Zillertal: Dem Himmel so nah

Am hinteren Ende des Zillertals thront majestätisch der Hintertuxer-Gletscher. Österreichs einziges Ganzjahres-Skigebiet bildet den Abschluss und – im Wortsinne – den Höhepunkt des Tuxertals, das noch mit vielen weiteren Ski-Attraktionen punktet

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Text Florian Tausch Bild TVB Tux Finkenberg, Sporthotel Stock

"Einsteigen bitte, der Gletscher wartet schon!“ Nur zu gerne leistet unsere Gruppe der Aufforderung des Mannes folge, der da hinter dem Steuer des Kleinbusses sitzt. Denn zum einen sind wir alle scharf darauf, dem Grün des Tales zu entkommen und uns in die weißen Höhen zu begeben. Und wann hat man, zum anderen, schon einmal die Chance, mit einem Olympiamedaillengewinner ein Skigebiet zu erkunden? Also, nichts wie rein in den Bus, den der prominente Fahrer selber zum Hintertuxer Gletscher lenkt. Hans Enn, war Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre einer der wenigen österreichischen Rennläufer, der sich in den technischen Disziplinen in der Weltspitze behaupten konnte. Sechs Weltcupsiege, eine Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen in Lake Placid und die Ehre, als erster Österreicher einen Super-G gewonnen zu haben, stehen zu Buche. Heute fährt er, so wie einige Male pro Jahr, mit den Gästen des Sporthotels Stock auf den Hintertuxer Gletscher. Den kennt er durch seine aktive Zeit bestens, denn: „Hier haben wir immer mit der Nationalmannschaft trainiert.“

Kein Wunder, dass der ÖSV dieses Gebiet auch heute noch zur Saisonvorbereitung nutzt: Der Hintertuxer Gletscher ist Österreichs einziges Ganzjahresskigebiet mit Pulverschneegarantie von Oktober bis Mai. Selbst im Hochsommer lassen sich hier auf 22 Kilometern die Spuren in den Schnee ziehen, und im Winter blüht dieses hintere Ende des Zillertals richtig auf: Dann kann man sich mit einem Skipass von Zillertal 3000 in fünf Gebieten auf insgesamt 245 Pistenkilometern austoben, wovon dann alleine 86 Kilometer auf den Gletscher entfallen.

Ab auf den Gipfel

Hoch, höher, am höchsten – so geht es kurze Zeit später in drei Schritten hinauf. Zunächst gondeln wir mit dem Gletscherbus 1 zur Sommerbergalm (2.100 m). Gleich geht’s weiter in den Gletscherbus 2, der uns zum Tuxer Fernerhaus befördert. Doch auch dort steigen wir nur um: Mit dem Gletscherbus 3 – der höchsten Zweiseilumlaufbahn der Welt – schweben wir hinauf auf 3.250 Meter, zur Spitze der Gefrorenen Wand. Dort erwartet uns von der Panorama-Terasse ein atemberaubender 360-Grad-Ausblick auf die umliegenden Alpengipfel. An klaren Tagen kann die Sicht bis zu 100 Kilometer betragen. Und so lassen wir unseren Blick auf Zugspitze, Dolomiten, Großglockner und die 55 umliegenden 3.000er-Gipfel des Zillertals schweifen. Nur im Süden verstellt der Olperer die Sicht, der mit seinen 3.476 Metern über dem Hintertuxer Gletscher thront. Wer sich von der Aussicht losreißen und die Freude auf’s Skifahren noch etwas zurückstecken kann, der findet dicht bei der Bergstation der Gefrorenen Wand noch eine weitere Attraktion: Den Natur Eis Palast. Dieser ist eine natürlich gewachsene, verzweigte Gletscherspalte, die in Touren besichtigt werden kann. Ein faszinierender Eishöhlenrundgang in 25 Metern Tiefe, der nicht nur Kindern Spaß macht (bitte beim Kauf der Karten an der Kasse anmelden).

Wir lassen uns aber nicht mehr länger aufhalten. Hans Enn trägt das Renn-Gen wohl immer noch in sich und fährt die Gefrorene Wand und den Slalomhang hinab zu den Olperer-Liften. Park-Fans gelangen über diesen zum Betterpark, der auf einer Länge von 750 Metern mit einer Halfpipe sowie Obstacles aller Fähigkeitsstufen aufwartet. Übrigens: In diesem Jahr findet das große Hotzone-tv Park Opening vom 30.9. bis zum 2.10. statt. Geöffnet ist der Park dann bis Mitte Dezember.

Für uns geht es jedoch erst einmal weiter zu den beiden Kaserer-Liften, die mit Länge, wunderbar breiten Carving-Pisten und angenehmem Gefälle punkten. Dabei gibt sich der Kaserer 2 etwas gemäßigter, mit blauen Abfahrten links und rechts der Liftspur. Der Kaserer 1 bietet anspruchsvolleres Gelände und mit dem Sonnenhang sogar eine Variante, die sich ein schwarzes Label verdient.

