Nelson: Ein Roadtrip in Kanadas Tiefschneeparadies

Banff und Lake Louise kennt jeder Skifan. Aber Nelson? Das Städtchen liegt zwar nett am Kootenay Lake, hat aber nicht mal ein eigenes Skigebiet. Dennoch ist es ein Geheimtipp, denn mit Whitewater hat Nelson ein kleines Resort-Juwel direkt vor der Haustür – und es gibt zig gute Heliskiing-Anbieter und Catskiing-Adressen in der Nachbarschaft

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© Doug Lepage, Regionen

Text: Andreas Hottenrott, Bernhard Krieger

Sanft kippt die Air Canada 845 über die rechte Tragfläche in die letzte Kurve. Bislang war links auf dem Weg nach Südwesten nichts als endlose Prärie zu sehen. Kaum aber liegt der Airbus im Anflug auf Calgary wieder ­gerade mit Nordkurs in der Luft, taucht links eine überwältigende Szenerie auf. Hinter der Skyline von Calgary blitzen die tief verschneiten Rocky Mountains im Sonnenlicht. Scharf heben sich die Gipfel vom tiefblauen Himmel ab. Was für ein verheißungsvoller Anblick!

Weil die Maschine schon mittags in der Hauptstadt Albertas landet, ist noch genug Zeit für die erste Etappe. Bis Banff sind es schließlich gerade mal zwei Stunden. Schnell Koffer und Ski in den gemieteten Allrad-SUV gepackt, und los geht’s nach Westen auf dem Highway No. 1 – dem Trans-­Canada-Highway, der vom Atlantik bis zum Pazifik führt. Über die Main Street, die vom Mount Rundle überragt wird, erreicht man in Banff das legendäre Fairmont Banff Springs Hotel. Das als „Castle of the Rockies“ bezeichnete Luxushaus liegt wie ein verwunschenes schottisches Schloss von Wäldern umgeben am Ortsrand.

Mit seinen drei Skigebieten Norquay, Sunshine und Lake Louise bietet der Banff-Nationalpark mehr als genug Abwechslung für einen wochenlangen Skiurlaub. Schade, dass er diesmal nur eine Etappe zum Aufwärmen für unser Cat- und Heliskiing-Abenteuer ist. Der Banff-­Nationalpark – das ist Kanada wie aus dem Bilderbuch: grandiose Bergmassive, schier unendliche Wälder mit Rehen und Hirschen sowie riesige Seen, wohin man schaut.

Nach der ersten Nacht in Banff steht ein Warm-up in Sunshine an, das zu Recht für seinen besonders trockenen Powder bekannt ist. Bevor es Richtung Nelson weitergeht, ist ein Abstecher ins Weltcup-Skigebiet von Lake ­Louise Pflicht, genauso wie ein Essen im legendären Restaurant des Post Hotel Lake Louise, in dem die ausgewanderten Schwarz-Brüder aus der Schweiz seit vielen Jahren feinste Rocky-Mountains-Cuisine auftischen und mit einem Weinkeller von Weltklasseformat aufwarten. Nach zwei Tagen Skifahren in Sunshine und Lake Louise ist die Heimat mit all ihren Verpflichtungen und Sorgen unendlich weit weg.

Auf dem Powder Highway

Völlig relaxed ziehen wir am dritten Tag weiter gen Süden. Hinter den dampfenden ­Außenbecken der heißen Quellen von Radium Hot Springs beginnt der legen­däre Powder Highway, der ­einige der besten Skigebiete, Heliskiing-Lodges und Catskiing-Areale British Columbias miteinander verbindet. Vorbei am Ski­resort Panorama führt der Powder Highway zum Kimberley-Skiresort, danach weiter bis an die Grenze zu den USA und von dort wieder ein paar Kilometer nach Norden bis Nelson.

Auf einer großen, roten Stahl­brücke über den Seitenarm des Kootenay Lake gelangt man direkt in die Stadt, die sich vom Ufer des Sees bis hoch an den Hang zieht. Zwischen den verschneiten Tannen wirken die roten Backstein- und die pastellfarbenen Holzhäuser wie hingemalte Farb­tupfer. „Nelson ist eine der schönsten und originellsten Skitowns ­Kanadas, auch wenn es gar kein eigenes Skigebiet hat“, schwärmt Bert Astl vom Stumböck Club, der mit seiner „Free­ride Triangle“-Skisafari auch in Nelson Station macht. Das Prestige ­Lakeside Resort liegt direkt am See, nur wenige Schritte von den Restaurants, Cafés und Läden rund um die Baker Street entfernt – ein ideales ­Basislager für die kommenden Powder-Abenteuer rund um Nelson.

