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Das gewisse Etwas – stylische Ski-Hotels

Schon klar: Wenn der Pulverschnee bis zur Hüfte reicht, ist es eigentlich egal, wie und wo man sich bettet. Aber irgendwann muss die weiße Pracht auch vom Himmel fallen – und an solchen „Down-Days“ mit nullkommanull Sicht und eisigen Temperaturen freut man sich, wenn das Hotel mehr bietet als ein Bett und einen Frühstücksraum. Wir stellen Ihnen vier Hotels vor, in denen auch ein „Down-Day“ ein „Fun-Day“ ist.

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© Wellnesshotel Schlossanger Alp

Text: Günter Kast

1.) Husch, husch ins Körbchen

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© Wellnesshotel Schlossanger Alp

Barbara Schlachter Ebert und Bernd Ebert sind mit ihrem Wellnesshotel Schlossanger Alp am Falkenstein bei Pfronten seit vielen Jahren eine feste Größe bei Gourmets. Jetzt haben sie sich mit den Allgäu-Lofts einen lange gehegten Traum erfüllt.

Früher gab es am Falkenstein – nomen est omen – eine Falknerei mit Greifvogelvorführungen. Ich erinnere mich noch gut an den mächtigen Steinadler, der in seinem Nest – pardon: Horst – auf den Auftritt wartete. Jetzt bin ich es selbst, der am oberen Ortsrand von Pfronten-Meilingen in einem Nest liegt. Das sogenannte „Schlafnest“ ist der Hingucker der Allgäu Lofts. Es besticht durch seine längs geviertelte, konvexe Kuppelkonstruktion und bildet für drei der insgesamt acht Lofts kokonartige Schlafzimmer mit beeindruckendem Panorama-Ausblick direkt vom Bett durch die talseitige Glasfassade auf die Berge und den Ort. Der Anbau wurde komplett mit einem körbchenartigen Weidengeflecht umhüllt und passt sich so harmonisch in die Landschaft ein.

Die Idee dazu hatten Barbara Schlachter-Ebert und Bernd Ebert, die Eigentümer des gut zwei Kilometer weiter oben am Berg gelegenen Vier-Sterne-Superior-Hotels Schlossanger Alp. Das erfolgreiche Hoteliers-Paar hatte sich bei eigenen Urlaubsreisen öfter darüber geärgert, dass es mit der vielbeschworenen „Privacy“ nicht weit her ist. Urlaub machen und sich trotzdem wie zuhause fühlen – das war oft nur ein leeres Versprechen.

Als sie eine altersschwache Pension in akzeptabler Entfernung zum Hotel angeboten bekamen, schlugen sie zu. Sie rissen das in den 1950er Jahre erbaute Haus jedoch nicht ab, sondern führten eine Kernsanierung durch. Heraus kamen acht großzügige, helle und luxuriös ausgestattete Lofts mit Größen von 70 bis 148 Quadratmetern – und absoluter Privatheit. Das geht soweit, dass der Frühstückskorb (aus dem Hotel) nicht durch Anklopfen angekündigt wird, sondern nur in eine Luke gestellt wird, die „Genusswürfel“ heißt. Man kann also weiter nackig und ungekämmt durchs Loft hüpfen, während der Kaffee durch die Nespresso-Maschine läuft. Okay, die Eier muss man selbst braten. Und die Auswahl ist natürlich nicht so groß wie am Buffet der Schlossanger Alp. Wer lieber faul ist und auf die Privatheit pfeift, kann sich deshalb ins Hotel shutteln lassen. Das gilt auch für das Dinner: Wer Ruhe will, ordert zum Beispiel einen fertig arrangierten „Grill-Korb“ mit allen Zutaten für ein gelungenes Barbecue. Wer faul ist, fährt hoch und genießt die vielgerühmten Kreationen aus Barbara Schlachter-Eberts Küche, wo sie jeden Tag selbst am Herd steht. Alles ist „on demand“ und zu hundert Prozent individuell.

