Perfekte Pflege

Wenn die Saison vorbei ist, landen Ski und Stiefel meist im Keller. Doch bevor es dorthin verschwindet, sollten Sie dem Material eine letzte Pflege angedeihen lassen – damit es in der nächsten Saison wieder seinen großen Auftritt auf der Piste haben kann

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Text Rainer Bommas Bild Holmenkol, Nordica

Wenn schon morgens sulziger Nassschnee das Skifahren zur kraftraubenden Prozedur macht und immer mehr freiliegende Steine das Skifahren zum Tanz über die Schneereste machen, ist die Skisaison endgültig passé. Ski und Skischuhe verschwinden in den Keller und sind bis zum nächsten Winter aus den Augen und meist auch aus dem Sinn. Doch Vorsicht: Wer sein Material nach der Saison direkt vom Autodach in den Keller packt, könnte diesen Fehler beim kommenden Saisonstart bitter bereuen. Das edle Material verlangt nach Pflege, denn rostige Kanten, ausgetrocknete Beläge, korrodierte Bindungen und schimmlige Skischuhe sind nicht gerade das, was sich Skifahrer in der nächsten Saison erträumen. Doch genau das kann passieren, wenn man sein Material nach der letzten Abfahrt einfach in den Keller stellt.

Hier ein paar Tipps, was Sie machen sollten, bevor Ihre Ausrüstung in den verdienten Sommerschlaf darf.

Skiservice nach dem Finale

Am besten bringen Sie ihre Ski nach der letzten Abfahrt zu Ihrem Sporthändler und lassen Belag und Kanten den nötigen Service angedeihen. Damit haben Sie zum nächsten Saisonstart nicht nur perfektes Material zur Hand und können jederzeit bei ausreichender Schneelage loslegen – ein kompletter Service ist gleichzeitig auch die beste Voraussetzung, dass Ihre Ski perfekt durch den Sommer kommen, eine trockene Lagerung vorausgesetzt. Am besten sagen Sie Ihrem Händler, dass Sie den Ski übersommern wollen. Die eine „Fraktion“ der Service-Leute wird den Ski mit Temperaturen von bis zu 140° C zuwachsen und die abgezogene Kante dann einölen. Die andere Gruppe wird den Ski bei einer etwas niedrigeren Temperatur mit einem Grundwachs behandeln, das finale Abziehen jedoch unterlassen, damit die geschliffene Kante unter der Wachsschicht versiegelt wird. Unser Vorschlag: Mit niedrigerer Temperatur wachsen und die Kante unterm Wachs übersommern. Wer doch lieber mit hohen Temperaturen von über 100° C arbeitet, sollte die Kante auf jeden Fall abziehen und einfetten, da sich durch die hohe Temperatur unter dem Wachsfilm auf der Kante Kondenswasser bilden und das Metall darunter rosten kann.

Welche Art man auch immer bevorzugt: Auf jeden Fall sollte der Vorgang zunächst zwei, drei Mal wiederholt und jeweils das überschüssige Wachs abgezogen werden. Denn mit diesem werden auch Schmutzpartikel aus dem Belag entfernt, die durch die Behandlung nach oben gezogen werden. Außerdem kann das Wachs so über den Sommer sehr tief in den Belag einziehen. Damit bieten Sie Ihrem Ski einen lang anhaltenden und wirksamen Schutz, der auch noch weit in die kommende Saison hinein nachwirkt.

Natürlich kann man diese Prozedur auch selber vornehmen, z. B. mit einem alten Bügeleisen. Aber Vorsicht: Dieses weist ziemliche Temperaturschwankungen auf und kann auch nicht so genau eingestellt werden. Besser ist ein spezielles Wachsbügeleisen, das es von Anbietern wie Toko oder Holmenkol im Sporthandel zu kaufen gibt.

Bindung liebt Fett Eine funktionierende Sicherheitsbindung erhöht nicht nur den Fahrspaß, sondern schützt auch vor Verletzungen. Damit das auch in der nächsten Saison so ist, können Sie Ihrem Vorderbacken und Fersenautomaten etwas Gutes tun. Wenn der Ski aus dem Service kommt, sprühen Sie die beweglichen Teile Ihrer Bindung mit einem speziellen Bindungsspray ein, Mittel wie Caramba oder WD40 tun es aber auch. Dadurch schützen Sie die aufwendige Mechanik vor Korrosion, Feuchtigkeit wird verdrängt.

Neues Fett müssen Sie aber nicht in die Bindung pressen. Die werksseitige Ausrüstung reicht für ein normales Bindungsleben vollkommen aus. Bitte nicht vergessen: Einmal pro Jahr die Bindungseinstellung und die Skischuh-Sohle im Fachgeschäft überprüfen lassen.

Skischuhe mögen’s dunkel

Auch beim Thema Skischuhe gibt es einiges zu beachten. Klar, dass die Innenschuhe vor dem Einkellern rausgenommen und getrocknet werden. Schließlich zählt Schimmel nicht zu den Bewohnern, die man gerne in seinen Boots hat. Sind die Innenschuhe also gut getrocknet, gelüftet und wieder korrekt in der Schale platziert, sollten Sie die Skischuhe locker schließen, damit sie im kommenden Herbst weiterhin in Form sind. Ganz wichtig: Die Stiefel an einem trockenen und vor allem dunklen Platz übersommern lassen. Sonnenlicht, insbesondere UV-Strahlen sind nämlich des Kunststoffs größter Feind und beschleunigen seine Alterung enorm.

Apropos Alterung: Skischuhe sollten allerspätestens nach etwa acht Jahren ausgetauscht werden. Denn die Zeit macht den Kunststoff spröde und brüchig – und das zunächst unsichtbar. Die Kunststoff-Schale der Skischuhe muss ziemlich extremen Bedingungen trotzen, das kann von Temperaturen zwischen –40°C bis +30°C reichen, gleichzeitig muss das Material in bestimmten Bereichen flexibel, an anderen Stellen sehr hart sein. Da normale Kunststoffe solchen Anforderungen nicht gewachsen sind, arbeitet die Skischuh-Industrie mit Zusätzen. Diese sind – ebenso wie der Kunststoff selbst – einem Alterungsprozess unterworfen, und zwar umso schneller, je öfter der Schuh im Einsatz ist. Aber auch in Ruhe altert das Material. Hauptursache dafür sind die Hydrolyse, also der Zerfall der Kohlenstoffe sowie Mikrobenbefall. Wenn die Farbe verblasst, schwarze Schalen einen Grauschleier bekommen oder weiße Boots vergilben, wird es höchste Zeit, sich Gedanken über einen Neukauf zu machen.

Der Zerfall droht

Ab dem 8. Jahr nach der Produktion können kleine, nicht sichtbare Risse in der Schale entstehen. „In der Folge ist ein Auseinanderbrechen des Schuhs ohne Vorankündigung möglich“, sagt Armin Hoch von der Serviceabteilung Hartware bei Tecnica, Nordica und Lowa in Deutschland. Dabei sei die Materialveränderung von außen nicht sichtbar. Das Produktionsjahr der Skischuh-Schale ist übrigens innen eingeprägt und wie ein TÜV-Stempel am Auto zu lesen.

Natürlich hat man am Ende der Saison wenig Lust, sich die Arbeit zu machen, das Skimaterial zu pflegen und perfekt einzulagern. Doch der Aufwand lohnt sich. Spätestens zum Start der neuen Saison freut man sich, wenn man mit perfektem Material direkt auf die Piste kann, wenn überraschend schon etwas früher der erste Schnee gefallen ist. Merke: Nach der Saison ist vor der Saison. <<<

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