Autofreie Skiorte: Herrlich frische Luft

Kristallklare Bergluft statt stinkende Auspuffgase, himmlische Ruhe statt laute ­Hupkonzerte und nervendes Motorengedröne – in autofreien Skiorten bleiben Lärm und Verkehr im Tal. Nur durch Bahnen verbunden, wohnen Winterurlauber ­in ­beschaulichen Almdörfern oder auf modernen Skistationen mit Sonnenterrassen und lassen neben dem stressigen Alltag auch ihr Auto hinter sich

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© Fremdenverkehrsämter

Text: Rita Balon

Eigentlich braucht es niemand so recht: das Auto im Winterurlaub. Es verpestet die schöne Bergluft, zwingt Spaziergänger zum unfreiwilligen Slalom und ängstigt Eltern, wenn die Kleinen draußen spielen. Eine ganze Reihe von alpinen Ferienorten sperren die ­Autos deshalb aus und schaffen Vorfahrt für Ski, Rodel und Pferdeschlitten. Die Idee stammt aus der Schweiz. Viele sonnige Hochalmen blieben dort lange ganz ­natürlich von der Blechlawine verschont. Es führte einfach keine Straße dorthin. Als die Infrastruktur verbessert werden sollte, winkten zahlreiche Orte ab. Schließlich ist es ihr großes Plus, dass es weder Abgase noch Staus und Parkplatzsuche gibt – und Urlauber so fern ihres hektischen Alltags Ruhe und Entspannung finden. Zumal die Lifte meist vor der Haustüre starten – „Ski-in Ski-out“, wie es im Neuhochdeutschen so schön heißt.

Aletsch Arena

Seit jeher sind die drei Walliser ­Alpdörfer Bettmeralp, Rieder­alp und Fiescheralp nur durch eine Luftseilbahn mit dem Tal verbunden. Zwischen sieben und zehn Minuten dauert die Fahrt mit den Seilbahnen von den Talgemeinden Mörel, Betten und Fiesch. Auf dem sonnenverwöhn­ten Hochplateau auf rund 2.000 Meter eröffnet sich ein weitläufiger Skizirkus mitten im UNESCO-Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch. Einzigartig ist das Panorama auf mehr als 40 Viertausender und den mächtigsten Eisstrom der Alpen, den Aletsch-Gletscher. Mit Schlitten und Schneemobilen werden die Gäste samt Gepäck zu ihren Unterkünften transportiert. Beförderungsmittel Nummer eins im Ort sind bei Einheimischen und Gästen ganz klar die Ski – egal, ob man ins Restaurant oder zum ­Einkaufen fährt.

Lage: 1.935 bis 2.869 Meter

Parken: jeweils für 6 Tage:

Talstation Luftseilbahnen Fisch-Eggishorn: 38 CHF. Talstation in Mörel: 72 CHF (Parkhaus). Talstation in Betten: 36 CHF (Parkplatz), 48 CHF (Parkhaus)

Skigebiet: 108 Pistenkilometer

Infos: www.aletscharena.ch

Braunwald

Die autofreie Familien-Oase im Glarnerland ist in knapp sieben Minuten mit der Braunwald-Standseilbahn von Linthal aus zu erreichen. Von der Bergstation wird das Gepäck direkt in die Unterkunft befördert (teilweise gegen Gebühr). Ab dann geht es nur noch zu Fuß, per Ski oder Pferde-schlitten durch das idyllische Almdorf am Klausenpass. Vor den Chalets steigen die Skisportler direkt in die Bindung und sind mit einem Schwung mitten im Skigebiet. Besonders familienfreundlich ist das Kinderland mit Gratis-Übungsliften, die für jeden frei zugänglich sind.

Lage: 1.256 bis 1.900 Meter

Parken: Parkplatz im Freien:

5 CHF für 1 Tag, jeder wei­tere Tag 3 CHF.

Parkhaus: 50 CHF für 6 Tage (Reser­vierung möglich)

Skigebiet: 32 Pistenkilometer

Infos: www.braunwald.ch

Mürren

Die ehemalige Walsersiedlung gilt als höchste, ständig bewohnte Dorfsiedlung des Kantons Bern. Von Lauterbrunnen führt die Bergbahn vorbei an den tosenden ­Wasserfällen des Lauterbrunnertals mitten ins idyllische Bergdorf, wo alle Lifte starten. Berühmt ist das 2.970 Meter hohe Schilthorn, das im James-Bond-Film „Im Auftrag Ihrer Majestät“ eine Hauptrolle spielte. Großes Kino ist das Panorama allemal. Im „Piz Gloria“ lässt sich die Rundumsicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau sowie auf mehr als 200 Berggipfel ganz entspannt bei einer Tasse Kaffee genießen. Das Restaurant dreht sich innerhalb von 55 Minuten ein Mal um die eigene Achse.

