Geschmeidig im Schritt - Telemark für Einsteiger

Während man beim Skifahren festen Halt auf den Ski sucht, ist beim Telemarken ­genau das Gegenteil der Fall. Denn wie beim Langlaufen ist auch beim Telemark-Ski die ­Ferse nicht fest in die Bindung eingespannt. Um trotzdem sicher und elegant die Hänge ­hinunterfahren zu können, muss man eine ganz spezielle Technik beherrschen. Wir geben zusammen mit unseren Experten vom Deutschen Skilehrerverband eine Anleitung

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© Michael Mayer

Text: Christiane Bauer

Telemark zu fahren ist die Rückkehr zum Ursprung des Skisports, als es noch keine Sicherheitsbindungen gab. Ob man sich nun aus Nostalgiegründen auf Telemark-Ski stellt, um ein vielseitigerer Fahrer zu werden oder einfach um seine Bewegungserfahrung zu erweitern, ist nicht so wichtig. Entscheidend ist, dass das Fahren mit wechselseitigem Schritt einen riesigen Spaß für alle ­Generationen bringt.

Beim Fahren mit Telemark-Ski wird der Innenski durch die freie Ferse nach hinten geschoben, und nur der vordere Teil des Schuhs liegt auf dem Ski auf. Früher hat man die freie Ferse dazu genutzt, sich leichter und in größeren Schritten in jedem Gelände ­fortzubewegen. Für die Ebene entwickelte sich daraus die heutige klassische Langlauftechnik. Doch auch bei Abfahrten konnte man schon damals elegante Schwünge ziehen. Aus der Fortbewegung mit einfachen Holz­latten entwickelte sich über die Jahre eine abfahrtsorientierte Sportart.

Das Telemarken hat seine ganz ­eigene Faszination. Die ­geschmeidige Bewegung, die Nähe zum Schnee durch die weite Schrittstellung, die große Variabilität und natürlich der Reiz des Neuen gehören mit Sicherheit dazu. Telemarken ist schwierig; Telemarken ist anstrengend; man hat keine Sicherheit auf den Ski; die Sturzgefahr ist enorm groß – mit diesen Vorurteilen wollen wir aufräumen und Ihnen das Telemarken und seine schönsten Seiten näherbringen. Wir erklären, wie Einsteiger die Telemark-Technik schnellstmöglich erlernen und Fortgeschrittene ihre Technik verbessern und festigen können.

Wer noch nie auf einem Telemark stand, sollte bereits sicher mit alpinen Ski fahren können. Dadurch hat man die grundlegenden Fähigkeiten, sicher einen Hang hinunterzukommen. Nur in sehr seltenen Fällen lohnt es sich für einen Anfänger, auf Telemark zu beginnen, da die Technik sehr komplex ist. Wir empfehlen einen stirn- bis körperlangen Ski. Die Breite der Ski hängt von Ihrem Einsatzgebiet und Ihren Vorlieben ab. Um möglichst variabel unterwegs zu sein, empfiehlt es sich, einen Allround- bzw. All­mountainski zu verwenden.

Auf die Ski

Zu Beginn wählen Sie sich ein sehr einfaches, flaches Gelände, in dem Sie die ersten Kurven in alpiner Technik fahren. Erlernen Sie Ihre mittige ­stabile Position über dem Ski, um immer bewegungsbereit zu sein. Vermeiden Sie ein Kippen des Oberkörpers nach vorne. Der Oberkörper ist im Vergleich zum alpinen Skifahren aufrechter. Probieren Sie dies in unterschiedlichen Radien und Tempi. Achtung! Die Sturzgefahr ist durch die ungewohnte Fersenfreiheit erhöht. Beim Sturz Körper und Beine strecken, da sonst die Skispitzen das Gesicht berühren können.

Erste Übungen

Jetzt wird die erste telemarkspezifische Bewegung erlernt: die Schrittstellung. Gehen Sie im Stand in die Schrittstellung, die im Idealfall so groß ist, dass zwischen den Schuhen eine Sohlenlänge Platz hat. Die Stellung kann aber durch verschiedene Situationen wie Hangsteilheit oder Geschwindigkeit variieren. Im Gegensatz zum Fahren mit Alpinski wird hier der talseitige Fuß nach vorne geführt. Der Körperschwerpunkt wird zentral abgesenkt. Der ­vordere Fuß hat eine mittige Belastung, beim hinteren wird der ganze Ballen belastet. Starten Sie danach mit einer Schrägfahrt, in der Sie diese Schrittposition festigen. Anschließend erschweren Sie sich diese Aufgaben durch mehrmaliges Tiefgehen, im Wechsel mit ­Hochspringen, ohne Stöcke, mit verschränkten Armen. Verknüpfen Sie nun mehrere Schrägfahrten mit Kurven in alpiner Technik.

