7-Meilen-Stiefel

Erinnern Sie sich noch an die Horror-Szenarien mit den neuen Skischuhen: Scheuerstellen, Druckstellen, schmerzende Füße? So wird das Fahren auf zwei Brettern zu einer einzigen Qual. Wir verraten Ihnen Tipps und Tricks, wie Sie für sich den optimalen Skischuh finden und stellen Ihnen die besten Allmountain-Boots der Saison vor

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Text Marc Naumann Bild Hersteller, Scott, K2

Der Winter steht vor der Tür und der Berg ruft. Das Skiequipment wird aus dem Keller geholt und gründlich entstaubt. Den meisten Staub setzen dabei viel zu oft die Skischuhe an. Nach dem Motto: Was einmal passt, das passt immer. Doch das stimmt gerade beim Schuh nicht, denn der Innenschuh weitet sich mit der Zeit, wenn die Polsterung nachgibt. Die Dauer der Passform ist also weitaus geringer als die Lebensdauer des Schuhs selbst.

Trotzdem wird dem Ski und dem restlichen Outfit oft viel mehr Beachtung geschenkt. Dabei ist der Skischuh das entscheidende Zwischenglied von Fahrer und Ski. Nur ein perfekt sitzen-der und dem persönlichen Können entsprechender Schuh bringt den vollen Spaß auf der Piste. Und dennoch sind gut 80 Prozent der gekauften oder bei Vermietungen reservierten Boots zu groß. Dadurch rutscht der Fuß und die Kraftübertragung auf den Ski wird minimiert. Auch das Feedback des Skis kommt nicht mehr ungefiltert beim Fahrer an. Das Ergebnis ist minimierte Performance und weniger Spaß beim Skifahren.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach, den richtigen Skischuh zu finden.

Im Wesentlichen gilt es, Schuhgröße, Flex, Leistenbreite und Komfortfeatures zu beachten.

• Größe

Wie schon erwähnt, werden oft zu große Skistiefel gekauft. Der häufigste Fehler ist, dass man den Skischuh im Geschäft wie jeden anderen Schuh auch anprobiert: im Stehen. Aber Skischuhe sind nicht zum Stehen gemacht. Ihre Geometrie setzt die gewöhnliche Skifahrhaltung voraus. Mit angewinkelten Beinen leicht in Vorlage gehen und Druck auf den Schaft ausüben. Durch diese Haltung wird die Ferse in den Schuhschaft gepresst, und die Zehen rutschen minimal nach hinten. Und siehe da: Im Stand fühlte sich der Schuh noch zu klein an, weil man mit den Zehen nicht ausreichend Platz hatte. In der typischen Skifahrhaltung hingegen ist jeglicher Schmerz oder Druck auf die Zehen gewichen, und man kann sie ein wenig bewegen. Jetzt haben Sie den Schuh in der richtigen Größe gefunden und bereits das wichtigste Merkmal für den perfekten Schuh erfolgreich abgehakt.

• Flex und Leistenbreite

Dies sind Merkmale, die den Einsatzbereich des Schuhs definieren. Flex ist der Widerstand des Schuhschafts. Ein hoher Flex ist steifer und überträgt mehr Kraft auf den Ski, jedoch zu Lasten von Geh- und Stehkomfort.

Ein niedrigerer Flex macht den Schuh bequemer, aber schmälert auch die Kraftübertragung. Die Schwelle zwischen raceorientierter Härte und Komfort liegt bei etwa 100. Doch Vorsicht! Der Flex ist kein fixer Normwert. Die Angabe kann also von Hersteller zu Hersteller variieren. Im Vergleich mit anderen Schuhen und Modellen dient er aber der Orientierung und gibt eine Grundtendenz für den Einsatz vor.

Für den richtigen Flex gibt es die Grundformel Körpergewicht x 1,3 (80 kg = Flex 104), die man dann noch individuell nach oben (sportlich) oder unten (komfortabel) anpassen kann.

Die Leistenbreite wird an der breitesten Stelle des Vorfußes gemessen. Je breiter die Leistenweite angegeben ist, desto komfortabler fühlt sich der Schuh an. Der Schwellenwert liegt auch hier etwa bei 100 mm. Über 102 mm sind komfortable Schuhe angesiedelt und unter 98 mm sehr schmale Rennstiefel. Die Leiste ist aber leider auch kein sicherer Wert. Zusätzlich zu beachten ist der Aufbau des Innenschuhs. Denn ein weicher und gut gepolsterter Innenschuh würde den Effekt der schmalen Leistenbreite wieder aufheben, und umgekehrt würde auch ein dünn bis ungepolsterter Schuh keinen Komfort mehr bieten.

In Bezug auf Flex und Leistenbreite gilt das subjektive Empfinden! Der Schuh sollte eng anliegen ohne Druckstellen oder gar Schmerzen zu verur-sachen. Nehmen Sie sich zur Anprobe ausreichend Zeit mit und bleiben Sie ruhig mal für 20 bis 30 Minuten in Ihrem favorisierten Schuh, um sicher zu gehen, dass er auch einen mehrstündigen Skitag an Ihren Füßen verbringen darf. Der Schuh ist sozusagen das Fahrwerk Ihres Skis. Ein komfortabler Schuh fährt sich wie eine gemütliche Limousine, kommt aber bei schnellen Kurven an seine Grenze. Der harte Schuh entspricht dem Sportfahrwerk. Während Bandscheibengeschädigte das Gesicht vor Schmerz verziehen, brennt sich bei den Geschwindigkeits- und Kurvensüchtigen ein bleibendes Grinsen ins Gesicht.

• Komfortfeatures

Je mehr Schnallen ein Schuh hat, desto steifer lässt er sich fahren. Weniger Schnallen dienen dem Komfort beim Stehen oder Gehen, auch bei kleinen Aufstiegen mit oder ohne Tourenski im Gelände. Zweischnaller sind aber nur eindeutigen Tourenaufsteigern zu empfehlen.

Viele Schuhe sind mit einer Gehfunktion ausgerüstet. Ist die Verriegelung geöffnet, lässt sich der Schuh am Sprunggelenk flexibel bewegen und man kann sich das altbekannte Gestolpere mit den Skischuhen ersparen.

Variable Vorlage bietet eine Gehfunktion mit zwei oder mehr Einrastpunkten. So kann man den Schuh noch präziser unterschiedlichen Bedingungen anpassen: wenig Vorlage bei harter Piste und viel Druck auf dem Ski, viel Vorlage spart ein wenig an der Rückenlage im Tiefschnee, um mehr Auftrieb zu generieren. Die Vorlage des Schuhs wirkt umgekehrt zur Vorlage des Fahrers.

Viele Schuhhersteller bieten mittlerweile thermoverformbare Innenschuhe an. Der Liner passt sich dann durch Wärme und Druck der Füße mit der Zeit automatisch an oder er wird in einem speziellen Ofen erhitzt und dadurch verformbar. Jetzt den Schuh anziehen und wie im tatsächlichen Einsatz schnüren und anschnallen. Das Material passt sich dem Fuß optimal an und härtet langsam wieder aus. Danach haben Sie einen individuell an Ihren Fuß angepassten Innenschuh ohne großen Aufwand. Zudem gibt es die Möglichkeit, sowohl den Innenschuh als auch die Außenschale manuell anzupassen. Der Innenschuh wird etwa zusätzlich ausgeschäumt oder die Außenschale an Druckstellen etwas ausgefräst. Für Skifahrer ohne „Problem-Füße“ sollte der thermoverformbare Innenschuh ausreichend sein und einen guten Kompromiss zwischen Nutzen und Aufwand darstellen.

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