Klein, aber oho: Whitewater

Zum Auftakt wartet Whitewater auf uns. Das rund 20 Kilometer südlich von Nelson gelegene Skigebiet hat sich viel von seinem typisch kanadischen Charme erhalten. Bis 2010 gab es hier nur ein kleines Skiareal mit zwei Liften. Dann wurde der Glory-Ridge-Dreiersessellift gebaut, und das Gebiet wuchs auf das Doppelte an. Hier gibt es keine noblen Hütten, dafür aber einen sehr anspruchsvollen Berg mit grandiosen Schneebedingungen. Whitewater ist ein Schneeloch. Zwölf Meter rieseln durchschnittlich pro Jahr auf die Selkirk Mountains nieder. Und das Beste ist: Man muss den Powder nicht mit so vielen Leuten teilen wie in Lake Louise oder ­Whistler. Die nächsten Ballungsräume, Calgary und Vancouver, sind mehr als 600 Kilometer weit weg.

Whitewater ist etwas für echte Ski-Cracks. 55 Prozent der Pisten sind schwer. Damit ist Whitewater ideal, um sich auf den ultimativen Ritt durch den Powder beim Cat- und Heliskiing vorzubereiten. Auch wenn Whitewater mit seiner Größe von gerade mal knapp fünf Quadratkilometern verglichen mit Riesen wie Lake Louise, Sun Peaks oder erst recht ­Whistler ein Zwerg ist, bietet es auch für ein paar Tage genügend Abwechslung. Erst recht, wenn es schneit. Und es schneit oft in den Selkirks.

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Banff und die Top-Skigebiete Lake Louise und Sunshine sind ein ­idealer Startpunkt für eine ­Tour auf dem Powder Highway.
© Doug Lepage, Regionen

Cat- und Heliski-Action

Deshalb ballen sich hier ja auch die Cat- und Heliskiing-Anbieter. Ganz in der Nähe operiert Valhalla Powdercats. Frühmorgens sammelt Valhalla die Powder-Süchtigen am Treffpunkt in South Slocan, rund 20 Minuten von Nelson entfernt, ein. Von dort fährt man in einem umfunktionierten Schulbus ins 87 Quadratkilometer große Catski-Areal in den Valhalla Mountains. Gerade einmal 24 Gäste teilen sich dieses gigantische Gebiet voller unverspurter Geländeabfahrten. Kürzlich wurde das Gebiet noch um die Caribou Bowl erweitert, die mit Nord- und Osthängen perfekte Schneequalität bis ins späte Frühjahr garantiert.

Über ehemalige Holzfällerstraßen ­erklimmt man in einer beheizten Kabine auf dem Rücken einer Pistenraupe die Gipfel. Ein Guide führt die Powder-Fans dann quer durchs Gelände über weite, offene Hänge und durch märchenhafte Wälder wieder hinunter. Dieses Spiel wiederholt sich bis zum späten Nachmittag – ohne Pause. Getrunken und gegessen wird bei den Auffahrten an Bord. Schließlich ist jede Sekunde im traumhaften Powder wertvoll. Valhalla ist spezialisiert auf Tagesgäste, die ein Catski-Erlebnis in eine Skisafari einbauen möchten. Die Krönung jedes Roadtrips auf dem Powder Highway ist jedoch Heliskiing. Die Auswahl ist schier ­grenzenlos. Heliskiing-Pionier ­Canadian Mountain Holidays (CMH) betreibt mehrere seiner insgesamt elf Heliskiing-Lodges in der ­Region.

Zu den Top-Anbietern zählt auch Snowwater, das 2014 sein 20-jähriges Jubiläum gefeiert hat. In South ­Slocan holt Snowwater seine Gäste mit der Pistenraupe ab. Durch die dichten Wälder schlängelt sich der Weg hinauf zur Lodge auf 1.646 Meter Höhe in den Bonnington Mountains. In zwei der drei Gebäude wohnen die zwölf Gäste, im dritten wird gespeist. Das Essen bei den Snowwater-Chefs Maria und Patric ist vom Feinsten. Und während drinnen schon die Töpfe in der Küche brodeln, dampft draußen der heiße Hot Tub, der nach einem ­langen Skitag die ideale Entspannung für die müden Muskeln bietet.

Snowwater fliegt in gleich drei Bergregionen, die den Gästen exclusiv zur Verfügung stehen. Der höchste Gipfel ist der Snowcrest Peak mit stattlichen 2.865 Metern. Geflogen wird in drei Gruppen mit vier Gästen und ­einem Guide im „B2 A-Star“-Helikopter. Und selbst an den seltenen Schlechtwetter­tagen muss bei Snowwater niemand taten­los auf der Hütte sitzen. Schließlich gibt es Catskiing als Alternative, sollte der Heli mal nicht fliegen können.

