Imperien im Schnee – die Geschäfte der Wintersport-Tycoons

Wer weiße Pisten hinabwedelt, macht sich wohl selten Gedanken über das Business, das dahinter steckt.

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©istockphoto.com/duncan1890 + IlexImage

Doch diese sind oft spannender als eine schwarze Piste. Wir haben uns aufgemacht, um die Tycoons der Wintersport-Branche zu treffen und bieten einen Einblick in ihre Geschäfte.

Text Tim Tolsdorff Bild Schultz-Ski.at 2011, Wintersport Tirol AG, Carezza Ski, Weisse Arena Gruppe

Die Geschäfte der Wintersport-Tycoons

Anfang der achtziger Jahre überschwemmte eine Flut von amerikanischen TV-Serien die Bildschirme in Deutschland. Ob es sich um das Ölgeschäft drehte, wie bei den Quotenhits „Dallas“ oder „Denver Clan“, oder um den Weinanbau in Kalifornien, wie im Falle von „Falcon Crest“: Stets dienten Familienunternehmen als Kulisse für abstruse Machtproben, Intrigen und Ränkespiele.

Wollte man eines der Serienkonzepte aus den Boomjahren von Fönfrisuren und Schulterpolstern in die Alpen transferieren, so dürfte vor allem die Branche der Seilbahner prädestiniert als Handlungsort sein. Schon im Kern ihres Berufs haben diese Unternehmer ständig mit himmelstürmendem Aufstieg und dem unvermeidlichen Abstieg vom Gipfel zu schaffen. Als erster bescheidener Versuch, das reale Vorbild der Skigebietsbetreiber ins fiktive Fernsehen zu übertragen, darf die ZDF-Serie „Die Bergwacht“ gelten. Dort mimt Michael König, Ensemblemitglied am Burgtheater Wien, mit Verve den ebenso renditesüchtigen wie rücksichtslosen Hotelier Peter Herbrechter, der mit seinen Gondel-Plänen regelmäßig Naturschützer und Bergretter gegen sich aufbringt und – so wollen es die Macher der öffentlich rechtlichen Bergidylle – stets den Kürzeren zieht.

Die Realität ist, wenig überraschend, komplizierter. In den Alpen und anderen europäischen Bergmassiven gibt es mittlerweile Großkonzerne, die dutzende von Skigebieten ihr Eigen nennen, anderswo befinden sich die Liftketten in der Hand der Gemeinden. In den sechziger und siebziger Jahren entstanden aber aus den Betreibergesellschaften einzelner Lifte expandierende, aber lokal verwurzelte Familienunternehmen. Als Blaupause für die privat geführten Unternehmen mag der griechische Großreeder Stavros Niarchos gedient haben, der mit dem Bau der millionenschweren Seilbahn auf den Corvatsch in den fünfziger Jahren den Aufstieg von St. Moritz in die Adelsklasse des Wintersports befeuerte.

Von den Familienunternehmen konnten sich nur wenige langfristig am Markt behaupten. Die erfolgreichen Vertreter überleben bis heute, weil ihre Eigner mit harten Bandagen kämpfen, findige Marketingkonzepte entwerfen oder den Aufstieg der Elterngeneration als Herausforderung und Verpflichtung gleichermaßen betrachten.

SkiMAGAZIN hat sich auf die Suche gemacht nach jenen Unternehmern, die in den Spannungsfeldern zwischen dörflichen Sozialstrukturen und urbaner Kundschaft, zwischen unternehmerischem Denken und aturschutz, zwischen Kunstschnee und Klimawandel und nicht zuletzt zwischen alter Schule und „New School“ ihren Weg machten. Und wir haben sie gefunden – die Tycoons der Berge.

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Martha und Heinz Schultz

Weißes Imperium in Geschwisterhand

Die Schultz-Gruppe

Angefangen hat alles in den siebziger Jahren: Damals stieg der Bankdirektor Heinrich Schultz aus dem Zillertaler Dorf Fügen bei der Spieljochbahn ein, gründete 1978 das Skigebiet Hochzillertal im benachbarten Kaltenbach. Damit legte Schultz den Grundstein für ein weißes Imperium. Heute hält die nächste Generation das Ruder fest in den Händen. 52 Prozent der Schultz-Gruppe nennt der älteste Sohn Heinz sein Eigen, er trifft die strategischen Entscheidungen.

