Dachstein, ahoi!

Wer eine entspannte Bootsfahrt mit einer unendlichen Skiabfahrt verbinden will, muss nicht unbedingt nach Norwegen. Mitten in den österreichischen Alpen, im Dachsteingebiet, lässt sich dies ebenso verwirklichen. Durch Verbindung von Liftfahrten, kurzen Aufstiegen, einer Bootsfahrt über den Hallstädter See und schließlich Rückfahrt per Bahn lässt sich dieser Spaß an einem Tag verwirklichen. Eine spektakuläre Möglichkeit, das Unesco-Welt- Naturerbe „Dachstein“ zu erfahren

neuer_name

Text und Bild Franz Faltermaier

Gerade noch geschafft. Kaum lehne ich die Skier an die Reling, legt der kleine Dampfer auch schon ab. Schaukelnd stehe ich hinter dem Fenster und werfe noch einen letzten Blick auf unseren Skiberg. Dieser erstrahlt noch in einer wundervollen Abendsonne, während der Hallstädter See schon im Schatten liegt.

So vieler unterschiedlicher Fortbewegungsmittel bedienten wir uns wohl noch nie. Und zwar in dieser Reihenfolge: Auto, Bus, Gondel, Ski, Boot, Zug und wieder Auto.

Einen langen Tag haben Thomas und ich hinter uns. Um neun Uhr morgens Treffen in Schladming beim Bus. Dank der Salzburger Saisonkarte mussten wir diesen nicht bezahlen. Ebenso wenig die Gondel, welche wir nach etwa einer halben Stunde Fahrt erreichten. Steil transportierte uns diese hinauf in felsige Höhen des Dachsteinmassivs. Ein dolomitenähn-liches Panorama erwartet einen hier. Zumindest bei gutem Wetter. Schon ein paar Tage zuvor versuchten wir die Durchquerung des Dachsteins. Damals trübte dichter Nebel die Sicht. Eine Tour dieser Länge machte unter diesen Umständen wenig Sinn. Zumal die schöne, weit umspannende Aussicht ein echtes Highlight ist. Wir entschieden uns damals als Notlösung für die pfiffige Edelgrieß-Abfahrt. Wer mutiger ist, kann noch eine ganz andere Variante wählen und von der Bergstation der Gondel zum Schlepplift abfahren. Dort heißt es abschnallen, das Sportgerät am Rucksack befestigen und gut dreißig Meter eine Klettersteigleiter hoch. Man durchquert den Rosmarie-Stollen, welcher extra für Tourengeher angelegt wurde. (Bei schlechten Bedingungen ist dieser jedoch geschlossen!) Auch nach dem Tunnel ist es noch nicht geschafft. An einem Seil hangelt sich der hoffentlich schwindelfreie Skifahrer gute fünfzig Meter zur eigentlichen Abfahrt. Dort geht es links weg in ein herrliches Tal. Fünfundvierzig Grad Gefälle sollte man skitechnisch jedoch gut beherrschen. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass die gesamte Abfahrt zwischen der Türlspitz und der Gamsfeldspitze zur Talstation der Gondel nicht präpariert wird. Dafür erwarten einen stolze 1.600 Höhenmeter Abenteuer.

Sylter Strandkörbe in luftiger Höhe

Noch mehr waren es heute bei Topwetter. Wieder standen wir am Aussichtsplateau der Dachstein-Südwandbahn am Hunerkogel und konnten diesmal die Aussicht ungetrübt genießen. Am Skywalk wurden sogar Sylter Strandkörbe für Sonnenhungrige aufgestellt. Doch dafür hatten wir keine Zeit. Die Tour fordert einen vollen Tag. Daher ist es von Vorteil, diese im späten Winter oder beginnenden Frühling anzusetzen, wenn die Tage schon länger sind.

