Laufruhe für große Radien

Für viele gute Skifahrer ist der Riesenslalom-Ski das Maß aller Dinge. Sie lieben es, auf der Piste in großen Radien mit hoher Geschwindigkeit eine exakte Spur in den Schnee zu zaubern.

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Dafür schwören Ski-Fans auf ihr Long Turn-Modell, das darüber

hinaus natürlich noch viel mehr kann. Doch was steckt in einem solchen Ski, damit er die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen kann?

Text Rainer Bommas Bild Atomic, Fischer, Florian Wagner

Die Auslegung für mittlere und große Radien sind ganz eindeutig ein entscheidendes Kriterium für einen Riesenslalom-Ski und machen einen entscheidenden Unterschied zu den Slalom-Modellen aus, die in der vorigen Ausgabe des SkiMAGAZINs besprochen wurden. Die meisten Hersteller geben für ihre RS-Modelle einen Kurvenradius zwischen 16,5 bis 19 Meter an. Dazu werden bei Längen zwischen 175 und 190 cm Mittelbreiten von 67 oder 68 mm bevorzugt. Die Skibreiten liegen im Schaufelbereich zwischen 99 und 105 mm, am Skiende zwischen 85 und 88 mm. Das bedeutet, die RS-Ski sind deutlich weniger tailliert als ihre SL-Schwestermodelle. Insgesamt sind die RS-Ski in der Mitte breiter und vorne und hinten schmaler als ihre Slalom-Pendants.

Diese Ski-Geometrie bewirkt zu einem Teil natürlich den größeren Kurvenradius. Darüber hinaus gibt es aber weitere Gründe für diese Konstruktion. Zum einen macht die geringere Schaufelbreite den Ski in der Schwungeinleitung weniger aggressiv als z. B. einen Slalom-Ski.

Mehr als nur ein Radius

Die Hersteller verwenden bei den RS-Ski teilweise einen durchgehenden Radius. Hier zeigt sich die Geometrie des Skis als Teilsegment eines Kreisbogens. Es gibt aber auch Konstruktionen mit zwei oder drei verschiedenen Radien, die über die Skilänge fließend ineinander übergehen. Die Experten sprechen hier von Spline. So liegt der Radius im Schaufelbereich beispielsweise bei 20 Metern, um eine gemäßigtere Schwungeinleitung zu ermöglichen, also den Ski nicht ganz so aggressiv zu machen. In der Skimitte liegt der Radius dann bei ca. 18 Metern. Damit soll im Schwung verstärkt Druck aufgebaut werden. Während der Radius von 17 Metern am Skiende einen schnellen Kantenwechsel unterstützen soll. Diese feinen Unterschiede sind mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen, machen sich auf der Piste aber bemerkbar.

Im Vergleich zum Slalom-Ski zieht der RS-Ski dank seiner Geometrie ruhiger und leichter kontrollierbar in die Kurve, was angesichts der teilweise sehr hohen Geschwindigkeiten eine angenehme Eigenschaft ist, die der Sicherheit zugute kommt. Zum anderen müssen RS-Ski eben wegen der höheren Geschwindigkeiten, insbesondere auch in der Kurve, über eine größere Laufruhe und vor allem Torsionssteifigkeit verfügen. Ein weniger breiter Ski ist bei sonst gleichem Materialeinsatz grundsätzlich verwindungs- also torsionssteifer. Diese höhere Torsionssteifigkeit ist notwendig, um auch bei großer Geschwindigkeit mit entsprechendem Druck auf den Ski und die Unterlage sicher die Spur halten zu können. Mit zunehmender Härte der Unterlage und der Geschwindigkeit wird dieser Faktor immer wichtiger.

Um die ausgeprägte Torsionssteifigkeit und hohe Laufruhe zu erreichen, erhalten diese Sportgeräte im Vergleich zum Slalom-Ski etwas stärkere Titanal- oder Karbon-Einlagen über und unter dem Kern. Der Kern selbst besteht wie bei den Slalom-Ski aus vielfach verleimten Holzschichten. Manche Hersteller verwenden für SL- und RS-Ski den gleichen Kern. Andere, wie z. B. Völkl, erhöhen beim RS-Ski den Esche-Anteil und verbauen dafür weniger Pappelschichten als im SL-Ski. Der Grund dafür: Die stabile, harte Esche macht den Ski laufruhiger und torsionssteifer, die Pappel erhöht die Rücksprungkraft und Spritzigkeit. Die genaue Zusammensetzung ihrer Holzkerne hüten die Skihersteller als großes Geheimnis, da in deren Entwicklung eine jahrzehntelange Erfahrung steckt.

Naturmaterial für HiTech-Ski

Bislang wurde noch kein Material gefunden, das im Skibau an die Leistungs-fähigkeit des Naturmaterials Holz herankommt. Die Skifirmen haben mit verschiedensten Kunst- und Verbundstoffen experimentiert – bislang bleiben die Erfolge aber hinter dem Leis-tungsvermö-gen von Holz zurück. Dabei wären die Hersteller nicht unglücklich, über 100 Prozent reproduzierbare Ski-Kerne zu verfügen, deren Charakteristika sich am Computer exakt definieren und steuern lassen, um sie anschließend entsprechend exakt maschinell herstellen zu können. Denn Holz ist ein Naturmaterial, nie völlig gleich, nicht auf jede Kommastelle berechenbar. Gerade deshalb ist die Erfahrung in diesem Bereich ein wichtiges Gut, das die Hersteller in Händen halten und nur durch viel testen und ausprobieren weiter entwickeln können.

Die Rede war bislang von den RS-Ski, die in den Verkauf kommen. Die Original-Rennski, die im Weltcup zum Einsatz kommen, unterliegen dem strengen Reglement der FIS, das für Herren einen Mindestradius von 27 Metern vorschreibt. Bei den Damen sind es 23 Meter. Im Renneinsatz liegen die tatsächlich verwendeten Geometrien bei Radien zwischen 25 und 26 Metern bei den Damen, während die Herren auf 29 Meter setzen, wobei es zwischen den Marken und von Fahrer zu Fahrer Unterschiede geben kann.

Die FIS ist gerade dabei, für die Riesenslalom-Saison 12/13 bzw. 13/14 deutlich größere Radien vorzuschreiben. Bei den Männern soll es Richtung 35 Meter, bei den Damen Richtung 30 Meter gehen. Damit kommt man in die Nähe der Werte aus der Vor-Carving-Ära. Entsprechend groß ist der Widerstand von Seiten der Hersteller und der Athleten. Die FIS argumentiert mit Sicherheitsgründen. Der Aufstand von Skifirmen und Athleten hat schon erste Wirkung gezeigt, denn ursprünglich plante die FIS gar Radien von 40 Metern. Solche Werte wiesen die Ski von Ingemar Stenmark und seinen Kollegen auf.

Auf die Ski, die im Verkaufsraum stehen, werden diese möglichen Regeländerungen keine Auswirkungen haben. Wir können uns weiterhin auf flotte Race-Carver mit Radien um die 20 Meter freuen. <<<

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Zwei Titanalgurte (im Bild gelb) über und unter dem Holzkern sorgen für die nötige Tosionssteifigkeit und Laufruhe der Riesenslalom-Ski.
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Die Graphik auf der linken Seite zeigt, dass der Radius dieses Skis auf einem Kreisbogen basiert. Die Graphik rechts zeigt einen Ski, dessen Geometrie auf drei unterschiedlichen Radien basiert, wobei die Übergänge fließend sind.

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