Auf geht‘s!

Das alpine Ski-Highlight der Saison, die Weltmeisterschaft, geht vom 4. bis 17. Februar in Schladming in der Steiermark über die Bühne.

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Wer holt sich in den elf Bewerben Gold, Silber und Bronze? Deutschland hofft auf mindestens drei der insgesamt 33 zu vergebenden Medaillen.

Text Dr. Christian Huber Bild Head, Nordica, Atomic

Der Run auf die Eintrittskarten für die elf Bewerbe war von Beginn an enorm. Rund 30.000 Zuschauer erwarten sich die Veranstalter bei jedem Rennen, insgesamt sollen es mehr als 400.000 sein. Das skibegeisterte Publikum wird das Ziel-stadion in Schladming in einen echten Hexenkessel verwandeln. Auch rund um die Rennen wird den Skifans nichts fehlen. Etwa 400 Millionen Euro flossen in den Neubau und den Ausbau der Infrastrukturen.

Die Veranstalter wollen damit perfekte Rahmenbedingungen für das „Skifest mit Herz“, so der Slogan der WM, garantieren.

Perfekt sollte der Aus-tragungsort, an dem bereits 1982 eine Weltmeisterschaft stattfand, auch für das DSV-Team sein. Schladming ist nahe der Heimat, aber doch bereits Ausland. Ein Vorteil, denn „der Erwartungsdruck ist jetzt sicherlich nicht so hoch wie vor zwei Jahren in Garmisch-Partenkirchen. Wenn wie bei Felix Neureuther in Garmisch sich alles auf die eine Minute 40 konzentriert, dann wird es sehr schwer, wirklich erfolgreich zu sein“, weiß Wolfgang Maier, DSV-Sportdirektor Alpin.

Mehr Medaillen als in Garmisch-Partenkirchen (damals zwei Mal Bronze von Maria Riesch) sind deshalb in Schladming das Ziel. „Aus sportlicher Sicht haben wir als Vorgabe drei Medaillen ausgegeben. Das halte ich auch für realistisch, das können wir erreichen“, erklärt Maier. Ein Mal unter den Top Acht oder zwei Mal unter den besten 16 – diese Kriterien

hat der DSV für eine erfolgreiche Qualifikation für die Weltmeisterschaft festgelegt. Bis Mitte Januar, dem Redaktionsschluss für diese Ausgabe des SkiMAGAZINs, hatten mit Maria Höfl-Riesch, Viktoria Rebensburg, Lena Dürr, Gina Stechert, Christina Geiger, Fritz Dopfer, Stefan Luitz, Felix Neureuther und Tobias Stechert neun Athletinnen und Athleten diese Kriterien erfüllt. Zwei oder drei weitere deutsche Athleten werden in Schladming den Kader komplettieren.

Gute Aussichten

Der Start in den WM-Winter stimmte Maier zuversichtlich: „Ich bin mit der bisherigen Saison sehr zufrieden, ganz besonders mit den Leistungen unserer Herren-Mannschaft. Die Frauen fahren ja seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau. Aber besondere Freude macht mir das Auftreten unseres Techniker-Teams bei den Herren. Mein absolutes Highlight war das Val d’Isère-Wochenende mit dem zweiten Platz von Felix Neureuther im Slalom sowie Platz zwei von Stefan Luitz und Platz vier von Felix Neureuther im Riesen-slalom. Weil die Männer sportlich so lange um den Anschluss gekämpft haben. Das war ein wichtiger Schritt in die Weltspitze.“

Dennoch zählen die Damen, allen voran Maria Höfl-Riesch und Viktoria Rebensburg, noch zu den größeren Medaillenhoffnungen im DSV-Team. Nach ihrem Sieg beim Slalom-Auftakt in Levi gehört Höfl-Riesch in dieser Disziplin zu den ganz großen Gold-Anwärterinnen. „Ein guter Saisonstart gibt Sicherheit und Selbstvertrauen. Aber natürlich ist die WM der Höhepunkt der Saison, da will ich topfit sein“, freut sich die Garmisch-Partenkirchnerin schon auf das Groß-Ereignis. Der Slalom steht am 16. Februar am Programm. 2011 in Garmisch-Partenkirchen holte sich die Österreicherin Marlies Schild den WM-Titel. Die dominierende Slalomläuferin der vergangenen Jahre wird ihren Titel nicht verteidigen können, da sie sich beim Einfahren für den Slalom in Aare im Dezember schwer am Knie verletzte. Auf dem zweiten Platz in Garmisch-Partenkirchen landete Schilds Landsfrau Kathrin Zettel, die nach einer schwierigen Saison wieder in die Erfolgsspur zurückfand. Und auch die Drittplatzierte von Garmisch-Partenkirchen, die Schwedin Maria Pietilä-Holmner, steht dank konstant guter Leistungen wieder auf der Favoriten-liste. Eine Liste, auf der sich ganz vorne auch eines der größten Talente im Ski-Zirkus, Mikaela Shiffrin, wiederfindet. Die erst 17-jährige US-Amerikanerin feierte beim Slalom in Aare ihren ersten Weltcup-Sieg und bestätigte ihre gute Form mit Platz eins in Zagreb und Flachau. Genauso wie Veronika Velez Zuzulova. Die Slowakin siegte am Semmering und beim City-Event in München. Eine weitere Läuferin gilt nach ihrem starken Saisonauftakt ohnehin in allen Disziplinen als Favoritin für eine Medaille: Tina Maze aus Slowenien hat in diesem Jahr die Qualität, der ganz große Star dieser Weltmeisterschaft zu werden. Für eine Überraschung aus deutscher Sicht könnten im Slalom Christina Geiger und Lena Dürr sorgen.

