Im Reich des Wilden Kaisers

Es ist ein echtes Imperium: Die SkiWelt Wilder Kaiser Brixental ist Österreichs größtes zusammenhängendes Skigebiet.

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Kein Wunder, dass es mit seiner Vielfalt jeden Skifahrer-Typ anspricht.

Text Hubert Fehr Bild SkiWelt, Christian Kapfinger

Den Namen hat sich das Skigebiet vom nördlich gelegenen Gebirgszug Wilder Kaiser geborgt, der die sanften, gerundeten Berge der Kitzbüheler Alpen vom Alpenvorland abgrenzt. Die 2.344 Meter messende Ellmauer Halt steht imponierend als schroffer Felsberg am Horizont – sie überragt noch die Hohe Salve, die mit 1.828 Meter Seehöhe der höchste Berg der Skiregion ist. Auch im Osten und Süden halten die Gipfel der Tauern einigen Abstand.

Die Skiberge um die hohe Salve liegen wie Inseln dazwischen, es sind Gras- und Waldberge, meist sanft gerundet und bereits in der Frühzeit des Skilaufs in den Alpen als ideales Revier entdeckt. Die Gipfelhänge sind baumfrei, ansonsten begleitet Wald die Pisten und in den tieferen Regionen verlaufen sie über breites Almgelände. Die Art des Terrains macht die Berge skifreundlich und lässt großzügige, weite Carving-Schwünge zu, gefährliche Steilhänge und Abgründe fehlen hingegen weitgehend. Da die Pisten zumeist unterhalb der Waldgrenze verlaufen, ist auch an trüben Tagen die Sicht deutlich besser als in den baumfreien Hochgebirgsskigebieten.

Die SkiWelt bietet für jeden ski-fahrerischen Geschmack etwas: Breite, bestens präparierte und genussreich zu fahrende Familienpisten sind ebenso charakteristisch wie lange Talabfahrten über 1.000 Höhenmeter von der Gipfelstation bis ins Tal.

Es gibt auch steile, tiefschwarze Abfahrten an der Hohen Salve und Choralpe, die aber auf harmlosen Pisten auch zu umfahren sind.

Die Holländer, Engländer, neuerdings die Russen und seit Jahrzehnten die Deutschen lieben das Gebiet. Für Letztgenannte ist es bequem über die perfekt angebundene Autobahn erreichbar – aus dem kaum 100 Kilometer entfernten München kann man noch nachmittags zum Nachtskilauf anfahren. Skivergnügen heißt hier aber noch mehr: Zum Beispiel die Einkehrmöglichkeit in die über 70 Hütten, Bergrestaurants und Sonnen-terrassen, die die Erwartungen an Tiroler Gastlichkeit voll erfüllen. Die nächste Möglichkeit zur Hüttenpause ist nirgends weit weg.

Riesige Skischaukel

Der Großteil der SkiWelt liegt um die Orte Going, Ellmau, Scheffau, Söll, Itter, Hopfgarten, Westendorf und Brixen im Thale. Da die Ortschaften ihre Skigebiete lange vor dem Bahn- und Pistenverbund entwickelten, startet von jedem Ort auch eine Bergbahn und führt eine Talabfahrt dorthin zurück. Nur die Choralpe und die Pisten von Westendorf mit ihrem insgesamt etwas schrofferem Charakter, liegen außerhalb dieses Gebirgsstocks. Man muss den Taleinschnitt bei Brixen im Thale überqueren, um zur Anschlussgondelbahn für dieses Skigebiet zu gelangen. Über die Choralpenbahn und die Alpenrosenbahn, die von Westendorf hinaufführt, vergrößert sich die Skiarena beträchtlich: Sie verbindet die SkiWelt mit dem Gebiet Kirchberg/Kitzbühel bis zum Pass Thurn. So entsteht eine riesige Skischaukel, die genügend Anlass und Ansporn selbst für mehrtägige Skisafaris mitbringt.

