Feldberg: Auf geht’s, zum Kuckuck!

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an den Schwarzwald denken? Kuckucksuhren? Dunkle Wälder? Dann wird es Zeit, einmal eine ganz andere Seite der Region zu entdecken

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Text Florian Tausch Text HTG/Achim Mende

Kurze Frage: In welchem Skigebiet rauscht man eine Weltcup-Strecke hinab und lässt sich dann von einer Gruppe hilfsbereiter Pisten-Ambassadors zu einer Hütte führen, die über einen meterlangen Racelette-Grill verfügt? Das kann doch eigentlich nur … in der Schweiz? … Ach nein, diese Ambassadors gibt es doch nur in Nordamerika …? Auf jeden Fall irgendein hochalpines Renommiergebiet. Oder? Falsch. Falsch. Nochmal falsch. Die Geschichte spielt im südwestlichen Teil Deutschlands. In der Skiregion Feldberg, im Schwarzwald. Überrascht? Da sind sie nicht alleine.

„Du fährst zum Skifahren in den Schwarzwald?“ lautete hinsichtlich meiner Reisepläne eine häufig mit leicht ungläubigem Ton vorgetragene Reaktion von Bekannten, die mich im Geiste wohl eher zwischen Kitzbühel, St. Moritz und Aspen verortet hätten. „Nun“, lautete meine Antwort. „Ich fahre in die Wiege des Wintersports. An den Ort, in dem bereits 1891 der erste Skiclub seines Landes gegründet wurde. Die Heimat von Weltmeistern und Olympiasiegern.“

„Also geht es doch an den Arlberg!“ „Pah, da mussten die Arlberger doch noch zehn Jahre auf ihren Skiclub warten. Nein, ich fahre an den Feldberg!“

Tolle Vergünstigungen

Klar. Ein deutsches Mittelgebirge rangiert bei vielen Skifans außerhalb des Einzugsbereichs in der Wahrnehmung nicht an oberster Stelle. Aber vielleicht ist es genau dieser Umstand, der dazu führt, dass man am Feldberg neue Wege beschreitet und alles ein bisschen – und manches auch: sehr viel – besser macht. Volker Haselbacher, stellvertretender Geschäftsführer der Hochschwarzwald Tourismus GmbH und verantwortlich für den Wintersport, kann jedenfalls zufrieden auf den Berg schauen. „Natürlich fahren viele Skifans aus Süddeutschland in die Schweiz, aber das sind inzwischen weniger als noch vor ein paar Jahren“, sagt er. „Stattdessen kommen immer mehr Schweizer zum Skifahren extra zu uns.“ Das Preisgefälle spielt da natürlich eine Rolle, aber kein Schweizer würde an den Feldberg fahren, wenn dort das Angebot nicht stimmen würde. Dass es stimmt, dafür sorgt Volker Haselbacher mit seinem Team. Sein größter Clou: die im Dezember 2010 eingeführte Hochschwarzwald Card.

Viele Destinationen bieten ihren Kunden Vorteilskarten an, doch wohl kaum eine hat es derart in sich wie diese. Sie ist der Gratis-Schlüssel zu über fünfzig attraktiven Leistungen, vom öffentlichen Nahverkehr über Bäder, Museen und Freizeitparks bis hin zum Golfplatz. Aus unserer Sicht natürlich das schönste Schmankerl: Die Karte ist ebenfalls Gratis-Skipass für den Liftverbund Feldberg – und das an jedem Urlaubstag. Das Wunderding selber kostet ebenfalls nichts – die Hochschwarzwald Card bekommt automatisch jeder, der mindestens zwei Übernachtungen in einer der teilnehmenden Unterkünfte verbringt. Und wer nun glaubt, hier einen Haken an der Sache zu entdecken, der wird enttäuscht: Mit knapp 250 teilnehmenden Betrieben vom Campingplatz über die Ferienwohnung bis zum Sternehotel ist die Auswahl alles andere als ein elitärer, teurer Zirkel. Und: Die Unterkünfte unterscheiden sich im Vergleich zu nicht-teilnehmenden Betrieben nicht im Preisgefüge – der Mehrwert wird also nicht einfach auf den Zimmerpreis aufgeschlagen. Alles in allem also ein hochattraktives Angebot vor allem für Familien, aber eigentlich für jeden, der die Grund-rechenarten beherrscht.

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Unterwegs mit Gelben Engeln

Doch schon lange vor dem Karten-Programm wurden am Feldberg Ideen umgesetzt, die das Gebiet von anderen unterscheiden. Mit einer dieser „Ideen“ bin ich heute unterwegs. Es sind Info-Scouts, oder auch – der Farbe ihrer Kleidung entsprechend – „Gelbe Engel“ genannt.

Dieses Konzept der nordamerikanischen „Ambassadors“ findet man in keinem noch so luxuriösen Alpen-Gebiet, aber mittlerweile seit über zehn Jahren sehr erfolgreich am Feldberg. „Wir sind für jeden Skifahrer Ansprechpartner“, erklärt mir Heiderose Pfrengle, selber eine der freiwilligen Helfer. Insgesamt 35 Scouts umfasst die Gruppe, wobei immer fünf irgendwo am Berg unterwegs sind. Diese geben Informationen zur Region, zum Wetter, den Liftkarten und den besten Pisten. Sie sind im Beschwerdemanagement geschult und helfen, wenn Kinder ihre Eltern verloren haben oder ein Unfall passiert ist. Und sie weisen eben auch den Weg zum Riesen-Raclette in der etwas versteckt liegenden Auerhahn-Hütte …

Up in the Air!