Im Riesenslalom tankte Viktoria Rebensburg rechtzeitig Selbstvertrauen.

Die 23-Jährige stoppte im fünften Riesenslalom der Saison in Aare den Siegeslauf von Tina Maze. Rebensburg kann im Riesenslalom mit dem Gesamtsieg in den vergangenen beiden Saisonen und mit dem Olympiasieg 2010 aufwarten. Der Weltmeistertitel ist damit der einzige große Erfolg in dieser Disziplin, der ihr noch fehlt. „Da ich die letzten Jahre im Riesen-

slalom sehr erfolgreich war, ist mein Ziel, auch bei der WM eine Medaille zu gewinnen. Und natürlich ist der Platz ganz oben auf dem Treppchen mein Traum“, sagt die Kreutherin. Der Sieg in Schladming wird am 14. Februar aber über Maze führen. Die Slowenin sammelte in den ersten vier Saisonrennen dieser Disziplin das Maximum von 400 Weltcup-Punkten und geht auch als Titelverteidigerin in das WM-Rennen. Die beiden Österreicherinnen Anna Fenninger und Kathrin Zettel sowie die Französin Tessa Worley komplettieren die Liste der Medaillen-Anwärterinnen. Erwischt sie einen guten Tag, dann könnte auch Maria Höfl-Riesch im Riesenslalom eine Medaille einfahren.

Favoritinnen mit Fragezeichen

Maria Höfl-Riesch ist natürlich vor allem in Abfahrt und Super-G wieder für Medaillen gut. In beiden Disziplinen heißt das große Fragezeichen Lindsey Vonn. Das US-Girl sprach im Dezember erstmals öffentlich über ihre Depressionen und nahm sich dann aufgrund einer Darminfektion eine Auszeit vom Weltcup. Vor dieser Pause demonstrierte die 28-Jährige ihre einmalige Klasse. Mit überragenden Siegen in den beiden Abfahrten und im Super-G von Lake Louise – drei volle Erfolge innerhalb von 48 Stunden – und einem Sieg im Super-G von St. Moritz. Im Vollbesitz ihrer Kräfte könnte Vonn eine Gold-Bank in beiden Disziplinen sein. Ein weiteres Fragezeichen steht in den schnellen Disziplinen hinter Elisabeth Görgl aus Österreich. Die Doppel-Weltmeisterin 2011 startete mehr als holprig in die neue Saison. Mit dem Sieg in der Abfahrt von Val d’Isère zählt Lara Gut zum Favoritenkreis in Schladming. Auch im Super-G sollte man die Schweizerin auf der Rechnung haben. Julia Mancuso und Anna Fenninger, die nach Problemen zum Saisonstart immer stärker wurde, gehören im Super-G ebenfalls zu den Favoritinnen. Deutschland darf im Super-G am 5. Februar natürlich noch auf Viktoria Rebensburg hoffen, die in Cortina d‘Ampezzo ihren zweiten Sieg in dieser Disziplin einfuhr.

Auch in der Super-Kombination werden wieder WM-Medaillen vergeben. Im Weltcup verliert dieser Bewerb immer mehr an Bedeutung. Vor der WM fand nur eine Super-Kombination in St. Moritz statt. Tina Maze siegte vor den beiden Österreicherinnen Niki Hosp und Kathrin Zettel. Platz vier ging an Maria Höfl-Riesch, Platz sechs am Lena Dürr. Kann Maze ihre Form vom Saisonstart bis zur WM konservieren, dann werden Wetten auf ihren Sieg nur wenig einbringen. Auch in der Super-Kombination am 8. Februar bleibt die Frage offen, in welcher Verfassung Lindsey Vonn nach Schladming reist. Eine fitte Vonn ist sicherlich die größte Konkurrentin von Maze.

