Gute Kommunikation ist alles

Skifahren mit Sehbehinderung: Geht nicht, gibt’s nicht! Auch mit Sehbehinderung kann man Skifahren lernen. Hilfsmittel wie der CEECOACH vereinfachen dabei die Kommunikation enorm. Das Tool wurde bei der SkiMAGAZIN-Innovationspreis-Leserwahl von Ihnen zum Sieger der Kategorie Accessoires gekürt. Im Interview spricht Skilehrer Andreas Märzhäuser über das Unterrichten von Menschen mit Handicap und den Einsatz technischer Helfer.

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Schluss mit Schreien auf der Piste oder wenig effektivem Korrigieren mit Verzögerung. Ausgeklügelte technische Helfer wie der CEECOACH von peiker machen den Austausch am Berg für Lehrer und Gruppen jeder Art einfach. Das Kommunikationssystem funktioniert unabhängig von Mobilfunknetzen oder Smartphones auf eine Distanz von bis zu 500 Meter. Ganz egal, wie sehr es stürmt oder schneit, aufgrund klarer Sprachqualität können sich bis zu sechs Teilnehmer über das Gerät problemlos auf der Piste oder im Gelände austauschen. Daher wird der CEECOACH inzwischen auch immer häufiger in Skischulen als methodisches Hilfsmittel eingesetzt.

Dass die Tasten so groß sind, dass sie auch bequem mit Handschuhen bedient werden können, macht ihn zum idealen Helfer für Wintersportler. Dank moderner Bluetooth-Technik kann man auch mit mehreren Gruppen gleichzeitig trainieren – ohne Dazwischenfunken. Ganz besonders vereinfacht das System das Training für jene Skifahrer, die am Berg ausschließlich auf ihre Ohren und ihre Stimme angewiesen sind.

So wird der CEECOACH seit dem vergangenen Jahr auch von Skilehrer Andreas Märzhäuser und seinen Kollegen eingesetzt. Andreas ist Vorsitzender des Vereins SV Sportsgeist, in dem blinden Menschen das Skifahren beigebracht wird. Wir haben mit ihm über die Arbeit mit sehbehinderten Menschen gesprochen.

Wie schwierig ist es, blinden Menschen das Skifahren beizubringen?

Andreas Märzhäuser: Das kann man pauschal nicht sagen. Es hängt stark davon ab, ob der Erblindete schon andere sportliche Vorerfahrungen hat oder ob er von Geburt an blind ist oder dieses Ereignis erst im Laufe des Lebens eingetreten ist. Am Einfachsten ist es natürlich, wenn unser Skischüler schon vor der Erblindung Ski gefahren ist. Ist er dagegen von Geburt an blind und hat bisher keinen Sport gemacht, fehlen ihm sehr viel dynamisches Gleichgewicht und häufig auch konditionelle Voraussetzungen. Dann ist das schon eine deutlich größere Herausforderung.

Wie funktioniert das dann, wenn ein Blinder zum ersten Mal auf Ski steht?

Im Grunde genommen ist das auch nicht viel anders, als wenn man mit sehenden Menschen Ski fährt. Wir beginnen ganz einfach mit kurzen Gleitpassagen auf sehr flachen Hängen, damit unsere Anfänger ein Gefühl fürs Gleiten bekommen. Eventuell setzen wir kurze Ski ein, probieren das Gleiten auf Langlaufski oder ziehen einen Ski aus und treten wie beim Rollerfahren. Ohne etwas zu sehen, dauert das normalerweise etwas länger, führt aber genauso zum Erfolg.

Woran merkt der Skischüler dann, dass die­ Piste zu Ende geht oder er eine Kurve fahren muss?

Da gibt es mehrere Methoden. Teilweise arbeiten wir vor allem zu Beginn auch taktil. Dabei fährt der Skilehrer rückwärts vor seinem Schüler her, und man hält sich zum Beispiel an den Händen fest. Hier kann man auch einen Skistock benutzen und neben seinem Schüler herfahren, oder man nimmt einen großen Ring zu Hilfe, an dem der Schüler fährt, und man fährt vor ihm. Am wichtigsten ist aber, dass man viel miteinander kommuniziert und so die entscheidenden Kommandos gibt.

Welche Systeme benutzen Sie hier?

Teilweise benutzen wir Lautsprecher, teilweise auch Headsets. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Lautsprecher haben den Vorteil, dass der Schüler immer hört, wo der Lehrer ist. So kann er sich besser orientieren als mit Headsets. Allerdings funktioniert die Kommunikation nur in eine Richtung, der Schüler kann also nur schwer sagen, ob er eine Pause braucht oder ob er ein Problem hat. Zur gegenseitigen Kommunikation sind Headsets schon besser, auch wenn der Skischüler dann nicht genau weiß, wo der Lehrer gerade fährt.

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Effektiver Helfer: Den CEECOACH von peiker gibt’s im Starter-Set für 279 Euro.

Seit letzter Saison benutzen Sie auch den CEECOACH. Welche Erfahrungen haben Sie damit im Unterricht gemacht?

Fast nur gute. Die Sprachqualität ist super und im Gegensatz zu anderen Systemen kann man die Kopfhörer bequem unter dem Helm tragen. Bei anderen Systemen halten die Ohrstöpsel mit Klettverschluss am Helm, aber in vielen Innenseiten von modernen Helmen haftet der Klett­verschluss nicht. Gut ist auch, dass alle wichtigen Funktionen mit einem Knopf bedient werden können, sodass man nicht einmal die Handschuhe ausziehen muss. Ab und zu kam einer unserer Ausbilder zwar beim Fahren auf den Knopf, aber wenn man sich einmal an das System gewöhnt hat, passiert das auch nicht mehr.

Wie viele Menschen mit Sehbehinderung können bei Ihnen pro Jahr Skifahren ­lernen?

Leider nicht so viele, wie wir gerne ausbilden würden. Wir sind ein Verein und auf Spenden angewiesen, damit wir den Skikurs für die Betroffenen etwas günstiger anbieten können. Niemand soll aus finanziellen Gründen an der Teilnahme gehindert werden. Unsere Ausbilder arbeiten ehrenamtlich und bekommen nur Anreise, Unterkunft und Skipass bezahlt. Aber wir hoffen, dass wir auch in Zukunft blinden Menschen das Skifahren beibringen können.

Mehr Infos zum Verein gibt es ­unter www.sv-sportsgeist.de und zum CEECOACH unter www.ceecoach.de

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 06 / 2016

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