Ovronnaz/Wallis: Sonnige Pisten und dampfendes Wasser

Ovronnaz – den Namen haben Sie noch nie gehört? Dann befinden Sie sich womöglich in bester Gesellschaft. Denn bei bundesdeutschen Skiurlaubern scheint der Wintersportort im Wallis noch weitgehend unbekannt zu sein. Dies könnte sich in Zukunft ändern, denn seit ein paar Jahren lockt Ovronnaz am Sonnenhang des schweizerischen Rhonetals familiäres Publikum mit besten Voraussetzungen für einen genussvollen Winterurlaub

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Text Frank Wündsch Bild TVB d’Ovronnaz, Les Bains d’Ovronnaz, Frank Wündsch

Skilaufen auf hohen Bergen am Rande eines sonnenreichen Weinbaugebiets – und nach dem Carven mit der ganzen Familie in wohlig-warmes Thermalwasser eintauchen? Das klingt nach Genussurlaub. Im Wallis haben wir eine Winterfrische entdeckt, die diese Kombination auf familienfreundlich unbeschwerte Art möglich macht. Unser Gang durch den Ferienort offenbart: Deutsche Autokennzeichen sind hier Mangelware. Da fragt man sich: Haben deutsche Skifahrer den Ferienort noch nicht entdeckt?

Ovronnaz liegt oberhalb von Leytron auf der Sonnenseite des Walliser Rhonetals, ein paar Kilometer östlich von Martigny. Vom rebenreichen Talgrund führt die Zufahrt windungsreich mit rund zwei Dutzend Serpentinen durch die Weingärten hinauf auf 1.350 Meter Meereshöhe. Im Chez Eugenié haben wir uns mit Margrit Bertschy vom örtlichen Tourismusbüro verabredet. In der Wirtschaft geht’s rustikal zu. In der Gaststube im Keller sitzen Einheimische und Urlauber an einer handvoll Holztischen. Gesprächige Runden stärken sich mit Walliser Wein und „Walliser Brettern“. Auf den hölzernen Tellern buhlen Trockenfleisch, Rohschinken und Käse um den Appetit der Gäste. Die große Pfeffermühle darf nicht fehlen. „Eigentlich ist die Wirtin Rosemarie Charvoz bekannt für ihr Käsefondue“, erzählt Margrit. Wir erfahren, dass die Kneipe im Herzen des alten Ovronnaz liegt. „Das waren nur ein paar Bauernhäuser, bevor Tourismus und Wintersport hier Einzug hielten.“ Margrit wohnt hier im Dorf und kennt die Entwicklung der stillen Bergsiedlung zum Ferienort für Familien: „Seit den 1960er Jahren gab es hier eine lose Ansammlung von Ferienchalets.“ Es seien zunächst hauptsächlich Sommerfrischler gewesen, die Erholung in kühler Bergluft suchten. Heute habe sich das Verhältnis gedreht: „Gut 60 Prozent der Gäste kommen im Winter und finden gut gepflegte Skiabfahrten sowie rund 5.500 Gästebetten.“

Pisten auf den Bergen – Weinbau im Rhonetal

Die Pisten nehmen wir am Morgen danach unter die Lupe. Das Vergnügen startet einige Meter oberhalb vom Ortskern mit der Jorasse-Sesselbahn, die man auch mit dem zirkulierenden Skibus erreicht. Der Andrang hält sich bei unserem Besuch in Grenzen, und der Vierersessel bringt uns flott auf 1.940 Meter Höhe. Direkt bei der Bergstation befindet sich das Bergrestaurant Jorasse. Dessen große Sonnenterrasse ist ein zentraler Treffpunkt der bis auf 2.500 Meter weiter ansteigenden Skiregion. Doch noch ist es zu früh, es sich bei einem „Bergsteigerteller“ gut gehen zu lassen. Zunächst gilt es, die Kanten durchs offensichtlich prima präparierte Weiß zu treiben. Zum Einfahren bietet sich die Sesselbahn Col-Express an. Hier liegen uns gut 300 Höhenmeter mittelschwere Abfahrt auf breiten Pisten durch den die Landschaft prägenden Arvenwald vor den Skispitzen. Kurz vor der Talstation schwingen wir hinüber zur nächsten Etappe. Mit der neuen Bougnonne-Sesselbahn geht’s auf gut 2.100 Meter hinauf. Während wir die 730 Höhenmeter bergauf schweben, fesselt ein mächtiger Felsklotz unsere Blicke. Es ist der 2.427 Meter hohe Six Armaille. Rund um dessen wild wirkende Flanken spielt sich das meist mittelschwere Pistenvergnügen ab.

