Willkommen im Winterclub: Skifahren all inclusive

Kinderbetreuung auf und neben der nahen Piste, ­überschaubare Ausgaben dank All-inclusive, großes Unterhaltungs- und Sportprogramm vom AlpinSkikurs bis zum Speedriding, Gäste auf derselben Wellenlänge: Es gibt eine Menge Gründe, warum das Club-Konzept nicht nur im Sommer und in der Ferne ­funktioniert, sondern auch im alpinen Winter

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Text: Christian Haas

Dresscode for dinner and show: Jeans/T-Shirt 45 – so steht es auf dem an mehreren Plakatwänden ausgehängten Tagesprogramm. Jeans ist ja noch einfach zu verstehen, aber was bedeutet „T-Shirt 45“? Für Club-Med-Novizen folgt die Auflösung am Abend, als jeder zweite Gast mit Kurz- oder Langarmshirt, Polo, Pullover oder Bluse erscheint, auf denen eine mehr oder weniger große Ziffer 45 prangt. Mal in Glitzer, mal in Neon, mal dezent, aber immer anders, dafür alle mit einem Zusatz wie „Ibiza“ oder „Cancún“. Auf einigen steht auch der Name des hiesigen Clubs: „Pragelato“. Einer der berufsbedingt gut gelaunten „Gentils Organisateurs“, die viel mehr sind als „freundliche Organisatoren“, nämlich Rund-um-die-Uhr-gute-Laune-Animateure für alle Gelegenheiten, klärt das Rätsel auf: „Die 45er-Hemden wurden 1995 zum 45-jährigen Jubiläum des Club Méditerranée kreiert und haben sich zu einem echten Kassenschlager entwickelt. Schöner Nebeneffekt: Überall auf der Welt erkennen sich so Club-Med-Fans wieder, ohne dass irgendwo Club Med draufsteht.“ Für Marketingleute eine klare Sache: Den Hype wollte man beim 50. und 60. wiederholen, aber keine Chance. Echter Kult lässt sich eben nicht planen. Nicht zuletzt deshalb verzichtete man zum 65. Geburtstag im Jahr 2015 auf eine neue Runde.

Zu feiern gibt es dennoch etwas. Immerhin ist der sich mittlerweile in chinesischen Investorenhänden befindende Vorreiter des Cluburlaubs mit 66 Resorts weltweit (und einem Segelschiff) auch heute noch der größte internationale Anbieter in der Clubbranche. Dass seine Idee von All-inclusive-Urlaub mit starker Sport- und Gruppenkomponente derart Bestand haben würde, hätte sich der Belgier Gérard Blitz wohl kaum träumen lassen, als er das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg gründete. Damals bestand der Luxus weniger in der Unterkunft als im gemeinsamen Verreisen an wundervoll gelegene Orte am Meer. Doch das änderte sich. Logierten die ersten Gäste noch im Zelt, nächtigten sie bald darauf in einfachen Hütten, dann in festen Häusern mit stetig steigendem Komfort. Seit ein paar Jahren positioniert sich der Clubveranstalter im oberen bis luxuriösen Segment und bietet längst auch Anlagen in den Bergen, die dank ihrer unmittelbaren Lage direkt an der Skipiste vor allem im Winter gefragt sind.

Von den 22 Berg-Resorts von Club Med befinden sich zwei in den italienischen Alpen (wie das 2012 eröffnete „Pragelato“, das direkt an den olympiageprüften Hängen der Via Lattea liegt), drei in der Schweiz und je ein Resort in Japan und China. Die meisten Clubs sind jedoch in den französischen Alpen beheimatet, so auch das erst Ende 2014 eröffnete „Val Thorens Sensations“, das neben dem Pistenzugang zum weltgrößten Skigebiet der Trois Vallées mit einem Hamam und einem neuen Gourmetkonzept überzeugt: Die Küche serviert durchgängig von 7.30 Uhr bis Mitternacht Speisen und Getränke. Zu denen zählen auch edle Tropfen aus dem gut sortierten Weinkeller. Bemerkenswert ist zudem, dass es sich um das weltweit erste digitalisierte Resort der Club-Med-Familie handelt. Das bedeutet weit mehr als kostenfreies WLAN, wie es quasi alle Clubs anbieten. „Val Thorens“-Clubgäste können auch den Check-in und die Skikursbuchung online vornehmen. Über den TV-Flatscreen lassen sich zudem Massagen und Ausflüge buchen, und mit einer speziellen App vernetzen sich Gäste und Animateure rasch untereinander.

