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Silvretta Montafon: Von frühen Vögeln, Murmeltieren und Skorpionen

Durch den Zusammenschluss zweier Gebiete ist mit Silvretta Montafon im letzten Winter eines der größten Skigebiete Österreichs entstanden. Doch auch im Kleinen hat das Tal jede Menge zu bieten

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Text Florian Tausch Bild Montafon Tourismus, Udo Bernhart

Es ist dunkel. Es ist kalt. Saukalt. Minus 18 Grad ist für heute als Tageshöchsttemperatur angekündigt worden, und bis das Thermometer so weit „steigt“ können noch ein paar Stunden vergehen, denn die Uhr zeigt gerade einmal kurz nach sieben Uhr morgens. Bibbern ist also angesagt. Trotz der unwirtlichen Bedingungen bin ich nicht der einzige, der heute hier zur frühen Stunde an der Talstation der Versettla-Bahn in Gaschurn eingetroffen ist. Etwa dreißig weitere Skifans warten darauf, dass das riesige Rad der Bahn endlich in Schwung kommt, sich die Tür öffnet und unseren kleinen, exclusiven Kreis lange vor allen anderen ins Nova-Gebiet befördert. „Nova Exclusiv“ heißt dieses Vergnügen, das jeden Freitag angeboten wird, dann auch folgerichtig.

Als die Gondeln dann endlich bergauf schweben, bricht langsam die Sonne durch und taucht die umliegenden Gipfel in ihr frühes Licht. Der Puls steigt, die Kälte ist (fast) vergessen. Oben ein kurzes Aufwärmen und Dehnen, dann teilen sich die „Early Birds“ unter der Anleitung von Skilehrern in zwei Gruppen und stürzen sich freudig wie Kinder zu Weihnachten auf die unberührten Hänge. Die ohnehin weiten Pisten der Madrisella- und Schwarzköpfle-Bahn liegen frisch präpariert, einsam und in schräges Licht getaucht vor uns. Carving-Schwünge von einem Ende zum anderen. Geschwindigkeit ohne Reue. Hoch und runter ohne Pause. Das Herz geht einem auf.

Später, als sich die Hänge mit der „offiziellen“ Liftöffnung langsam füllen, gibt es für uns erst einmal ein wohlverdientes und reichhaltiges Frühstück in der Nova Stoba. Kraft tanken, für das, was jetzt noch kommt. Denn der eigentliche Skitag liegt ja noch vor uns – und das Gebiet hat jede Menge zu bieten. Genauer: So viel zu bieten, wie kein anderes Skiresort in Vorarlberg. (Die kleine Spitzfindigkeit, dass ja Teile des Gebiets Lech Zürs auf Tiroler Seite liegen, lassen wir gerne gelten.) Mit dem Superlativ konnten die Orte zwischen Silbertal und Gaschurn nicht immer prahlen. Doch im letzten Winter wurde ein Meilenstein in der Entwicklung des Gebiets realisiert: Die hochmodernen Bahnen Grasjoch und Hochalpila verbinden nun die Nova mit dem Hochjoch. Durch den Zusammenschluss entstand das Gebiet Silvretta-Montafon: eines der größten Skivergnügen Österreichs mit rund 155 Pistenkilometern.

Mehr als ein Superlativ

„Kilometerfresser“ kommen dabei gleich mehrfach auf ihre Kosten: So führt einen beispielsweise die Montafon Totale einmal von Gaschurn bis Schruns und wieder zurück. Gerade das richtige Pensum für einen Skitag, das zudem die meisten Pisten- und Routen-Highlights beinhaltet. Und auch für die Hochjoch Totale braucht es ordentlich Schmalz in den Muskeln. Es ist die längste – und sicher auch eine der schönsten – Talabfahrten Vorarlbergs. Vom Startpunkt am Kreuzjoch bis zur Ankunft im Tal bei Schruns werden über 1.700 Höhenmeter überwunden. Einen knappen halben Kilometer legt man davon – Achtung: schon wieder ein Superlativ – im längsten Skitunnel der Welt zurück.

