Steile Pisten meistern

Die Experten vom Deutschen Skilehrerverband geben Ihnen Tipps, wie sie auch als guter Skifahrer noch besser werden. Diesmal: Wie machen Sie eine gute Figur, selbst wenn der Hang ein Mords-Gefälle hat?

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Langsam starten. Das Tempo im steilen Gelände zu reduzieren, fällt schwer
© Werner Krause

Text: Christiane Bauer

Um den Schwierigkeitsgrad zu verdeutlichen, sind unsere Skipisten in blaue, rote und schwarze Abfahrten eingeteilt (Achtung: In Nordamerika gilt ein anderes System und eine andere Farbmarkierung). Auf jedem Pistenplan kann man sich so vor der ersten Liftfahrt einen Überblick über die drei Schwierigkeitsstufen im Gebiet machen, um die Pisten auszuwählen, die dem eigenen Fahrkönnen entsprechen. Doch wer kennt ihn nicht, den Moment, wenn man an einem Steilhang steht und einem das Herz in die Skihose rutscht. Dies kann relativ schnell passieren, denn die Farb-einteilung gibt uns nur eine grobe Einschätzung. So kann zum Beispiel in einer rot gekennzeichneten Abfahrt, eine kupierte, steile Stelle auf Sie warten. Wie ist es Ihnen bis jetzt ergangen? Schleichweg, Rückzug oder gar die Ski abgeschnallt?

Damit das nicht nötig ist, geben wir Ihnen hier Tipps und Tricks an die Hand, mit denen Sie die Herausforderung „Steilhang“ in der kommenden Saison sicher und kontrolliert meistern können. Auch den sportlichen Skifahrern unter Ihnen werden die Technik-Tipps dabei helfen, noch souveräner steiles Gelände zu befahren.

Knackpunkt Geschwindigkeit

Bevor Sie sich in einen Steilhang hinein wagen, sollten Sie sich mental auf diese Siutation einstellen. Eine hohe Konzen-tration und der nötige Respekt sind wichtig, Angst hingegen ist fehl am Platz und hindert Sie an einer sicheren und stabilen Position am Ski. Das Training für die nötige Technik findet auf flacheren Pisten statt. Prinzipiell ist die Skitechnik im Steilen nicht anders als in flachem Gelände, es müssen nur einige Besonderheiten beachtet werden.

Die Grundvoraussetzung für das Fahren auf steilen Pisten ist die Kontrolle der Geschwindigkeit.

Dies erreicht man durch schnelles Drehen der Ski über die Falllinie und durch eine ständige Außenskibelastung. Je steiler die Piste, um so höher sind die Hangabtriebskräfte. Um diesen entgegenzuwirken, muss man die Ski möglichst schnell über die Falllinie (in der eine rasante Geschwindigkeitszunahme stattfindet) steuern, um die Ski wieder „quer“ zum Hang zu haben. Da die Zeitspanne hierfür im steilen Gelände so knapp ist, müssen die Bewegungen aus den Beinen beginnen, um die Aktionen direkt und schnell auf die Ski zu übertragen. Die Voraussetzung hierfür ist eine mittige, etwas tiefere Position über dem Ski, um ständig bewegungsbereit zu sein.

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Mit hohem Kantwinkel fahren (links) -Zur Geschwindigkeitskontrolle die Ski schnell über die Falllinie drehen (rechts).
© Werner Krause

Kurze Entlastung

Mit einer Vertikalbewegung der Beine im Kurvenwechsel, werden die Ski kurzzeitig entlastet, wodurch sie sich leichter drehen lassen. Das Material kann uns hier in Form eines Tip-, oder Tip-Tail-Rocker, durch die kürzere Auflagefläche, helfen. Aber aufgepasst! Die Vertikalbewegung darf nicht zu massiv ausfallen, denn die Phase ohne Druck auf der Kante sollte so kurz wie möglich ausfallen. Nur mit einem frühen und schnellen Druckaufbau auf den Kanten, kann die Geschwindigkeit kontolliert werden. Um diesen schnellen Druckaufbau zu realisieren, ist ebenfalls – wie beim sportlichen schnellen Skifahren – die Bewegung im Kurvenwechsel nach vorne wichtig. Dies kostet an einem steilen Hang manchmal etwas Überwindung. Aber keine Sorge: Der Ski ist vorne länger als hinten, und der Druck auf der Schaufel des Skis, zu Beginn der Kurve, bringt spürbar mehr Kontrolle.

Zum Training der Bewegung nach vorne gehen Sie in flacheres Gelände und stellen sich vor, dass zwischen Ihrem Schienbein und der Skischuh-lasche eine imaginäre Zitrone zerquetschen. Bei jedem Kurvenwechsel kommt noch etwas mehr Zitronensaft heraus. In der Kurvensteuerung gehen Sie wieder zur mittigen Position zurück. Sie können dies noch steigern, indem sie sich zu Beginn der Kurve so weit nach vorne legen, bis sich der Ski durchbiegt und das Skiende leicht abhebt.

Hohe Kantwinkel

Auf Grund der höheren Kräfte, die auf einer steilen Piste wirken, muss der Kantwinkel und der Druck auf den Außenski deutlich erhöht werden. Ansonsten wird es nur ein schnelles Seitrutschen, ohne Kontrolle, ohne Führung – was nichts mehr mit hochwertigem Kurvenfahren zu tun hat. Mehr Druck auf dem Außenski erhält man durch eine umfangreichere Oberkörperausgleichsbewegung Richtung Tal. Gleichzeitig können die Knie, bei höherer Geschwindigkeit auch die Hüfte, zum Hang gekippt werden, wodurch man einen höheren Kantwinkel erreicht. Der Ski hat in diesem Fall längsseitig weniger Auflagefläche, d. h. der Druck wird auf einen kleineren Bereich verteilt, und somit hält die Kante besser am steilen Hang. Dies ermöglicht es Ihnen auch, rhythmische, kurze Radien zu fahren.

Um einen höheren Aufkantwinkel zu trainieren, rutschen Sie seitwärts die Piste hinunter. Kanten Sie dabei mehrfach auf und ab. Zur Ünterstützung können Sie gerne die Hände auf die Knie legen und diese aktiv gegen den Hang drücken. Unten stehende Pistenteilnehmer sollen möglichst viel von Ihrem Skibelag sehen können.

Die Oberkörperausgleichsbewegung muss sich immer an die wirkenden Kräfte so anpassen, dass der Außenski die stärkere Belastung hat. Bei langsamem Tempo ist diese nicht so stark ausgeprägt, wie bei sportlichem Tempo.

Zum Schluss ein paar Profi-Tipps von mir, damit Ihr Steilhangfahren zu einem Glücksmoment wird: Starten Sie mit langsamem Tempo und steigern sie dies erst Stück für Stück. Das Tempo zu reduzieren, fällt in steilem Gelände sehr schwer. Fahren Sie die Kurven weit aus der Falllinie heraus, dies bringt Ihnen eine hohe Bremswirkung. Eine breitere Skistellung führt zu einer vergrößerten Standfläche und somit zu mehr Stabilität. Außerdem kann der Kantwinkel durch Kniekippen leichter erhöht werden, da sich mehr Platz zwischen den Beinen befindet.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 05 / 2015

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