Service: Ski-Apps – Wintersport-Apps – Fluch oder Segen?

Es wäre ein leichtes, einen Schneesport-App-Test mit einem allgemeinen Verriss und der Plattitüde einzuleiten: „Wer braucht schon sein Smartphone beim Skifahren mit Freunden in der wunderbaren Natur?“ Nun, zumindest einige von uns brauchen es. Unser Autor Akki Bruchhausen erklärt die Faszination und berichtet von seinen Erfahrungen

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Der erste Grund, der für Ski-Apps spricht, ist einfach: Ein Skiurlaub ist etwas Besonderes – und das Besondere wollen wir mit Freunden und Bekannten auch teilen. Zugegeben: Als „Digitaler Immigrant“ wundere ich mich tatsächlich noch immer über meine „Freunde“, die mir täglich über soziale Netzwerke mitteilen, 4,32 km in 38 Minuten gelaufen und zwischen 17:50 und 19:15 im Fitness-Studio gewesen zu sein. Doch die Resonanz ist groß, die Leute posten, teilen, liken und lesen. Also warum nicht auch im Urlaub am Berg sein Smartphone nach allen Regeln der Kunst nutzen? Zumindest solange der Akku reicht …

Dass das kleine Ding so unendlich viel kann, ist ein weiterer Grund: Es hat GPS, kann triangulieren und sogar G-Kräfte, Hangneigungen und Rotationen messen. All das ohne eine Verbindung zum Internet. Dies kombiniert mit den unendlichen Informationen im Netz, lässt erahnen wo dies hinführt. Die Erfinder er-finden, die Entwickler entwickeln und die App-Glücksritter, die nach dem goldenen Wurf suchen, werfen. Da selbst das kleinste Skigebiet mittler-weile seine App will, kommen zu den mehr als 1 Mio. der Programme bei Google und Apple täglich neue Schnee-Apps hinzu.

Was aber ist sinnvoll, hilfreich, Spass stiftend und kommt beim Gast an? Braucht es die „Eierlegendewollmilchsau“ – bzw. da wir in den Bergen sind, eine Wolpertinger-App? Oder ist, wie so häufig im Leben, weniger mehr?

Der Alleskönner

Die Wolpertinger-App, eine Smartphone-Komplettlösung, gibt es beispielsweise in der Salzburger Sportwelt Ski Amadé (skiamadeguide). Die App kostet nichts und bietet nahezu alles. Skigebietskarten, Liftpass-Kauf, Wetter, Webcams, Lawinenwarnungen, alle Informationen zu Unterkünften, Hütten und Pisten. Sie kann mir sogar – abhängig von meinem Skikönnen – Empfehlungen für meinen Skitag geben. Zumindest skifahren muss ich noch selber. Zusätzlich hilft die App bei der Orientierung im Skigebiet. Für letzteres braucht es jedoch eine verlässliche Verbindung zum Internet. Ansonsten kann es durchaus passieren, dass man der App folgend im falschen Tal den Tag beendet. Aber auch dafür hat die Sportwelt eine Lösung. 250 Hotspots von Altenmarkt bis Zauchensee sollen für immer aktuelle Angaben sorgen. Das taten sie auch fast immer. Leider nur fast – aber solange es sonnig ist und ausreichend Zeit zur Verfügung steht, mag man darüber hinwegsehen.

Als ich meine Tageskilometer am Nachmittag stolz meiner Facebook-Community posten wollte, musste ich feststellen, dass mein Akku leer war. Naja, kein Wunder, W-LAN-Suche den halben Tag kostet schon etwas Energie. Abends im Restaurant, dessen Bewertung ich in einer darauf spezialisierten App gefunden habe, diskutierte ich die Frage, was so ein Programm können muss. Die Meinung war einhellig: Eine App ist keine Internetseite und sollte kompakt, übersichtlich und einfach zu bedienen sein. OK, dann ist die obige App wohl eher keine, sondern eine mobile Webseite im Kostüm einer App. Ob eine Region solch eine eigene, teure und lokal begrenze App tatsächlich braucht, obliegt den Verantwortlichen. Schlussendlich trägt wohl der Gast die Kosten, auch wenn die Nutzung der App kostenlos ist.