Spaß und Action mit „Wir-Gefühl“

Doch bei allem individualisierbaren Komfort ist beim Cluburlaub die Gemeinschaft immer noch ein zentraler Aspekt: Die Tische im Restaurant sind meist für mehr als vier Personen ausgelegt, das gruppenorientierte Sport- und Aktivprogramm reicht vom Skikurs über Lang- und Schneeschuhlaufen bis zum Ausprobieren neuer Sportarten wie Speedriding, Hundeschlittenfahrten oder Skijöring, täglich stehen Shows und Revues an – mit wechselnden Dresscodes. Kurz: Die Gäste sollen möglichst viel Action und Spaß mit Gleichgesinnten erleben. Das gelingt nicht zuletzt dadurch, dass Skipässe, Ski- und Snowboardkurse sowie nahezu alle anderen Sportaktivitäten im Aufenthaltspreis bereits enthalten sind, Essen und Getränke sowieso (von gewissen alkoholischen Getränken abgesehen). Somit ist alles im Club-Kosmos erlebbar: Essen, Sport, Après-Ski. Wozu noch woanders hin?

Auch wenn Eric Georges, Geschäftsführer von Club Med Deutschland, sagt, dass es am deutschen Markt eine erhöhte Nachfrage nach Alpinresorts für einen aktiven Winter- wie Sommerurlaub gibt, muss man feststellen: Fast alles im Club Med läuft auf Französisch und Englisch, Deutsch spielt nur eine Nebenrolle (mal von den Clubs in der Schweiz abgesehen). Das kann man nun begrüßen oder bedauern. Bei den Gästen sind Deutsche jedenfalls in der Unterzahl, sie machen rund 5,5 Prozent der Bergclubgäste aus. An der Spitze stehen nach wie vor Franzosen, wobei in den vergangenen Jahren vor allem verstärkt Brasilianer, die in den Alpen Ski fahren wollen, hinzukamen.

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Wintertraum: Während die Kleinen im Schnee toben, relaxen die Großen im Wellnessbereich

Prämierter Service

Ganz anders verhält es sich beim deutschen Veranstalter Robinson, der 1970 gegründet wurde und mittlerweile eine 100-prozentige Tochter des Reiseriesen Tui ist. Das groß angelegte Drucken von „45er“-T-Shirts unterließ der deutsche Marktführer im Clubgeschäft freilich, 45. Geburtstag hin oder her. Selbst wenn das Konzept, mit viel Sport und Entertainment in zwangloser Atmosphäre ein „Wir-Gefühl“ zu schaffen, dem von Club Med und anderen Mitbewerbern ähnelt, will man sich doch klar abheben. Und die deutsche Komponente betonen, ohne freilich deutschtümelnd zu sein. Aber viele Besucher, von denen rund 70 Prozent Wiederholungsbesucher sind, schätzen genau das: deutsche Clubsprache, deutschsprachige Mitarbeiter, überwiegend deutschsprachiges Publikum. Die sechs Bergclubs befinden sich zudem alle im deutschsprachigen Raum, darunter der „Robinson Club Schlanitzen Alm“. Diese für ca. 400 Gäste ausgelegte Anlage, die mitten im 110 Pistenkilometer umfassenden Kärntner Nassfeld liegt, räumt Bestnoten bei Holidaycheck ab und belegt auch beim Spezialistenportal Cluburlaub.de seit Jahren Platz eins in der Top-Ten-Liste der Bergclubs. Die Auszeichnung „Quality Award Top Anlage 2015“ wird aber nicht nur mit der Spitzenlage direkt an der Piste und der Sesselbahn – es gibt sogar einen eigenen Liftzugang – begründet, sondern auch mit der von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends geöffneten Kinderbetreuung und Angeboten wie Indoorkletterwand, Pool und wöchentlichen Gästeski-rennen, die mit einer emotionalen Siegerehrung am Abend im Club-Theater enden. Ja, und dann natürlich das Essen. Nicht wenige halten die Leckereien des seit 17 Jahren im Club aktiven Küchenchefs Rolf Waizenegger für das beste Essen der Branche. Gut zu wissen: Seit der Wintersaison 2014/15 gibt es hier, wie in allen anderen Clubablegern, auch vegane Mahlzeiten. Robinson-Geschäftsführer Dr. Ingo Burmester ist überzeugt: „Der vegane Genießerteller bei Robinson kann es locker mit jedem Gourmet-Steak aufnehmen – ganz ohne tierische Produkte.“

