Jetzt staubt‘s wieder!

Mit zwei Riesentorläufen am 27. und 28. Oktober in Sölden startet der Ski-Weltcup in die Saison.

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Im Riesentorlauf sorgt das neue Ski-Reglement für die größten Veränderungen. In Sölden kommen die neuen Modelle erstmals unter Rennbedingungen zum Einsatz. Hochspannung zum Auftakt ist damit garantiert.

Text Dr. Christian Huber Bild Head, GEPA/Atomic

Länger und weniger tailliert. So lässt sich die neue Ski-Generation in aller Kürze zusammenfassen. Nur beim Slalom bleibt alles beim Alten. Die größten Veränderungen gibt es beim Riesentorlauf der Herren. Der Mindest-Radius wurde von 27 auf 35 Meter erhöht.

Ursprünglich plante der Internationale Ski-Verband (FIS), den Radius beim Riesentorlauf auf 40 Meter zu erhöhen. Ein Aufschrei – vor allem der Ski-Industrie und der Athleten – war die Folge. Rund 200 aktive Weltcup-Athleten unterschrieben eine Petition an die FIS, um diese Regeländerung zurückzunehmen. Diese Änderung würde einen Rückschritt bedeuten, kleinere und leichtere Athleten wären benachteiligt. Stattdessen forderten die Athleten, das Risiko vor allem durch die Pisten-Präparierung, die Kurssetzung und die Rennanzüge zu minimieren. Dieser Aufschrei blieb nicht ganz ohne Erfolg. Die FIS war zum Kompromiss auf einen Radius von mindestens 35 Metern bereit.

Nach Saisonende begann das intensive Austesten des neuen Materials. Das bisherige Feedback gibt wenig Anlass zur Hoffnung, dass in Sachen Sicherheit ein entscheidender Fortschritt gemacht worden ist. „Vor allem bei schlechten Verhältnissen wie zum Beispiel bei weicher Piste tun sich die Läufer sehr schwer. Es geht alles in Richtung mehr Kraftaufwand und man weiß ja, dass ab 40 Sekunden die Verletzungsgefahr steigt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das der Sicherheit dienlich ist“, bringt es Rainer Salzgeber, Rennsportleiter bei Branchenprimus Head auf den Punkt. Eindeutig auch die Meinung von Bernhard Knauß, der bei Blizzard und Nordica den Rennsport leitet: „Das Thema wurde komplett verfehlt. Es wird eindeutig schneller und nicht langsamer. Im Riesenslalom ist mit mehr Kraft zu fahren, das führt sicherlich auch nicht zu mehr Sicherheit.“

Kritische Stimmen

Der zusätzliche Kraftaufwand und die Abhängigkeit von den Pistenverhältnissen beschäftigen die Insider. „Den jungen Läufern fehlen die Kraft, die Technik und die Erfahrung. Es wird die Kluft zwischen den Besten und den weniger Guten noch größer werden“, weiß Siegi Voglreiter, Rennsportleiter bei Fischer. Atomic-Rennsportleiter Peter Pechhacker, Nachfolger von Langzeit-Rennsportleiter Rudi Huber, sagt: „Einige tun sich wirklich schwer damit. Man muss sehr gut über dem Ski stehen, damit man den nötigen Radius fahren kann.“ Klaus Gattermann, Rennsportleiter bei Völkl, analysiert: „Man muss jetzt mit mehr Muskelkraft die Ski stabilisieren. Da wird sich etwas verändern. Die Athleten werden schnell spüren, dass man mit mehr Kraft weiter nach vorne kommt. Im Training kann man viel kaschieren, man setzt die Kurse offener. Die Erfahrung, wie es ist, wenn man an die Grenzen kommt, sieht man dann erst im Winter.“

Dass die Ski-Industrie nicht positiv auf die Veränderungen reagiert, ist verständlich. Ein neues Ski-Reglement verursacht zusätzliche Kosten. Vor allem Speed-Ski, die oft jahrelang eingefahren werden, sind von einer Saison auf die andere nicht mehr zu gebrauchen. Welche Erfahrungen haben aber die Athletinnen und Athleten selbst gemacht? DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier hat dazu eine klare Meinung: „Nach den Erfahrungen aus dem Sommertraining verlangt das neue Material einen deutlich höheren Krafteinsatz. Gerade im Riesenslalom sind die Ski schwerer zu fahren als bisher. Kurioserweise sind die gefahrenen Zeiten mit den neuen Ski im Vergleich zum bisherigen Material schneller. Daher bleibt abzuwarten, ob die ursprüngliche Zielsetzung dieser Entscheidung, den alpinen Skirennsport langsamer und damit sicherer zu machen, erfüllt werden kann.“ Viktoria Rebensburg, Riesenslalom-Spezialistin im DSV-Team, kommt gut mit dem neuen Material zurecht: „Klar musste ich mich jetzt im Schneetraining ein wenig an das neue Material anpassen, aber die Änderung ist bei weitem nicht so gravierend wie zunächst angenommen.“ Auch Marcel Hirscher, Gesamt-Weltcup-Sieger bei den Herren, hat das neue Material gut unter Kontrolle: „Der Riesenslalom wird aufgrund dieser neuen Taillierungen nun noch mehr Kraft fordern als bisher schon. Zum Glück habe ich sehr gute Hebelwerte und für diese Hebel eine sehr gut ausgeprägte Kraft und Schnellkraft.“

Die Favoriten-Show

Die neue Saison verspricht deshalb schon beim Auftakt sehr viel Spannung, denn in Sölden hat man den ersten echten Vergleich mit den Konkurrenten. Wer sind in dieser Saison aber die Favoriten in den einzelnen Disziplinen? Wer sind im DSV-Team die Hoffnungsträger? Und wer kann für Überraschungen sorgen?