Aber selbst das Angebot im Kern-gebiet der SkiWelt ist riesig. Man muss kaum eine Piste zweimal fahren, um von einem Gipfel zum nächsten zu kommen und den ganzen Gebirgsstock auf zwei Brettern zu umrunden, denn die Liftverbindungen sind beeindruckend miteinander verzahnt.

Wartezeiten an den Liften sind minimal, da die Bergbahnen inzwischen fast alle Anlagen mit Kabinenumlaufbahnen oder gekoppelten Sesselbahnen modernisiert haben. Aus den Orten geht es meist mit Achter-Kabinen oder in Scheffau mit einer Standseilbahn hinauf ins Skigebiet. Nur vereinzelt ist man auf alte klapprige Zweiersessel angewiesen. Kilometerfresser kommen voll auf ihre Kosten, das Pistenangebot verleitet zum Gas geben – und wenn es einen interessiert, welche Tagesleistung an Höhenmetern und Strecke man zurückgelegt hat, dann erhält man auf der Internet-Seite www.skiwelt.at nach der Eingabe der Skipassnummer gleich die persönliche Auswertung.

Auch für die Schneesicherheit ist gesorgt – die wichtigste Basis für ein Skigebiet, dessen Gipfel meist deutlich unter 2.000 Meter bleiben. Von 279 Pistenkilometern sind bereits 225 km beschneibar, und es werden weitere Beschneiungsanlagen gebaut. Solch stark frequentierte Pisten erfordern auch perfekte Präparierung. Das mehrheitlich hier fahrende Skifahrpublikum akzeptiert schließlich kein schwierig zu fahrendes Terrain mit aufgeworfenen Schneehaufen. Den Pistenteppich zu pflegen gelingt mit großem Erfolg, selbst die Talabfahrten waren bei den Testfahrten bis zum Schluss ohne wirkliche Mängel.

Genuss auch für Cracks

Der bekannteste Skiberg in diesem weitläufigen Skigebiet ist die Hohe Salve, dessen Schneekegel vom Salvenkirchlein, der höchst gelegenen Wallfahrtskirche Österreichs gekrönt ist. Hier starten die längsten und anspruchsvollsten Abfahrten in Richtung Hopfgarten, Itter, Söll und Brixen im Thale. Gabriel Eder, mein Guide bei der Gebietserkundung, stach direkt in die nicht präparierte Südost-Abfahrt Richtung Brixen im Thale, deren steiler Gipfelhang schon eine rechte Herausforderung ist. Mit der richtigen Ausrichtung zur Sonne wurden die tiefer gelegenen Almhänge dann aber das reine Firnvergnügen. Auch die direkte Abfahrt nach Norden, Richtung Hochsöll oder der Salvenmoos-Senke ist rasant steil, bei Neuschneelage ist die letztere Abfahrt auch ein schnell verfahrenes Tiefschneerevier. Aber die steilen Passagen lassen sich problemlos aussparen, die Hänge direkt oberhalb von Hochsöll sind breit, gleichmäßig geneigt und ideal für Carver aller Könnensstufen. Hier wird der Genussski-Charakter des Gebiets am deutlichsten.

Für Freunde langer Talabfahrten empfiehlt sich die Abfahrt nach Hopfgarten. Über 1.200 Höhenmeter geht es hinab, hauptsächlich über lichte Almen und abwechslungsreich coupiertes Gelände. Dafür braucht man reichlich Schmalz in den Oberschenkeln, besonders wenn man die Abfahrt sportlich angeht. Die Talabfahrt nach Itter bietet eine vergleichbare Herausforderung.

Sportlich geht es auf der Ski-Movie-Strecke am Südhang in Scheffau zu: Die Videoaufzeichnung startet beim Durchfahren der Schranke. Auf der Webseite kann man sich hinterher per Skipassnummer seinen Run herunter-laden und seinen Lauf bewundern. Weitere Pisten, auf denen man seine Rennform messen lassen kann, finden sich am Filzboden in Brixen im Thale und der Almbahn in Ellmau/Going.