Man merkt schon: Essen spielt in den Clubs eine zentrale Rolle. Und bei den Schweizer Robinson Clubs in Arosa und im „Schweizerhof“ in Scuol können sich die Gäste zusätzlich in den clubeigenen Bergrestaurants an der Piste stärken. Beim „Robinson Club Amadé“, nur 150 Meter von der Sesselbahn und dem Einstieg in die riesige Salzburger Sportwelt entfernt, kann man bequem auch mittags einkehren, um sich im Rahmen der „Vollpension plus“ zu stärken. Aber Achtung: Da Zimmer und Wellnessabteilung zu den hochwertigsten aller Robinson-Bergclubs zählen, besteht die Gefahr, vor lauter Entspannung nicht mehr auf die Piste zu kommen!

Weit mehr als Skifahren

Wer Winterurlaub ohnehin nicht mit Skifahren gleichsetzt, kann eine gewisse Entfernung zur Piste generell gut verschmerzen – ebenso wie ein kleineres Skigebiet. Das „Robinson Resort Landskron“ am Ossiacher See etwa liegt nicht an der Piste, doch das 39-Kilometer-Gebiet Gerlitzen Alpe ist in rund 15 Shuttlebus-Minuten erreichbar. Der „Robinson Club Ampflwang“ in Oberösterreich hingegen hat sich aufs (Winter-)Reiten spezialisiert – Skilifte sind zu weit entfernt. Mitten im Alpingetümmel hingegen liegt der „Robinson Club Alpenrose Zürs“. Klar, dass im Skimekka Arlberg vor allem Könner zum Zug kommen. Wer überdies auf Klassik steht, sollte sich das Top-Event „Robinson meets Classic“ vom 19. bis 26.12. notieren. Dann sorgt das gefeierte Solisten-Duo Sophie Moser (Violine) und Katja Huhn (Klavier) für Hochkultur und Hochstimmung im Club. Auch andere Clubs setzen auf Events – so findet im März 2016 im Club Amadé eine „Head Ski & Snowboard“-Testwoche statt, im Dezember 2015 eine Renntrainingswoche in Arosa. Die „Robinson-Schneegarantie“ ist die gesamte Saison gültig: Sollten sieben Tage vor der Anreise im gebuchten Club nicht mindestens 75 Prozent der Lifte des Skigebiets geöffnet sein, kann gebührenfrei umgebucht werden.

Wie viele Pisten geöffnet haben, ist Besuchern des „Club Aldiana Salzkammergut“ zwar nicht ganz egal, doch der Fokus liegt hier auf etwas anderem. Denn dem 2009 eröffneten Club ist zwar kein Skigebiet angeschlossen (zur Tauplitzalm sind es zehn Busminuten), dafür die Grimming-Therme. Ein Hit für Groß und Klein, besitzt die 8.000 Quadratmeter große Badeanlage nämlich nicht nur Thermal-Relax-Bereich und Saunadorf, sondern mit Riesenrutsche und Erlebnisbecken auch Einrichtungen eines Spaßbads. Mittagesser gehen allerdings leer aus. Das bei Cluburlaub.de auf Platz 2 rangierende Resort bietet nur Halbpension, dafür herrscht manchmal Promi-Alarm. So machte 2014 Kati Wilhelm ihre Aufwartung bei der „­Loipen Fun Woche“. Auf Platz 3 bei Cluburlaub.de landete 2015 übrigens der Aldiana-„Kollege“ am Hochkönig, malerisch vor den wilden Zacken des gleichnamigen Bergmassivs und in naher Distanz zum Skigebiet gelegen.