Aber natürlich geht es im Montafon nicht nur um schneller, höher, weiter, sondern vor allem um den perfekten Genuss für jede Couleur von Skifahrer. Selbst Einsteiger finden hier beste Möglichkeiten, und zwar vor allem auf der Hochjoch-Seite, wo es um den Seebliga-Lift genau das richtige Terrain für die ersten Schwünge im Schnee gibt. Anspruchsvoller, aber auch für Nicht-Experten immer noch gut beherrschbar sind die sanft geschwungenen Hänge, die vom Hochjoch und vom Fredakopf ausgehen. Da direkt neben den Genießerpisten auch eine „Rote“ zum gleichen Lift hinabführt, können sich hier vor allem Familien und Gruppen mit unterschiedlichem Fahrniveau bestens austoben. Alle zusammen berauschen sich dann wieder an dem großartigen Panorama, das sich von diesen Hängen aus erschließt.

Sportliche Herausforderungen

Ich tummele mich aber zunächst auf der Nova-Seite des Gebiets – und finde hier echte Schmankerl für sportliche Fahrer. Gerade die drei roten Pisten, die vom Schwarzköpfle (wird über den Rinderhütte-Lift erschlossen) westlich ins Tal hinabgehen, punkten in Sachen Länge, Breite und Gefälle. Und auch die morgens schon „erfahrenen“ Pisten der Madrisella lassen es wieder und wieder in den Beinen jucken. Vor allem aber überzeugt der harmonisch-anspruchsvolle Gesamteindruck dieses Teilgebiets: Trotz der relativ weiten Erstreckung gibt es keine öden Querungen oder Lifte der „Den-hätte-ich-mir-mal-lieber-erspart“- Kategorie. Im Gegenteil: Selbst die blau deklarierten Pisten haben hier genug Potenzial, um auch sehr gute Skifahrer zu begeistern.

Und natürlich gibt es auch hier echte Herausforderungen. Wer auf der Suche nach ihnen ist, sollte nach einem Tier Ausschau halten, das im alpinen Bergraum normalerweise relativ wenig verloren hat – einem Skorpion. Einem schwarzen Skorpion, genauer gesagt. Denn die Abbildung eines solchen weist auf dem Pistenplan die sieben Top-Schmankerl und damit die schwierigsten Abschnitte des Gebiets aus. Und die Skorpione geben sich genau so vielfältig, wie das gesamte Gebiet. Man findet sie sowohl im Nova- als auch im Hochjochteil. Als Piste oder als Skiroute. Jede hat ihren eigenen Charakter, etwa den einer steilen, harten Abfahrt am Nova-Lift oder den einer unverspurten Route vom Sennigrat hinab. Echten Skifans sei die „Jagd nach den schwarzen Skorpionen“ jedenfalls wärmstens empfohlen. Rennsportlich wird es an den Liften Spatla (Nova-Gebiet) und Platina (Hochjoch). Hier sind permanente Rennstrecken inklusive Zeitmessung angelegt. Die Nutzung steht jedem frei. Wer es allerdings genau wissen will, kann für 20 Euro täglich um 10:00 Uhr an einer der beiden Strecken an einem professionell geführten Techniktraining inklusive Videoanalyse teilnehmen.

Eine ganz andere Herausforderung finden alle Park & Pipe Fans im Nova-Park. Dieser ist – Achtung: Superlativ! – einer der größten Snowparks in Europa. Ein ganzer Hang wurde mit Rails und Kickern gespickt – eingeteilt in vier Kategorien, vom Beginner bis zum Experten. Und am Ende lockt eine 120 Meter lange Halfpipe. Auch für Kids stehen jede Menge altersgerechter Obstacles bereit.