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© Wellnesshotel Schlossanger Alp

Ehrlich gesagt: Es wäre ein Frevel, die Kochkunst der Chefin links liegen zu lassen. Sie gilt als die beste Köchin des Allgäus, ihr Restaurant wird von Kritikern regelmäßig unter die Top 300 Deutschlands gewählt. GaultMillau zeichnete sie auch 2017 wieder mit 15 Punkten und 2 Hauben aus. Dazu kredenzt ihr Mann als „Wein-Sachverständiger“ edle und vor allem stets passende Tropfen aus dem gut und kreativ bestückten Keller. Wer die beste aller Welten wünscht und keine Kosten scheut, bestellt den „private chef“ aus dem Hotel ins Loft und lässt dort aufkochen. Nach einem langen Tag auf der Piste ist das der ultimative Luxus. Allerdings sollte man damit nicht zu lange warten. Denn Bernd Ebert und seiner Frau gefallen die Ende 2015 eingeweihten Allgäu-Lofts so gut, dass sie dort am liebsten gleich selbst einziehen würden.

Weitere Infos: Hotel: Allgäu Lofts, www.berg-tal.com, www.schlossanger.de, Skigebiet: https://skizentrum.pfronten.de

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© Ameron Davos Swiss Mountain Resort

2.) Neuer Stern am Zauberberg

Der deutsche Unternehmer Thomas Althoff hat sich mit dem „Ameron Davos Swiss Mountain Resort“ nach Davos gewagt. Sein Haus in dem weltberühmten Skiort in den Graubündner Alpen punktet mit Preisen, die für ein Schweizer Vier-Sterne-Superior-Hotel erstaunlich zivil sind.

Insider der Hotelszene kennen Thomas H. Althoff vor allem im Zusammenhang mit Sternen, vielen Sternen. Der Betreiber mehrerer Luxus-Hotels startete 1992 mit dem Schlosshotel Lerbach in Bergisch Gladbach. Als Koch gewann er Dieter Müller, der aus dem Hotel-Restaurant bis 1997 einen Drei-Sterne-Tempel machte. Inzwischen gehören zu den Althoff Hotels auch das Seehotel Überfahrt in Rottach-Egern, wo Christian Jürgens kocht, der von Gault Millau schon einmal zum Koch des Jahres gekürt wurde.

Nicht ganz so luxuriös geht es in den Ameron Hotels zu, die ebenfalls von Althoff betrieben werden. Das erste Haus dieser Gruppe in der Schweiz eröffnete im Dezember 2015 in Davos. Das klingt nach viel Risiko, wenn man bedenkt, dass die Luxushotellerie in der Eidgenossenschaft seit langem mit Ertragsproblemen kämpft. Althoff baute deshalb nicht selbst, sondern überließ das der Großbank UBS – und zwar auf dem Areal einer unrentabel gewordenen Höhenklinik, die der Abrissbirne zum Opfer gefallen war. In dem von Althoff gepachteten Hotel-Gebäude mit 148 Zimmern geht es modern-sachlich zu – Davos ist eben nicht nur Ski-Dorf, sondern auch Gastgeber des Weltwirtschaftsforums und Konferenz-Stadt. Für Akzente und einen eigenen Stil sorgen zahlreiche Gemälde, Fotografien und Skulpturen, die der Kunstkenner und -sammler Althoff im gesamten Gebäude aufhängen ließ.

Das Haus kommt also modern und leger daher, was Davos, wo noch viele Hotels eine ziemlich miefige Zauberberg-Atmosphäre verströmen, fraglos gut tut. Saunalandschaft, Pool und Spa sind großzügig gestaltet, an der Bar warten 48 Gin-Sorten auf Kenner. Wer will, bestellt sich dazu eine Pizza, deren Teig aus Caputo-Mehl besteht, ganz wie bei einer echten Pizza Neapolitana. Einen steifen Dress-Code, wie er in Schweizer Grand-Hotels noch üblich ist, muss dabei niemand einhalten. Die Talstation erreicht man mit dem kostenlosen Skibus in wenigen Minuten.

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© Ameron Davos Swiss Mountain Resort

Wer nun denkt, dass so viel Komfort in einem Nobelort wie Davos fast unerschwinglich ist, wird positiv überrascht sein: Der deutsche Gastgeber weiß eben um die Preis-Sensibilität seiner Gäste aus „dem großen Kanton in Norden“, wie die Schweizer die Bundesrepublik manchmal nennen. Und deshalb gibt es vor allem in den „weißen Wochen“ im Januar und zum Saisonende günstige Pauschalangebote, die Skiurlaub im Land von Toblerone und Heidi wieder erschwinglich machen.