Lage: 1.650 bis 3.000 Meter

Parken: 14 CHF pro Tag im Parkhaus Lauterbrunnen, das unterirdisch mit der Bergbahn verbunden ist (Reservierung möglich). Alternativ gibt es Parkplätze bei der ­Schilthornbahn in Stechelberg.

Skigebiet: 51 Pistenkilometer

Infos: www.muerren.ch

Saas-Fee

Seit 1951 ist Saas-Fee autofrei. ­Wintersportler werden mit dem Elektrotaxi direkt am Parkplatz unterhalb des Dorfes abgeholt und zu ihrer Unterkunft gefahren. Im Ort selbst verkehren elektrisch betriebene Busse zu den Liften. Hoch hinaus geht es mit der Luftseilbahn „Alpin Express“ und der Panorama-Felskinnbahn bis an die Gletscherzungen auf Felskinn (3.000 Meter). Von dort fährt die „Metro Alpin“, die welthöchste ­unterirdische Standseilbahn, zum Mittelallalin. Auf 3.500 Meter, im höchsten Drehrestaurant der Welt, sind die Riesen der Alpen zum Greifen nahe. Das Bergdorf zu Füßen des beeindruckenden Doms, mit 4.545 Meter der höchste Berg der Schweiz, wird umrahmt von der Mischabel-Bergkette mit insgesamt 13 Viertausendern.

Lage: 1.800 bis 3.600 Meter

Parken: 19 CHF pro Tag im Parkhaus. Dort gibt es Gratis-Telefonstationen, um sich mit seinem Hotel, Pension etc. in Verbindung zu setzen. Die Gäste werden kostenlos in die Unterkunft gebracht.

Skigebiet: 150 Pistenkilometer

Infos: www.saas-fee.ch

Wengen

Sie ruckelt ein wenig, die Zahnradbahn hoch nach Wengen (1.270 Meter). Das autofreie Bergdorf liegt direkt am Fuße des Dreigestirns Eiger, Mönch und Jungfrau. Hoteleigene Elektroautos oder Taxis (kosten-pflichtig) befördern Gäste und Gepäck von der Bahn in die Unterkünfte. Ansonsten kutschieren bimmelnde Pferdeschlitten die Wintersportler durch den Ort. Das Highlight für Skifans ist in jedem Jahr die legen­däre Lauberhorn-Weltcupabfahrt. Sie startet im Skigebiet Kleine Scheidegg-Männlichen und windet sich rund 4,5 Kilometer hinunter nach Wengen.

Lage: 1.000 bis 2.500 Meter

Parken: 14 CHF pro Tag im Parkhaus Lauterbrunnen beim Bahnhof (Reservierung möglich). Eine Zahnradbahn bringt die Reisenden innerhalb von 15 Minuten nach Wengen.

Skigebiet: 102 Pistenkilometer im Skigebiet Kleine Scheidegg-Männlichen, 270 Pisten­kilometer in der Jungfrau Ski Region

Infos: www.wengen.ch

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Stimmungsvolles Winter-idyll: Zermatt bei Nacht.
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Zermatt

Der Berg der Berge: das Matterhorn – Mythos und Wahrzeichen in einem. Zu Füßen des beeindruckenden Felskolosses liegt Zermatt. Bereits seit 1961 ist der Ort autofrei. Es verkehrennur Elektromobile, gemütliche Pferdekutschen, und selbst der Skibus macht mit beim Umweltschutz: Er tankt an der Steckdose. Übrigens: Das Zermatter Elektromobil wird vor Ort als Unikat produziert. Die Wintergäste lassen ihr Auto in Täsch im Parkhaus stehen, fahren mit Shuttle-­Zügen der Matterhorn-Gotthardt-Bahn in den Skiort und genießen Luft und Panorama.

Lage: 1.620 bis 3.899 Meter

Parken: 15,50 CHF pro Tag im Matterhorn-Terminal Täsch. Im Parkhaus steigt man direkt in den Shuttle-Zug-Service (12 Minuten). Ebenso verkehren Taxis und ein Limousinenservice nach Zermatt. In Visp ist Parken gratis.

