Ötztal: Der krönende Abschluss

Verschneite Gletscher und mehr als zwanzig Dreitausender – die Fahrt ans Ende des Ötztales nach Obergurgl lohnt sich schon wegen der grandiosen Landschaft. Aber es warten auch noch 110 gut gepflegte Pistenkilometer. Wer gerne Party macht, sollte sich jedoch schon weiter unten im Tal in Sölden ein Quartier suchen

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Text Armin Herb Bild Armin Herb, TVB

Der Ausblick ist ohne Übertreibung atemberaubend, für manche sogar schwindelerregend. Man könnte dabei fast das Skifahren vergessen, aber nur fast. Am höchsten Punkt des Skigebietes am Wurmkogl thront seit wenigen Jahren auf 3.080 Meter Höhe der Top Mountain Star. Der Name klingt etwas banal und austauschbar, aber der futuristische Rundbau mit Panoramabar und Aussichtsplattform fasziniert selbst alt eingesessene Obergurgler, wie unseren Skiguide Michael Zwischenbrugger. „Hier stehe ich immer gerne eine Weile und schaue in unsere Ötztaler Bergwelt. Und merke dabei gar nicht, wie die Zeit vergeht.“ Er kommt dabei richtig ins Schwelgen. Mit etwas Wehmut denkt er ab und zu noch an die alte Wurmkoglhütte zurück. Die stand zuvor hier oben direkt am Grat – klein, urig, windumtost und oft eingepackt in Schnee und Eiszapfen. Doch nun ist Schluss mit Romantik und Berg-Nostalgie. Im Hintergrund jubelt ein Boarder: „Das ist die geilste Espressobar, die ich kenne!“ Und meint damit das Aussichts-Ufo aus Stahl und Glas namens Top Mountain Star.

Schneesicheres Terrain

Wir stürzen uns derweil ins Skivergnügen, fast im wahrsten Sinne des Wortes. Denn direkt unter dem Top Mountain Star bricht die schwarze Piste 27 los, so ziemlich das Steilste, was der Skifahrer in Hochgurgl erwarten kann. Ohne scharfe Kanten macht dieser Hang keinen Spaß, aber mit umso mehr. Wir lassen es stauben. Schnee ist ja genügend da. Die weiße Pracht macht hier oben zwischen 1.900 und 3.000 Meter selten Probleme. Nicht ohne Grund gilt Obergurgl-Hochgurgl als eines der schneesichersten Skireviere der Alpen. Und wenn die Schneewolken mal Pause machen, helfen die Schneekanonen aus und können 95 Prozent der Pisten befahrbar machen. An der neuen Wurmkogelhütte sitzen schon am Vormittag einige Wintersportler in der Sonnenanbeterstellung vor ihrem großen Braunen oder – neuösterreichisch – Cappuccino. Für uns noch zu früh für einen Einkehrschwung. Michael will unbedingt sehen, ob wir die längste Abfahrt ohne Pausen schaffen. Gar nicht so einfach, denn immerhin sind es rund acht Kilometer und 1.300 Höhenmeter vom Wurmkogel bis hinunter ins Gurgler Tal. Mit etwas Kondition in den Oberschenkeln lässt sich das durchstehen, denn nach dem „schwarzen“ Einstieg wird’s deutlich sanfter. Erst hinter dem Hoteldorf fordert die Piste wieder mehr Konzentration und Stehvermögen. Auf jeden Fall haben wir uns den Kaffeestopp im modern-rustikalen Downhill Grill an der Talstation der Hochgurglbahn I redlich verdient. Michael erzählt uns einiges zur Historie von Hochgurgl: Etwa dass die Hotelsiedlung auf 2.150 Meter Höhe an der Timmeljochpassstraße im Jahr 1961 gegründet wurde und zu einem Großteil in Besitz der Familie Scheiber ist. Dass zu den sechs Hotels eine Relais & Chateaux-Luxusherberge mit Gourmet-Restaurant gehört. Und dass vor allem Familien und Ruhesuchende die Lage mitten im Skigebiet schätzen. Das ist überhaupt ein absoluter Standortvorteil von Hochgurgl und Obergurgl: Ski-in und Ski-out in den meisten Hotels, d.h. kein Skibus, kein langes Skischleppen, sondern vom Skikeller direkt auf die Bretter. Dieser Komfort bedeutet wiederum einen Vorteil für Frühaufsteher: Vor zehn, halb elf ist nichts los auf den Pisten. Die meisten Skiurlauber verwenden die Zeitersparnis zum Ausschlafen und gemütlichen Frühstücken.

