Sonnenterrasse aus gelangt man direkt ins Skigebiet Ofterschwang-Gunzesried zum Ossi-Reichert-Lift, dem Zubringer zur modernen Vierergondel Weltcup-Express. Sieben Abfahrten in verschiedenen Schwierigkeitsgraden gehören zum Skigebiet. Davon sind vier Kilometer schwarz (schwer), neun Kilometer rot (mittel) und fünf Kilometer blau (leicht). Besonders beliebt ist die lange Talabfahrt über die 3,8 Kilometer lange Märchenwiese, die komplett technisch beschneit ist. Diese Piste führt auf sanft gewellten, weitläufigen Hängen durch eindrucksvolle Landschaft in den Talort Gunzesried. Viel Schwung braucht man jedoch im letzten Drittel der Strecke, will man sich das mühsame Vorwärtsschieben über einen langen Ziehweg ersparen.

Größere Herausforderungen sind die Jägerabfahrt und die Weltcupstrecke. Der Weltcup-Express, ein hochmoderner Viersessel-lift, bringt 1.830 Personen pro Stunde in sechs Minuten zum Startpunkt der Damen FIS-Weltcupstrecke. Dort, wo seit Jahren die Alpin-Damen ihre Weltcup-rennen bestreiten, finden Carver auf einer Länge von 1.800 Metern eine besondere Herausforderung.

Doch was zählt der schnellste Pistenschwung gegen einen guten Einkehrschwung? Zahlreiche Berghütten und gemütliche Gaststuben liegen am Pistenrand. Ob herzhafter Allgäuer Käse, deftige Mehlspeise oder hausgemachter Kuchen, das leibliche Wohl der Gäste liegt den Hüttenwirten am Herzen. Den karamellisierten Kaiserschmarrn kann man sich guten Gewissens nach der erfolgreichen Abfahrt von der Weltcup-Piste schmecken lassen. Der wird in der urigen Wurzelhütte am Fuß der Piste, die eine große Baumwurzel am Deckenzentrum schmückt, serviert. Rennfahrerlegenden hingegen haben sich in der rustikalen Weltcup-Hütte, die einen Logenplatz auf 1.300 Metern einnimmt, verewigt. Unzählige Bilder an den Wänden erzählen die Geschichte der Alpinen Skiweltcups. Gemütlich in der Sonne lümmeln lässt es sich auch in der Hochbichlhütte, 300 Meter unterhalb der Bergstation Weltcup-Express. Besitzer Erwin Hiller sammelt alte Ledersofas, die die Gäste dazu einladen die Füße hochzulegen.

Will man frisch entspannt und gestärkt auf Entdeckungstour der fünf Skigebiete gehen, steigt man in einen der kosten-losen Skibusse, die über den Riedbergpass, den höchsten Pass Deutschlands, zwischen den Skigebieten pendeln. Ein Bus bedient Ofterschwang und Bolsterlang, ein weiterer die Skigebiete Obermaiselstein, Grasgehren und Balderschwang. Zehn Minuten dauert die Fahrt ins Nachbarskigebiet Bolsterlang. Auch hier wird Weltcup-Geschichte geschrieben. Die einzige FIS-Herrenabfahrt im Allgäu beginnt beim Weiherkopf in 1.665 Meter Höhe. 800 Meter Höhendifferenz sind bei der 3.100 Meter langen Abfahrt zu überwinden, davon etwa die Hälfte auf schwarzer Piste. Wer sich nicht gleich in Weltcup-Terrain wagt, der kann auch auf blauer oder roter Piste vom Weiherkopf abfahren. Ebenfalls bietet das Bolsterlanger Horn eine Vielfalt von Pisten in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, insgesamt gibt es 12 markierte Abfahrten mit 17 Kilometer Länge. Die bekannte Hörnerbahn mit seinen 6er-Kabinen sorgt für zügigen Transport mit nur kurzen Wartezeiten.

Einmalige Ski-X-Möglichkeit

Den Skinachwuchs zieht es weg von Skipisten, rein in die Funparks. Drei Spielplätze für Freestyler sind im Skiverbund Hörnerdörfer zu finden. Besonders im Skigebiet Grasgehren kommen Fans von Jumps, Kickers und Rails im Funpark „Allgäu Outlet Grasgehren“ auf ihre Kosten. Sobald es die Schneeverhältnisse zulassen werden die Ostacles an den Grasgehrenliften drei und vier aufwändig präpariert. Ein weiterer Hotspot ist die 1.200 Meter lange Ski- und Boardercross-Strecke an der Bolgengrat-Sesselbahn. Seit Jahren ist Grasgehren das deutsche Revier für Ski- und Boardercross. Auch diese Saison findet wieder der FIS Ski-Cross statt, denn das Gelände ist mit vielen Naturwellen optimal zum Crossen geeignet. Trotzdem muss die Strecke noch mit viel Aufwand präpariert werden, bis Doppelwellen und Cornerjumps einen gut positionierten Absprung und eine optimale Landung ermöglichen. Und das Beste daran: Jeder kann in die junge Sportart Ski- oder Boardercross, die seit 2010 olympisch ist, schnuppern, denn die WM-Ski-Cross-Strecke ist die ganze Saison für jedermann geöffnet. Das ist einmalig in Deutschland!

Das Skigebiet Fischen mit seinen zwei Dorf-Schleppliften ist klein und übersichtlich und darum besonders für Familien und Anfänger geeignet. Trotzdem trumpft das Dorf mit Schneesicherheit, denn die Pisten können beschneit werden. Balderschwang ist das größte der fünf Skigebiete im Skiverbund und durch seine Lage der schnee-sicherste Ort Deutschlands, deshalb wird es auch gerne „Kleinsibirien“ genannt. Mit 30 Pistenkilometern und 11 Liftanlagen im Hochschelpen- und Riedberghorngebiet ist es beliebt bei Familien, denn jeder kann nach seinem Können fahren. Und wer einmal die Piste wie beim Weltcup runterrasen will, der ist auf der WISBI-Strecke genau richtig. Hier wird die Zeit gemessen und es darf um Sekundenbruchteile gefeilscht werden. Und wer weiß, vielleicht entpuppt sich da manch unentdecktes Talent, so dass die Hörnerdörfer auch in Zukunft ihre Olympiageschichte weiterschreiben können. <<<

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