Skigebiet: 360 Pistenkilometer in Zermatt und Cervinia/Valtournenche

Infos: www.zermatt.ch

Oberlech

Europaweit einzigartig ist das Tunnelsystem, durch das alle Hotels in Oberlech seit 1997 verbunden sind. Die Versorgung der Betriebe und Häuser sowie der Transport des Gäste­gepäcks erfolgt über das innovative Tunnelsystem. Damit ist der Ortsteil von Lech im Winter völlig autofrei und nur per Bergbahn oder über die Piste zu erreichen. Die Seilbahn verkehrt von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts. Wer abends noch durch die Bars in Lech ziehen möchte, muss sich um den Rückweg nicht sorgen.

Lage: 1.750 bis 2.450 Meter

Parken: Ab 13 Euro pro Tag in der Tiefgarage Anger in Lech, gegenüber der Bergbahn Oberlech. Das Gepäck wird über das Tunnelsystem direkt in die Unterkünfte gebracht.

Skigebiet: 340 Pistenkilometer

Infos: www.lech-zuers.at

Serfaus

Statt Autos und Skibussen saust die höchst gelegene Luftkissenschwebebahn der Welt durch den Tunnel unter der Dorfstraße. Wer in Serfaus Skiurlaub macht, kann sein Auto gratis auf dem Großparkplatz vor dem Ort abstellen. Die einzige Dorf-U-Bahn der Alpen verbindet auf einer Länge von 1.280 Meter den Parkplatz mit dem Skigebiet. An zwei Zwischenstationen, Kirche und Zentrum, können die Fahrgäste aus- und zusteigen. Eine Ausnahme gibt es: Der Tiroler Skiort erlaubt seinen Gästen, am Anreisetag mit dem Auto zur ­Unterkunft fahren.

Lage: 1.200 bis 2.820 Meter

Parken: Das Parkhaus und diverse Außen­parkplätze sowie die U-Bahn sind kostenlos.

Skigebiet: 212 Pistenkilometer

Infos: www.serfaus-fiss-ladis.at

Tauplitz

Im Skidorf Tauplitzalm hat das Auto Pause. Pisten, Loipen und Winterwanderwege liegen meist direkt vor der Hoteltür. Einzige öffentliche Verkehrsmittel sind Pistengeräte und Skidoos. Von Bad Mitterndorf gelangen die Gäste über die Tauplitzalm Alpenstraße (Maut ist im Skipass enthalten) zum Parkplatz auf der Tauplitzalm. Von dort steigen sie mitsamt Gepäck um aufs Skidoo oder Pistengerät, das sie zur jeweiligen Unterkunft bringt.

Lage: 1.650 bis 1.965 Meter

Parken: 4 Euro pro Nacht bzw. 26,50 Euro für 1 Woche. Bewachter Parkplatz auf der Tauplitzalm (Nähe Hollhaus). Transport von Mensch und Gepäck erfolgt mit Skidoos oder Pistengeräten. Die Kosten für den Transfer variieren je nach Unterkunft und Wegstrecke.

Skigebiet: 42 Pistenkilometer

Infos: www.dietauplitz.com

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Urlaubstraum: Das Schnauben der Pferde ist der einzige „Verkehrslärm“.
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Seiser Alm

Eingebettet in berühmte Gipfel wie Lang- und Plattkofel, Goldknopf, Puflatsch und dem sagenumwobenen Schlern liegt die größte Hochalm ­Europas im Herzen der Dolomiten. Seit 2004 sind die Straßen für den privaten Autoverkehr gesperrt. Wintersportler erreichen die sonnenverwöhnten Pisten mit der Seiser Alm Bahn. An der Talstation stehen sowohl Outdoorparkplätze (gratis) als auch ein Parkhaus (kostenpflichtig) zur Wahl. Gäste, die in einem Hotel auf der Alm wohnen, dürfen am Anreisetag hochfahren. Auf der Alm verkehren regelmäßig Busse von Compatsch bis Saltria. Oder man erkundet die Seiser Alm wie anno dazumal mit dem Pferdeschlitten.

Lage: 1.850 bis 2.350 Meter

Parken: Kostenloser Parkplatz und Parkgarage (pro Tag 3 Euro) an der Talstation der Seiser Alm Bahn. Die Parkgebühr für den Parkplatz Compatsch auf der Seiser Alm beträgt pro Tag 15 Euro.

Skigebiet: 60 Pistenkilometer. Mit Gröden bildet die Seiser Alm eine gemeinsame Ski-region (175 Pistenkilometer), die mit kosten-losem Skibus verbunden ist. Außerdem gehört die Seiser Alm zu Dolomiti Superski, dem größten Skipassverbund der Welt.