Genau die richtigen Voraussetzungen für den nächsten Skitag: Bitterkalt, aber kein Wölkchen am Himmel, und um neun Uhr leere Hänge weit und breit. Aber zum Start gibt es erst mal Panorama satt bei der neunminütigen Fahrt mit dem Top Express von Hochgurgl zu den Pisten am Festkogl. Die Gondel schwebt vorbei am Königstal und Ferwalltal, traumhafte Hochtäler mit verlockendem, jungfräulichem Tiefschnee. Wer dort hinein will, der braucht eine niedrige Lawinenwarnstufe, dazu Tourenski, Felle und am besten einen kundigen Ski- und Bergführer von der Skischule.

Skistars im Ötztal

Wir begnügen uns mit Route 1. Die verläuft am Rande des Ferwalltales steil und anspruchsvoll hinunter zur Talstation der Festkoglbahn. Skiguide Michael erzählt ganz beiläufig mit einem Grinsen von seiner frühmorgendlichen Begegnung. Ihm ist Skistar Julia Mancuso am Lift über den Weg gelaufen. Die Mädels der US-Skinationalmannschaft haben Obergurgl zum offiziellen Trainingsquartier für Europa auserkoren. Aber die meiste Zeit sind sie im Winter natürlich im Weltcup-Zirkus unterwegs.

Das nächste Ziel heißt Hohe Mut, und zwar nicht das urig-luxuriöse Gipfelhaus mit unbezahlbarer Aussicht, sondern die Route 2. Wenn es über Nacht geschneit hat, verwandelt sich der unpräparierte Hang in einen Pulvertraum. Wenn nicht, erfordert das Gelände mit hüfthohen Buckeln das ganze Können des durchschnittlich guten Skifahrers. Ohne Stopp zum Luft holen kommen dann die Wenigsten runter. Michael telefoniert und lächelt – wie immer: „Zur Belohnung dürft ihr jetzt Skidoo fahren“, meint er gönnerhaft. Aber von wegen gemütlich sitzen auf dem Motorschlitten. Das Schneetaxi der Schönwieshütte nimmt an der Steinmannbahn mehrere Skifahrer am Seil in Schlepptau, damit sie nicht hinaufschieben müssen zum Berghaus mit dem berühmten Kaiserschmarrn.

Dabei kann das Bergauffahren auch mal schwieriger werden als der Downhill danach.

Wie in einer Schneewüste liegt die Hütte etwas abgelegen vom Skizirkus am Eingang des Rotmoostales. Ski-tourengeher und Winterbergsteiger treffen sich hier gerne nach ihren Ausflügen zum Gurgler Ferner und den umliegenden Dreitausendern und erzählen von ihren Abenteuern in Eis und Tiefschnee. „Ihr findet sicher alleine zurück“, sagt Michael plötzlich etwas hektisch und zieht sich Handschuhe und Helm an. Zusammen mit seinem Vater Albert leitet er nämlich am Abend die Multivisionsschau „Das Gletscherdorf Tirols im Wandel der Jahreszeiten“ – und dazu muss er noch den Saal vorbereiten. Umrahmt von herr-lichen Aufnahmen des Bergfotografen Bernhard Ritschel wird dabei die Geschichte Obergurgls erzählt – nicht spektakulär, aber ansprechend und interessant. So erfährt der Zuschauer dabei, wie das höchste Kirchdorf Öster-reichs 1931 Berühmtheit erlangte: Durch die Notlandung des Ballons von Auguste Piccard auf dem Gurgler Ferner. Oder dass man den Top Mountain Star als höchste Party-Location weit und breit mieten kann. Cocktail-Schlürfen mit besserer Aussicht gibt’s sicherlich nirgendwo.

Als wir gemütlich ins Tal schwingen, dröhnen schon die Schunkelhits aus der Nederhütte. Viermal pro Woche spielen die „Nederlumpen“, der Hüttenwirt und seine Band-Kumpels, lautstark zum Tanz in Skischuhen auf. Dann herrscht sogar im ansonsten eher ruhigen Obergurgl Schweiß treibende Après-Ski-Atmosphäre. Zum Glück sind die letzten Meter Piste zum Ort nur sanft geneigt und ziemlich breit …<<<

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