Die Bindung: Das A und O für sicheres Skifahren

Die Skibindung ist ein komplexes Gerät, das gleichzeitig zuverlässig halten, aber auch im richtigen Moment aufgehen muss. Da die Bindung heute in der Regel im Ski integriert ist, vergessen viele Skifahrer, wie wichtig sie ist. Wir möchten das Bewusstsein der Skifahrer für ihre Skibindungen wieder schärfen — und klären die zentralen Fragen zu diesem Thema. DSV-Sicherheitsexperte Andreas König und Mitarbeiter des Bindungsherstellers Tyrolia standen uns dabei beratend zur Seite

Text: Christian Bonk & Bettina Thaller

Für junge Skifahrer ist sie selbstverständlich: die Skibindung, die beim Kauf von Ski bereits montiert ist. Sie verschwenden kaum einen Gedanken daran. Sie steigen vorne mit ihren Skischuhen ein und treten hinten drauf – und schon ist der Skischuh fest in der Bindung fixiert und steht stabil auf dem Ski.

Doch die Skibindung war nicht schon immer ein Teil des Skis. Fahrer der älteren Generation werden sich noch an Zeiten erinnern, als sie die Bindung separat von den Ski gekauft haben. Als sie sich vom Sporthändler ihres Vertrauens noch eingehend darüber beraten ließen, welche Skibindung am besten für sie geeignet ist. Manche Nostalgiker vermissen das vielleicht auch, und sie sind etwas enttäuscht, wenn sie heute Ski kaufen müssen, die bereits eine integrierte, nicht austauschbare Bindung haben. Vielleicht haben sie früher eine ganz andere Bindung bevorzugt, oder sie haben das Modell sogar noch zu ­Hause, können es aber nicht auf die neuen Geräte montieren.

Natürlich ist es praktisch, alles bereits als Gesamtpaket kaufen zu können. Das nimmt jedem Wintersportler die Qual der Wahl und spart ihm die Zeit, sich mit der Frage nach der richtigen Bindung auseinander­zusetzen. Und natürlich sind heutige Ski auch sicher und hochwertig.

Doch eines hat sich deutlich verändert, seit es nicht mehr üblich ist, Skibindungen separat zu kaufen: Die Bindung ist im Bewusstsein der Skifahrer in den Hintergrund gerückt. Viele bedenken nicht, wie wichtig eine richtig eingestellte Skibindung für die Fahrsicherheit und für verletzungsfreies Skifahren ist.

Wie funktioniert eine Skibindung?

neuer_name
Die Montage auf dem Ski und die Wartung der Bindung sollten nur vom Fachmann durchgeführt werden
© Hersteller

Eine gängige Skibindung besteht aus zwei großen Hauptteilen, die wiederum aus bis zu 190 Einzelteilen zusammengesetzt sein können. In die Vorderbacke steigen Sie mit der Spitze Ihres Skischuhs ein, Ihre Ferse ­befestigen Sie im Fersenautomat. Über Federn halten diese beiden Teile den Schuh auf dem Ski.

Es gibt allerdings auch Bindungs­typen, zum Beispiel Systembindungen, Rennbindungen oder Freeski-Bindungen, die noch ein Verbindungsstück oder eine Base aufweisen.

Auf die Federn wirken ständig Kräfte ein, während der Fahrer auf der Piste unterwegs ist, Kurven fährt und Unebenheiten und Hügel passiert. Diesen Kräften muss die Bindung stabil standhalten, denn ginge sie mitten in einer scharfen Kurve auf, wäre das für den Skifahrer fatal. Erleidet er jedoch einen schweren Sturz und wird dabei eine bestimmte Kraft­grenze erreicht, geht die Skibindung auf, um den Fahrer vom sperrigen Ski zu trennen. Diese Kraft ist nicht immer gleich, sondern wird für jeden Ski­fahrer individuell ermittelt.

Warum ist die Skibindung so wichtig?

neuer_name
Wichtig ist die regelmäßige Pflege der Bindung. Starke Verschmutzungen können ihre Funktionalität - und damit die Sicherheit – beeinträchtigen.
© Hersteller

Die Skibindung wird nicht umsonst auch als Sicherheitsbindung bezeichnet, denn sie sorgt dafür, dass der Skischuh auch bei schärferen Kurven oder wenn der Fahrer über ruppiges Terrain fährt, auf der Platte bleibt. Zugleich ist es aber auch eine wichtige Eigenschaft der Skibindung, bei ­Stürzen im richtigen Moment ­aufzugehen und den Ski vom Fuß zu lösen, um den Fahrer vor Knochen­brüchen zu bewahren. Sie kann zwar auch Weichteilverletzungen vorbeugen, zum Beispiel Bänder-, Muskel- oder Sehnenrissen, aber die Hauptaufgabe der Skibindung ist es, Unterschenkelbrüche zu vermeiden.

Außerdem ist in modernen ­Ski­bindungen eine Skibremse ­integriert, die bei Stürzen vor allem andere Skifahrer schützt. Denn wenn sich Ihr Ski vom Schuh löst, könnte der Ski ungebremst den Hang ­hinuntersausen und andere Fahrer gefährden. Durch die Bremse bleibt er im Schnee stecken.

So wird der Z-Wert ermittelt

Die maximale Krafteinwirkung auf die Skibindung, bevor sie auslöst, wird als Z-Wert bezeichnet. Um diesen zu ermitteln, gibt es zwei amtlich anerkannte Methoden.

