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Eine Frage des Vertrauens

Mit gut präparierten Ski macht das Fahren einfach mehr Spaß, es geht spürbar leichter und ist sicherer. Ähnlich wie ein Reifen- und Ölwechsel oder der Kundendienst beim Auto ist der Skiservice ein Muss. Doch wer richtet das Material wirklich gut her?

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Text Rainer Bommas Bild Reichmann

Guter Skiservice ist heute eine komplexe Geschichte. Er setzt gut ausgebildete Mitarbeiter und einen anspruchsvollen Maschinenpark beim Sporthändler oder Skidoktor voraus, wie sich manche auf den Skiservice spezialisierte Unternehmen auch gerne nennen. Diese Spezialisten arbeiten immer häufiger auch im Auftrag von Sportgeschäften, was durchaus vorteilhaft sein kann. Angesichts eines Maschinenparks, dessen Anschaffung mindestens 50.000 Euro erfordert, schnell aber auch in sechsstellige Eurobeträge geht, wird deutlich, dass dieser Service nicht für Zweieurofünfzig zu haben ist. Qualität hat ihren Preis. Im Schnitt müssen Sie bei normalen „Gebrauchsspuren“ nach einer Skiwoche mit Kosten zwischen 30 und 40 Euro rechen. Was Sie für Ihr Geld, das Sie für einen Skiservice bezahlen müssen, im Gegenzug erwarten dürfen und worauf es ankommt, erfahren Sie im heutigen Teil unserer Skiservice-Serie.

Skiservice ist Vertrauenssache – umso mehr, je weniger man selbst davon versteht. Und ganz besonders gilt das natürlich beim ersten Mal, wenn Sie Ihre geliebten Sportgeräte in die Hand einer Skiwerkstatt geben. Nach gemachter Arbeit und den Erkenntnissen auf der Piste fällt eine Beurteilung schon leichter, ansonsten kann man natürlich auch Freunde oder Bekannte fragen.

Arbeiten erklären lassen

„Woran erkennt man eine gute Skiwerkstatt?“, lautet eine oft gestellte Frage. Hinterher am Ergebnis. Aber auch schon beim Abgeben der Ski gibt es einige hilfreiche Anhaltspunkte. Der Service-Mitarbeiter, der die Ski annimmt, sollte sich diese genau anschauen und nicht nur fragen:

„Großer oder kleiner Service?“ Sie dürfen erwarten, dass sich der Mitarbeiter im Sportgeschäft auskennt, den Zustand Ihrer Ski beurteilen und einen klaren Vorschlag zu den auszuführenden Arbeiten machen kann. Anschließend sollte er Ihnen Gelegenheit geben, Fragen dazu zu stellen und diese mit überzeugenden Argumenten beantworten.

Dass die Kanten geschliffen und der Belag gewachst werden muss, trifft sicherlich in fast allen Fällen zu. Der Fachberater sollte aber erklären, warum das sinnvoll ist und dabei auf Punkte wie Drehfreudigkeit, geringerer Kraftaufwand und erhöhte Sicherheit verweisen und nicht unbedingt mit mehr Speed argumentieren.

Bei Beschädigungen des Belages können Sie erwarten, dass der Service-Mitarbeiter Sie aufklärt, welche Kratzer durch das normale Planschleifen des Belags beseitigt werden und wo größere Ausbesserungen des Belages bis hin zum Ausstanzen tiefer Beschädigungen notwendig sind. Auch hierzu sollten Ihnen entsprechende Erklärungen gegeben werden, inklusive der Nennung der zu erwartenden Kosten.

Darüber hinaus fragt Sie ein guter Mitarbeiter nach Ihrem Fahrkönnen, dem von Ihnen bevorzugten Gelände und eventuell sogar, wann und wo Sie das nächste Mal Ski fahren wollen. Denn Ihr Fahrstil hat entscheidenden Einfluss auf die Kantenpräparation. Und die zu erwartenden Schnee-temperaturen und Pistenverhältnisse – etwa Natur- oder Maschinenschnee – bestimmen die Wahl der Belagsstruktur und die Art des Wachses.

Moderner Gerätepark

Sofern Sie nicht ohnehin jedes Jahr Ihre Bindungseinstellung überprüfen lassen, gehört zu einer fachmännischen Service-Annahme in jedem Fall auch eine Sichtprüfung der Bindung. Dabei sollten Sie auf eine etwaige Abnutzung der Gleitelemente für eine reibungsarme Auslösung, eine Verschmutzung der beweglichen Elemente oder fehlende Schmierung hingewiesen werden. Eine Funktionsprüfung ersetzt das natürlich nicht, aber ein Hinweis darauf, diese durchzuführen, ist ein Indiz, dass dort professionell gearbeitet wird.