Dabei kenne er kein Pardon, wie das Tiroler Nachrichtenmagazin „Echo“ 2010 berichtete. Die ältere Schwester Martha, mit 24 Prozent dabei, kümmert sich um Marketing und Außenwirkung des Unternehmens. „Schon von Kind an waren wir beide immer zusammen unterwegs“, sagt sie. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Das Skigebiet Hochzillertal mit seinen 166 Pistenkilometern ist nach wie vor das Filetstück des Unternehmens. „Das Gebiet ist für das sportliche Publikum da. Hier sind wir auf dem Weg zum Top-Level“, sagt Martha Schultz.

Über die Jahre expandierte die Familie Schultz gewaltig, vor allem im beschaulichen Osttirol: Noch in die Ägide des Vaters fielen die Käufe der Bergbahnen am Mölltaler Gletscher (1988), bei Sillian im Pustertal (1989), am Ankogel (1991) und in Matrei (1994). Heinz und Martha Schultz verleibten der Firma nach dem Tod des Vaters 2004 die Lifte in Kals am Großglockner (2006) und im vergangenen Jahr die Bergbahnen in St. Jakob ein. Kurz darauf schuf man mit der Lift-verbindung zwischen Kals und Matrei das größte Skigebiet Osttirols mit 110 Pistenkilometern. 700 Mitarbeiter sind im Unternehmen tätig, rund 80 Millionen Euro beträgt der Umsatz. Über die Rendite schweigt man.

Erfolgreich vermarkten die Ge-schwister Schultz neue Attraktionen. So folgte im Hochzillertal der feinen Berg-Herberge „Kristallhütte“ mit der „Wedelhütte“ ein noch edleres Etablissement: Geboten wird Fünf-Sterne-Standard auf 2.400 Metern Seehöhe. Das Lodge-Konzept habe man ebenso aus den USA übernommen wie die Idee, Gäste gegen Aufpreis früher auf die frisch präparierten Pisten zu lassen. „In Europa fahren wir oft gemeinsam durch die Gegend. Mein Bruder schaut sich weitere Regionen an, ob nun in Kanada oder Rumänien“, so Martha Schultz. „Es ist wichtig, dass man sich umschaut – im positiven wie im negativen.“

Negativ dürfte den Geschwistern besagte Reportage im Magazin „Echo“ aufgestoßen ein, die sich um die Verquickung von politischen und wirtschaftlichen Interessen in der Unternehmensführung drehte. Fördermittel des Landes Tirol in Millionenhöhe spielten dabei ebenso eine Rolle wie die Tatsache, dass die österreichische Bundesregierung ihre Klausurtagung 2009 im unternehmenseigenen Sporthotel Sillian abhielt. Mittendrin: Heinz und Martha Schultz. Tatsächlich ist Martha Schultz ÖVP-Mitglied und seit Juni 2010 Vizepräsidentin der öster-reichischen Wirtschaftskammer.

„Als Unternehmer kannst du dich der Politik nicht verschließen“, sagt sie. „In der Wirtschaftskammer, als Unternehmervertreter, sind wir parteiunabhängig und agieren auch so.“

Die Geschwister haben die Schultz-Gruppe zum größten familiengeführten Seilbahnimperium Österreichs aufgebaut. Was die Zukunft angeht, so beschreibt Martha Schultz den Klimawandel als geringeres Problem, Höhenlage und Schneekanonen sei Dank. Mehr Sorgen mache sie sich um den demografischen Wandel. Man müsse nachfolgende Generationen für den Skisport gewinnen. Gleiches gilt für das Unternehmen: Der jüngste Bruder Georg, Anfang 30 und Teilhaber, ist nicht in die Geschäftsführung eingebunden – noch nicht.

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Georg Eisath

Der neue König am Rosengarten

Georg Eisath erneuert das Skigebiet Karersee

Mit Krone und weißem Bart gleitet er über die Pisten: Als Maskottchen des Skigebiets Karersee fungiert König Laurin. Der Sage nach züchtete der jähzornige Zwerg in einer Nische des mehr als 3.000 Meter hohen Rosengarten-Massivs die edlen Blumen. Im Kampf mit Dietrich von Bern unterlegen, verfluchte Laurin den Garten, um ihn bei Tag und Nacht vor den Blicken der Menschen zu verbergen. Dabei vergaß der Hobbygärtnerjedoch die Dämmerung, weshalb der Sage nach das Massiv in den Abendstunden in der Farbe der Rosenblüten glüht.

