Marcus Höfl: Maria würde sich nie für den Playboy entblättern!

Marcus Höfl (40) ist seit 2003 Manager von Franz Beckenbauer, war von 2008 an Manager von Maria Riesch (29) – und übt diese Funktion seit der Hochzeit im Sommer 2011 auch für seine nunmehrige Ehefrau Maria Höfl-Riesch aus.

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Die beiden kamen sich bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver näher. Der gebürtige Oberbayer leitet die Marcus Höfl Management GmbH in Kitzbühel/Tirol, wo Maria und er auch leben. Marcus Höfl fände es toll, wenn es im Alpinen Ski-Weltcup endlich einen Grand Slam gäbe. Und erklärt im SkiMAGAZIN, warum seine Gattin sich niemals für den Playboy entblättern würde.

Interview JUPP SUTTNER Illustration Jasmin Siddiqui Bild MHM

Sie vermarkten Ihre Frau Maria und den Kaiser Beckenbauer. Wer sind weitere wichtige Klienten Ihrer Agentur? Ich wehre mich gegen den Begriff „vermarkten“. Das klingt nach „verkaufen“. In Wahrheit sind wir ein „Rechte-Haus“. Das heißt: Wir erwerben Rechte – zum Beispiel jene von Maria oder von Franz – planen für sie und entwickeln eigene Marken daraus. Die beiden arbeiten mit insgesamt rund 20 Geschäftspartnern zusammen, und dieses Feld ist individuell zu pflegen und zu gestalten. Auch Susanne Riesch, Andrea Kaiser und Biathlet Simon Schempp werden von uns betreut, aber wir sind nicht nur auf Personen fixiert, sondern arbeiten verstärkt auch für Verbände, Institutionen und Firmen. Aber nach außen hin ist natürlich am deutlichsten sichtbar, wenn man mit populären Persönlichkeiten zusammenarbeitet.

Hätten Sie auch Ihren Vater Herbert Höfl (heute 72) – der als Sportler Deutscher Meister und Olympiateilnehmer im Eisschnelllauf, aber kein Super-Star war, „vermarkten“ können, um noch einmal das von Ihnen so ungeliebte Wort aufzugreifen? Das wäre sicher schwierig gewesen. Aber – um in der damaligen Eis-Zeit zu bleiben – mit Erhard Keller (zweifacher Eisschnelllauf-Olympiasieger 1968 und 1972 aus München, Anm. d. Red.) hätte das auf jeden Fall geklappt!

Waren Sie selbst als Kind auch auf dem Eis zugange? Nein. Weil ich schon mit zwei Jahren nach Herzogenaurach kam, da war Eislaufen kein Thema. Vermutlich hätte ich auch gar kein Talent gehabt. Da mein Vater damals im Marketing bei Adidas arbeitete, besaß ich statt einer Eis-Affinität einen extremen Fußball-Bezug.

Wie weit kamen Sie? In meiner Jugend spielte ich beim 1. FC Nürnberg und später beim TSV Vestenbergsgreuth – dem FC Bayern-Pokalbezwinger, der dann mit der SpVgg Fürth fusionierte – in der 3. Liga. Mittelfeld.

Sie haben also den FC Bayern bezwungen? Nein. Dieses legendäre Pokalspiel von 1994 fand ohne mich statt. Ich war damals 21 Jahre alt und hatte den Verein kurz vorher verlassen, weil ich nach München gezogen war. Jedenfalls hat mich die Adidas-Zeit meines Vaters sehr geprägt, denn ich habe damals in den 70er und 80er-Jahren in einer sehr familiären Atmosphäre alle Größen des Sports miterlebt – von Ali bis Beckenbauer.

Wie kamen Sie in den Ski-Markt? Durch Maria. Bis dahin war ich hauptsächlich fußball-orientiert. Maria hat mich von Anfang an als Person beeindruckt. Und deshalb begann ich, mich für dieses Metier zu interessieren und vertiefte mich immer mehr darin.

Zu welchem Weg würden Sie einem jungen Menschen raten, der mal einen Job wie Sie ausüben möchte? Bei mir selbst funktionierte es mit learning by doing. Zwar war es mir durch die Kontakte meines Vaters und die beschriebenen Begegnungen in der Kindheit gewissermaßen bereits in die Wiege gelegt – aber es hat mich halt auch von Beginn an stark interessiert. Und ich hatte eben das Glück, Persönlichkeiten wie Schwan oder Ion Tiriac (einst Manager von Boris Becker, Anm. d. Red.) kennen zu lernen. Und ich war auch fasziniert von der ganzen Sache. Ich wusste bereits mit 15, 16 Jahren, dass ich das später einmal machen möchte. Deshalb habe ich nach dem Abitur an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing ein Marketing-Studium absolviert, das sehr praxisorientiert war. Unter dem Motto „Wer nichts wird, wird Wirt“ wurde ich Kommunikations-Wirt ... (lacht)