Mit dem Schweizer Didier Cuche und der Schwedin Anja Pärson haben sich zwei Top-Stars in die Ski-Pension verabschiedet. Pärson sorgte nach ihrem Rücktritt weiter für Schlagzeilen. Sie bekannte sich zu ihrer Lebenspartnerin, mit der sie mittlerweile auch ein Kind hat. Ebenfalls die Ski in den Keller stellten der Finne Kalle Palander, der Schwede Patrik Järbyn, der Schweizer Ambrosi Hoffmann, der Italiener Patrick Staudacher und die Österreicher Mario Scheiber, Hans Grugger und Christoph Dreier.

Im Gesamt-Weltcup der Damen ruhen die deutschen Hoffnungen vor allem wieder auf Maria Höfl-Riesch. Auf den großen Erfolg in der Saison 2010/11 mit dem Gesamtsieg folgte eine durchwachsene Saison 2011/12, in der es in der Gesamtwertung „nur“ zu Platz drei reichte. „Ich will im Weltcup ganz vorn mitmischen, und bei der WM eine Medaille“, legt sich Höfl-Riesch selbst die Latte hoch. Ihre größte Konkurrentin um den Gesamt-Weltcup heiß natürlich wieder Lindsey Vonn. Das US-Girl stellte in der vergangenen Saison mit 1.980 Punkten einen neuen Saisonrekord bei den Damen auf. Das Verhältnis zwischen den beiden Konkurrentinnen ist wieder in Ordnung. „Lindsey hat mich am Anfang des Sommers in Kitzbühel besucht. Zuletzt haben wir uns in Chile getroffen“, erzählt Höfl-Riesch. Nicht vergessen darf man in dieser Saison wieder die Vorjahres-Zweite Tina Maze. Sollte ihr in dieser Saison ein guter Start gelingen, dann ist der Slowenin sehr viel zuzutrauen. Und auch auf Julia Mancuso sollte man nach ihrem Wechsel zu Head ein Auge werfen.

In den Speed-Disziplinen der Damen wird der Sieg nur über Vonn führen. Aber auch die Doppel-Weltmeisterin Elisabeth Görgl aus Österreich wird in beiden Disziplinen wieder ein Wörtchen mitreden wollen. In der Abfahrt gehören die Liechtensteinerin Tina Weirather, Mancuso und Höfl-Riesch zu den Sieganwärterinnen. Im Super-G muss man zu den Genannten die Österreicherin Anna Fenninger zum Favoritenkreis dazu zählen. Und auch Viktoria Rebensburg hat mit ihrem ersten Super-G-Sieg in der vergangenen

Saison aufgezeigt. „Das hat mir natürlich zusätzliches Selbstbewusstsein gegeben und mich motiviert, auch in den schnellen Disziplinen weiter an mir zu arbeiten“, erklärt Rebensburg.

Rebensburg vor dem Hattrick?

Im Riesentorlauf führt ohnehin kein Weg an Viktoria Rebensburg vorbei. Sie kann sich mit dem Sieg im Riesentorlauf-Weltcup nach den Erfolgen in den vergangenen beiden Saisonen einen lupenreinen Hattrick holen.

Lindsey Vonn, die Französin Tessa Worley, Anna Fenninger und Tina Maze gelten als die größten Konkurrentinnen. Einsame Klasse im Slalom ist Marlies Schild. Ihre Landsfrau Michael Kirchgasser wird versuchen, sie vom Thron zu stoßen, genauso wie Tina Maze oder auch Maria Höfl-Riesch. Gespannt sein darf man auf die erst 21-jährige Lena Dürr, die zu den großen Hoffnungsträgerinnen im deutschen Team zählt und in der vergangenen Saison mit vier Top-ten-Platzierungen auf sich aufmerksam machte. Gleiches gilt auch für Veronique Hronek, ebenfalls Jahrgang 1991, und mit Top-30-Platzierungen in Abfahrt, Super-G und Riesentorlauf auf dem Weg nach oben. In der wenig beliebten Super-Kombination muss man neben Lindsey Vonn, Tina Maze und Maria Höfl-Riesch auch noch die Österreicherin Niki Hosp zu den Anwärterinnen auf die kleine Kristallkugel zählen.