Der neue König am Rosengarten heißt Georg Eisath. Der kräftige Südtiroler mit den durchdringenden Augen übernahm vor knapp drei Jahren die Mehrheit am Skigebiet Karersee. Einst als Treffpunkt für die Schönen und Reichen Europas berühmt, hatte Missmanagement das kleine Pistenrevier aus der Bahn geworfen. „Die Maßnahmen der Betreiber der Laurin-Lifte gingen voll daneben“, erzählt Eisath. „Man baute eine Beschneiungs-Anlage, die nicht funktionierte, und errichtete Lifte, die zu diesem Zeitpunkt bereits überholt waren.“ 2001 meldete eine Gesellschaft Konkurs an, viele Lifte standen still.

Wer heute die Pisten zwischen Welschnofen und dem Karerpass befährt, dem bietet sich ein anderes Bild. Alle Lifte surren, an der Passhöhe befördern eine neue Zehnergondel und ein moderner Sessellift die Gäste bergwärts. Wie König Laurin päppelt Georg Eisath sein Pflänzchen sorgfältig auf. Die nötige Bonität – bislang seien 20 Millionen Euro investiert worden – verdiente sich der neue Herrscher mit Schneekanonen. Nicht von ungefähr ist im Gebiet modernste Schnei-Technik zu bestaunen. Georg Eisath schlug zwei Fliegen mit einer Klappe: Den Gästen lieferte er Schneesicherheit, seinem Bozener Unternehmen TechnoAlpin

einen Showroom. Doch eigentlich gaben familiäre Bande den Ausschlag für sein Engagement: Das Hotel „Moser-alm“, das seine Frau von den Eltern übernahm, thront mitten im Skigebiet. „Wenn dort die Lifte stillstehen, dann steht man vor der Entscheidung, das Hotel im Winter zuzusperren oder sich hier zu engagieren“, so Eisath.

Dem Skifahren ist Georg Eisath, Jahrgang 1957, seit seiner Kindheit im Eggental verfallen. „1972 wurden in Obereggen die ersten Lifte gebaut, davor liefen wir die Piste zu Fuß hinauf“, berichtet er. „In der Wiese vor dem Haus habe ich mit meinem Bruder gar einen kleinen Schlepper selbst gebaut.“ Nach dem Maschinenbaustudium kehrte Eisath in die Heimat zurück und avancierte zum Betriebsleiter des Skigebiets, bevor er TechnoAlpin aufbaute.

Ein wunder Punkt am Karersee ist die Erweiterung des Skigebiets. „Im Konzept ist ein Sessellift von der Moseralm in Richtung Rosengarten geplant“, sagt Eisath. Doch der Plan ist umstritten, die Bürgerinitiative „Pro Rosengarten“ warnte, dem Rosengarten-Massiv könnte gar der Status als Weltnaturerbe aberkannt werden. Ein typischer Konflikt für die Berge. Georg Eisaths betont, das Argument sei vorgeschoben. Man nehme mit dem neuen Lift keinen Einfluss auf die Kulisse der Dolomiten.

Wichtiger ist dem Ski-Tycoon ohnehin die nächste Phase seiner Ausbaupläne: die Anbindung ins Fassatal. „Dieses Konzept haben wir der Bevölkerung vorgestellt und es wurde in allen Gremien für gutgeheißen“, so Eisath. Vorerst werde es nur eine Seilbahnverbindung von Moena zum Karerpass geben. Damit rückt man einem Ziel näher, von dem viele Menschen in Welschnofen schon lange träumen: der Anbindung an die Sella Ronda. 20 Millionen Euro sind nach Angaben von Georg Eisath für dieses Projekt nötig. Dafür wird der neue König am Rosengarten ein weiteres Mal seine Schatzkammer plündern.