Und dürfen nun Maria und den Kaiser betreuen. Machen Sie das persönlich – oder steht da jeweils ein ganzes Team dahinter? Wir sind eine kleine Firma mit zehn Mitarbeitern, die nach Bereichen aufgestellt ist. Wir haben einen Kommunikations-Chef, einen Organisations-Chef, einen Finanz-Chef und so weiter. Und die machen alle Projekte gemeinsam. Ich wiederum bin in sämtliche Projekte eingebunden und trage meinen Teil bei. Früher habe ich das alles selbst gemacht, aber als das Business immer größer wurde, holte ich Spezialisten dazu. Ich beschäftige mich inzwischen hauptsächlich mit dem, was in ein oder zwei Jahren passieren soll oder könnte, also strategisch. Der Zeitwandel ist ja extrem – Stichwort Social Media etwa. Für mich ist wichtig, dass auch in Zukunft alle bei uns ihren Job haben.

Wie viele Tage pro Jahr sind Sie unterwegs? Ich habe rund 250 Reise-Tage im Jahr. Gestern zum Beispiel war ich mit Franz in Madrid, und nach diesem Interview fahre ich gleich nach Herzogenaurach zu Adidas. Dann wieder stehen Termine mit Maria an, jetzt im Winter sind ja fast jedes Wochenende Weltcup-Rennen. Im Büro bin ich wirklich die wenigste Zeit.

Ist das Thema Business am Abend, mit Maria dann, ein Tabu, weil es sie vielleicht von ihrem Beruf Skirennläuferin ablenken könnte?

Das Thema ist nicht völlig ausgeklammert. Das ist so wie in jeder Ehe. Sie erzählt – und ich spreche jetzt von der Zeit außerhalb der Renn-Saison – wie es beim Konditions-Training oder beim Skifahren war, und ich erzähle, wie es im Geschäft war. Schlecht ist das nur, wenn man zu viel darüber redet – oder gar nicht mehr.

Maria ist ja im Grunde genau so strukturiert wie Ihre Agentur. Genau. Beim Sport hat sie für alles einen Spezialisten. Service-Mann, Trainer, Masseur usw. – sowie uns als Management. Und so wie ihr der Service-Mann nicht jeden Tag haarklein erklärt, warum er dies und das an ihrem Ski gemacht hat, so lassen auch wir nicht alles auf sie los. Das wäre ja eine Überflut an Informationen. Sie muss sich voll und ganz auf ihren Sport konzentrieren können. Doch sobald es um etwas Wichtiges geht, liegt die letzte Entscheidung immer bei ihr. Anders geht das bei dem zeitintensiven Leben, das Maria führt, gar nicht.

Markus Wasmeier operiert mit dem Image des bayerischen Naturburschen. Rosi Mittermaier ist die ewig natürlich strahlende Sonnenschein-Frau. Wie sehen Sie Maria positioniert? Als High Heel-Gegensatz zu den beiden? Diese beiden Beispiele sind gut. Denn beide operieren nicht mit irgendwas, sondern sind sie selbst. Und genau das ist auch bei uns der Fall. Maria besitzt wie Rosi und Markus Wasmeier genau die Authentizität, die man haben sollte. Wer die verliert, verliert sich selbst – das kann nicht gut gehen. Auf Dauer kann man keine Rolle spielen. Alle großen Persönlichkeiten haben eines gemeinsam: Sie bleiben oder blieben stets sie selbst.

Weitere wichtige Merkmale, um eine sozusagen „Marke“ zu werden? Das Wichtigste für jemanden wie Maria ist erst mal der Sport, genauer gesagt der sportliche Erfolg. Sie hat schon jetzt eine super Karriere hingelegt, hat alles gewonnen. Hinzu kommt – und das sage ich jetzt als Manager, nicht als Ehemann – dass sie etwas Besonderes hat. Wie Lindsey auch. (Vonn, Anm. d. Red.) Die beiden kommen in einen Raum und man nimmt sie sofort wahr.

Was möchten Sie an Ihr noch ändern bzw. verbessern? Nicht privat, sondern rein vermarktungsmäßig gemeint … Nichts. Sie soll so bleiben wie sie ist und so sein, wie sie ist. Es wurde ja von einigen kritisiert, dass sie sich verändert habe. Aber das ist doch ganz natürlich – schließlich findet im Alter zwischen 15 und 20 Jahren die Veränderung vom Mädchen zur Frau statt. Das war bei Franzi (van Almsick, Anm. d. Red.) und Steffi (Graf, Anm. d. Red.) auch so. Aber sie alle blieben dennoch im Kern die, die sie auch vorher waren.