Weitere Infos: Hotel: Ameron Davos Swiss Mountain Resort, www.ameronhotels.com; Skigebiet: www.davos.ch

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© Nidum Hotel

3.) Neue Freunde: Zweite Chance für das „Nest“

Aus der Konkursmasse der For Friends Hotel GmbH wurde in Mösern bei Seefeld in Tirol das Hotel Nidum. Die neuen Eigentümer aus dem Vinschgau wissen, wie man so ein Haus führt und zu einer angesagten Location für trendbewusste Winterurlauber macht.

Der Möserer Hof war viele Jahrzehnte lang ein ganz normales Ferienhotel: mit toller Lage, aber ohne besondere Note. Dann tauchten Investoren auf, die den Hof zu einem mondänen 5-Sterne-Hotel umbauten. Im Juni 2014 fand das Opening des For Friends Hotels statt, nur ein Jahr später schon das Closing: Pleite, viele Millionen Miese, 53 Mitarbeiter ohne Job.

Wer da bereit ist, einzusteigen, darf das Risiko nicht scheuen. Die Braut, die sich traute – das ist eine bekannte Hotelierfamilie aus Schlanders in Südtirol. Gesellschafter der neuen Nidum GmbH sind Maximilian (Sohn) und Manfred (Vater) Pinzger. Letzterer ist Präsident des Südtiroler Hotelier- und Gastgeberverbandes, der Junior führte bereits das familieneigene Hotel in der Heimat. Die beiden wissen also, wie Hotel geht und sind ergo mit einem robusten Selbstbewusstsein ausgestattet. Und deshalb überrascht es auch nicht, dass sie auf der Website des Nidum einige potenzielle Gäste gleich mal virtuell hinauskomplimentieren: „Wir sind kein traditionelles 5-Sterne-Hotel! Wir sind casual, leger. Wollt Ihr dennoch ein solches Hotel in Seefeld buchen, habt Ihr genügend Auswahl :).“

Das Duo sagt deutlich, welche Gäste es im Nidum haben will, das im Dezember 2016 wieder aufsperrte. Sie wünschen lockeren statt elitären Luxus, haben ein konsequentes Krawattenverbot verhängt. Das Konzept kommt gut an. Gleich in der ersten Wintersaison brummte der Laden, im Sommer 2017 veranstalteten die Roten Bullen von RB Leipzig hier ihr Trainingslager. Sie freuten sich über die lässige Atmosphäre im Hotel, aber auch über die tolle Aussicht in Mösern, dem „Schwalbennest Tirols“, dessen Logen-Lage bereits Albrecht Dürer zu großen Werken inspiriert hatte. Nur fünf Autominuten vom Nidum entfernt ist übrigens das traditionsreiche Olympiadorf Seefeld mit seinen Sportanlagen, dem Spielcasino, den Skipisten und Langlauf-Loipen.

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© Nidum Hotel

Obwohl kein 5-Sterne-Haus, bietet das „Nest“ (lateinisch: Nidum) alles, was man für einen gelungenen Winterurlaub braucht: Wellness auf 1.500 Quadratmetern mit Infinity-Außenpool, drei Saunen, Innenpool und Jacuzzi. In den drei Restaurants dürfen die Köche um „Chef“ Damijan Draganic auch mal experimentieren. Und der Party-Faktor kommt auch nicht zu kurz, was Freunde des Après-Ski freuen wird: Der „place to be“ dafür ist die sonnige Apéro-Terrasse mit der schicken Champagnerbar. Kein Zweifel: Das ehemalige „For Friends Hotel“ hat neue Freunde gefunden – und diesmal sind es auch die richtigen, die echten.

Weitere Infos: Hotel: Nidum Hotel, www.nidum-hotel.com; Skigebiet: www.seefeld.com/ski

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© Puradies

4.) Ganz schön „puradiesisch“

Die Madreiters gehören zu den Tourismus-Pionieren in Leogang. Mit ihrem im vergangenen Winter eröffneten modern designten Vier-Sterne-Superior-Hotel Puradies geben sie jetzt richtig Gas.