Ein Cocktail mit dem Clubchef

Und dort kann leicht passieren, was Wiederholungstäter als das spezielle Clubfeeling beschreiben: dass, wenn man mit seiner Skigruppe abfährt, plötzlich der Clubchef um die Ecke biegt und Cocktails ausgibt. Diese unvergess-lichen Momente sind es vermutlich auch, die letztlich die Stammgäste dazu bringen, trotz vergleichsweise hoher Preise wiederzukommen. Ein anderes Top-Argument ist die Rundumversorgung. Wobei der auf dem deutschen Markt bislang recht zaghaft auftretende Veranstalter Belambra einen anderen Weg einschlägt. Das Basispaket für Urlaube in den 14 Winterdörfern in den französischen Alpen sieht lediglich die Übernachtung vor. Alles Weitere – Halbpen­sion, Betreuung, Skikurs – lässt sich hinzubuchen.

Das Angebot an Winter-Bergclubs in Deutschland ist indessen bescheiden. Einziger Vertreter ist das „Tui Best Club Waldhotel Bächlein“ in Franken. Dort müssen Alpinfahrer, Boarder und Langläufer jedoch erst ins Auto steigen. Skilifte und Loipen finden sich im Umkreis von 30 Kilometern – immerhin. Beim „Tui Best Gut Wenghof“ im österreichischen Werfenweng hingegen startet die Kabinenbahn quasi vor dem Haus. Was beide Anlagen gemeinsam haben: Sie sind im Durchschnitt deutlich günstiger als Club Med, Robinson und Aldiana.

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Die Skidoo-Tour im „Robinson Club Schlanitzen Alm“ ist ein Highlight für die kleinen Pistentiger. Zwölf Stunden am Tag bietet der Club ein spezielles Angebot für Kids.

Cluburlaub in den Alpen

Robinson: Sechs Resorts in Österreich und in der Schweiz, u. a. am Nassfeld und in der Salzburger Sportwelt; Preisbeispiel: 1 Woche kostet im „Robinson Club Schlanitzen Alm“ ab 890 Euro pro Person im DZ, inkl. „Vollverpflegung plus“, Skipass, Skikurs etc., Tel. 0511-56780104, www.robinson.com

Club Med: 22 Berg-Clubs für Winterurlauber, überwiegend in den französischen Alpen, aber auch zwei Resorts in Italien, drei in der Schweiz und je eine Anlage in Japan und China; Preisbeispiel: 1 Woche „Premium all-inclusive“ in „Val Thorens Sensations“ kostet ab 1.460 Euro pro Person im DZ, inkl. Vollverpflegung, Skipass, Skikurs etc.; Tel. 01803-001904, www.clubmed.de

Aldiana: Ein Resort im Salzkammergut, eines am Hochkönig; Preisbeispiel: 1 Woche im Club ab 838 Euro pro Person im DZ mit „Halbpension plus“, aber ohne Skipass und -kurs; Tel. 0234-961035204, www.aldiana.de

Belambra: 14 Berg-Clubs in Frankreich; Preisbeispiel: 1 Woche Halbpension im „Belambra Club Selection L’Alizier“ in Praz-sur-Arly-Megève für 2 Erwachsene, 1 Kind + Baby für ca. 1.350 Euro; www.belambra.com

Tui Best Family: Gut Wenghof in Werfenweng/Salzburger Land: ab 485 Euro pro Person im Doppelzimmer, all-inclusive, ohne Skipass und Skikurs; Tel. 0511-56780105, www.tui.com/hotels/tui-best-family-gut-wenghof-25281/hotelinformation

Hinweis: Bei fast allen Clubs gibt es Frühbucherrabatte.

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Club Med, Val Thorens

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 06 / 2015

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