Fieberbrunn: Auf dem Weg zum Hotspot

Das Familienskigebiet und Freeride-Paradies Fieberbrunn dockt an den ­großen Skicirkus Saalbach-Hinterglemm/­Leogang an – der Zusammenschluss des Winters

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© Toni Niederwieser / Fieberbrunn

Text: Hubert Fehr

Kennen Sie eigentlich Fieberbrunn? Der größte Ort im Pillerseetal galt bisher als das „am besten versteckte Skigebiet der ­Alpen“, ganz in der Nähe der ­großen Skizentren, aber ohne direkten Anschluss an deren Pistenzirkus. Ein Insidertipp für so unterschiedliche Zielgruppen wie Freerider, Genuss­fahrer und Familien. Trotz einer Höhenlage von nur 800 Metern im Tal hat der Ort am Ostrand der Kitz-büheler Alpen den Ruf, ein Schneeloch zu sein. Er steht für Skigenuss in familiärer, ruhiger Atmosphäre. Das überschaubare Pistenangebot war aber bislang auch ein Manko.Ab der Saison 2015/16 tritt Fieberbrunn aus dem Schatten der Großen heraus.

Zwei Skigebiete – zwei Länder

Am 8. Dezember ist es so weit, dann eröffnet die neue 10er-Gondelbahn zum Reiterkogel, die das Tiroler Skigebiet an den Skicirkus Saalbach-Hinterglemm/Leogang anschließt und so nicht nur eine Verbindung zwischen zwei Skiregionen, sondern auch zwischen den Bundesländern Tirol und Salzburg schafft. Beworben wird dieser Zusammenschluss mit dem knalligen Slogan „The Big White Bang“, und für die Region bedeutet er tatsächlich einen Quantensprung. Durch die neue Verbindungsbahn entsteht eines der weltgrößten zusammenhängenden Skigebiete mit 270 zertifizierten Pistenkilometern. Und in zwei Jahren soll dann auch die Schmittenhöhe von Zell am See angeschlossen werden, womit eine weitere Dimension an Pistenweitläufigkeit er-reicht wird. Tagelangen Pistensafaris steht dann nichts mehr im Wege.

Die neue 10er-Gondelbahn TirolS, die an der Talstation des Reckmoos-Süd-Lifts startet und über eine stündliche Förderleistung von 2.600 Personen verfügt, erschließt über weites Almgelände verlaufende Hänge, die bisher den Tourengehern und ­Freeridern vorbehalten waren. Sie mussten für eine Rückkehr ins Skigebiet Hinterglemm allerdings mit Fellen wieder zum Reiterkogel ­aufsteigen. Die neue Gondelbahn eröffnet den Zugang zu diesen Tiefschnee-Abfahrten auf der ganzen nordseitig ausgerichteten Bergflanke nun auch den Nicht-Tourengehern. Aber auch die neue Verbindungspiste kann sich sehen lassen: Die 3,5 Kilometer lange Abfahrt vom Reiterkogel überwindet beachtliche 780 Höhenmeter und ist über die ganze Länge mit Kunstschnee präparierbar.

Familienfreundliches Angebot

Bislang konnte Fieberbrunn bereits mit rund 50 Pistenkilometern aufwarten. Etwas oberhalb des Ortes, in Lindau, starten die Lifte ins Skigebiet. Sowohl die Doischberg-Bahn, deren Gondeln ihren ersten Einsatz auf der Weltausstellung in Hannover hatten, als auch die Streuböden-Bahn erreichen die höher gelegenen und anspruchsvolleren Pisten. Mehr als die Hälfte der Pisten im Skigebiet Fieberbrunn sind rot markiert. Wer es gemütlicher mag, findet sein Terrain auf den weiten und sehr gleichmäßigen Abfahrten vom Lärchfilzkogel. Für die allerersten Schwünge sind die ganz flachen Pisten am Obingletin-Schlepper im Tal ideal. Auch das Gelände oben auf dem Streuböden bietet gute Übungsmöglichkeiten. Dort ist für Kids auch der ihrem Können angepasste Funpark präpariert. Beide Ortsskischulen betreuen und unterrichten die Kleinen mit viel Spaß und einem spielerischen Konzept in Kinderskischule und Skikindergarten. Für den Unterricht stehen zwei Förderbänder, ein Seillift und ein Karussell zur Verfügung.

Die anspruchsvollsten Abfahrten werden von den Reckmoos-Bahnen und dem anschließenden Hochhörndl-Lift bis auf 2.020 Meter erschlossen. Auf der Bergstation eröffnet sich ein eindrucksvoller Panoramablick über die Kitzbüheler Alpen. Die süd-seitigen, kupierten Hänge unterhalb der Henne sind sehr genuss- und abwechslungsreich zu befahren. Schwieriger fällt die steile Abfahrt auf der Nordseite aus, die bereits vor rund 100 Jahren von den Skipionieren, u. a. dem berühmten Georg Bilgeri, die in Fieberbrunn sehr aktiv wirkten, als eine der schönsten Abfahrten der Kitzbüheler Alpen geschätzt wurde. Hier finden sich oft die besten Schneeverhältnisse, neben der Piste auch Tiefschneevarianten.