Klotzen, nicht kleckern. Das ist die Devise in den Skigebieten Österreichs, vor allem im Salzburger Land. Neue Liftanlagen, mehr Pistenkilometer, noch größere Verbundgebiete. Im Winter 2015/16 wuchsen der Skicircus Saalbach-Hinterglemm/Leogang und Fieberbrunn zu einem der größten Skigebiete der Alpenrepublik zusammen. Auch für die Hoteliers war damit klar: Es müssen neue Superlative her, um noch gehört und gesehen zu werden.

Die Familie Madreiter gehörte zu den Ersten, die in den 1950er Jahren in Leogang Zimmer vermietete. Ihr Embachhof ist ein stattliches Pinzgauer Gehöft aus dem 17. Jahrhundert, das auf einem Hügel in Alleinlage über dem Tal thront, mit freiem Blick zu den Leoganger Steinbergen. Lange waren sie damit zufrieden. In den Nuller-Jahren wurden dann diese Almdörfer schick, die manchmal ein bisschen an Disneyland im Schnee erinnern. Die Madreiters wollten da mitmischen und bauten mit dem „Steinalmdorf“ das erste Chalet-Dorf in der Region mit insgesamt 14 Häuschen, die alle über ein Privat-Spa verfügten und die dank der direkt vorbeiführenden Piste „Ski in Ski out“ erlaubten. Es lief gut, doch die Chalet-Gäste wollten nicht immer selbst kochen, sondern auch mal im Restaurant des Embachhofs speisen. Dort war für so viel neue Kundschaft jedoch kein Platz.

Die Brüder Michael und Philipp Madreiter dachten sich: „Wenn wir etwas Neues machen, dann machen wir es richtig.“ Brother Act statt Sister Act. Klotzen, nicht kleckern. Leogang eben, das selbsternannte „Home of Lässig“. Bereits im Herbst 2015 eröffnete das vier Millionen Euro teure neue Wellness-Center und Badehaus „Innere Mitte“, schön an einem Naturbadesee gelegen und mit großzügigen Saunen ausgestattet, die freien Blick auf die Bergwelt gewähren. Das „Puradies“ selbst mit rund 60 neuen Zimmern und Suiten empfing dann im Dezember 2016 erstmals Gäste, rechtzeitig zum Beginn der Skisaison. Kostenpunkt: weitere 16 Millionen Euro. Damit ist aber noch lange nicht Schluss: Demnächst wollen die Madreiter Brothers den Wellness-Bereich noch um Pools, Jacuzzis und Dampfbäder erweitern. Agenda 2020 statt 2010. Ganz schön mutig ist das in einer niedrig gelegenen Skiregion, die den Klimawandel als eine der ersten zu spüren bekommt.

Was soll man sagen: Das „Puradies“ ist kein schlechter Ersatz für jenen Garten Eden, aus dem wir einst – wegen Eva! – vertrieben worden sind. Ein architektonisches Highlight ist zum Beispiel die großzügige Bar „Freiraum“, deren Herzstück (und Tresen) ein aus 16.000 Eichenholzwürfeln gezimmertes 40 Meter langes und bis zu 4,5 Meter hohes durchgehendes Kunstobjekt ist, in dem Bar, Lounge und Wendeltreppe organisch miteinander verschmelzen. Ansonsten: begehbarer Weinkeller, Zigarrenlounge, Bibliothek, Pralinenmanufaktur, Kochschule und ein Shop mit Erzeugnissen des eigenen Biobauernhofs – alles da. Apropos Küche: Dort hat André Stahl das Sagen, der sich zuvor im „Caramé“ am Wörthersee zwei Hauben von GaultMillau erkocht hatte. Die Gäste können wählen zwischen der Bar-Karte (asiatisch), Halbpension und dem à-la-carte-Restaurant „Essenz“. Wer weiß, vielleicht darf sich dieses schon bald ebenfalls mit einem Häubchen schmücken. Die ehrgeizigen Madreiter-Brothers hätten vermutlich nichts dagegen.

Weitere Infos: Hotel: www.puradies.com, Skigebiet: www.saalbach.com

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© (c) Peter Kühnl/Puradies

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