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Reinhard Klier
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Heinrich Klier

Generationswechsel im „Königreich des Schnees“

Die Familie Klier und der Stubaier Gletscher

einrich Klier könnte glatt als der Hemingway Tirols durchgehen: In den knapp 85 Jahren seines Leben reüssierte er als Romancier, Sachbuchautor und Alpinist, kämpfte in den sechziger Jahren gar im bewaffneten Widerstand für die Unabhängigkeit Südtirols. Weil er mit anderen Aktivisten das Reiterstandbild Benito Mussolinis in Waidbruck sprengte, wurde Klier in Abwesenheit zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt, exilierte für einige Jahre nach Süddeutschland. Erst 1998 begnadigte der italienische Staatspräsidenten Scalfaro den Delinquenten. Da hatte Klier längst das nächste Kapitel seines Lebensromans aufgeschlagen – als Chef des Gletscherskigebiets im Stubaital.

Heute steht Heinrich Klier mit dem jüngsten Sohn Reinhard an der Spitze der Wintersport Tirol AG, die neben dem 110 Pistenkilometer und 25 Lift-anlagen zählenden Filetstück auf dem Eispanzer auch Beteiligungen an anderen Skigebieten und Hotels hält. Die Sippe hat das Sagen im Unternehmen, eine familieneigene Holding hält 60 Prozent der Aktien, zwei

Kinder und die Ehefrau von Heinrich Klier sitzen im Aufsichtsrat. „Daheim am Mittags- und Abendtisch wird diskutiert, wie es mit dem Skigebiet weitergeht“, so der Seniorchef.

1964 gründete Heinrich Klier die AG, stellte mit finanzieller Hilfe einiger Freunde aus München einen Lift am Walchsee auf. Es folgte ein 20 Millionen Schilling schweres Projekt am Glungezer bei Innsbruck. „Das war ein Ski-Boom Anfang der 70er, den habe ich genau erwischt“, erinnert sich Klier. „Dann hieß es: Was geht jetzt noch? Ich wusste natürlich, was noch geht. Das war der Stubaier Gletscher.“ Als Schlüssel für den Bau einer Bergbahn erwies sich die Zuwegung – man asphaltierte eine Straße bis an den Talschluss, quer durch Lawinengebiet. Das Vorhaben gelang. „Am Berg ist dann Zug um Zug eine Bahn nach der anderen entstanden“, sagt Heinrich Klier und fügt mit einem wissenden Lächeln hinzu: „Die Anlage war am Anfang risikoreich, hat sich aber für alle rentiert.“

Doch es gab auch bange Momente. So habe man erst gegen harte Widerstände der Einheimischen wirtschaften können. „Damals war das Tal im Notstandskataster des Landes Tirol. Die ärmsten Orte waren dort beisammen“, so Klier. Knapp nur entgingen die Betreiber einer Katastrophe, als eine Lawine drei Autos von der Privatstraße riss. Die Gäste blieben wie durch ein Wunder unverletzt, Lawinengalerien und Sprengladungen sorgen heute für Sicherheit. In den achtziger Jahren bedrohte ein Gletschervorstoß die Station am Eisgrat auf 2.900 Metern Seehöhe. „Da kam eine riesige Eiswand auf unser Gebäude zu“, erinnert sich der Patriarch mit Grausen.

Heute sind die Herausforderungen anderer Natur, und mit ihnen wird sich Reinhard Klier herumschlagen müssen. Der jüngste Sohn des Patriarchen stieg als einziges von fünf Kindern ins operative Geschäft ein und sitzt seit fünf Jahren im Vorstand. Den Klimawandel will der Juniorchef nicht nur negativ betrachten, obwohl der Rückgang des Permafrosts Felsstürze provoziere. „Es wird 2030 noch Gletscher geben“, sagt er. „Es könnte für uns ein Vorteil sein, dass die Schneesicherheit dann eine noch größere Rolle spielt.“ Größere Sorgen macht sich der Unternehmer um die Stagnation des Skimarktes. „Es wird immer mehr investiert, doch das Gästepotenzial nimmt nicht in gleichem Maße zu“, sagt der Juniorchef. „Wartezeiten werden nicht mehr toleriert, die Qualität der Gastronomie muss wachsen.“

Wie auch immer die Zukunft am und auf dem Stubaier Gletscher aussieht, die Familie Klier wird sie mitgestalten. „Wir sagen, wo es lang geht, und nachdem es schon die letzten 50 Jahren passte, sollte es auch die nächsten 50 Jahre passen“, sagt Heinrich Klier zum Abschied.