Zuerst ging es über einen Schlepplift Richtung Simonyhütte. Bequem auf einer Loipe kamen wir über leichte Steigung zum Fuß des Hohen Dachsteins. Dort erreichten wir unseren höchs-ten Punkt. Einige gestandene Tourengeher gingen vom Skidepot klettersteigähnlich weiter zum Gipfel. Für unsere flachen Skischuhe ohne Profil wäre dies jedoch ein heikles Unterfangen gewesen – was uns auch ein zurückkommender Tourengeher bestätigte, der sogar Steigeisen benutzte. Wir fuhren lieber bergab. Wieder ging es über die Loipe, dann fuhren wir rechts von der bereits sichtbaren Simonyhütte in das Gletscherbecken. Nun lag eine tolle Gletscherabfahrt vor uns. Wir hielten uns weit rechts von den Gletscherspalten und erreichten nach ausgiebigem, genussvollem Schwingen die flache, latschendurchsetzte Ebene. Jetzt hieß es „auffellen“. In leichtem Auf und Ab ging es links raus aus dem Talgrund, und so erreichten wir nach kurzer Zeit mühelos einen ausgefahrenen Ziehweg. Viele Skifahrer wählen von hier die Skiroute zum Krippenstein, doch mein Skikumpel Thomas riet ab. Zu langweilig. Also weiter! Schritt für Schritt stiegen wir auf Richtung Simonyhütte. Mittlerweile machte sich neben der Freude an der Natur auch ein anderes Gefühl bemerkbar: Hunger. Und so waren wir froh, als wir auf einen Wegweiser stießen, der zum Wiesberghaus führte. Dieses liegt unterhalb der Simonyhütte und ist glücklicherweise auch im Winter bewirtschaftet. Also nichts wie hin und erst einmal die halbe Speisekarte bestellt. An den Nachbartischen saßen einige Tourengeher, die den Aufstieg vom Tal gewählt hatten – da kamen wir uns doch ein wenig faul vor, mit unseren erkauften Höhenmetern. Doch es blieb weder viel Zeit, darüber nachzudenken, noch für meinen geliebten Drei-Uhr-Kaffee. Denn schon mussten wir uns auf den Weg machen. Es war bereits Nachmittag und wir hatten noch einiges an Strecke vor uns. Rauf auf die Ski und ab ging’s, wobei die Abfahrt jetzt schon recht stark ausgefahren war und fast ein wenig Bu-ckelpisten-Charakter hatte. Während wir uns dort hinunterkämpften, schwärmte mir Thomas von der Tour vor, die er vor einem Jahr an gleicher Stelle unternommen hatte. Damals versank die Landschaft im Schnee. Thomas jubilierte mir etwas von zweitausend Höhenmetern Tiefschnee vor, was ich gar nicht hören wollte.

Klar Schiff!

Immerhin erreichten wir bald einen Forstweg im wildromantischen Echerntal, welcher uns flugs direkt nach Hallstadt – und zum für einen Skifahrer ungewöhnlichen Verkehrsmittel – führte: Per Schiff sollte es weiter gehen. Eile war angesagt, denn es war bereits fünf Uhr. Die letzte Fähre sollte um sechs Uhr gehen, und wir mussten noch durch den ganzen Ort. Die Ski auf den Rucksack geschnallt, bahnten wir uns eilig den Weg. Die letzten Meter rannten wir, da wir das Boot schon durch die Hallstädter Gassen durchblitzen sahen. Buchstäblich in letzter Sekunde erreichten wir die Anlegestelle. Jetzt stehen wir hier, unterhalten uns mit dem jungen Kapitän. Wir sind die einzigen Gäste, daher ist er offenbar froh, ein wenig Unterhaltung zu finden. Wie sich herausstellt ist der Seemann wie wir ein Freund der Berge. Im Winter mit dem Snowboard, im Sommer mit dem Mountainbike. Viel Zeit für Unterhaltung bleibt nicht. Nach wenigen Minuten erreichen wir das andere Ufer. Schade! Ich habe so gehofft, wenigstens hier gemütlich meinen Kaffee zu trinken. Doch es geht weiter Schlag auf Schlag: Wir haben unseren Rucksack noch nicht abgelegt, da fährt der Zug Richtung Schladming ein. Als wir schließlich dort am Bahnhof ankommen, ist es längst dunkel. Ein langer, ereignisreicher Tag liegt hinter uns. Meinen Kaffee werde ich aber morgen trinken müssen. <<<

neuer_name

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat
  • catalog flat

Events

16.03 – 24.03.2019
Meran (Südtirol) - Gusto on Snow
16.03 – 23.03.2019
Ski Amade - Ski und Weingenusswoche
23.03 – 29.03.2019
Südtirol - Nostalgietag im Skigebiet Watles
23.03 – 30.03.2019
Hochkönig - 3. Craftbier Festival der Alpen
23.03 – 30.03.2019
Großarltal - Ladies Week
27.03 – 31.03.2019
Kanzelwand - Telemark-Fest und Deutsche Meisterschaft
29.03 – 31.03.2019
Hauser Kaibling - Winterfestival
05.04 – 07.04.2019
Obertauern - Gamsleiten Kriterium
06.04.2019
Nauders - Roland Kaiser mit Band
23.11 – 30.11.2019
Sulden - Skitestwoche
24.11 – 30.11.2019
Pitztal - 50. Ski Opening Westdeutscher Skiverband