Die Gargellen – perfekt für Familien

Apropos: Wer mit Kindern unterwegs ist, hat neben dem großen Silvretta Montafon noch andere Alternativen im Tal. Eine davon ist Gargellen, das höchste der insgesamt fünf Gebiete des Montafon. Schon die Anfahrt zum Ort kann im tief verschneiten Winter ein kleines Abenteuer werden: Die enge Straße schlängelt sich hinauf, bis man auf 1.423 Metern die Talstation erreicht. Das kleine-feine Gebiet streckt sich dann bis auf 2.300 Metern Höhe, was sichere Schneeverhältnisse bis zum Ende der Saison garantiert.

Auf den ersten Blick erscheint Gargellen mit den überwiegend blauen Pisten unspektakulär. Wer genauer hinsieht, erkennt hier viele Vorteile: Der Großteil der Abfahrten führt über ein Plateau, auf dem die Hütte „Schafberg Hüsli“ steht. Es ist also fast unmöglich, die Orientierung oder die Kinder aus dem Auge zu verlieren. Auch den Funpark hat man von hier aus schnell im Blick. Der Nachwuchs kann sich also ohne Sorgen alleine auf den oberen Pisten des Bergs tummeln. Und die Eltern? Können nicht nur die exzellente Küche des Schafberg Hüsli genießen, sondern auch ordentlich skifahren. Zum einen gibt es unzählige lang gezogene Talabfahrten für Genießer, zum anderen wahre Herausforderungen für echte Sportler: Die Nidla-Variantenabfahrt gilt als eine der schönsten im ganzen Montafon. Über 500 Höhenmeter geht es dabei im Pulver zu Tal. Ein weiteres Highlight für Ski-Cracks ist die Madrisa Rundtour, die bis auf Schweizer Gebiet und wieder zurück führt. Sechs bis sieben Stunden sollte man für dieses Skivergnügen, bei dem eine einzelne Tiefschneeabfahrt bis zu 60 Minuten dauern kann, kalkulieren.

Der Golm ruft

Weiter geht’s. Nur wenige Kilometer von Schruns entfernt findet sich ein weiterer schillernder Mosaikstein der Montafoner Bergwelt – der Golm. Vielleicht läutet bei dem Namen selbst bei denen ein Glöckchen, die noch nie das Montafon besucht haben, denn Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre war der Golm Austragungsort von Weltcup-Rennen. Und auch heute noch ist auf den insgesamt 35 Pisten-kilometern aktives, sportliches Skifahren angesagt. Auf mich wirkt das Gebiet größer als es ist, was vielleicht an den attraktiven und zumeist längeren Abfahrten „im roten Bereich“ liegt. Die ehemalige Weltcup-Abfahrt ist dabei nur eines von vielen Highlights. Ein weiteres die 9,2 Kilometer lange Talabfahrt. Und auch echte Herausforderungen hält der Berg bereit: Wer den 6er-Lift Rätikonbahn hinauf aufs Golmerjoch nimmt und dort durch einen kurzen Skitunnel quert, schaut in einen Abgrund namens Diabolo. Auf über 300 Metern neigt sich der Hang mit einem Gefälle von bis zu 70 Prozent. Da heißt es vorher Kanten wetzen und dann nichts wie rein ins steile Vergnügen (auf dem es übrigens auch stets Ausweichmöglichkeiten gibt, sollte man sich mitten am Hang doch überfordert fühlen).

Trotz dieser sportlichen Attraktionen punktet der Golm auch als besonders kinderfreundliches Gebiet. Spezielle Kinderlifte und -pisten, Zauberteppich, Kinderpark und -betreuung stehen hier für den Nachwuchs bereit. Selbst eine eigene Kinder-Skisafari gibt es. Und natürlich ein eigenes Maskottchen für die Kids: „Golmi“, das Murmeltier.

Drei Gebiete in drei Tagen – und ein fester Vorsatz: So schnell wie möglich wiederkommen ins Montafon. Denn mit der Vielfalt an Pisten und der Schönheit der Landschaft ist jedes Skifahrerherz schnell gewonnen. Und dann gibt es ja auch noch mehr zu entdecken – das Tourengebiet Bielerhöhe etwa. Schön, wenn es so gute Gründe gibt, im Wortsinne „Auf Wieder-sehen“ zu sagen. <<<

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