Deutsche Hoffnungen bei den Herren

Bei den Herren gilt im deutschen Lager so wie 2011 Felix Neureuther als die größte Medaillen-Hoffnung. „Es nicht mit der Brechstange zu probieren und bei der WM in Schladming endgültig das Cordoba-Debakel vergessen zu machen“, formulierte Neureuther seine Ziele vor dem Saisonstart. Entsprechend locker ging er in die neue Saison und machte damit sehr viel richtig. Ganz oben stehen die Siege in München und Wengen. Im WM-Slalom, der am 17. Februar ausgetragen wird, gehört der 28-Jährige damit zu den Top-Favoriten. Zu schlagen gilt es in erster Linie Marcel Hirscher. Die größte österreichische Medaillenhoffnung wird aber so wie Neureuther vor zwei Jahren mit dem Druck durch die hohen rot-weiß-roten Erwartungen umgehen müssen. Hirscher sieht „seiner“ WM aber gelassen entgegen: „Die Heim-WM ist eine Herausforderung. Druck habe ich immer. Dafür sorgt vor allem die starke Konkurrenz.“ Ebenfalls auf der Favoritenliste stehen der Schwede Andre Myhrer und der Franzose Alexis Pinturault. Und vielleicht gelingt dem Garmisch-Partenkirchner Fritz Dopfer gerade bei der WM der endgültige Durchbruch.

Im Riesenslalom führt der Sieg am 15. Februar nur über den bisher alles überragenden Ted Ligety. Der US-Amerikaner geht auch als Titelverteidiger ins Rennen. Sein größter Konkurrent ist Marcel Hirscher. Gespannt sein darf man auf das deutsche Trio Stefan Luitz, Felix Neureuther und Fritz Dopfer.

Nichts erwarten dürfen sich die deutschen Skifans in den schnellen Disziplinen. Auch wenn der Auftakt in die Saison mit Platz fünf von Tobias Stechert in der Abfahrt in Lake Louise sehr vielversprechend verlief. In Beaver Creek verletzte sich Stechert am Knie, musste operiert werden. Ob er überhaupt bei der WM dabei sein kann, wird sich kurzfristig entscheiden. „Nach den Verletzungen bei den Rennen in den USA geraten wir in dieser Saison in der Abfahrt schon wieder ins Hintertreffen. Das tut weh, denn die Abfahrt ist die Königsdisziplin im alpinen Ski-Rennsport“, erklärt Wolfgang Maier. In beiden Disziplinen, dem Super-G am 6. Februar und der Abfahrt am 9. Februar, steht der Norweger Aksel Lund Svindal als Favorit am Start. Und in beiden Disziplinen dürfte das starke italienische Speed-Team mit Christof Innerhofer, Dominik Paris, Matteo Marsaglia und Werner Heel zu den größten Herausforderern zählen. Innerhofer holte sich Gold im Super-G in Garmisch-Partenkirchen 2011, der Kanadier Erik Guay in der Abfahrt.

Auch in der Super-Kombination am 11. Februar gehört Titelverteidiger Svindal zu den heißen Kandidaten auf Gold. Bekommt der Kroate Ivica Kostelic seine Knie-Probleme bis zur WM in den Griff, dürfte aber er der Favorit auf den Titel sein. Ebenfalls auf der Rechnung sollte man den Norweger Kjetil Jansrud und Christof Innerhofer haben. Und schließlich gibt es bei der WM auch noch den Team-Bewerb am 12. Februar. Ein Bewerb, der nur dann geliebt wird, wenn die Medaillenbilanz eine Aufbesserung benötigt. Die Skination Nummer eins, Österreich, wird zuhause alles dafür tun, um in diesem Bewerb Gold zu holen. Streitig machen wollen den Österreichern den Sieg vor allem die in dieser Saison besonders starken Nationen USA, Italien und Titelverteidiger Frankreich. Und auch Deutschland darf sich aufgrund der bisher gezeigten Saisonleistungen Hoffnungen auf Edelmetall machen.

Schladming wird ein großartiger Gastgeber dieser Weltmeisterschaft sein. Elf spannende und interessante Bewerbe werden für sportliche Highlights sorgen. Es wird Favoritensiege geben und auch wieder die eine oder andere Überraschung. Freuen wir uns also auf eine echte Ski-Party!

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Maria Höfl-Riesch gewann bei der letzten WM zwei Mal Bronze. Nun hofft sie auf mehr.

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