Der Schlüssel zum Ski-Charakter

Das Ende des Winters naht. Doch nach der Saison ist vor der Saison – und da stellt sich die Frage: Welchen Ski fahre ich im nächsten Jahr? Damit Sie vor dem Gang ins Sportfachgeschäft genau wissen, worauf Sie achten müssen, stellen wir Ihnen hier die konstruktiven Merkmale ausgewählter Ski-Kategorien vor

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© shutterstock.com/Dooder

Sie haben sich diesen Winter fahrtechnisch verbessert. Ihr bisheriger Ski ist ausgereizt. Von neuem Material versprechen Sie sich im kommenden Winter noch mehr Fahrspaß. Das ist eine berechtigte Erwartung, schließlich entwickeln die Skihersteller ihre Produkte ständig weiter. Bei der konkreten Wahl des Modells ist der jährliche SkiMAGAZIN Supertest sicher eine wichtige Entscheidungshilfe. Doch damit Sie noch genauer wissen, worauf Sie bei der Auswahl achten müssen, gehen wir hier anhand ausgewählter Kategorien den Fragen nach: Was soll der Neue können? Und was für Konstruktionsmerkmale unterstützen meine Art, Ski zu fahren?

Allround-Ski für Genussfahrer

Beginnen wir bei der größten Gruppe der Ski-Fans, beim Genussfahrer. Er will die Leichtigkeit des lautlosen Dahingleitens spüren, mit elegant gedrifteten Schwüngen den Schnee aufstauben lassen. Im weichen Schnee die Kraft einer zupackenden Kante in der Kurve spüren. Auf harter Piste soll ihn sein Ski sicher ins Tal bringen. Wenn Sie sich hier erkennen, sollten Sie sich für einen Allround-Ski entscheiden. Er ist die perfekte Wahl für ambitionierte Einsteiger und Fortgeschrittene mit Erfahrung. Sieht man sich einen Allround-Ski zunächst von außen an, so erkennt man in der Regel eine Mittelbreite zwischen 70 und 78 mm. Das gibt einerseits Sicherheit, andererseits lässt sich diese moderate Mitte spielerisch und ohne großen Kraftaufwand bewegen. Vorne haben diese Ski meist eine Breite zwischen 120 und 125 mm, am Skiende geht es selten über 105 mm. Diese gemäßigte Taillierung ist ausgelegt auf mittlere Schwungradien um 15 Meter.

Ebenfalls von außen zu sehen: Alle Allrounder sind Rocker. Das heißt, gegenüber der herkömmlichen „Camber“-Konstruktion – also mit Vorspannung – erfolgt die Aufbiegung der Ski an Spitze und teilweise auch am Ende früher. Wie stark und an welchem Punkt die Aufbiegung erfolgt, ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Doch entscheidend für den Skifahrer ist: Der Rocker macht das Drehen der Ski leichter und hilft, dass die Ski Fehler verzeihen, denn die Ski reagieren nicht sofort auf jede falsche Bewegung oder Belastung. Was bei Race-Carvern gewünscht ist, nämlich die unmittelbare Reaktion des Ski auch auf feinste Steuerimpulse, will man beim Allround-Ski nicht in dieser Ausprägung haben. Aus diesem Grund sind Allround-Ski im Vergleich zu den Top-Carvern auch nicht so verwindungssteif oder torsionssteif, wie es im Fachjargon bei Ihrem Händler heißt. Meist sind die Allround-Ski auch weicher im Flex, also in der Durchbiegung. Das können Sie sich vom Verkäufer gerne demonstrieren lassen.

Weil Allround-Ski gerade nicht so torsionssteif und auch weicher im Flex sein sollen, verbauen die Hersteller im Skikern auch deutlich weniger Holz. Ganz auf Holz sollte aber nicht verzichtet werden, es darf aber durchaus in einen Schaumkern eingebettet sein.