Rund um die niedriger gelegene Sonnenbergalm tun sich in den Wintermonaten noch weitere, eher leichtere Hänge auf, die sich vor allem für entspanntes Carven eignen. Vor allem das Tuxerjoch mit seiner langen Abfahrt (und einer roten Teil-Variante) locken hier den Skifan. Doch selbst diese 1.300 Meter fordern einem nicht annähernd die Kondition ab, wie es die Schwarze Pfanne tut. Die durchgängig beschneite Talabfahrt beginnt an der Bergstation des Gletscherbus 3 und führt bis hinunter zur Talstation Hintertux. 12 Kilometer Strecke und 1.750 Höhenmeter werden dabei zurückgelegt. Und das beste ist: Diese Talabfahrt ist nicht nur dazu da „hinunter zu kommen“, sondern bietet tolles Skifahren im mittleren Schwierigkeitsbereich und einen fantastischen Ausblick auf das Zillertaler Panorama.

Zum Glück geht’s wieder bergauf

Doch natürlich möchte man nur abfahren, weil woanders wieder eine Gondel nach oben geht. Und daran ist in dieser Region kein Mangel. Zwischen dem Hintertuxer Gletscher und der „Zillertal-Metropole“ Mayrhofen liegen insgesamt fünf Gebiete, die alle mit einem Pass befahren werden können und zum großen Teil auch für Skifahrer verbunden sind. Dabei wartet jedes für sich mit einer eigenen Charakteristik auf: Das Gebiet Eggalm bietet zwar nicht viele, dafür ausgedehnte, sportliche Abfahrten für die Eltern (sehr schön: die acht Kilometer lange Talabfahrt) sowie den Kinderpark Eggalm für die Kleinen – und ist so perfekt für Familien. Der Ahorn, mit 18 Pistenkilometern das kleinste Gebiet der Runde, ist hingegen vor allem für Genießer ein Paradies, die fernab vom üblichen Pistentrubel auf weiten, eher flachen Hängen ihre Bahnen durch den Schnee ziehen wollen. Da geht es am Rastkogel schon deutlich lebhafter zu, was nicht nur an dem berühmten Sonnenplateau liegt, auf dem schon mancher Hardcore-Carver bereits um die Mittagszeit mit dem Après-Ski angefangen hat. Eine gute Mischung aus leichten und mittelschweren sowie einigen schweren Routen machen Rastkogel attraktiv. Ein besonders schöner Run, der auch Varianten für echte Könner bereithält, ist die Panoramaabfahrt, die von der Bergstation 150er Tux hinab zur Talstation der Schwebebahn führt. Diese verbindet Rastkogel mit Penken, dem größten und vielfältigsten Gebiet im Tuxertal. Die insgesamt 92 Pistenkilometer sind direkt von Mayrhofen, Hippach und Finkenberg zu erreichen, aber eben auch über Verbindungen vom Rastkogel aus. Hier blüht Hans Enn wieder richtig auf, denn für sportliche Fahrer hat der Berg einiges zu bieten. An mehreren Abschnitten stehen Rennstrecken mit kostenloser Geschwindigkeitsmessung zur Verfügung, die schwarze Piste vom Hochbergkarspitz zur Tappenalmbahn trägt ihren Namen Devil’s Run zurecht – und dann ist da noch die eine Piste, deren Name wohl bekannter ist, als der des Skigebiets, in dem sie liegt: Harakiri. Mit einer durchschnittlichen Neigung von 78 Prozent Österreichs steilste Abfahrt.

Und auch an anderer Stelle wird es sportlich. Fun-sportlich. Der mehrfach ausgezeichnete Vans Penken Park befindet sich mitten im Gebiet. Für diesen wurde einst eine komplette Piste in einen einzigen Funpark umfunktioniert, der mittlerweile weit über die Landesgrenzen hinaus Kultstatus erreicht hat.

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Die große Sause Penken, Rastkogel, Eggalm oder der Gletscher – in jedem dieser Gebiete für sich kann man gut und gerne mehr als einen angenehmen Skitag verleben. Aber man kann auch alle an einem Tag befahren. Die so genannte Gletscherrunde führt den Skifan auf einen aufregenden Trip, der all diese Reviere und ihre schönsten Abfahrten beinhaltet. Wer sich an die ausgeschilderte Route hält, legt 72 Pisten-Kilometer in allen Schwierigkeitsgraden zurück und überwindet dabei mehr als 15.000 Höhenmeter. Lediglich zwei kurze Busfahrten sind nötig, um diese Sause durch das gesamte Tuxertal möglich zu machen.

Diesmal haben wir sie noch nicht in Angriff genommen. Aber als sich Hans Enn mit einem „Auf Wiedersehen“ verabschiedet, sind wir uns sicher, dass es dazu schon bald wieder kommen wird. Und dann geht’s rund. <<<

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Kein Grund, rot zu sehen: SkiMAGAZIN-Autor Florian Tausch (rote Hose rechts) mit der von Hans Enn (rote Hose links) angeführten Gruppe

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