Was war die erfolgreichste Aktion, die bisher mit Maria lief? Ich tue mich schwer, da etwas hervorzuheben. Sicher gelingt nicht alles perfekt, aber wir sind insgesamt sehr zufrieden mit der Entwicklung.

Und die absurdeste Anfrage, die Sie jemals erhielten?

Die kam vom Playboy. Na ja, absurd ist nicht das richtige Wort, aber es war halt von der ersten Sekunde an klar, dass das für sie nicht in Frage kommt.

Warum nicht? Ich sagte ja schon: Sei so, wie Du bist. Maria würde das niemals wollen. Darüber müssten wir gar nicht erst reden.

Wie ist Ihr Verhältnis zur Ski-Szene? Ich kam aus dem Fußball in den Skisport und es dauerte eine gewisse Zeit, bis wir uns gefunden hatten. Da gab es anfangs Missverständnisse. Weil ich mit der Bedeutung und dem Standard des Fußballs an den Skisport herangegangen bin. Inzwischen läuft es aber sehr gut. Wir respektieren uns, es herrscht Harmonie. Wobei das mit der Harmonie nicht zu viel werden darf, das bringt auch nichts … (lacht). Grundsätzlich ist es für den Skisport sicher immer gut, wenn es von außen frische Impulse gibt. Das gilt für andere Sportarten genauso.

Unabhängig von Maria – wie vermarktet sich denn aus Ihrer Sicht der Ski-Weltcup? Sicher nicht schlecht. Aber hat er mehr Potenzial? Ja – hat er! Ich habe verstanden, dass es Strukturen gibt, die es nicht so leicht machen, etwas zu verändern. Und ich verstehe, wieso gewisse Sachen nicht funktionieren. Aber man muss etwas sagen dürfen, ohne dass die Leute gleich beleidigt sind. Das gilt für uns alle – mit beleidigt sein kommt man nicht weit.

Was könnte man verbessern? Über den Skisport sollte – z. B. im Fernsehen – mehr Hintergrund vermittelt werden. Ich war ja selbst jahrelang nur Zuschauer und glaube zu wissen, was den Zuschauer interessiert. Inzwischen habe ich alles von Maria erfahren, was ich damals schon gerne gewusst hätte – Details über die verschiedenen Pisten, darüber, wie unterschiedlich der Schnee sein kann und was das beim Rennen bedeutet, über das Material und die Abstimmung zwischen Ski, Bindung und Schuhen ... da gibt es so viel Interessantes. Je mehr man davon weiß, desto besser versteht man auch, wie komplex die Sportart ist. Da fahren eben nicht nur ein paar Leute einen Berg hinunter.

Das ist Sache der TV-Sender – wobei die deutschsprachigen Stationen in dieser Hinsicht doch schon ziemlich gute Arbeit leisten, wie wir meinen. Was könnte das Weltcup-Komitee verbessern? Die Termin-Regelung. Die Rennen in St. Moritz zum Beispiel sind manchmal zu diesem Zeitpunkt und manchmal zu einem anderen. Mit einem festen Termin könnte man einen Klassiker daraus machen. Ich bin ein großer Fan des Grand Slam-Systems im Tennis – Damen und Herren gemeinsam, und bei diesen Big Events gibt es dann mehr Punkte für die Weltrangliste! In diesem Fall also mehr Weltcup-Punkte. Wir leben in einer schnell-lebigen Zeit – und Highlights erhalten da logischerweise eine weitaus höhere Aufmerksamkeit.

Was sollte der Deutsche Skiverband ändern? Der DSV ist nur Veranstalter von wenigen Rennen. Und ich habe da durchaus eine fortschrittliche Entwicklung in den letzten drei, vier Jahren wahrgenommen. Man versucht stärker, den Veränderungen gerecht zu werden. Das Parallel-Event in München etwa – das ist eine sehr positive Sache! Über Alfons Hörmann und seine Zeit als DSV-Präsident kann ich nur das Beste sagen – und er wird nun auch einen idealen DOSB-Präsidenten geben!

Völlig private Frage: Kommen Sie mit Maria eigentlich auch zum Skifahren? Jedes Jahr einen Tag – immer nach der Saison, immer in Kitzbühel, auf der Streif.

Wenn Maria als Skifahrerin die Höchstpunktzahl 10 erreicht und ein Anfänger 1 Punkt – wo liegen dann Sie?

In der Geschwindigkeit bei 7 – und in der Technik vielleicht bei 5 …

In welcher Sportart sind Sie besser als Maria? Im Fußball! Und beim Backgammon. Na ja, sagen wir: da steht’s remis.

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Marcus Höfl mit seiner Ehefrau, dem Skistar Maria Höfl-Riesch, und Franz Beckenbauer

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 02 / 2014

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