Sanft im Schnee

Es muss kein Nachteil sein, wenn es im Skiurlaub etwas langsamer, ruhiger und kleiner zugeht. Im Falle von Werfenweng hat das handfeste Vorteile. Das Bergdorf im Salzburger Land, das für sein Konzept der sanften Mobilität schon vielfach ausgezeichnet wurde, belohnt seine Gäste für den Verzicht aufs Auto – und der fällt alles andere als schwer

neuer_name
Autos sucht man in Werfenweng vergeblich. Dafür gleitet man lieber mit dem Husky-Schlitten durch den Schnee.

Text Georg Weindl Bild TVB Werfenweng, Wood Ridge Lodge

Ein Auto? Nein, ein Auto brauchen`s bei uns wirklich nicht. Die junge Frau an der Rezeption des Tourismusbüros sagt das so bestimmt, dass man fast nicht nachzufragen wagt. Aber Werfenweng ist doch ein kleines Bergdorf mitten im Salzburger Land, geschätzte 20 Kurven und 400 Höhenmeter oberhalb der Tauernautobahn, noch dazu mit einem Skigebiet, dessen Lifte etwas außerhalb vom Zentrum und von den Quartieren liegen. Und da soll man auf das Auto verzichten? Man soll. In Werfenweng geht das, denn in Werfenweng sind viele Dinge etwas anders. Vor etwas mehr als zehn Jahren haben sich die Einheimischen Gedanken gemacht, wie man sich denn als kleiner und eher unscheinbarer Urlaubsort von der schier übermächtigen Konkurrenz in der näheren Umgebung etwas absetzen könnte. Klar, mit der Größe des Angebots von Flachau,

Wagrain, Zauchensee oder gar Schladming konnte man sich nicht messen. Schließlich wurde die Idee der sanften Mobilität geboren, die später kurz Samo getauft wurde. Initiator war vor allem Bürgermeister Peter Brandauer, mit dessen Engagement sich Werfenweng vom eher unscheinbaren, wenn auch recht romantisch gelegenen Bergdorf zum sanft mobilen Ferienziel wandeln sollte. Rein geographisch betrachtet waren die Voraussetzungen nicht so schlecht. Das Dorf liegt auf 1.000 Meter Höhe in einem fast ebenen Talkessel, umringt von steilen Bergen. Fast wie ein großes Wohnzimmer.

Freiwilliger Verzicht

Über allem ragt die 1.835 m hohe Bischlinghöhe, an deren Flanken sich das durchaus respektable Skigebiet verteilt. Mit neun Liften und 25 Pistenkilometern ist es zwar kein großer Skizirkus, aber es gibt immerhin die drei Kilometer lange sportliche Panoramaabfahrt, einfache Pisten für weniger Geübte auf dem offenen Gelände rund um Ladenberg und Schnapfenriedl und einen Funpark fürs Jungvolk. Auf dem Talgrund verteilen sich 30 km Langlaufloipen und dann ist da noch die fünf Kilometer lange Rodelbahn an der Bischlinghöhe, die beim Berghotel Strussing-Alm startet und die man mit der Ikarus-Seilbahn erreichen kann. Winterwanderwege, Schneeschuhwandern, sogar Tandem-Gleitschirmflüge werden hier angeboten. Und doch wollten die Werfenwenger mit etwas Besonderem aufwarten. Und das war dann die sanfte Mobilität. Im Gegensatz zu autofreien Orten wie Zermatt oder Wengen in der Schweiz gibt es hier keine gesperrten Areale. Der Verzicht aufs Auto geschieht hier freiwillig. „Damit die Gäste die sanfte Mobilität auch annehmen, muss man sie belohnen“, sagt Bürgermeister Brandauer. Und die Belohnung sind viele kleine Annehmlichkeiten, die den autofreien Skiurlaub versüßen sollen.

Wer in Werfenweng seinen Winterurlaub verbringt und idealerweise mit der Bahn anreist oder alternativ die Autoschlüssel im Büro des Tourismusverbands deponiert, wird mehrfach honoriert. Der Schlüssel dafür ist der Samo-Vorteilspass, mit dem man zum Beispiel den Gratis-Shuttle zwischen Werfenweng und der nächstgelegenen Bahnstation in Bischofshofen benutzen kann. Voraussetzung für den Samo-Urlaub ist auch, dass man in einem Samo-Gastbetrieb logiert. Die 40 Hotels und Pensionen erkennt man an dem Samo-Schmetterling.

