Ortler Skiarena: Wo die Berge die Show machen

15 Skigebiete, 1 Skipass – das ist die Ortler Skiarena. Zwischen mächtigen Bergriesen und urigen Bauerndörfern breiten sich Traumpisten aus. Ein Volltreffer für jene, die es lieber sportlich statt szenig, lieber gemütlich statt glamourös mögen

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Text Brigitte von Imhof Bild Südtirol Marketing/Alex Filz, MGM/Frieder Blickle

Wer das Gefühl, von Königen umgeben zu sein, nicht kennen sollte, dem sei versichert: Es ist ein sehr erhebendes Gefühl. Hoch über mir thront in majestätischer Schönheit und eisiger Pracht König Ortler, mit 3.905 Metern höchster Berg Südtirols. Und vor mir her wedelt König Gustav. Nein, nicht der von Schweden, sondern Gustav Thöni, einer der erfolgreichsten Skirennläufer aller Zeiten. Er hat es nicht nötig, den Tempobolzer heraus hängen zu lassen, sondern cruist in weiten Schwüngen über die breiten Genusshänge unterhalb des Madritschjochs – und wiegt Skifahrer wie mich für wenige süße Momente in dem ­Glauben, sie spielten in einer ähnlichen Liga wie er.

Die Pisten von Sulden sind sozusagen das weiße Wohnzimmer des mehrfachen Weltmeisters und Olympiasiegers, der im benachbarten Trafoi am Stilfserjoch zuhause ist und dort das Hotel „Schöne Aussicht“ betreibt. Nun, mittlerweile machen das in erster Linie seine Frau Ingrid und Tochter Petra. Obwohl – oder gerade weil – Gustav Thöni die Skigebiete der Welt kennt, weiß er die Vorzüge seiner Heimat-Skigebiete zu schätzen: Ski-Genuss ohne Stau und Gedränge, Schneesicherheit durch die Höhenlage, mehr Sonnenschein als sonst wo in den Alpen, Hüttenzauber ohne Ballermann-Flair und eine intakte Bergnatur. Das gilt aber nicht nur für Sulden und Trafoi, sondern für alle 15 Skigebiete, die im Skiverbund Ortler Skiarena zusammengeschlossen sind. Sie erstrecken sich von Sterzing und Bozen nach Westen hin über das gesamte Vinschgau bis zum Reschenpass an der österreichischen Grenze. Selbst ein schweizerisches Skigebiet gehört zur Ortler-Familie. Der überregionale Skipass ist der Schlüssel zu einer riesigen weißen Spielwiese mit insgesamt 320 Kilometern Piste. Die mehr oder weniger prominenten Skigebiete sprechen ein Publikum an, die Bergidyll und Bauernstuben lautem Ballermann-Treiben vorziehen.

Rundblicke von der höchst gelegenen Open-Air-Sauna der Welt

Die vier Skigebiete, die sich im Westen der Ortler Skiarena am Reschenpass rund um den Reschensee (der mit dem berühmten Kirchturm) gruppieren, lassen sich von Deutschland aus schnell erreichen: Schöneben ist ein Geheimtipp für sportliche Skifahrer. Sieben Lifte erschließen ein weitläufiges Terrain mit rasanten Pisten und grenzenlosen Tiefschneemöglichkeiten zum Auspowern. Der zugefrorene Reschensee (aus dem der berühmte Kirchturm herausragt) ist ein Dorado für Eissegler und Kiter. Auf der sonnenexponierten Haider Alm und in Watles haben vor allem Familien mit Kindern Vorfahrt. In sonnigen Höhenlagen bis zu 2.700 Meter breiten sich Genusspisten aus. Für die Betreuung und Unterhaltung der Kleinen steht eine mustergültige Infrastruktur bereit. Im Ort Schlining hat sich die Biathlonszene etabliert. Man kann den Profis zusehen oder selbst in deren Spuren seine Runden drehen. Wer seinen Skiurlaub in die totale Abgeschiedenheit verlegen will, findet in Maseben das geeignete Refugium. Im schneesicheren Backcountry fühlen sich Freerider, Skitourengeher und Langläufer wohl. Sie gleiten in schneesicherem Gelände durch eine unberührte Bergnatur. Das Skigebiet ist klein, belohnt aber mit einem Traumpanorama und besten Schneeverhältnissen bis Mitte April.

Mit Minschuns hat die Ortler Skiarena auch ein Schweizer Familienmitglied. Zu den Pisten in dieser sonnigen Ferienecke Graubündens am Ofenpass gelangen sie ohne Wartezeiten. Carver können es ebenso krachen lassen wie Powderfreaks. Park-Fans finden sich im Funpark zum szenigen Get-together. Kultur gefällig? Das Kloster Müstair, das zum Unesco Kulturerbe zählt, ist ganz in der Nähe.

Beschaulich, sympathisch und preiswert – das ist das Bergdorf Trafoi mitten im Nationalpark Stilfserjoch, der Geburts- und Wohnort von Gustav Thöni. Familien ziehen auf den sanften Hängen ihre Schwünge. Für Individualisten ist Trafoi der Ausgangspunkt für herrliche Skitourenerlebnisse. Im Winter ist das Stilfser Joch gesperrt und Trafoi wird zur schönsten Sackgasse der Alpen.

