Reine Formsache

Damit der Ski auf der Piste so richtig in Fahrt kommen kann, benötigt der Belag eine entsprechende Struktur. Diese ist sogar wichtiger als das Wachs, denn nur sie macht den Ski am Ende schneller, drehfreudiger oder spurstabiler. Das weiß auch ein professioneller Skiservice. doch welche Struktur benötigt ein Ski eigentlich? In unserem dritten Teil zum Thema Skiservice durchleuchten wir die Struktur des Skibelags ein wenig intensiver.

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Runde Sache: Drei Mal wird der frische Belag geschliffen, im Anschluss wird der Ski gewachst.

Text: Astrid Schlüchter

Feine Linien, versetzte Strukturkombinationen oder doch lieber das gängige Kreuzmotiv? Die meisten Skifahrer machen sich über die Struktur des Skibelags nicht wirklich Gedanken. Generell sollte er schwarz und so glatt wie ein Babypopo sein, damit dieser so wenig Reibung wie möglich mit der Schneeoberfläche generiert. Am Ende zählt schließlich nur eins: dass der Ski gut auf der Piste liegt, schnell gleitet, dabei spurstabil bleibt und sich, wenn möglich, auch noch besser lenken lässt. Eigenschaften, die sich jedoch mit der Struktur des Belags verschlechtern oder verbessern lassen. Beim professionellen Skiservice gehört der Punkt „Strukturschleifen“ deswegen auch zu einem wichtigen Standard. Doch worauf kommt es eigentlich an? Wie kommt die Struktur auf den Belag, und welche Strukturen werden in der Regel unterschieden? Das Skimagazin hat beim Ski- und Boardtuningexperten Reichmann nachgefragt und Antworten auf die wichtigsten Fragen bekommen  ...

Warum wird eigentlich eine Struktur in den Belag ­geschliffen?

In erster Linie dient die Struktur dazu, den Ski schneller zu machen. Je nach Schneetemperatur werden dann sehr feine Rillen (kalter Schnee) oder sehr grobe Rillen (nasser Schnee) eingeschliffen – und natürlich das gesamte Spektrum zwischen diesen beiden Extremen. Der zweite Grund ist, dass man mit der entsprechenden Struktur den Ski drehfreudiger oder spurstabiler machen kann. Dann wirken die Einschnitte wie kleine Führungsrillen.

Welche Belagsstrukturen unterscheidet man?

Lineare Strukturen: Sie entstehen durch sehr feine, geradlinige Schnitte, die immer überlagert geschliffen werden müssen. Kreuzstrukturen: Am meisten werden solche diagonalen Strukturen verwendet. Sie haben eine optisch diagonale Querstreifung, die in einem bestimmten Winkel über den Belag verläuft. Einsatzgebiet: Riesenslalom- und Slalomski

Tipp vom Profi:

Kurze Schnitte haben eine bessere Grundbeschleunigung; längere Schnitte steigern sich bei höherer Geschwindigkeit.

Versetzte Strukturen: Es gibt eine Vielzahl „versetzter“ Strukturkombinationen, die mittels Steinschliff oder manueller Struktur-werkzeuge hergestellt werden. Diese variieren bzgl. Gleit- und Dreheigenschaften.

Welche Struktur für ­welchen Schneetyp?

Feine Strukturen: bei frischem, feinkör­nigem Schnee und Kunstschnee

Mittlere Strukturen: bei feinkörnigem, transformiertem älterem Schnee

Grobe Strukturen: bei grobkörnigem Schnee und Nassschnee.

Je nach Struktur bzw. Kombination der Strukturtypen verändern sich also die Anwendungen und Eigenschaften der Ski.

Grundregel: Je kälter der Schnee, desto feiner die Belagsstruktur, je wärmer der Schnee, desto gröber die Belagsstruktur.

Tipp:

Achtung, je gröber die Struktur, umso schwerer ist der Ski zu drehen. Im Zweifelsfall immer die feinere Struktur verwenden.

Wie kommt die Struktur in den Belag?

Ab Werk hat jeder Ski eine universelle Struktur, die für die meisten Schneebedingungen ausreichend ist. Wird der Ski später beim Service-Profi nachgeschliffen, wird ebenfalls eine Universalstruktur eingeschliffen. Dabei werden mit einem Diamanten spezielle Rillenmuster in den Schleifstein geschnitten, die sich dann auf den Skibelag übertragen. Die Struktur am Schleifstein ist das Resultat aus verschiedenen Parametern, etwa: Steindrehzahl, Diamant-Abziehgeschwindigkeit und Zustelltiefe.

Für welche Struktur ­entscheidet sich der ­Skiservice?

Welche Strukturen der jeweilige Servicemann zu Verfügung hat, ist abhängig von der Maschine, die er einsetzt. Generell werden Ski mit einer feinen, linearen Struktur versehen, da sich damit die Ski am einfachsten drehen lassen.

Kann ich mir im Vorfeld eine spezielle Belagsstruktur wünschen?

Hier sollte man sich in jedem Fall im Vorfeld beim entsprechenden Händler erkundigen, welche Strukturen in den Belag eingearbeitet werden können.

Könnte ich Belagsstrukturen auch selbst erzeugen?

Theoretisch ja. Früher, als es die Steinschleifmaschinen noch nicht gab, konnte man mit grobem Schleifpapier Längsrillen in den Belag ziehen. Das hat allerdings den Nachteil, dass viele kleine ­abstehende ­Fasern entstehen, die den Ski wieder ­bremsen. Also gleich wieder vergessen und zum Fachmann gehen.

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Kompakt: Die Skischleif­maschine „Profi 4“ aus dem Hause Reichmann.

Kurz und knapp:

Folgende Arbeitsprozesse werden bei einem guten professionellen Skiservice durchlaufen:

• Skiannahme, Beurteilung, Kundenempfehlung

• Rücksetzen Seitenwange

• Seitenwange im Bereich Tip & Tail entrosten

• Seitenkante für Endwinkel vorschleifen

• Belag reinigen (entwachsen/entfetten)

• Belag aufschmelzen

• Belag planschleifen

• Unterkante abhängen

• Belag planschleifen (Reststruktur entfernen)

• Belag glätten

• Belag strukturieren

• Seitenkanten schleifen (87–90 Grad)

• Unterkante schleifen (Tunen, 0,75–1 Grad)

• Belag wachsen

• Struktur ausbürsten

• Qualitätskontrolle/Bearbeitungserfolg (Zustand, Restgrat)

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 01 / 2017

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