Leichtbau-Ski: Gelungener Spagat

Skifirmen setzen zunehmend darauf, Dynamik und Komfort unter einen Hut zu ­bekommen. Dieses Konzept geht immer besser auf, wie die aktuellen Modelle zeigen. Wir haben den Praxistest gemacht.

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Wer Ski mit niedrigem Gewicht und sportlichem Charakter sucht, wird bei immer mehr Herstellern fündig. Rossignol ist mit der mehrfach ausgezeichneten „Air Tip“-Technologie (u. a. ISPO Innovations-Award) am Markt, mit der beispielsweise die Modelle der All-Mountain-Produktserien ­„Experience“ und „Temptation“ ausgestattet sind.
© Blake Jorgenson, Voelkl, K2, Salomon

Text: Florian Tausch

Nachdem sich die Aufregung um das Thema Rocker etwas gelegt und sich diese Konstruk­tionsform als eine feste Größe im Skibau etabliert hatte, gab es oberflächlich betrachtet in der Branche keinen ­Mega-Trend mehr. Wer sich aber ­intensiv mit den Kollektionen der ­letzten drei, vier Jahre beschäftigt, kann recht schnell das Thema aus­machen, das in den Entwicklungs­abteilungen der Skihersteller ganz oben auf der Agenda stand: Leichtbau. Dies ­wurde – ganz wie beim Rocker – zunächst durch den Touren- und Freeride-Boom getrieben, die breiten Freeride-Ski sollten bei Aufstiegen nicht wie Klötze an den Füßen hängen. Und auch im Damenbereich war es seit Längerem wichtig, viel Fahrspaß und wenig ­Gewicht anbieten zu können.

Leichtes Vergnügen

Mittlerweile ist der leichte Trend auch auf alle anderen Bereiche übergeschwappt. Dabei hat sich die Zielsetzung etwas gewandelt: Bei Tourenski ging es zunächst nur um das Gewicht als solches. Bei den modernen Pistenski wird Leichtbau hingegen vor allem dazu eingesetzt, den Ski spielerischer, leichtgängiger, komfortabler und dadurch weniger kraftraubend zu machen. Dabei geht es nicht nur darum, hier und dort ein paar Gramm zu sparen. Vielmehr steht im Fokus, schwerere und leichtere Materialien im richtigen Verhältnis zu mischen, um den Brettern gleichzeitig eine sportliche Performance und ein komfortables Handling zu verleihen. Dabei ist nicht nur das Verhältnis entscheidend, sondern auch die Positionierung innerhalb des Skis. Rossignol und Salomon verwenden beispielsweise – zunächst bei Freeride-Ski, jetzt auch bei Pistenmodellen – sehr leichtes, wabenförmiges Strukturmaterial an Skispitzen und -Enden. Damit wird das Schwunggewicht deutlich reduziert, wodurch sich der Ski einfacher drehen lässt. Auch K2 platziert bei der Konic-Technologie schwerere Materialien (Hölzer und Metall-Laminate) genau an den Stellen, die für die Kraftübertragung relevant sind – der Rest erfolgt in Leichtbau. Head brachte in der letzten Saison mit Graphen das härteste und gleichzeitig leichteste Material der Welt in den Skibau. Zunächst in Lady-Ski, seit dieser Saison auch in zahlreichen All-Mountain-Modellen.

Straubing reloaded

Auch Völkl hat schon früh diesen Trend geprägt. 2012 brachten die Straubinger ihre V-Werks-Modelle an den Start, die für ihren innovativen Materialmix und die damit verbundene Gewichtsersparnis von 20 Prozent den ISPO Award erhielten. Schon die V-Werks-Serie basier­te auf etablierten Völkl-Modellen – so gab es den V-Werks RTM, den V-Werks Code und den V-Werks Katana. Das Konzept scheint aufgegangen zu sein, denn in diesem Jahr fahren die Niederbayern eine ganz ähnliche Schiene: Die neu aufgelegte Serie nennt sich „Efficiency“. In dieser Linie hat Völkl drei seiner Topmodelle ein spezielles Tuning verpasst, das dem Namen Rechnung tragen soll: Der Racetiger SC UVO, der Code UVO und der RTM 81 wurden auf ein effizienteres – sprich komfortableres – Fahrverhalten hin optimiert, und zwar durch ein etwas weicher abgestimmtes Flexverhalten und durch die Verwendung leichterer Materialien. Diese finden sich nicht nur im Ski wieder, auch die Bindung wurde mit der Maßgabe der Gewichtsreduktion überarbeitet. Gut, dass man mit Marker einen eigenen Bindungshersteller im Hause hat.

Was bringt’s?

Wir haben am Stubaier Gletscher den Test gemacht und uns ein Modell der Efficiency-Serie unter die Füße geschnallt. Natürlich sollte es der Racetiger sein, denn bei diesem Ski stellte sich für den Hersteller sicher die größte Herausforderung, den hochsportlichen Charakter trotz der Gewichtsersparnis zu erhalten. Der ­erste Griff nach dem Ski wurde gleich zum Aha-Erlebnis: Die Gewichtsersparnis ist schon beim Tragen deutlich spürbar. Aber kann ein so leichter Ski von der Leistung her an die satt im Schnee liegenden Performance-Modelle heranreichen? Ein paar Schwünge, und schon verflogen alle Bedenken, dass der „Renn-Tiger“ zu einem „Renn-Kätzchen“ mutiert sein könnte. Wie das Original überzeugt das Efficiency-Modell durch seine sportlichen Gene. Der Ski sitzt bombenfest auf der Kante, und nach einem flinken Wechsel lenkt die Schaufel ohne Umschweife mit Schmackes in die nächste Kurve ein. Das alles geht unglaublich spielerisch von der Hand und vermittelt allerfeinstes Carving-Feeling. Die Vorgabe an Völkls Entwicklungsingenieure lautete ganz klar: „Macht den Ski so komfortabel wie möglich, ohne dass er seine typische Racetiger-Charakteristik einbüßt“ – und nicht: „Baut einen Komfort-Ski mit sportlichen Eigenschaften“. Uns gefällt dieser Ansatz. Gerade für leichtere oder konditionell nicht ganz so starke Fahrer, die trotzdem ausgesprochen sportlich unterwegs sein wollen, ist ein Modell wie der Racetiger SC UVO Efficiency eine hervorragende Wahl. Ebenso natürlich für alle ambitionierten Ski-Fans, die den ganzen Tag in höherem Tempo Carvingschwünge aneinanderreihen und trotzdem hinterher nicht wegen Erschöpfung das Après-Ski sausen lassen wollen. Sprich: Die meisten sportlichen Skifahrer werden an den Efficiency-Modellen ihren Spaß haben. Wir sind gespannt, was für Modelle uns diese Ski-Entwicklung noch ­bescheren wird …

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Holzkern, Titanal und carbonunterstützte Wabenkonstruktion, der Salomon X-MAX besticht durch niedriges Gewicht und hohe Torsionssteifigkeit.
© Blake Jorgenson, Voelkl, K2, Salomon

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 02 / 2016

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