Souverän Steilhang fahren

Auch Fortgeschrittene können noch etwas lernen – wenn sie einen guten Lehrer haben. Und wer könnte einem das Skifahren besser beibringen, als der Deutsche Skilehrerverband? Darum präsentieren wir Ihnen in einer neuen Serie exclusiv Auszüge aus den aktuellen Lehrplänen des DSLV

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Bild Florian Wagner, DSLV

Nicht selten sind die interessantesten Pisten eines Skigebietes die steilsten Hänge, die versierte Skifahrer gezielt suchen und die weniger geübten Skifahrer noch ehrfurchtsvoll umfahren. Rhythmisches Kurvenfahren im steilen Gelände ist eine Herausforderung, selbst der sehr gute Skifahrer spürt hier den Nervenkitzel und die gestiegene Anspannung. Für den weniger geübten Skifahrer kann so ein Steilhang zunächst ein unüberwindbares Hindernis sein, das für ihn auch Gefahren bergen kann. So ist hier ein Sturz unbedingt zu vermeiden, da man unter Umständen den ganzen Hang hinunterrutschen kann und damit sich und andere Skifahrer gefährdet. Dennoch ist es wohl neben dem Fahren im Tiefschnee eines der Ziele und Herausforderungen eines jeden Skifahrers, steile Hänge sicher und technisch sauber zu meistern. Um solche Steilhänge bewältigen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden. Es ist wichtig, sich mental auf diese Aufgabe einzustimmen und ohne Angst, aber mit dem nötigen Respekt und der nötigen Konzentration die Herausforderung Steilhang anzugehen. Wenn möglich, ist es als Lernender auch sinnvoll, sich den jeweiligen Steilhang einmal von unten oder auch von der gegenüberliegenden Seite anzuschauen und zu begutachten, um sich eventuelle Versteilungen oder mögliche Haltepunkte einzuprägen. Ebenso macht es keinen Sinn, sich sofort in einen Steilhang „hineinzustürzen“. Die nötigen technischen Voraussetzungen sollten zunächst im flacheren Gelände erworben und gefestigt werden, bevor sie im Steilen angewandt werden. Prinzipiell fährt man im steilen Gelände nicht anders Ski als im flachen, es müssen nur einige Besonderheiten beachtet werden. Oberstes Ziel ist hier noch mehr als im flacheren Gelände die Geschwindigkeitskontrolle mit einem dominanten Druck auf dem Außenski. Um dies zu erreichen, muss zuerst auf eine ständige Bewegungsbereitschaft geachtet werden. Dazu liegt der Körperschwerpunkt etwas tiefer und die stabile Armhaltung zur Gleichgewichtskontrolle ist von großer Bedeutung. Die Belastung geht in Richtung Fußballen. Außerdem sollte eine intensive Spannung im Rumpf hergestellt werden. Die Bewegungen wie Kanten und das Steuern über die Falllinie sind aus den Beinen zu beginnen, da im Steilen das Zeitfenster für die Aktionen im Kurvenwechsel und die Kurvensteuerung wesentlich kürzer ist als im Flachen und nur so Bewegungen direkt und schnell auf die Ski übertragen werden können.

Im Kurvenwechsel muss das Umkanten mit möglichst wenig Druckverlust erfolgen und die Phase ohne Druck auf die Kanten so kurz wie möglich ausfallen. Nur mit einem schnellen Druckaufbau auf dem jeweiligen neuen Außenski kann die Geschwindigkeit optimal kontrolliert und die

gewählte Spur eingehalten werden. Für diesen schnellen Druckaufbau ist es auch unbedingt notwendig, dass im Kurvenwechsel ein deutliches Nachvornbewegen in Richtung der neuen Kurve erfolgt. Dies erfordert gerade im Steilen mehr Überwindung und mehr Mut als im Flachen. Ist der

Außenski rechtzeitig gekantet und belastet, ist in der Kurvensteuerung Folgendes entscheidend: Aufgrund der höheren Kräfte muss der Druck auf dem Außenski deutlich erhöht werden. Diese Druckerhöhung erreicht man durch verstärktes Kanten und eine umfangreichere Oberkörperausgleichsbewegung.