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Reto Gurtner

Avantgarde statt alter Schule

Wie Reto Gurtner den Wintertourismus revolutionierte

Reto Gurtner ist immer für eine Überraschung gut. Wer hätte gedacht, dass der Wohlstand des Laaxer Schnee-Tycoons ursprünglich auf Fleisch gründet? Gemeinsam mit seinem Bruder betreibt Gurtner im Bergdorf Trin die größte Fabrik für Bündnerfleisch weltweit. Mittlerweile hat er sich jedoch in den Aufsichtsrat zurückgezogen. Denn seine wahre Leidenschaft gilt dem Wintersport.

Über den Graubündner Bergdörfern Laax, Flims und Falera erstreckt sich das verschneite Reich Gurtners: Weitläufige Hänge, darauf 220 Pistenkilometer und rund 30 Liftanlagen zwischen 1.000 und 3.000 Metern Seehöhe. Dieses Gelände hat die „Weisse Arena Gruppe“ auf 99 Jahre exklusiv gepachtet. Geschäftsführer und größter Anteilseigner: Reto Gurtner. Die Verträge handelte sein Vater aus, der schon früh die Vision

eines großen Skigebietes über dem Oberrheintal entwickelt hatte. „In den 70er-Jahren ist in diesem Gebiet der erste Masterplan in der Schweiz entstanden, der die Erschließung des Vorab-Gletschers beinhaltete“, sagt Gurtner. In den Ferien klopfte der Patriarch samt Familie Skigebiete in ganz Europa ab. „Ich wollte eigentlich lieber an die Seen im Tessin fahren, die hübschen Mädels anschauen“, so Gurtner.

Reto Gurtner trat 1980 mit gerade mal 25 Jahren in das Unternehmen ein, nachdem ein Herzinfarkt seinen Vater niedergestreckt hatte. Dabei wäre der Filius lieber in Kalifornien geblieben, wo er „Comparative Management“ studierte. Aus Übersee brachte er Ideen und eine avantgardistische Grundhaltung mit, die er nach außen hin mit grauem Spitzbart und ausgefallenem Kleidungsstil signalisiert. Aus seiner Abneigung gegen die

behäbigen Verbandsstrukturen in der Schweiz macht der 56-Jährige keinen Hehl. „Die Verbände in den USA haben immer Marktforschung betrieben, hier haben sich die Funktionäre immer nur auf die Schulter geklopft“, sagt er.

Als in den achtziger Jahren viele Skigebiete in die Krise schlidderten, erkannte Gurtner, dass neue Trends wie Skateboarden, Surfen und Snowboarden das Skifahren alt aussehen ließen.

„Diese Sportarten haben die Jugend angezogen“, so Gurtner, der die folgen-schwere Entscheidung traf, das Laaxer Skigebiet den Boardern zu öffnen. Am Berg entstanden Halfpipes und später Funparks, trotz des Widerstandes aus der Bevölkerung. „Es hieß, das seien doch nur Rowdies oder Kiffer. Ich habe mich dann durchgesetzt“, erinnert sich Gurtner. 2002 setzte er das Design-Hotel Riders Palace an die Talstation in Laax-Murschetg. Die Szene dankte: Rund ein Viertel der Laaxer Wintergäste sind „Snöber“, wie man in der Schweiz sagt.

Um im Wettbewerb mit der Konkurrenz zu bestehen, expandierte Gurtner. „Das Klein-klein funktionierte nur so lange, wie eine Übernachfrage da war“, sagt er. Heute kontrolliert die Weisse Arena Gruppe einen Großteil von Gastronomie, Hotellerie und Sportgeschäften. 1996 übernahm man die Bergbahnen in Flims und schuf damit das größte Seilbahnunternehmen in der Schweiz. 87 Millionen Franken betrug der Umsatz im Jahr 2010, mehr als zwei Millionen Franken blieben als Reingewinn hängen. In die preisgekrönte Appartmentsiedlung „Rocks Resort“ investierte das Unternehmen rund 100 Millionen Franken.

Für die Zukunft sieht Gurtner sein Unternehmen gut aufgestellt, gerade bei der Jugend. „Mit dem Free-Ski, also der nächsten Generation, hat sich der Lifestyle der Snowboarder noch einmal weiterentwickelt“, sagt er. Und Reto Gurtner geht mit dem Trend: „In der letzten Zeit bin ich mehr Ski gefahren als Snowboard.“ Er ist eben immer für eine Überraschung gut.

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