Vor der Stärkung steht aber erst einmal der Sport auf dem Programm. Doch bevor ich Pisten hinabschwinge gilt es, noch ein Abenteuer zu absolvieren: Direkt oben auf dem Hochplateau des Feldbergs bietet Chris Volk mit seiner Kiteschule Skywalker Snowkite-Unterricht an. Nach einer theoretischen Einweisung an der Hütte der Talstation des Seebuck-Lifts fahren wir hinauf auf die ausgedehnte Fläche des Feldbergs mit seinem charakteristischen Turm. Es windet stark und böig. Nicht die besten Voraussetzungen für einen Anfänger, aber ich werde trotzdem – noch ohne Ski – in einen ersten Übungsschirm eingeklinkt. Obwohl dieser wesentlich kleiner ist als richtige Kite-Schirme, spürt man schon die enorme Kraft, die der Wind hat – und es ist ein großartiges Gefühl, das am Himmel zappelnde Segel doch nach und nach zu beherrschen. „Super“, ruft mir Chris zu, und zieht schon ein „richtiges“ Modell hervor. Nach einiger Zeit fühle ich mich auch damit sicher, kann das Gefährt im Wind „parken“ oder kontrolliert hin und her steuern. „Jetzt versuchen wir das Ganze mit Skiern“, sagt Chris – eine Sekunde bevor eine mächtige Böe über den Feldberg fegt. Mit einem Ruck reißt mich der Schirm hoch und ich lande einige Meter weiter kopfüber im Schnee. Leichte Benommenheit. Die Schulter schmerzt. Mit dem Kurs kann es leider nicht weitergehen. Heute zumindest – denn die Sache hat trotz des unsanften Endes so viel Spaß gemacht, dass ich es auf jeden Fall noch einmal probieren möchte.

Zum Glück erweist sich die schmerzende Schulter beim Skifahren nicht als besonders hinderlich, und so machen wir uns daran, die Pisten des Gebiets zu erkunden. Dieses teilt sich in zwei Seiten: Seebuck, mit dem Feldberg, und die größere Grafenmatt-Seite. Trotz einiger roter Pisten gilt die Seebuck-Seite vor allem als Einstiegspunkt. Die grünen Anfängerareale finden sich hier und auch der Funpark hat seinen Platz zwischen den beiden Liften zum Seebuck hinauf gefunden. Viele Fahrer zieht es jedoch schnell über eine Skibrücke nach Grafenmatt, wo man ein für die relativ geringe Größe sehr abwechslungsreiches Repertoire an Skimöglichkeiten findet. Im hinteren Teil befinden sich hier die längeren und schwierigeren Strecken des Gebiets, und doch sollte man die beiden vorne, etwas im Abseits liegenden Zellerlifte auf keinen Fall verpassen. Die beiden Schlepper führen auf einen sehr variantenreichen Hang mit zwei anspruchsvollen roten Pisten.

Im Anschluss hangele ich mich mit meinen „Engeln“ über den Berg. Grafenmattlifte. Silberwiesenlifte (die schöne, rote und schwarze Pisten erschließen). Dann die Rothausbahn. Der moderne Vierersessel ist der meistgenutzte Lift auf der Grafenmatt-Seite und erschließt zum einen die längste Abfahrt des Gebiets, zum anderen auch die schwierigsten Passagen, die sich hier finden lassen. Zwar geht es auch hier „rot“ und „blau“ hinab, die vorherrschende Farbe ist jedoch Schwarz. Und wer oben rechterhand abfährt, gelangt zudem zum hintersten Lift der Region, der FIS Weltcupabfahrt. Hier wechseln sich immer wieder Abschnitte mit mäßigem Gefälle mit Steilhang-Passagen ab, die selbst sehr gute Skifahrer richtig fordern.

Auffällig im ganzen Gebiet ist die gute Pistenpräparierung, und so kommt es nicht von ungefähr, dass das Wintersportzentrum Feldberg zum wiederholten Mal das Pistengütesiegel des Deutschen Skiverbandes erhalten hat. So kann es einem also ergehen, selbst wenn man „nur“ in ein Mittelgebirge fährt: Man wird rundum versorgt, von Engeln begleitet, hebt in die Lüfte ab (und schlägt hart auf) und kann am Ende auch noch richtig gut in einem abwechslungsreichen Gebiet Ski fahren. Da die Region mit Angeboten wie Schneeschuh-Wanderungen, Badethermen und kulinarischen Genüssen darüber hinaus auch dann noch jede Menge zu bieten hat, wenn das Material längst im Skikeller übernachtet, macht den Aufenthalt nur noch angenehmer. Also von wegen Kuckucksuhren! Dunkle Wälder! Hier wartet ein richtig guter Skiurlaub auf Sie! <<<

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