Wer sich statt flinker Race-Carver lieber breite Bretter unterschnallt, findet in der SkiWelt diverse Routen für Variantenfahrer. Neben den oben bereits genannten Ost- und Nordhangabfahrten von der Hohen Salve, sind das vor allem die Moderer Abfahrt vom Brandstadl nach Scheffau und die Salvista-Abfahrt nach Itter – alle mit mindestens 700 Höhenmetern eine Herausforderung für das Stehvermögen. Rasant ist die Variantenabfahrt vom Talkaser im Westendorfer Skigebiet, die schließlich auf die leichte und entspannende Talabfahrt nach Westendorf mündet. Mit einem ortskundigen Guide lassen sich darüber hinaus noch viele weitere Varianten entdecken. Für Tourenfans ist das Angebot in den angrenzenden Teilen der Kitzbüheler Alpen riesig und die Charakteristik der Skiberge mit viel Almgelände ähnlich, nur muss man halt den Anstieg mit Fellen selbst erarbeiten.

Für Nachtschwärmer und Familien

Die SkiWelt bietet aber nicht nur für jeden Skifahrer-Typen etwas – sondern auch zu jeder Tageszeit: Zwischen Hochsöll und Söll befindet sich das mit 10 km beleuchteten Pisten größte Nachtskiangebot Österreichs – selbst der Funpark in Hochsöll ist mit einbezogen. Es sind eher weniger schwierige Abfahrten, die beleuchtet werden. Genau das richtige also für das kleine abendliche Skivergnügen. Von Mittwoch bis Samstag kann man nach Feierabend im Flutlicht seine Schwünge ziehen.

Manche Eltern mit kleinen Kindern werden da vielleicht bereits in den Betten liegen – doch auch sie haben am Tag sicher jede Menge erlebt, denn für junge Familien mit Kindern wird einiges geboten: Kinderskischulen in allen Orten, Mini-Carver-Methode (Skischule Scheffau) für altersgerechtes Skifahrenlernen, Kindererlebniswelten sowie Zauberteppiche und spezielle Kinderlifte. Dazu gesellen sich die Funparks in Ellmau, Söll und Westendorf, mit denen man die Heranwachsenden begeistert und für den Familienurlaub bei der Stange hält. Auch in Söll und Hochsöll hat man sich für die Kids mächtig ins Zeug gelegt, drei Fun-Slopes mit über 40 Kickern und Rails warten auf sie. Eine zahmere Variante für Einsteiger

ist auf der Salvenmoss-Mulde geshaped. Zur Erlebniswelt der (noch) Kleineren passt das Igludorf in Hochbrixen, das mit der Eisskulpturenausstellung auch Erwachsene anspricht. Für die Kleinkinderbetreuung gibt es Angebote wie den Schneepiraten Club auf dem Brandstadl und den Bobo-Club in Hochbrixen. So können Eltern entspannt skifahren und wissen ihre Kinder dabei gut betreut.

Zum Familiencharakter des Skigebiets passen die vielen Rodelbahnen, die in Ellmau und in Söll sogar beleuchtet sind; ein großer Abendspaß für Kinder und Erwachsene ebenso.

In der Vor- und Nachsaison (15.3. – 30.3.2014) fahren Kinder bis 15 Jahre gratis, sobald ein Elternteil einen Skipass für mindestens drei Tage erwirbt.

Fazit: Das vielfältige Angebot an Pisten, der Komfort der Bahnen und die Vielzahl der Hütten überzeugen als ideales Familienskigebiet. Aber auch für Sportbegeisterte bietet die Skiwelt Wilder Kaiser ausreichende Möglichkeiten.

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Moderne Bahnen bieten den perfekten Einstieg in das riesige Gebiet.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 02 / 2014

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