Das Angenehme an Werfenweng ist, dass man hier einerseits kurze Wege hat und dazu noch fast rund um die Uhr Chauffeurdienste in Anspruch nehmen kann, wenn man den Vorteilspass hat. So kann man sich zum Beispiel morgens mit dem Ortstaxi Elois vom Hotel direkt zum Lift fahren lassen. Man muss nur etwa eine Stunde vorher anrufen. Elois bringt einen auch nachmittags zurück ins Quartier und abends in ein Gasthaus nach Wahl in Werfenweng. Sollte es dann etwas später oder ganz spät werden und der Elois-Chauffeur liegt schon längst in den Federn, dann steht immer noch das Nachttaxi zur Verfügung. Will man dann doch mal raus aus dem Ort und einen Ausflug in die Nachbarschaft, vielleicht auch ins 45 km entfernte Salzburg wagen, dann steht ein Toyota Prius zur Disposition. Der ist genauso kostenlos wie die Chauffeurdienste. Man muss ihn eben nur reservieren. Inklusive sind auch die Langlauf-Leihausrüstung, die Loipengebühr, ein Rodelverleih, eine Schneeschuhtour und als eher exotische Variante eine Lama-Trekkingtour rund um das Dorf. Der Renner bei den winterlichen Samo-Aktivitäten ist aber die Pferdekutschenfahrt, verrät Bürgermeister Brandauer. Das sieht also schon danach aus, dass die Samo-Botschaft bei der Kundschaft angekommen ist. Sanft mobil durch die Winterlandschaft. Was passt da besser als eingehüllt in warme Decken in der Kutsche zu sitzen und sich von Gäulen durch den Schnee ziehen zu lassen?

Erfolgreiches Konzept

All diese Angebote sind in dem Vorteilspass inklusive, kosten den Gast also nichts extra, wenn man von den fünf Euro Verwaltungsgebühr für die Karte absieht. Für die Gemeinde und die Hotels, die dem Samo-Projekt angeschlossen sind und einen Beitrag zahlen, der sich nach der Zahl der Samo-Gäste richtet, rechnet sich das Projekt über die höhere Auslastung der Betriebe. Mit der Einführung der sanften Mobilität ist die Zahl der Nächtigungen von rund 160.000 auf deutlich über 200.000 gestiegen. Gut getan hat es vor allem dem Image des kleinen Dorfes. Mittlerweile haben sich etliche Auszeichnungen angesammelt.

Dazu gehören unter anderem der Zipfer Umweltpreis für nachhaltige Entwicklungen, der Nets Award für innovative Bahnurlaubsangebote, der Europäische Eurosolarpreis, der Ford Umweltpreis und der Siegerpreis beim Wettbewerb „Zukunft in den Alpen“ der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA. Kein Zufall ist natürlich auch, dass sich hier aimmer wieder Delegationen aufhalten, die sich über den Erfolg der sanften Mobilität informieren wollen. So fortschrittlich das Samo-Konzept in Werfenweng auch sein mag, im Grunde ist das Dorf sehr bodenständig geblieben. Auf dem Veranstaltungskalender findet man keine Rave-Parties, sondern ein Zipflbobrennen, die lokalen Skiklubmeisterschaften, Schlittenhunderennen, Haxenschmaus und Schnitzeltag im Gasthaus

Zistelberghof. Das passt ja auch gut zusammen, denn wer in den Skiferien sanft mobil sein will, der sucht keine urbanen Vergnügungsstätten, sondern eher die winterliche Beschaulichkeit. Wie in guten alten Zeiten, könnte man fast meinen. Dazu passt dann auch, dass in Werfenweng das offizielle Salzburger Landes-Skimuseum zu Hause ist. Eine kleine, feine Sammlung von Ski-Nostalgie mit Uralt-Holzlatten, mit einer Haube von Toni Sailer und mit Riesenski, auf denen sich elf Skilehrer 1993 ins Guinness Buch der Rekorde gefahren haben.

Anspruchsvolle Passagen im Steilhang

So schön die Winterromantik und so vernünftig der sanft mobile Urlaub in Werfenweng auch sind, eigentlich kommt man ja doch wegen der Pisten. Und die sind in Werfenweng zwar überschaubar, aber dennoch recht vielseitig. Vom Gipfel der Bischlinghöhe geht es rechts auf dem offenen Gelände zum Ladenberg, dessen Pisten breit und übersichtlich sind. Mittelschweres Terrain und damit gut geeignet für lange Carvingschwünge. Bei der Bergstation des Ladenberg-Sesselifts kann man links zum Sonnenhang abbiegen, der direkt vor der Strussingalm endet. Das sind durchweg relativ kurze Abfahrten, die auch familientauglich sind. Es kann aber sportlicher sein. Die sechs Kilometer lange Talabfahrt von der Bischlinghöhe sollte man locker angehen, denn im mittleren Teil warten einige anspruchsvolle Passagen mit einem veritablen Steilhang. Gut, dass das Schlussstück dann recht flach ausläuft.

Man hat also eigentlich alles in Werfenweng, nur eben kleiner und vor allem ruhiger und betont stressfrei. Was heutzutage ziemlich modern geworden ist. Die Zahl der Samo-Gäste ist im Winter sogar noch etwas höher als im Sommer. Das ist einerseits nachvollziehbar, weil man im Winter gerne Chauffeurdienste in Anspruch nimmt und sich mit den Offerten auch einige Kosten ersparen kann. Andererseits lockt Werfenweng seine Sommergäste mit der kostenlosen Nutzung von ziemlich unterhaltsamen Elektromobilen, mit denen Kinder und Erwachsene voller Begeisterung rund um das Dorf kurven. Das kommt gut an und ist fast so schön wie Ski fahren. <<<

neuer_name
Werfenweng bietet nur 25 Pistenkilometer – doch die machen Spaß.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat
  • catalog flat

Events

23.11 – 30.11.2019
Sulden - Skitestwoche
24.11 – 30.11.2019
Pitztal - 50. Ski Opening Westdeutscher Skiverband