Anwenden und verbessern in der Situation

Hierbei sollen die Trainingssituationen so organisiert werden, dass schwerpunktmäßig folgende Bereiche trainiert werden:

1. Schnelles Steuern über die Falllinie.

2. Bewegungsbereite Position stabilisieren.

Zu 1. Schnelles Steuern über die Falllinie – Aufgaben

• Die ganze Gruppe fährt nebeneinander: Wer kann auf Kommando am schnellsten anhalten?

• Fernsteuerung: Ein Gruppenmitglied steht am Ende des Hangs und dirigiert mit den Stöcken die jeweilige Richtung der anderen Fahrer.

• Belgischer Kreisel: Der Vordermann einer hintereinander fahrenden Gruppe schert aus und ordnet sich am Ende der Gruppe wieder in die Reihe ein.

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Zu 2. Bewegungsbereite Position stabilisieren

• Spurfahren und Schattenfahren innerhalb der Spur und/oder außerhalb der Spur. Ziel ist, die Spur so vorzugeben, dass der Hintermann Schwierigkeiten hat zu folgen.

Diese Übung ist nicht nur zu zweit, sondern auch zu dritt möglich.

• Parcours mit längeren Einbeinpassagen.

• Parcours mit Hindernissen zum Überspringen

• Flachere Buckelpiste

• Wer schafft im Kurvenwechsel den höchsten Absprung vom Boden?

• In jeder Kurve dem Partner einen Handschuh übergeben.

• Parcours mit wechselnden Radien.

• Durchfahren eines Trichters, einer Sanduhr oder von verschieden breiten Gassen.

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Erarbeiten und erwerben für die Situation

Um einen Skifahrer auf steiles Gelände vorzubereiten, ist im flachen bis

mittelsteilen Gelände Folgendes zu erwerben und zu verbessern:

1. Höheren Druck auf dem Außenski aufbauen.

2. Schneller über die Falllinie steuern.

Zu 1. Höheren Druck auf dem Außenski aufbauen

Druck erhöhen bedeutet: Verringern der Auflagefläche und Belasten mit Körpergewicht (deutliche Kantbewegung aus den Beinen mit umfangreicher Oberkörperausgleichsbewegung). Um dies zu trainieren, helfen folgende Aufgaben:

• Kurvenfahren mit aktiver Belastung der Außenzehe und Hochziehen der Innenzehe.

• „Zitrone“ mit Schienbein pressen (vor allem bei Kurveneinfahrt).

• Winkelspringen (mit hoher Frequenz, hohem Kurvenwinkel, starkem Absprung, mit Anheben des Innenski, von Außenski zu Außenski).

• Kanu fahren: Beide Stöcke werden im oberen Drittel gehalten und das „Paddel“ sticht jeweils auf der Kurvenaußenseite nach unten ins „Wasser“.

• Doppelstock auf der Kurvenaußenseite.

• „Kopf über den Außenski“: aus dem Hang lehnen im Kurvenwechsel.

• Kurvenfahren mit Theraband, das vor dem Körper auf Spannung gehalten wird.

Zu 2. Schneller über die Falllinie steuern

• Kurvenfahren mit zwei- oder mehrmaligem kurzem Drehen der Ski.

• Kurzschwung gedriftet mit Stöcken quer vor den Körper gehalten.

• Kutscher: Der Vordermann bekommt ein Seil um die Hüfte, die Ski sind leicht angepflügt. Der Hintermann muss mit kurzen Radien versuchen, das Tempo der „Kutsche“ zu kontrollieren.

• Folgeübung: Der Kutscher bremst das Pferd in 10, 7, 5 oder 3 Kurven bis zum Stillstand.

• Kurven fahren mit höchstmöglicher Frequenz.

• Schussfahren und Seitrutschen im Wechsel.

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