Tipp: Verharren Sie nicht zu lange in einer Schrittposition, um die ­Muskulatur nicht zu stark zu beanspruchen. Sie können durch ständige Regulation bzw. Bewegungsfluss die Muskulatur entlasten.

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Bei den ersten Schwüngen mit Telemark-Ski sucht man sich am besten eine flache, gut präparierte Piste. Hier kann man die berühmte Schrittstellung trainieren, die das Fahren mit Telemark-Ski so faszinierend macht.
© Michael Mayer

Bewegungen verinnerlichen

Anschließend wird der Schritt-wechsel geübt und die Schrittposition mit aktivem Aufkanten optimiert. Hierzu fahren Sie wieder in einer Schrägfahrt und nehmen die Schrittposition ein. Kanten Sie beide Ski bewusst mehrmals auf. Steigern Sie dies so lange, bis Sie leichte Richtungsänderungen erreichen. Führen Sie nun den Schrittwechsel nahe der Falllinie aus, zuerst langsam, dann schnell, ohne Pausen, mit bewussten Pausen, mit geringem und maximalem Umfang. Verbinden Sie nun den Schrittwechsel mit dem aktiven Aufkanten beider Ski. Fahren Sie zuerst nahe der Falllinie kleine Telemark-Kurven. Achten Sie dabei auf eine offene Beinstellung und das Timing. Das heißt, die Oberschenkel sollten nicht „zusammenkleben“. Sobald sich beide Füße gleichzeitig unter dem Körperschwerpunkt befinden, startet die neue Aufkantbewegung mit dem Einnehmen der neuen Schrittposition. Vergessen Sie nicht, den hinteren Fußballen mit zu belasten. Nun steigern Sie Ihre Kurven nach und nach in der Größe und erhöhen die Geschwindigkeit etwas.

Als Nächstes wird der Schrittwechsel mit Umkanten trainiert. Das ­Umkanten beider Ski zum Kurvenwechsel gleichzeitig mit dem Schrittwechsel zu verbinden ist eine komplexe Bewegung. Fahren Sie Kurven nahe der Falllinie und rollen Sie dabei im Kurvenwechsel von der Fußaußenseite zur Innenseite, oder drücken Sie sofort nach dem Schrittwechsel beim hinteren Bein den kleinen Zeh fest in den Schnee. Danach beim vorderen Bein den großen Zeh fest in den Schnee drücken.

Technik für Könner

Das nächste Ziel ist ein stabiler, tal­orientierter Oberkörper. Die Bewegungen werden in den Sprunggelenken initiiert und über die Knie fortgeführt. Dadurch können die Kurven schneller, sicherer und mit höherer Steuerqualität gefahren werden. Nehmen Sie dabei die Stöcke in Vorhalte und halten Sie sie wie ein Tablett. Erhöhen Sie danach die Stabilität im Oberkörper durch Anspannen der Bauchmuskulatur. Ziehen Sie dabei die Stöcke in Vorhalte „auseinander“ (Achtung bei Teleskopstöcken). Wenn Ihre Fahr-geschwindigkeit allmählich steigt, steigt auch die Kurvenlage. Kanten Sie dabei die Ski bewusst aus den Sprunggelenken und achten Sie nun darauf, mit dem Oberkörper eine entsprechende Ausgleichsbewegung Richtung Tal zu machen. Versuchen Sie, Ihren Kopf immer senkrecht über dem Außenski zu halten. Bei schnelleren Kurven kann es passieren, dass der Innenski „hüpft“ oder „rattert“. Um dies zu verhindern, muss das Innenbein stärker belastet und gekantet werden.

Nun kennen Sie alle ­Basiselemente der Telemark-Technik. Für die angehenden Könner unter Ihnen sind hier noch ein paar Übungen, damit Sie sicher und stabil auch rote Pisten ­beherrschen: Fahren Sie Telemark-Kurven mit variablen Radien, Tempi und Frequenzen, ohne Stöcke, mit Stöcken in Vorhalte, möglichst rhythmisch, ohne jegliche Schrägfahrt, in leichtem unpräpariertem Gelände, über Wellen, Buckel, im Tiefschnee, synchron … Je mehr Variationen Sie in Ihren Abfahrten einbauen, umso souveräner werden Sie in Ihrer Technik.

Nur Übung macht den Meister. Jetzt heißt es fahren, fahren und noch mal fahren …

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 02 / 2016

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