Für die nötige Torsionssteifigkeit sorgen Glasfaser- oder Karbon-Einlagen – das ist nicht zuletzt eine Preisfrage. Auf super torsionssteife Titanal-Einlagen wird weitgehend verzichtet. Schließlich wollen Genuss-Skifahrer nicht diesen extremen Kantengriff, mit denen die Race-Carver auf jeden Steuerimpuls reagieren.

Der Schaumummantelte Holzkern, verstärkt mit Glasfaser-Gurten und Seitenwangen, sorgt dafür, dass die so gebauten Allround-Ski auf weichen bis mittelharten Pisten bei Bedarf sauber auf der Kante gefahren werden können, ohne auf harten Untergründen zu aggressiv zu reagieren. Oftmals werden zusätzliche Dämpfungselemente eingebaut, die den Fahrkomfort erhöhen. Damit nimmt man den Ski auch ein wenig ihre Spritzigkeit und Aggressivität, was durchaus gewünscht ist.

Der Kantenhalt ist dank der kombinierten Kerne und der durchgehenden Seitenwangen gut und man kann auch auf Eis kontrolliert und sicher Ski fahren. Insbesondere Skifahrer, die ihre Schwünge gerne andriften, kommen mit den Allround-Ski bestens zurecht. Der Verzicht auf durchgehende Sandwich-Holzkerne und teure Titanal-Einlagen kommt nicht nur dem Fahrspaß der Genuss-Skifahrer entgegen, sondern schont auch deren Geldbeutel. Fragen Sie Ihren Verkäufer also ruhig, was im Inneren des Ski steckt, den er Ihnen empfiehlt.

Sportler stehen hart auf der Kante

Bei den sportlichen bis rennsportlichen Ski stellt sich zunächst die Frage, ob man enge oder weitere Radien bevorzugt. Wer die kurzen Schwünge vorzieht, greift besser zu einem Slalom-orientierten Modell, während sich der Anhänger großer Radien und Geschwindigkeiten für einen Riesenslalom-Ski entscheidet.

Der Slalom-Ski lässt sich unschwer an seiner Wespen-Taille erkennen. Er ist spritzig, wendig und agil – gemacht für schnelle Kantenwechsel und enge Radien. Die Geometrien der Hersteller sind in der Regel auf einen Radius zwischen 12 und 14 Meter ausgelegt. Die Mittelbreite liegt bei 66 bis 68 mm. Die Schaufel misst meist rund stattliche 120 mm und das Skiende um die 105 mm. In Kombination mit den überschaubaren Längen von 155 cm für Frauen und 165 cm für Männer (Wettkampf-Länge) ergibt sich diese extreme Taillierung.

Werfen wir einen Blick unter die schöne Schale. Der Kern besteht aus Holz – und zwar aus verschiedenen, miteinander verleimten Holzschichten. Meist kommen Kombinationen aus Esche oder Buche sowie Pappel und Weide zum Einsatz, teilweise sind es bis zu 50 verschiedene Schichten.

Diese werden hochkant in Längsrichtung fest miteinander verleimt. Aus diesen Rohkernen wird anschließend der dreidimensionale Skikern gefräst, in der Mitte dicker, zu den Enden flacher auslaufend. Die längs verleimten Holzschichten erhöhen die Torsionssteifigkeit, damit der Ski sich bei hartem Kanteneinsatz nicht so leicht verwinden kann. Eine wichtige Rolle spielt dabei das harte Holz der Esche oder Buche, während das Holz der Pappel für niedriges Gewicht und höhere Elastizität steht, was auch für die besonders biegsame Weide gilt.

