Geniesser lieben’s leicht

Die Leichtigkeit des Seins spüren. Schwereloses Gleiten erfahren. Mit elegant gedrifteten Schwüngen den Schnee aufstauben lassen. Im weichen Schnee die Dynamik einer zupackenden Kante in der Kurve spüren. Auf harter Piste sicher ins Tal kommen. Das macht für Genussfahrer einen großen Teil der Faszination Skifahren aus. Doch um dieses Fahrgefühl zu erleben, braucht es das richtige Material

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Text Rainer Bommas Bild K2, Elan, Blizzard

Dieses finden gute Genussfahrer in der Gruppe der Allround-Ski, die auch für Einsteiger und Fortgeschrittene geeignet sind. Da das Anforderungsprofil sehr breit ist, müssen diese Ski eine Vielzahl von Eigenschaften in sich vereinen. Wir haben den Typ Allround-Ski näher unter die Lupe genommen. In diesem Artikel erfahren Sie, worauf es ankommt. Wir zeigen Ihnen, warum diese Ski vieles können – und manches auch nicht.

Wenn es in den Medien oder in der Werbung um die Faszination Skifahren geht, sieht man in der Regel Bilder von Fahrern in extremen Schräglagen oder Cracks, die ihre Spur in jungfräuliche Tiefschnee-Hänge zeichnen. Davon träumen sicher viele, doch die meisten bewegen sich in anderem Terrain.

Die Masse der Ski-Fans gehört nämlich zur Gruppe der Spaß- und Genuss-Skifahrer, die sich zu 95 Prozent auf der Piste bewegen und sich bei Neuschnee höchstens einmal zehn Meter neben der frisch gewalzten Piste im „Tiefschnee“ versuchen.

Viel Spaß mit wenig Kraft

Wer beim Skifahren vor allem Spaß haben will, ohne permanent an seiner Technik feilen und viel Kraft aufwenden zu müssen, wer einfach nur den Schnee, die Geschwindigkeit, das fast schwerelose Gleiten in einer tollen Natur mit allen Sinnen erleben will, der braucht keinen Race-Carver oder Fatboy, sondern einen breitbandig ausgelegten Allrounds-Ski.

Er soll einfach zu fahren sein, leicht in die Kurve gehen, Fahrfehler verzeihen, bei mittlerer Geschwindigkeit gut führen und auf harter und eisiger Piste sicheren Halt geben. Wie schaffen das die Allrounder? Um das zu erklären, bedarf es eines genaueren Blicks auf den Ski, aber vor allem in das Innenleben, das sich unter dem schönen Dekor verbirgt.

Beginnen wir bei den von außen sichtbaren Elementen. Es zeigt sich, dass die Allround-Ski in der Regel mit einer Mittelbreite zwischen 70 und 78 mm aufwarten und an der Spitze ein Maß um die 115 bis 125 mm haben. Am Skiende weisen sie meist eine Breite zwischen 95 und 105 mm auf. Das bedeutet eine moderate Taillierung, ausgelegt auf Schwungradien von 16 bis 20 Meter, also nicht zu aggressiv für gute Genuss-Skifahrer. Und Fortgeschrittenen bzw. Einsteigern bietet diese Taillierung viel Spielraum für ihre gedrifteten Schwünge.

Viele Ski verfügen dazu über eine Taillierung mit einem durchgehenden, konstanten Radius. Es gibt aber auch Modelle, deren Skigeometrie auf unterschiedlichen Radien basiert. In der Regel nimmt der Radius dabei von vorne nach hinten ab, was mit dem Auge jedoch kaum zu sehen ist. Der Übergang der Kreisbogensegmente ist fließend. Mit dieser Geometrie werden solche Ski sehr gutmütig. Der Übergang vom Schwungende mit seinem engeren Radius zur Einsteuerung des neuen Schwungs mit einem weiteren Radius wird so zusätzlich erleichtert.

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Allrounder sind Rocker

Ebenfalls von außen zu sehen: Fast alle Allrounder setzen auf die Rocker-Technologie. Das heißt: Gegenüber der herkömmlichen so genannten „Camber“-Konstruktion mit klassischer Vorspannung erfolgt die Aufbiegung der Ski an Spitze oder Spitze und Ende früher. Wie stark und an welchem Punkt die Aufbiegung erfolgt, ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Doch entscheidend für den Skifahrer ist: Der Rocker macht das Drehen der Ski leichter.

