Souverän Tiefschnee fahren (II)

Auch Fortgeschrittene können noch etwas lernen – wenn sie einen guten Lehrer haben. Und wer könnte einem das Skifahren besser beibringen, als der Deutsche Skilehrerverband? Darum präsentieren wir Ihnen in einer neuen Serie exclusiv Auszüge aus den aktuellen Lehrplänen des DSLV

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Bild DSLV, K2 Sports

Das Tiefschneefahren gehört zu den größten Genüssen, den der Skisport zu bieten hat. In unserer letzten Ausgabe haben wir Ihnen zu diesem Thema aus den neuen DSLV-Lehrplänen Aufgaben aus dem Bereich „Einarbeiten und erwerben für die Situation“ vorgestellt. In dieser Ausgabe folgen die Übungen für den Bereich.

Anwenden und verbessern in der Situation

Selbstverständlich stellt das Erarbeiten für die Situation eine optimale Vorbereitung dar, es kann aber noch so umfangreich und intensiv ausgeführt werden, richtig erlernen wird man das Tiefschneefahren nur im Tiefschnee selbst. Allerdings hilft eine spezielle Ausrüstung: Breite und etwas längere Gelände- oder Allmountainski (Taille > 95 mm, körperlang plus 5 bis 10 cm) mit Rockerbiegung erleichtern das Kurvenfahren in tiefem Schnee durch deutlich besseres Auftriebverhalten immens. Mit den richtigen Geländeski ist es, je nach Schneebeschaffenheit und entsprechender Tempowahl, sogar möglich, mit nur geringsten Bewegungsanpassungen Tiefschnee zu fahren. Skistöcke mit großen Stocktellern zur besseren seitlichen Abstützung sind dazu das Tüpfelchen auf dem i.

Aufgaben und Tipps – Spur und Tempo

Mit der richtigen Spur- und Geschwindigkeitswahl lassen sich entstehende äußere Kräfte für ein ökonomisches Kurvenfahren nutzen. Durch Spuranlage näher an der Falllinie muss weniger gedreht werden, was geringeren Reibungswiderstand und mehr Fahrtwucht bedeutet. Durch eher kürzere Radien kann der Verdichtungseffekt punktueller aufgebaut und besser für den Kurvenwechsel verwendet werden. Ein erhöhtes Anfahrtstempo lässt größere Fahrtwucht und Auftrieb entstehen, was das Kurvenfahren erleichtert – zum Vergleich stelle man sich nur einen Wasserskifahrer vor, der mit zu langsamem Tempo gezogen wird. Allerdings muss das Fahrtempo aus Sicherheitsgründen immer im Rahmen der individuellen skitechnischen Fertigkeiten liegen. Aber schon ein geringfügig kleinerer Kurvenwinkel oder eine nur 3 bis 5 Stundenkilometer schnellere Fahrt können enorm hilfreich sein. Das sollte ausgetestet werden.

Schweben und tauchen

Wie bei „Auf und nieder, immer wieder“ (siehe Februar-Heft) wird jetzt in der Situation das Schwebegefühl provoziert. Genau passende und entsprechend dynamisch ausgeführte Hoch- und Tiefbewegungen ermöglichen durch den entstehenden Schanzeneffekt ein „langes“ Schweben und „müheloses“ Gleiten im Schneestaub. Ist der Schnee tief genug, kann durch ein umfangreiches Tiefgehen in der Steuerung auch abgetaucht werden. Der ganze Körper versinkt dabei im Schnee. Der Spaßfaktor und das Fahrgefühl sind dabei unglaublich. Aber Vorsicht – Luft anhalten nicht vergessen!

R&B – Rhythm and Blues

Wie bei „Schweben und Tauchen“, nur wird hier der Schwerpunkt auf den Bewegungsrhythmus gelegt. Durch rhythmisches Strecken und Beugen wird ein immer wiederkehrendes muskuläres Spannen und Entspannen erreicht – kurz strecken = spannen, lange schweben und beugen = entspannen. Ein optimaler Bewegungsfluss entsteht, der ein „mühe- und endloses“ Kurvenfahren im Tiefschnee ermöglicht.

Zöpfe flechten oder „8er fahren“

Der Experte im Tiefschnee wird an seiner Spur erkannt. Schwingen zwei Fahrer von unten gesehen genau deckungsgleich und im Abstand von einer Kurve hinterein-ander, entsteht ein Muster, das einem Zopf oder einer 8 gleicht. In dieser Disziplin gibt es sogar Europa- und Weltmeisterschaften („Powder 8“). Ein Wettkampf bietet sich also geradezu an. Zwei Paarungen starten gleichzeitig nebeneinander: Welches Team fährt die schöneren Zöpfe und hat auch noch die höhere Geschwindigkeit? Zusätzlich wird bei dieser Formation weniger Tiefschneefläche verbraucht – so bleibt noch etwas für die nächste Fahrt übrig.

Big Turns

Der „Kick“ beim Tiefschneefahren erfordert ein hohes Maß an Temposicherheit und Stabilität, insbesondere der Innen- und Außenregulation. Nicht Radius oder Rhythmus bestimmen über Kurvenwechsel und Steuerung, sondern das Gelände. Der Fahrer muss in der Lage sein, seine Spur oder besser gesagt seine „line“ im Vorfeld seiner Fahrt in das Gelände hinein zu planen. Hangbeschaffenheit wie Schneeverhältnisse, Steilheit, Kanten, Felsen, Bäume oder sonstige Hindernisse bestimmen die „line“. Auf überflüssige Kurven wird verzichtet – schließlich sollte das Tempo wild und nicht zu langsam sein. Wird die geplante Spur realisiert, ist das Erfolgserlebnis enorm. Selbstverständlich gilt es aber auch die Spurplanung seinen skitechnischen Fertigkeiten anzupassen. Sicherheit geht schließlich vor!

Powder-Slide

Das Querstellen der Ski im Tiefschnee erfordert enorm viel Gefühl, weil das Tempo, der Kant- und Anstellwinkel der Ski exakt dem Schneewiderstand angepasst werden müssen. Am besten funktioniert dies, wenn aus schneller Kurvenfahrt heraus die Ski ohne Kantbewegung quer gedreht werden. Ein irres Gefühl, das Schweben und Fliegen gleichzeitig vermittelt. Der dabei entstehende Schneestaub, oder besser „Spray“, ist mit dem Fahrer zusammen ein oft verwendetes Fotomotiv. Das Sliden im Tiefschnee ist umso leichter, je breiter die Ski, je höher das Tempo und je steiler der Hang ist.

Powder-Switch

Eine wirklich extreme und spektakuläre Art, Tiefschnee zu fahren. Das Rückwärtsfahren erfordert natürlich entsprechendes Skiequipment, am besten mit starkem Fullrocker, Twintip und mittigem Montagepunkt der Bindung. Je breiter die Ski, desto leichter ist es, diese Spielform zu verwirklichen. Die Anforderung an Gleichgewicht und Regulation hat höchstes Niveau und erfordert viel Motivation. <<<

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