Die Pisten können zu 90 Prozent künstlich beschneit werden, und auf den kompakten Kunstschnee ist Verlass. Er sichert auch im späten Frühjahr die Schneedecke auf den ­unteren Talabfahrten. Die Bergbahnen in Fieberbrunn setzen bei der Dosierung der Beschneiung auf Hightech: Die Pistenraupen erfassen bei der Arbeit fortlaufend mithilfe von Satellitenortung zentimetergenau die Schneehöhe auf der Piste, bei Bedarf kann mit frischem Maschinenschnee nachgebessert werden.

Durch den Anschluss an den infra­strukturell perfekt ausgestatteten Skicirkus Saalbach-Hinterglemm/­Leogang stößt Fieberbrunn nun vor allem in Sachen Pistenkilometer und Weitläufigkeit in eine ganz neue Dimension vor. Das ist für den Skitourismus ein zentraler Faktor. „Die Größe eines Skigebiets ist heute für den überwiegenden Teil der Gäste eines der wichtigsten Entscheidungskriterien“, sagt Helmuth Thomas, Geschäftsführer der Saalbacher Bergbahnen. Gleichzeitig betont er, dass auch der salzburgische Skicirkus von dem Zusammenschluss mit dem kleineren Tiroler Partner profitiert: „Beide Seiten verbinden ihre individuellen Stärken zu einem unschlagbaren Gesamtangebot.“

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© Toni Niederwieser / Fieberbrunn

Freeride-Mekka Fieberbrunn

Das Skigebiet Fieberbrunn lockt nicht nur Familien und ­Genuss-Skifahrer, es ist mit seinen spektakulären Tiefschneehängen auch Hotspot für Freeride-Fans. Und das ohne ­lange, beschwerliche Aufstiege. „Easy up – wild down“ lautete auch bisher schon der Slogan der Fieberbrunner Bergbahnen für Freerider. Sowohl von der Bergstation des Hochhörndl-Lifts auf 2.020 Meter wie auch im Bereich der Reckmoos-Bahnen starten diverse Off-Piste-Varianten, dazu ausgewiesene Skirouten. Und die neue Verbindungsbahn zum Reiterkogel vergrößert das Tiefschnee-Angebot bedeutend. „Ich freue mich schon sehr auf den Zusammenschluss von Saalbach-Hinterglemm, Leogang und Fieberbrunn. Sobald der erste Schnee liegt, werde ich abchecken, was das Gebiet freeridetechnisch so zu bieten hat“, schwärmt die Österreicherin Eva Walkner, Free­ride World Champion der Damen 2015.

Alljährlich zieht es die weltbesten Freerider zur „Freeride World Tour“ ins Pillerseetal. Vom 6. bis. 11. März 2016 trifft sich die internationale Freeride-Szene wieder zum einzigen Stopp der Freeride-„Königsklasse“ in Deutschland und Österreich am Fieberbrunner Hausberg Wildsee­loder. Vom 2.118 Meter hohen Gipfel des Wildseeloders stürzen sich die Freeride-Cracks in einen 602 Meter langen Hang mit einer Neigung bis zu 70 Grad. Ein Riesenspektakel, das jährliche Tausende Fans anlockt.

Ein ganz spezielles Angebot stellt die „PowAirea“ dar: Freestyler – Snowboarder und Skifahrer – finden im freien Gelände am Lärchfilz­kogel implantierte Rampen, Kicker und Rails. Das Areal verknüpft den ­Frestyle- mit dem Freeride-Bereich. Der weiche Powder ermutigt zu Sprüngen und Tricks, die man im Snowpark wegen der harten Landung lieber vermeidet.

Fieberbrunn braucht sich also hinter dem größeren Partner gar nicht zu verstecken. Durch den Zusammenschluss der Skiregionen Fieberbrunn und Saalbach-Hinterglemm/Leogang entsteht „nicht nur das größte, sondern auch eines der abwechslungsreichsten Skigebiete Österreichs“, betont Helmuth Thomas. Und auch wenn man abwarten muss, ob es ­Fieberbrunn gelingt, den Sprung in den Kreis der ganz großen Ski-Destinationen zu bewältigen und gleichzeitig seinen eigenen Charme zu bewahren, kann man bereits jetzt sagen: ­Fieberbrunn ist der Shootingstar der Saison 2015/16.

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Die „PowArea“ verknüpft Freestyle und Freeride. Der weiche Powder ­ermöglicht spektakuläre Tricks und Sprünge
© Toni Niederwieser / Fieberbrunn

FIEBERBRUNN

Durch die Anbindung an den Skicirkus Saalbach-Hinter­glemm/­Leo­gang ist Fieberbrunn nun Teil des größten zusammenhängenden Skigebiets Österreichs. Aber auch sonst wird hier einiges geboten.