Durch die kürzere effektive Kantenlänge, also die volle Auflage des Ski auf dem Schnee, wird der Drehwiderstand geringer. Gleichzeitig erleichtert die Aufbiegung das Einsteuern in den Schwung, macht die Kurveneinleitung harmonischer, da die Kante den Druck im Schnee sanfter aufbaut. Das macht den Rocker-Ski gleichsam Fehler verzeihender, da die Kante im Schaufelbereich weniger abrupt zupackt, wenn der Ski für den Richtungswechsel aufgekantet wird. Das gefürchtete Verschneiden wird vermieden, der Skifahrer hat mehr Zeit, seinen Fehler zu korrigieren.

Die Rocker-Konstruktion kommt aus den USA, wo sehr viel mehr im Tiefschnee gefahren wird. Dort spielt der Rocker seine Stärke voll aus, aber gerade für den Genuss-Skifahrer machen Rocker-Ski auch auf der Piste Sinn. Und ein Ausflug in den Tiefschnee wird damit natürlich auch einfacher. Vielleicht entdecken Sie mit dem Rocker eine neue Dimension des Ski-Genusses …

Für eine ungewöhnliche Konstruktion hat sich der slowenische Hersteller Elan entschieden. Mit seinen „Amphibio“-Modellen setzt er auf eine asymmetrische Bauweise. Die für links und rechts unterschiedlich geformten Ski sind auf der Innenseite in klassischer Camber-Konstruktion gebaut und verfügen auf der Außenseite über Rocker. Das soll die Schwungeinleitung über den Außenski (Rocker) erleichtern, ohne Einbußen während des Schwungs (Kantengriff durch Vorspannung) hinnehmen zu müssen.

Wer ist schon perfekt?

Doch bleiben wir beim Thema Fehler verzeihend. Dafür sorgt nicht nur der Rocker, sondern auch das Innenleben der Ski. Fehler verzeihend bedeutet, dass der Ski nicht sofort auf jede falsche Bewegung oder Belastung reagiert und einen aus der Bahn wirft. Was bei Race-Carvern gewünscht ist, nämliche die unmittelbare Reaktion des Ski auch auf feinste Steuerimpulse, will man beim Allround-Ski nicht in dieser Ausprägung haben. Aus diesem Grund sind Allround-Ski nicht so torsionssteif wie die Top-Carver und zumeist auch weicher im Flex, also in der Durchbiegung.

Aus diesem Grund haben die meisten Allround-Ski zudem einen im Vergleich zu den Race-Carvern deutlich kleineren Holzkern, der in einen Polymer-, sprich Schaumkern eingebettet ist. Dies gewährleistet einen guten Rebound, ohne die extrem hohen Rückstellkräfte der Vollholzkern-Raceski zu erreichen. Für die nötige Torsionssteifigkeit sorgen Glasfaser- oder Karbon-Einlagen – das ist nicht zuletzt eine Preisfrage. Auf Titanal-Einlagen wird weitgehend verzichtet. Dieses biegsame, aber extrem verwindungssteife Metall gewährleistet bei den Rennski höchste Torsionssteifigkeit, die bei Allround-Ski aber gar nicht gewünscht ist. Schließlich wollen Genuss-Skifahrer, Fortgeschrittene und ambitionierte Einsteiger nicht diesen extremen Kantengriff, mit denen die Race-Carver auf jeden Steuerimpuls reagieren und sich auch in eisige Hänge fräsen.

Der Schaum ummantelte Holzkern, verstärkt mit Glasfaser-Gurten und Seitenwangen, sorgt dafür, dass die so gebauten Allround-Ski auf weichen bis mittelharten Pisten bei Bedarf sauber auf der Kante gefahren werden können, ohne auf harten Untergründen zu aggressiv zu reagieren. Die Laufruhe ist auf mittlere Geschwindigkeiten ausgelegt. Oftmals werden zusätzliche Dämpfungselemente eingebaut, die den Fahrkomfort erhöhen. Damit nimmt man den Ski auch ein wenig ihre Spritzigkeit und Aggressivität, was durchaus gewünscht ist.

Der Kantenhalt ist dank der kombinierten Kerne und der durchgehenden Seitenwangen gut und man kann auch auf Eis kontrolliert und sicher Ski fahren. Insbesondere Skifahrer, die ihre Schwünge gerne andriften, kommen mit den Allround-Ski bestens zu recht. Der Verzicht auf durchgehende Sandwich-Holzkerne über die volle Breite und teure Titanal-Einlagen kommt nicht nur dem Fahrspaß der Genuss-Skifahrer entgegen, sondern schont auch deren Geldbeutel. <<<

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