Über und unter dem Holzkern platzieren viele Hersteller Titanal-Gurte in einer Stärke von etwa 0,5 mm. Dieses Metall, das relativ leicht ist, erhöht die Torsionssteifigkeit spürbar, ohne aber das Flexverhalten zu beeinträchtigen. Es gibt Hersteller, die beim Slalom-Ski nur eine Titanal-Schicht verbauen, um den Ski ein wenig weicher zu machen. Vereinzelt wird auch Karbon an Stelle von Titanal verarbeitet, was Gewicht spart. Die durchgehende Seitenwange ist ein weiteres Bauteil, das in fast jedem hochwertigen Slalom-Ski steckt. Diese zwischen Stahlkante und Deck integrierte Kunststoff-Verstärkung verläuft auf der Innen- und Außenseite über die gesamte Skilänge. Eine Seitenwange erhöht die Stabilität und Torsionssteifigkeit und trägt im Zusammenspiel mit Holzkern, Titanalplatten und weiteren Kunststoffgurten, mit denen der Holzkern ummantelt wird, mit dazu bei, dass der Slalom-Ski auch in schnell gefahrenen Kurven die Spur hält und nicht ausweicht.

Viel Tempo und große Radien

Für viele gute Skifahrer ist der Riesenslalom-Ski das Maß aller Dinge. Sie träumen davon, in großen Radien mit hoher Geschwindigkeit und exakt auf der Kante ins Tal zu fahren.

Entsprechend ist die Taillierung auf einen Kurven-Radius zwischen 16,5 bis 19 Meter ausgelegt. Dazu werden bei Längen zwischen 175 und 190 cm Mittelbreiten von 67 oder 68 mm bevorzugt. Die Skibreiten liegen im Schaufelbereich zwischen 99 und 105 mm, am Skiende zwischen 85 und 88 mm. Das bedeutet, die RS-Ski sind deutlich weniger tailliert als ihre Slalom-Schwestermodelle. Diese Ski-Geometrie ist nur zu einem Teil dem größeren Kurvenradius geschuldet. Darüber hinaus gibt es aber weitere Gründe. Zum einen macht die geringere Schaufelbreite den Ski in der Schwungeinleitung weniger aggressiv als z. B. einen Slalom-Ski.

Die Hersteller verwenden bei den RS-Ski teilweise einen durchgehenden Radius. Hier zeigt sich die Geometrie des Ski als Teilsegment eines Kreisbogens. Es gibt aber auch Konstruktionen mit zwei oder drei verschiedenen Radien, die über die Skilänge fließend ineinander übergehen. Die Experten sprechen hier von Spline. Da liegt der Radius im Schaufelbereich beispielsweise bei 20 Metern, um eine gemäßigtere Schwungeinleitung zu ermöglichen. In der Skimitte liefert die Konstruktion einen Radius von ca. 18 Metern. Damit soll im Schwung verstärkt Druck aufgebaut werden, während der Radius von 17 Metern am Skiende einen schnellen Kantenwechsel unterstützen soll. Diese feinen Unterschiede sind mit dem Auge nicht zu erkennen. Hier sollte Sie Ihr Händler entsprechend beraten können.

Auf Grund der höheren Kurvengeschwindigkeiten muss der RS-Ski extrem torsionssteif sein, damit der Druck über den Ski auf die Unterlage gebracht werden und die Spur sicher gehalten werden kann. Gerade bei harten Schneebedingungen ist dies extrem wichtig. Deshalb erhalten diese Sportgeräte im Vergleich zum Slalom-Ski etwas stärkere Titanal- oder Karbon-Einlagen. Es sind fast immer zwei, eine über und eine unter dem Kern.

Der Kern selbst besteht wie bei den Slalom-Ski aus vielfach verleimten Holzschichten. Manche Hersteller verwenden für SL- und RS-Ski den gleichen Kern, andere erhöhen den Anteil harter Hölzer.

Fragen Sie beim Kauf Ihrer Ski Ihren Händler, was im Kern zum Einsatz kommt. Er entscheidet sehr stark über den Charakter Ihres Ski. Das ist wie im richtigen Leben: Es kommt auf den Kern einer Sache an. Rainer Bommas

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Hier ist der Front-Rocker, die Aufbiegung der Ski, wodurch der Ski leichter in die Kurve geht, schön zu sehen. © Blizzard
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Bei den sportlichen Slalom- und Riesenslalomski kommt ein vollflächiger Holzkern zum Einsatz, ebenso durchgehende Seitenwangen (rot). © Atomic, Völkl

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 03 / 2014

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