Bei der Tibiamethode ist vor allem die Breite des Schienbeinkopfes des Fahrers die entscheidende Messgröße, und auch das Geschlecht ist wichtig. Bei der Gewichtsmethode werden zur Ermittlung das Körpergewicht und die Körpergröße herangezogen. Hinzu kommen bei beiden Methoden das Alter, die Schuhsohlenlänge und die Fahrweise. Aus all diesen Daten wird ein passender Z-Wert ermittelt.

Allerdings spielen auch Kriterien eine Rolle, die sich nicht auf den Körper des Fahrers beziehen, sondern davon abhängen, wie die Schnee- und Geländebeschaffenheiten dort sind, wo er unterwegs ist. Bei hartem Schnee wirken beispielsweise größere Kräfte.

Warum muss die Skibindung ­regelmäßig überprüft werden?

Der Z-Wert wird beim Kauf der Skier ermittelt und die Bindung richtig eingestellt – dann sollte eigentlich alles passen. Warum aber raten Sicherheitsexperten wie Andreas König so dringend, die Skibindung regelmäßig, mindestens einmal pro Saison, vom Fachmann überprüfen zu lassen?

Der zu Beginn bestimmte Z-Wert bleibt nicht gleich, weshalb die Bindung oft umgestellt werden muss. Andreas König sagt dazu: „Nicht nur Kennwerte wie Alter und Gewicht ändern sich. Auch der Fahrstil entwickelt sich mit der Zeit weiter: Anfänger verbessern sich, geübte Skifahrer bevorzugen ab einem gewissen Alter wieder das gemütlichere Skifahren.“

Beschädigungen beim Skischuh – zum Beispiel Kerben oder Risse vorne oder hinten – oder Verschleißerscheinungen der Bindung können dazu führen, dass die Skibindung nicht mehr richtig funktioniert. Dann hilft auch eine neue Einstellung nicht, dann muss ein neuer Skischuh oder eine neue Bindung her.

Deshalb sollten Sie die Ski mitsamt Schuhen nach schwereren Stürzen im Sportgeschäft vorlegen. Außerdem muss auch das Bindungssystem selbst überprüft werden: Stimmen die Vorgabewerte? Stimmt der Auslösewert bei einer Vergleichsmessung mit dem eingestellten Wert überein?

Worauf ist bei der Beurteilung einer Skibindung zu achten?

neuer_name
Die Freeflex Pro 11 gehört zur Racing-­Kollektion von Tyrolia
© Hersteller

Auch wenn die Skibindung bei Ihren Ski dabei ist: Setzen Sie sich vor dem Kauf mit diesem wichtigen Instrument auseinander und wählen Sie gegebenenfalls andere Ski, wenn die Bindung minderwertig ist oder nicht zu Ihren Ansprüchen passt.

Wichtig ist etwa, dass der Einstellbereich des Z-Wertes nicht genau bei dem für Sie ermittelten Wert endet. Es sollte auf jeden Fall etwas Luft nach oben oder unten sein, damit eine Umstellung überhaupt möglich ist.

Fragen Sie den Fachhändler ­außerdem nach der Elastizität der Bindung, denn diese sollte im guten Mittelmaß sein – nicht zu gering, da es sonst zu schnell zu Fehlauslösungen kommen kann, aber auch nicht zu hoch, da die Kraft ansonsten zu lange einwirken muss, bevor sich die Bindung löst. Und da auch ein Anfänger besser werden möchte, sollte die Energieaufnahme von Anfang an hoch sein, damit später nicht die Ski ausgetauscht, sondern nur die Bindung umgestellt werden muss.

Die renommiertesten Hersteller von Skibindungen, die für wirklich hohe Qualität bekannt sind, sind heute die Firmen Tyrolia und Marker. Die meisten ihrer Produkte bringen sie zwar nicht direkt an den Kunden, sondern fertigen sie für Skihersteller an, die ihre Bindungen dann in ihren Geräten verarbeiten. Dennoch ist bekannt, welche Bindung von welchem Hersteller ist. Fragen Sie beim Kauf einfach Ihren Händler – ist die Bindung Ihrer Wunschski von einem dieser beiden Hersteller, ist das schon einmal ein Qualitätsmerkmal.

Kann man die Skibindung selbst einstellen und überprüfen?

Andreas König rät scharf davon ab, die Skibindung selbst einzustellen. Auch wenn Sie Ihre relevanten Maße – wie Ihr Alter, Ihr Fahrkönnen oder Ihr Gewicht – kennen, ist es ohne einen Fachmann nicht möglich, die Skibindung zuverlässig und präzise einzustellen, denn in Sportgeschäften funktioniert die Einstellung und Überprüfung mithilfe eines elektronischen Bindungsprüfgerätes. „Mit diesen Geräten werden Stürze simuliert und die korrekte Aus-lösung überprüft. Nur so kann sicher kon­trolliert werden, ob die Bindung optimal eingestellt ist. Denn Wert ist nicht gleich Wert: Durch verschiedenste Faktoren können sich unterschiedliche Einstellwerte für ein und dieselbe Bindung ergeben“, sagt der Sicherheitsexperte.

Scheuen Sie also nicht den regelmäßigen Gang zum Fachmann, um Ihre Bindung zu überprüfen - das ist schnell erledigt, und ihre Beine werden es Ihnen danken.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 01 / 2016

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat

Events

21.11 – 28.11.2020
SkiMAGAZIN Skitestwoche in Sulden