Junges Skigebiet mit mittelschweren Pisten

Die nachfolgende Fahrt hinauf zum höchsten, Tsantonnaire genannten, Kulminationspunkt des Skigebiets birgt zwei Überraschungen: Erstens ist es ein Tellerlift, der uns auf 2.500 Meter Meereshöhe durch’s hochalpine Gelände zieht. Und zweitens macht dieser nach vielleicht Dreiviertel der Strecke eine elegante 90-Grad-Kurve. So geht es höher hinauf, als man es zunächst erwartet. Natürlich braucht der knapp 1,7 Kilometer lange Tellerschlepper dafür seine Zeit. Oben angekommen, genießen wir Aussicht und Auswahl. Drei rote Abfahrten mit weiteren Verzweigungen zwingen nun zur Entscheidung. Wir fahren die 500 Höhenmeter hinter dem Six Armaille hinab in ein Seitental zur Petit Pre d’Euloi. Hier befindet sich, etwas abseits der Hauptstrecken eine blau markierte Piste. Der Schlepplift Petit Pre bringt uns wieder hinauf bis vor die Schneebar der zweiten Skigebiets-Hütte Petit Pre. Weit ins Tal hinab reicht der 1.000 Meter lange Chatillon-Lift. Er erschließt eine sich über 400 Höhenmeter erstreckende schwarze Abfahrt, die das Angebot nach oben abrundet. Für absolute Anfänger befindet sich im Ort ein Übungslift. Den Weg hinab nach Ovronnaz tritt man am besten gut erholt nach dem Relaxen auf einer der Hüttenterrassen an. Denn die mittelschwer markierte Talabfahrt – mit schwarzer Variante – kann je nach Schneebeschaffenheit auch kräftezehrend sein. Da freut man sich schon beim Schwingen auf wohltuendes Thermalwasser.

Dies spielt in Ovronnaz neben dem Skisport eine zentrale Rolle. Das heutige Skigebiet wurde erst um das Jahr 1970 erschlossen, als dem kleinen Schlepplift im Ort eine erste Sesselbahn hinauf zur Jorasse folgte. Folglich ist Ovronnaz ein noch verhältnismäßig junger Skiort. Und so richtig in Schwung kam der Wintersport erst weitere zwei Jahrzehnte später. Denn seitdem lädt das Thermalbadezentrum „Les Bains d’Ovronnaz“ die Skifahrer zum wohlig-warmem Après-Ski-Spaß ein. Mit Kind und Kegel vergnügen sich Wintersportler hier bis in die Abendstunden im 32 bis 37 Grad warmen Wasser. Drei Thermalbecken plus Whirlpool stehen zur Wahl, wobei sich die zwei mitten in der Winterwelt liegenden Außenbecken wohl wegen ihres tollen Ausblicks auf die umgebende Berglandschaft besonderer Beliebtheit erfreuen. Wohlfühltherapien, Gesundheitskuren, Wasserbehandlungen und mehr ergänzen das Angebot im Thermalzentrum. Speziell für Skifahrer werden Kombitickets mit Liftpass und Thermaleintritt angeboten.

Cooles Carven – Heißes Baden

Zwei Skischulen kümmern sich um die Weiterbildung interessierter Skifahrer. Auch Schneeschuhwandern und Loipen für Langläufer stehen in Ovron-naz auf dem Programm. Die meisten Unterkünfte befinden sich in Chalets. Neben den Ferienappartements gibt es bernachtungsmöglichkeiten in einigen Hotels. Auch das Thermalzentrum bietet in einer Reihe angegliederter Gebäude Ferienwohnungen und auch Hotelservice. Diese Unterkünfte sind komfortabel über beheizte, gläserne Gänge mit dem Badezentrum verbunden.

Abwechslung vom Pistenspaß bieten neben dem Thermalbad auch Ausflüge ins Rhonetal. Dort kann man beispielsweise eines der vielen Weingüter besichtigen und den für die Region typischen Wein, wie den „Petite Avrine“ kennenlernen. Auf halbem Weg hinab lockt eine besondere Attraktion für Schwindelfreie: Die Hängebrücke von Farinet schwebt atemberaubend zwischen Himmel und Felsen. Im Jahr 2001 erbaut, spannt sie sich in 136 Metern Höhe auf rund einhundert Metern Länge zwischen den Felswänden einer Schlucht. Ihre Breite beträgt nur abenteuerliche 1,20 Meter. Oder wie wäre es mit einer Stippvisite im Alten Saillon? Nur wenige Kilometer von Ovronnaz führen die uralten Gemäuer der einstigen Burg in eine andere Zeit. Eine Rundgangsbeschreibung gibt’s im Tourismusbüro. Heute kommen die meis-ten Gäste aus der nahen Westschweiz nach Ovronnaz. Die Lebensart im traditions- und sonnenreichen Wallis scheint eine Spur unbeschwerter als anderswo. Manchmal fühlen wir uns ob der Sprache fast ein wenig wie in Frankreich. Und wir haben auch schon ein paar Autos mit deutschen Kennzeichen gesehen … <<<

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Ausflüge ins Rhonetal bieten eine interessante Abwechslung zum Skispaß.

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