SKI & SPASS

- Pisten

Das komplette Skigebiet Saalbach-Hinterglemm/Leogang/Fieberbrunn verfügt über 270 Pistenkilometer: 140 km leicht, 110 km mittel, 20 km schwer; 28 Seilbahnen, 22 Sessel­bahnen, 20 Schlepplifte

ESSEN & Feiern

- Restaurants

Fieberbrunns Gastronomie setzt auf regionale Küche, Internationales ist aber auch im Angebot.

• Eiserne Hand. Traditions-

reiches Haus in einem Nebental. Zu den Spezialitäten zählen Wild aus umliegenden Revieren und Tiroler Schmankerl.

Tel. 0043-(0)5354-56916, www.eiserne-hand.at

• Knappenstube. Der Schwerpunkt liegt auf gehobener regionaler Küche.

Tel. 0043-(0)5354-56367, www.knappenstuben.com

• Großlehen. Gutbürgerliche Küche, hausgemachte Kuchen, Tiroler Spezialitäten, erlesene Weine und ein Streichelzoo.

Tel. 0043-(0)5354-56455, www.grosslehen.at

- Hütten und Après-Ski

• Hochhörndlerhütte. An der Abfahrt der Reckmoos-Süd-Bahn, große Sonnenterrasse.

www.hochhoerndlerhuette.at

• S4 Alm. Rustikaler Holzbau mit Stadel-Charakter unmittelbar am Pistenrand mit Terrasse.

www.s4alm.at

• Biwak. Wo die Piste endet, beginnt das Biwak an der Tal-station. Drinks, Snacks und coole Musik. Tel. 0043-(0)5354-52088

• Enzianhütte. Après-Ski ist hier zu Hause. Unmittelbar am Pisten­rand bei der Talstation, volles Programm mit Live-Musik.

www.enzianhuette.at

SCHLAFEN & WOHLFÜHLEN

• Austria Trend Alpine Resort Fieberbrunn. Direkt neben der Gondelbahn und der Piste gelegenes Hotel der gehobenen Klasse.

Tel. 0043-(0)5354-56086, www.austria-trend.at

• Sporthotel Fontana. Gemütliches und komfortables 4-Sterne-Hotel in ruhiger Lage direkt an der Bergbahn Fieberbrunn.

Tel. 0043-(0)5354-56453, www.sporthotel-fontana.at

• Hotel Alte Post. Gepflegtes 4-Sterne-Hotel im Ortszentrum.

Tel. 0043-(0)5354-56257, www.alte-post-fieberbrunn.at

GUT ZU WISSEN

- Saison

03.12.2015 bis 10.04.2016 (je nach Schneelage)

- Anreise

Mit dem Auto über die A8 ins Inntal bis zur Abfahrt Kufstein-Süd und dann weiter über St. Johann in Tirol ins Pillerseetal nach Fieberbrunn. Ohne Vignette kann man den Ort auch schnell über die Landstraßen B 172 und B 178 Richtung Waidring erreichen. Auch per Zug bequeme Anreise.

- Skipass-Preise

In der Hauptsaison kostet der Skicirkus-Tagesskipass (gültig für alle Anlagen in Saalbach, Hinterglemm, Leogang, Fieberbrunn) für Erwachsene 51 €, für Jugendliche 38 € und für Kinder 25,50 €. 6-Tage-Skipass: Erwachsene 245 €, Jugendl. 183,50 € , Kinder 122,50 €

- Skischulen

• Skischule Fieberbrunn, www.skischule-fieberbrunn.at,

• S4 Snowsport, mit Freerideschule, www.s4-fieberbrunn.at

- Schwimmbäder

• „Aubad“ in Fieberbrunn, ausgedehnte Saunalandschaft und Erlebnisbad. twww.aubad.a

• Wellness-Center „Energie­brunnen“ in Lindau, ganzjährig nutzbares Freibad, Hallenbad, Sauna und Wellnessangebote. www.tirol-camp.at

- Rodeln

Fürs Nachmittags- und an einigen Tagen auch Abendvergnügen sorgt die 2.600 Meter lange beleuchtete Naturrodelbahn „Direttissima“. Sie führt vom Hochkogel von einer Höhe von 1.060 Metern hinab. Zu Fuß braucht man etwa eineinhalb Stunden, um den Startpunkt zu erreichen, es gibt aber auch die Möglichkeit, sich bis 16 Uhr mit dem Rosenegg-Abschlepper hochliften zu lassen.

- Skilanglauf

In Fieberbrunn selbst gibt es drei Loipen. SIe sind neben dem klassischen Langlauf auch fürs Skating geeignet. Die Reither Loipe ist zwei Kilometer lang und verbindet die Talstation Streuböden mit der Dandler Loipe (15km). Die Weissach Loipe ist zehn Kilometer lang und mittelschwer.

- Infos

Tourismusverbund Fieberbrunn, Dorfplatz 1, A-6391 Fieberbrunn, Tel.: 0043-(0)5354-56304, www.kitzbueheler-alpen.com, www.bergbahnen-fieberbrunn.at

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 06 / 2015

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