Infos: www.seiseralm.it

Avoriaz

Mit seiner ungewöhnlichen Architektur zeigt sich Avoriaz als eines der modernsten Skiresorts in ganz Portes du Soleil. Der Verkehr hingegen ist traditionell. Pferde-schlitten, Snowboard, Ski oder Pistenraupen sind die einzigen erlaubten Verkehrsmittel. Was nicht weiter tragisch ist, denn egal wo man wohnt, überall kann man von der Piste bis ins Hotel abfahren. Die Autos parken am Ortseingang, und die Gäste werden mitsamt Gepäck auf Pferdeschlitten zu ihrem Quartier gebracht. Der Transfer ist meist im Unterkunftspreis enthalten.

Lage: 1.800 bis 2.460 Meter

Parken: Pro Tag 15 Euro, 1 Woche 89 Euro im Parkhaus am Eingang des Resorts, Parkplatz im Freien: pro Tag 10 Euro, 1 Woche 65 Euro

Skigebiet: 80 Pistenkilometer Avoriaz sowie 650 Pistenkilometer im Portes du Soleil (12 Orte zwischen Frankreich und der Schweiz)

Infos: www.avoriaz.com

Flaine

Ski-in Ski-out“ heißt es im avant-gardistisch gestylten Skiresort Flaine. Das Auto muss draußen bleiben, nur die Zufahrt zum Be- und Entladen ist erlaubt. Der autofreie Skiort im Skigroßraum Grand Massif lässt nicht nur die Herzen von Wintersportlern höher schlagen. Neben dem atemberaubenden Blick auf den Mont Blanc bietet er echte Kunst-Highlights in Form von Skulpturen von Picasso und Vasarely sowie dem 1969 eröffneten „Centre d’Art“, ein Zentrum für zeitgenössische Kunst.

Lage: 1.600 bis 2.500 Meter

Parken: Kostenlose und gebührenpflichtige (pro Tag 5 Euro) Parkplätze liegen am Eingang zum Resort. Bei Ankunft oder Abreise kann das Auto bis zu eineinhalb Stunden zum Laden und Entladen vor der Unterkunft geparkt werden.

Skigebiet: 140 Pistenkilometer, Le Grand Massif: rund 265 Pistenkilometer

Infos: www.flaine.com

Valmorel

Schon bei der Planung der Ski­station 1976 wurden die Autos ­aus­gesperrt. Heute gilt Valmorel als ­eines der schönsten künstlichen Bauerndörfer Savoyens. Mit seinen Chalets aus Stein und Holz, Schieferdächern, verwinkelten Gässchen und kleinem Marktplatz versprüht der autofreie Skiort einen ganz eigenen Charme. Die Franzosen haben Valmorel deshalb den Beinamen „la Belle“ (die Schöne) gegeben. Von den meisten Unterkünften haben die Winterurlauber direkten Zugang zum Skigebiet. Oder sie pendeln mit den kostenlosen und umweltfreundlichen Skibussen (Euro 6 Norm) zu den Liften.

Lage: 1.400 bis 2.550 Meter

Parken: Es gibt mehrere Parkhäuser ­(Wochenpreis zwischen 70 und 100 Euro). Die Parkplätze im Freien kosten rund 50 Euro. Außerdem kann das Auto rund zwei Kilometer unterhalb von Valmorel kostenfrei abgestellt werden. Dort fährt ein kostenloser Shuttle nach Valmorel. Zum Be- und Entladen sind bis zu drei Stunden kostenloses Parken im Ort erlaubt.

Skigebiet: 165 Pistenkilometer

Infos: www.valmorel.com

Val Thorens

Die alpine Skistation Val Thorens ist zwar keine Augenweide. Doch praktisch sind die Wohnsilos allemal: Von hinten fährt man mit dem Auto in die Tiefgarage, mit dem Aufzug weiter ins Appartement – vorn beginnt der Skilift. Val Thorens ist der höchste Skiort Europas und der höchste Ort im Skigebiet Les 3 Vallées. Fast 99 Prozent der Pisten liegen auf über 2.000 Meter Höhe. Den Skigenuss begleiten fantastische Ausblicke, wie der atemberaubende 360-Grad-Panoramablick auf mehr als 1.000 Gipfel der fran­zösischen, schweizerischen und italienischen Alpen.

Lage: 2.300 bis 3.230 Meter

Parken: Im Parkhaus ab 14,60 Euro pro Tag, Parkplatz im Freien ab 13,80 Euro (Reservierung möglich). Gratispendelbusse zu den Unterkünften stehen zur Verfügung. Zum Be- und Entladen des Gepäcks ist parken im Ort erlaubt.

Skigebiet: 150 Pistenkilometer, Les 3 Vallées: rund 600 Pistenkilometer

Infos: www.valthorens.com

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 06 / 2015

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