Diese sogenannten Downdays sind aber zum Glück selten, weil man in Kanada selbst bei dichtem Schneefall noch fliegen und in den Wäldern prima Ski fahren kann. Zwischen den Bäumen ist die Sicht sogar bei dichtem Schneetreiben noch perfekt fürs Treeskiing. Kanada-Experte Bap Koller von Outdoor Adventures sagt: „Tiefschneefahren im Wald ist das Salz in der Tiefschnee-Suppe. Das Gelände ist meist kupierter, der Champagne-Powder schön windgeschützt.“ ­Außerdem sorge Glading für genüsslichen „Torabstand“ im Naturslalom durch Zedern, Hemlocks und Douglasien, so Koller. Im Sommer streifen die Guides mit Macheten und Sägen durch die Wälder und befreien ausgewählte Passagen vom wuchernden Dickicht.

Ob im Wald oder auf weiten, offenen Gletscherhängen – Heliskiing ist das ultimative Ski-Erlebnis in Kanada. Auf der Rückfahrt nach Calgary schweift der Blick immer wieder über die Gipfel rechts und links des Highways. Alle paar Minuten taucht am ­Horizont erneut ein Traumhang auf. Ach, wäre der Geländewagen doch nur ein ­Hubschrauber!

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In der Umgebung von Nelson gibt es viele Heliski-Anbieter.
© Doug Lepage, Regionen

Nelson

Nelson ist der Geheimtipp im Süden British Columbias. Der Ort liegt in ­direkter ­Nachbarschaft des Skiresorts ­Whitewater und ist umgeben von zig Cat- und Heliskiing-Anbietern.

ROUTE & ETAPPEN

Akklimatisieren und Warmfahren in Banff: Aus Calgary erreicht man Banff (www.banfflakelouise.com) über den Highway 1 in knapp zwei Stunden. Einchecken ins Hotel, z. B. ins Fairmont Banff Springs (www.fairmont.de/banff-springs). 2 Tage Skifahren in Sunshine und Lake Louise (www.skibig3.com). Nicht verpassen: ein Dinner im Post Hotel Lake Louise (www.posthotel.com).

Südwärts auf dem Powder Highway: Von Banff über Panorama und Kimberley nach Süden bis Nelson, ca. 6 Stunden (www.nelsonkootenaylake.com).

Tiefschneefahren rund um Nelson: Ein­checken ins Hotel, z. B. ins Prestige Lake­side Resort (www.prestigehotelsandresorts.com). Skifahren im Whitewater Skiresort (www.skiwhitewater.com), Catskiing mit Valhalla Powdercats (www.valhallapow.com{) und Heli­skiing mit Snowwater (www.snowwater.com). Snowwater fliegt ­direkt von seiner Lodge mitten in der ­Wildnis. Ein „A-Star“-Hubschrauber transportiert drei kleine Gruppen à vier Gäste. ­Lawinen-Airbags, Rossignol-Tiefschneeski oder Burton-Snowboards sind ebenso ­inklusive wie unbegrenzte Höhenmeter.

GUT ZU WISSEN

- Anreise

Air Canada (www.aircanada.com) fliegt täglich von Frankfurt nach Calgary. Im ­Gegensatz zu anderen Airlines trans-portiert Air Canada ­Skigepäck kostenlos. In Kanada empfiehlt sich ein winter-tauglicher SUV-Mietwagen. Man bucht am besten rechtzeitig von Deutschland aus, z. B. bei Alamo (www.alamo.de).

- Reise-Arrangements

• Viel günstiger als Direktbuchungen in den USA sind Arrangements der Spezialisten wie z. B. Outdoor Adventures von Bap Koller (Bap’s Powder Highway – „14 Days in Paradise“). www.outdoor-adventures.net, Tel. 09924-902430

• Auch der Stumböck Club macht mit seinen begleiteten Skisafaris Station in Nelson (z. B. „Freeride Triangle“-Safari mit 9 Tagen Resort-Skifahren), www.stumboeck.com, Tel. 08035-9660-0

• Skireisen nach Banff/Lake Louise sowie zu Cat- und Heliskiing-Anbietern in British Columbia bieten viele weitere Reiseveranstalter wie z. B. Aeroski (www.aeroski.com), Canusa (www.canusa.de), Dertour (www.dertour.de) und Meier’s Weltreisen (www.meiers-weltreisen.de).

- Info

www.travelalberta.de, www.britishcolumbia.travel. Ausführliche Informationen über Banff und Nelson sowie alle anderen Skiresorts, Cat- und Heliskiing-Anbieter in den kanadischen Provinzen Alberta und British Columbia liefert das Online-Portal "Ski Kanada" (www.ski-kanada.net).

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 03 / 2016

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