Sulden ist das prominenteste Aushängeschild im Ortler-Skiarena-Verbund. Über dem 1.900 Meter hoch gelegenen traditionsreichen Bergsteigerort thront der mächtige Ortler. Die exzellenten Pisten und Tourenreviere von Sulden locken auch Größen aus Show, Politik und Wirtschaft an, die hier im Paparazzi-freien Pulverschnee schwelgen können.

Auf kein Skigebiet trifft der Beiname „klein, aber fein“ besser zu als auf die Pisten des versteckten romantischen Vigiljoch. Fans von Designhotels ist das Vigilius Mountain Resort (5 Sterne) von Stararchitekt Matteo Thun längst ein Begriff. Design, Nostalgie und ein umwerfendes Bergpanorama machen das Vigiljoch (übrigens ein neues Mitglied im Skiarena-Verbund) zu einem Juwel.

Der Schnalstaler Gletscher hat sich als Ganzjahresskigebiet unter Skifahrern aus aller Herren Länder einen Namen gemacht. Die rassigen Pisten rund um den Hochjochferner werden gern auch von zahlreichen Skinationalmannschaften zum Training genützt. Skifahrer genießen fantastische Rundblicke auf das weiße Gipfelmeer und staunen über die höchst gelegene Open-Air-Sauna der Welt (auf der Schützhütte Bella Vista). Eltern können einen kostenlosen Skikindergarten in Anspruch nehmen. Auf der Rückfahrt durch das Schnalstal mit seinen wunderschönen Bauernhäusern und Gehöften lohnt ein Stopp im Archeoparc, wo man erfährt, wie die Menschen zu Ötzis Zeiten gelebt haben. Die weltberühmte, rund 5.300 Jahre alte Gletschermumie wurde vor 20 Jahren in dieser Gegend gefunden.

Ein Geheimtipp für sportliche Skifahrer, Skitourengeher, Schneeschuhwanderer, Variantenfahrer und ­Free­rider ist das Skigebiet Schwemmalm-Ultental. Es erstreckt sich absolut schneesicher auf 1.500 bis 2.600 Meter Höhe. In den urigen Wirtshäusern im Tal sitzt man mit den Einheimischen um den Kachelofen und lässt sich die Südtiroler Spezialitäten schmecken.

Mediterraner Flair

Mittlerweile sind wir in der Region um Meran angelangt. Ein gemütlich-sympathisches Skigebiet ist Pfelders, wo man auf den sonnigen Hängen ohne Hektik cruisen kann. Aber auch Langläufer kommen auf ihre Kosten. Zum Eislaufen steht ein Natureisplatz zur Verfügung. Pfelders ist auch ein Zentrum für Eiskletterer. Auf sie warten bizarre gefrorene Eisfälle und ein künstlicher Wasserfall zum Trainieren.

Der besondere Reiz des Skigebiets Meran 2000 liegt sowohl an seinen ­Pis­ten, als auch an der unmittelbaren Anbindung an das mediterran wirkende Kurstädtchen Meran. Was für eine Kombination, nach einem herrlichen Skitag auf den weitläufigen Pulverschneehängen die elegante Promenade entlang zu flanieren, in den schmucken Altstadtgassen die schicken Shops durchzustöbern oder nach Spezialitätenrestaurants Ausschau zu halten. Die neue Panorama-Großraumgondelbahn für 120 Personen geht im Dezember in Betrieb. Im Januar und Februar ist jeden Freitag Nachtskilauf möglich.

Das idyllisch gelegene Skigebiet Reinswald im Sarntal lässt den Glauben an die heile Welt neu aufleben. Bäuerliches Leben wie aus dem Bilderbuch, kaum Verkehr – für Naturliebhaber und Romantiker ein Paradies! Dabei geht es sportlich her: auf Europacup-bewährten Pisten und einer 4.500 Meter langen Rodelbahn, die bei Vollmond auch nächtens sehr gefragt ist. Gemütlichkeit ist auch Trumpf im Skigebiet Rittner Horn. Eine 8-er-Kabinenbahn bringt die Skifahrer hinauf auf ein 2.200 Meter hoch gelegene Sonnen­plateau zu sonnenverwöhnten Genuss­pisten und Höhenloipen mit Blick weit hinein in die Dolomiten. Die Kombination aus idyllischem Bergdorf-Ambiente und dem städtischen Bozener Leben verleiht den Aufenthalt einen interessanten Touch.

Der jüngste Neuzugang im Skiverbund ist auch der am weitesten vom Vinschgau entfernte: der Rosskopf. Die Talstation der 6er-Gondelbahn ist nur fünf Gehminuten von Sterzings Fußgängerzone entfernt, sie bringt die Skifahrer zu einem offenen, abwechslungsreichen Familienskigebiet. Dort oben startet auch die mit zehn Kilometern längste (und beleuchtete) Rodelbahn Italiens.

Man darf dem großen Gustav Thöni ein wenig Lokalpatriotismus nachsehen, wenn er meint: „Als Skirennläufer und Skitrainer bin ich viel in der Welt herum gekommen, aber mir fällt auf Anhieb keine Region ein, die ein so rundes, vielseitiges Winter-Erlebnispaket zu bieten hat wie die Ortler Skiarena – auch wenn sie ,zufällig’ meine Heimat ist.“ <<<

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