Typische Fahrfehler ... und wie man sie vermeidet

Besser Ski fahren bedeutet mehr Spaß am Sport.

Darum machen wir uns gemeinsam mit den Experten vom Deutschen Skilehrerverband (DSLV) daran, Ihre Ski-Skills zu perfektionieren. Mit unserer Serie wollen wir Ihnen helfen, die 12 typischsten Fahrfehler abzustellen. Diesmal beschäftigen wir uns mit der Rückregulation und der Körperrotation.

Fehler 9

Rückregulation zu umfangreich

Optimales Skifahren verlangt ständige Bewegungen und Regulierungen. Vor allem die fließende und optimale Durchführung von Vor- und Rückwärtsbewegungen des Körperschwerpunktes bestimmen in hohem Maße die Qualität unserer Schwünge. Fallen diese zu ruckartig oder gar zu stark aus, wirkt sich das sehr schnell auf das Fahrver-halten und die Qualität der Kurvenfahrt aus.

Wie wir alle bereits schon mal gehört haben, ist es notwendig, sich beim Kurvenwechsel mit dem Körperschwerpunkt nach vorne zu bewegen. Um dann in weiterer Folge des Schwungs wieder in eine zentrale Position zu gelangen, muss man eine Rückregulierung – sprich: eine leichte Rückwärts-bewegung – durchführen.

Viele Skifahrer machen diese Rückregulierung instinktiv meist zu stark und gelangen somit in der Kurvensteuerung in eine Rücklage, bei der man vor allem Kontrolle über den Ski verliert.

Zu Beginn der Carving-Ski-Ära wurden oft Sätze wie, „Man muss den Ski durcharbeiten“ oder „Der Ski muss nach vorne durchgeschoben werden“ oder „Lass doch mal den Ski unter Dir durchfahren“ verwendet. Um diese Vorgaben in die Tat umzusetzen, musste man vor allem eine extreme Vor-Rückwärts-Bewegung vollziehen. Als Resultat sollte eine bessere Beschleunigung des Ski herauskommen. Heute sieht man die Technik noch, allerdings vorwiegend im Rennlauf, wenn Läufer versuchen, in flachen Passagen dem Ski noch eine extra Portion Geschwindigkeit mitzugeben.

Im normalen Alltags-Skilauf wirken sich diese extremen Vor-Rückbewegungen allerdings negativ aus. Durch eine zu starke Rückregulierung und infolge zu starker Fersenbelastung wird der Ski schwer drehbar, und man hat das Gefühl, dass man nicht mehr als ein Passagier auf den Brettern ist. In der Folge wird es auch enorm schwierig, sich zur neuen Kurve im Wechsel nach vorne zu bewegen. Diesen hohen Bewegungsumfang kann man sich sparen. Ökonomisch wird der Schwung mit gleichbleibenden und fließenden, nicht zu starken Bewegungen.

Sehr gute Skifahrer haben diese Rückbewegung bis zur mittigen, zentralen Position schon so verinnerlicht und automatisiert, dass sie sie gar nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Schwächere Skifahrer haben hierbei meist noch ein Problem und müssen die Bewegung bewusst vollziehen und machen diese am Anfang noch zu stark. Man sollte maximal soweit regulieren, bis man wieder den Druck auf der ganzen Fußsohle spüren kann.

So können Sie trainieren: Um diese Position zu erreichen, kann man im Stand die Augen schließen und die Druckverteilung auf der Fußsohle wahrnehmen. Versuchen Sie, die mittige Position zu spüren und sich dieses Gefühl einzuprägen, um es dann bei langsamen Tempo in der Fahrt ebenfalls zu verinnerlichen.

Sich beim Kurvenwechsel mit Gefühl nach vorne in die neue Kurve bewegen (Belastung auf den Zehen erhöhen!) und während der Kurvensteuerung dann wieder mit eben so viel Gefühl den Druck auf die ganze Fußsohle verteilen – das wäre das Optimum.

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Falsch: Oberkörper fällt zu weit nach hinten und die Belastung liegt vorwiegend im Fersenbereich
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Richtig: Mittige Position während der Kurvensteuerung und Belastung der gesamten Sohle

Fehler 10

Oberkörper- und Hüftrotation

Anfänger lernen Kurvenfahren meist über Rotationen von Oberkörper und Hüfte, denn es ist die einfachste und effektivste Variante, den Ski in eine neue Kurve zu drehen. Allerdings ist es dann meist unmöglich, die Rotation zu stoppen. Die Folge ist ein Ausdriften der Skienden während der Kurvensteuerung, d.h. der Fahrer verliert die Kontrolle über die Ski.

Beobachtet man Profis, wird man kaum eine Oberkörper- bzw. Hüftrotation erkennen können. Diese Skifahrer verstehen es, durch Aufkanten der Ski im Zusammenspiel mit einer Körperschwerpunktverlagerung nach vorne zur Kurveneinfahrt eine optimale Steuerqualität zu erreichen. Die Ski driften dann nicht, sondern werden auf der Kante um die Kurve geführt. Um diese Steuerqualität erreichen zu können, muss man zusätzlich die altbekannte Oberkörperausgleichsbewegung machen, denn ohne diese kann man kaum Druck am Außenski erzeugen.

Wird das Gelände zu steil, müssen selbst Profis den Ski „andriften“. Dies geschieht allerdings dann nicht über eine Rotation des Oberkörpers und der Hüfte, vielmehr kommt hier die Drehung einzig aus den Beinen heraus. Der Vorteil: Wenn man die Rotation aus den Beinen initiiert, besteht nicht die Gefahr einer Überdrehung, da wir mit den Beinen direkt mit dem Ski verbunden sind und dadurch der Rotation jederzeit entgegenwirken oder sie auch stoppen können. Durch einen stabilen Rumpf bzw. Oberkörper kann man unnötige und überflüssige Rotationen des Oberkörpers und der Hüfte minimieren und im Optimalfall sogar komplett ausblenden.

So können Sie trainieren: Es gibt verschiedene, sehr effektive Übungen, die dieses Problem angehen. Zum Beispiel wird durch das Fahren ohne Stöcke die Stabilität des Oberkörpers immens verbessert. Man glaubt kaum, wie viel Sicherheit uns die Stöcke eigentlich verleihen. Versuchen Sie eine Fahrt ohne Stöcke zu fahren, ohne ihre Technik zu ändern. Sie werden sofort merken, dass Ihnen durch das Fehlen der Stöcke eine große Stabilitätshilfe abhanden gekommen ist. Um das ausgleichen zu können, müssen Sie Ihre Rumpfmuskulatur anspannen, um Ihren Oberkörper stabilisieren zu können – z. B. durch Einziehen des Bauchnabels oder indem Sie beide Hände fest zur Faust zusammenpressen.

Eine weitere äußerst hilfreiche Übung ist das Fensterfahren: Beide Stöcke werden mit den Spitzen nach oben gehalten.

Während des ganzen Kurvenverlaufes soll man durch ein Stockfenster auf denselben Ausschnitt im Tal blicken können. Durch den ständigen Blick ins Tal richtet sich der Oberkörper schrittweise immer taloffener aus, die Druckerhöhung wird unterstützt und die Bewegung in die nächste Kurve vorbereitet. <<<

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FALSCH: Oberkörper und Hüfte drehen sich ein und die Skienden driften aus
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Richtig: Steuerung über Aufkanten und Verlagerung des Körperschwerpunktes sowie stabiler, talwärts gerichteter Oberkörpers

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 02 / 2014

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