Bevor Ihr Ski den Weg in die Werkstatt antritt, können Sie sich nach dem dort zur Verfügung stehenden Maschinenpark erkundigen. Gut ausgestattete Händler geben da sicher gerne Auskunft. Ein Schleifautomat oder Schleifroboter in der Werkstatt ist auf jeden Fall ein sehr gutes Zeichen. Ansonsten gehören eine Bandschleifmaschine, eine Kanten-

tuning-Einheit und ein Heißwachsgerät auf jeden Fall zum Standard. Und ganz wichtig: eine Steinschleifmaschine. Wofür die Geräte im Einzelnen genutzt werden, lesen Sie weiter unten.

Klar ist, dass die besten Maschinen nichts nutzen, wenn die Mitarbeiter ihr Geschäft nicht verstehen oder die Maschinen schlecht gewartet sind. Wenn es möglich ist, kann hier ein Blick in die Werkstatt zusätzliches Vertrauen schaffen. Dabei gilt Ähnliches wie in der Auto-Werkstatt, und Sie können selbst Ihre Schlüsse ziehen: ist alles sauber und ordentlich oder herrscht das kreative Chaos? Manche Geschäfte setzen daher auch auf eine „gläserne Werkstatt“, in die man durch eine Glaswand aus den Verkaufsräumen hineinschauen kann.

Wichtig zu wissen: Gerätehersteller führen regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen für die Service-Mitarbeiter in den Sportgeschäften durch und vergeben entsprechende Urkunden und Zertifikate, die oft im Geschäft oder in der Werkstatt hängen. Dort können Sie sehen, ob die Werkstatt-Mitarbeiter auf dem neuesten Wissensstand sind.

Arbeiten in der Werkstatt

Nach der Nennung der vorgesehenen Arbeiten, den zu erwartenden Kosten und der Nennung des Abholtermins ist die Werkstatt an der Reihe. Dort passiert mit Ihren Ski, abhängig vom Zustand, eine ganze Menge: Als erstes wird in der Regel die Seitenkante geschliffen, da sie das schwächste Glied am Ski darstellt, in Zeiten des Carvens aber von entscheidender Bedeutung ist. Maschinen-hersteller Reichmann weist seine Händler mit folgendem Vergleich auf die Bedeutung der Seitenkanten hin:

„Ein Ski mit schlecht präparierten Kanten reagiert wie ein Auto mit abgefahrenen, glatten Reifen auf einer Schneefahrbahn. Für Skifahrer aller Kategorien sind deshalb präzise geschliffene Kanten ein absolutes Muss.“

Die meisten Ski werden heute mit einem Kantenwinkel von 89° ausgeliefert. Daher werden die Seitenkanten beim Service mit einem Bandschleifgerät mit ca. 2° bis 2,5° vorgeschliffen und dann über die gesamte Länge scharf geschliffen. Dieses „Hinterschleifen“ genannte Bearbeiten der Seitenkante ergibt im Zusammenspiel mit der leicht „abgehängten“, also um ca. 1° nach außen abfallenden belagsseitigen Kante diesen 89°-Winkel. Dieser Wert ist die ideale Kante für den Standard-Service, da er eine maximale Haltbarkeit gewährleistet und für einen guten und sicheren Grip der Ski sorgt.

Spitzere Winkel von 88° bis 83° werden vor allem im Rennlauf gefahren. Damit reagieren die Ski extrem direkt und aggressiv. Für normale Skifahrer sind solche Kanten fast nicht fahrbar, außerdem sind sie äußerst empfindlich für Beschädigungen.

Nach dem Schliff der Seitenkante wird zunächst der Belag mit einer Bandschleifmaschine grob vorgeschliffen. Damit werden einerseits Rost und Schmutz entfernt und der Belag aufgeraut, so dass evtl. notwendiges Reparaturmaterial besser hält. Vor allem aber werden der Belag plan geschliffen und kleine Riefen und Löcher entfernt. Das Planschleifen ist extrem wichtig, da ein hohl geschliffener Ski sich nur sehr schwer drehen lässt, während ein Ski mit einem konkaven Belag sehr unruhig ist und sich kaum kontrollieren lässt.

Mit dem Bandschliff wird gleichzeitig die Kante abgehängt, in dem spezielle Walzen verwendet werden, die dafür sorgen, dass je nach gewünschtem Winkel die Kanten der Belagsseite zwischen in der Regel 0,5° bis 1,5° abfallen.

Nach diesem Vorschleifen werden evtl. notwendige Belagsreparaturen ausgeführt. Das Basismaterial der Skibeläge ist Polyethylen. Es verändert seine Konsistenz ab 150°C, ab 220°C wird es weich und bei noch höheren Temperaturen flüssig. Um eine optimale Verbindung zwischen dem Belag und dem Reparaturmaterial zu erreichen, wird dieses auf ca. 250°C erhitzt. Dadurch können sich die einzelnen Moleküle zu einer neuen, festen Einheit verbinden. <<<

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Regelmäßige Fortbildungen sind ein Muss für Händler, die einen guten Skiservice anbieten wollen.

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