Abzuwarten bleibt, wie die verletzten DSV-Damen den Weg zurück in den Weltcup schaffen: Susanne Riesch musste sich im Juli noch einmal am linken Knie operieren lassen, Kathrin Hölzl kämpft nach wie vor mit ihren chronischen Rückenschmerzen und Gina Stechert ist nach ihrem Kreuzbandriss vor einem Jahr wieder voll im Training mit dabei. Zwar keine Verletzung, aber eine dennoch schwierige Saison hat Christina Geiger hinter sich, die vor allem im Slalom das Zeug zu größeren Erfolgen hat.

Deutsche Herren-Hoffnungen

Bei den Herren ist das Potenzial für deutsche Top-Platzierungen noch immer etwas geringer. Der Trend zeigt aber klar nach oben. Neben Felix Neureuther, der im Slalom um die kleine Kristallkugel kämpfen kann, hat Fritz Dopfer mit einer großartigen Saison im Slalom und Riesenslalom mit nicht weniger als zehn Top-10-Platzierungen aufhorchen lassen. „Diese Erfolge sind natürlich ein Ansporn und eine Bestätigung für die Arbeit der letzten Jahre. Es ist hilfreich zu wissen, dass ich eine gute Ausgangsposition für die neue Saison habe, vor allem was die Startnummern betrifft“, freut sich Dopfer. Und auch Neureuther kommt der Aufstieg Dopfers nicht ungelegen: „Es tut vor allem im Training sehr gut, dass wir uns gegenseitig pushen können.“ Für Überraschungen könnten auch Technikspezialist Stefan Luitz und die Abfahrer Tobias Stechert und Andreas Sander sorgen.

Im Gesamt-Weltcup der Herren hatte in der vergangenen Saison niemand Marcel Hirscher auf der Rechnung. Der Österreicher avancierte zum Shooting-Star der Saison. Der Druck für Hirscher wird in dieser Saison noch größer sein. Er soll nicht nur seinen Titel im Gesamt-Weltcup verteidigen, sondern auch bei der Heim-WM in Schladming seinen Mann stehen. Gespannt sein darf man auf Beat Feuz, seinem größten Konkurrenten in der vergangenen Saison. Für den Schweizer, der zu Head wechselte und nach einer Operation noch nicht fit ist, wird Sölden noch etwas zu früh kommen. Deshalb zählen in dieser Saison sicher-lich der Norweger Svindal und der Kroate Kostelic zu den Top-Favoriten auf die große Kugel – ebenso wie ein fitter Benjamin Raich aus Österreich. Besonders auf Kostelic wird man achten müssen, der seine Vorbereitungen bisher ohne gesundheitliche Probleme durchziehen konnte. „Ich werde wieder alle Disziplinen bestreiten. Was die schnellen Bewerbe betrifft, gehe ich mit großem Enthusiasmus in die neue Saison“, sagt der Kroate.

Neuordnung in der Abfahrt

Interessant wird die Saison in der Abfahrt. Weltcup-Sieger Klaus Kröll aus Österreich laboriert noch an den Folgen seines Motocross-Sturzes und hat Trainingsrückstand. Hinter ihm platzierten sich die Schweizer Beat Feuz und Didier Cuche. Feuz ist ebenfalls noch nicht fit und Cuche nicht mehr mit dabei. Es folgten der Österreicher Hannes Reichelt und US-Boy Bode Miller. Der Amerikaner ist immer für Überraschungen gut. Vor Kurzem gab er seine Verlobung bekannt. Ein Rücktritt steht zurzeit bei ihm nicht im Raum, weiß Head-Rennsportleiter Rainer Salzgeber. Im Super-G führt der Weg zur Kugel über Vorjahressieger Svindal und über seinen Landsmann Kjetil Jansrud.

Groß ist das Feld der Sieg-Anwärter in den technischen Disziplinen. Im Riesentorlauf dürften sich die Top drei aus der vergangenen Saison – Marcel Hirscher, der US-Amerikaner Ted Ligety und der Italiener Massimiliano Blardone – den Sieg in der Gesamtwertung wieder untereinander ausmachen. Am schwierigsten ist die Prognose im Slalom. Neben den Top drei aus dem Vorjahr – dem Schweden Andre Myhrer, Ivica Kostelic und Marcel Hirscher – haben mindestens noch 30 weitere Läufer Chancen auf einen Sieg und sehr viele von ihnen auch die Chance auf die kleine Kugel. Ganz anders der fünfte Bewerb bei den Herren, die Super-Kombination – alles andere als eine Titelverteidigung durch Ivica Kostelic wäre eine riesige Überraschung.

Die Saison 2012/13 hat es in sich: Mit insgesamt 74 Weltcup-Rennen, City-Events in München und Moskau, der Ski-Weltmeisterschaft in Schladming im Februar und dem neuen Ski-Reglement wartet auf alle Ski-Fans ein spannender Weltcup-Winter. Und alle deutschen Ski-Fans dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf eine sehr gute DSV-Saison machen – mit Erfolgen bei den Damen und auch bei den Herren!

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Lindsey Vonn stellte in der vergangenen Saison einen neuen Punkte-Rekord auf

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