Eine für alles

Nun will ich aber Apps ausprobieren, die in allen Skigebieten einsetzbar sind, und die mich durch meinen Skitag begleiten und diesen doku-mentieren. Es geht also um Tracking-Apps. Schnell stelle ich hier die gravierendsten Unterschiede der drei bedeutendsten deutschsprachigen Marktteilnehmer fest.

Skiline sei hier nur kurz erwähnt. Es erscheint mir zu profan, nur meine Liftkartennutzung am Drehkreuz des Lifteinstiegs für ein Tracking zu nutzen. Da können noch so viele Messstationen aufgebaut werden. Die Lösung bleibt ungenau und technologisch rückständig. Das Smartphone hat ja alles, was ich brauche. In diesem Fall „GPS“. Dass Skiline dann am heimischen PC meine gefahrenen Höhenmeter ausweist, ist durchaus sinnvoll und logisch. Ob ich aber eine schwarze, kurze und steile Piste oder den blauen Ziehweg hinten rum gefahren bin, bzw. ob und wie lange ich stehen bleibe und pausiere, bleibt leider unberücksichtigt. Ebenso weiß die App nicht, ob ich nicht mit Fellen zusätzliche Höhenmeter gemacht habe. Dadurch sind die interessanten Werte, wie Pistenkilometer oder Geschwindigkeiten unrealistisch und reine Augenwischerei. Fazit: Wer Durchschnittsgeschwindigkeit und gefahrene Kilometer ernst nimmt, sollte eine andere App nutzen.

So bleiben eigentlich nur zwei „echte“ Apps übrig. Zum einen die des österreichischen Verbandsbosses, Herrn Schröcksnagel, und die der alpenfernen Entwickler aus Mainz. iSki Tracker und MAPtoSNOW sind beide gratis und tracken den Skitag mittels GPS in Echtzeit. Ich kann also im Sessellift oder in der Mittagspause jederzeit meine gefahrenen Höhen-meter, meine Durchschnitts- und Spitzengeschwindigkeit oder Pisten-kilometer anschauen und vergleichen.

Der iSkiTracker der österreichischen Entwickler ist etwas hasselig bei der Anmeldung, aber dann durchaus benutzerfreundlich. Lediglich einige Kleinigkeiten stören. So würde ich gerne auf „Pause“ drücken, wenn ich eine solche mache. Und in die Durchschnittsgeschwindigkeit die Lift-fahrten einzurechnen, erschließt sich mir ebenfalls nicht. Dass ich meine Skitage in einem Tagebuch speichern kann und sogar meine Freunde im Skigebiet mittels der App finden kann, finde ich dagegen durchaus gut. Zusätzlich gibt es in den 20 Partnerskigebieten Rankings, die meine Leistung mit der der anderen Gäste vergleicht. Alles in allem eine kompakte und fokussierte App, die jedoch ab Tag drei etwas lang-weilig wird, da mir das Tracking keine wirklich neuen Informationen (mehr) liefert.

Mehrwert schaffen

MAPtoSNOW dagegen wird mit seiner zusätzlichen „Gamification“ nicht langweilig. Aber der Reihe nach. Die App der Mainzer Jungunter-nehmer trackt nicht nur meinen Tag in allen Skigebieten (aktuell 1.000), sondern dokumentiert auch in einigen Gebieten meine erreichten Gipfel und Aussichtspunkte. Die Partnerskigebiete nutzen diese Funktion für Schnitzeljagden oder für pfiffige Führungen durchs Gelände. Ob der Nutzer dieser – nebenbei bemerkt: akkuschonendsten – App, die Batches (Pins) für seine Leistungen inklusive motivierender Texte mag, muss jeder für sich entscheiden. Die Belohnungen (Coupons) hinter einigen dieser Batches, die in den Partnerskigebieten verborgen sind, machen jedenfalls Spaß. Wer freut sich nicht über ein gratis Nussgipfeli oder einen kostenlosen Wachsservice. Für alle unter uns, die sich gerne mit anderen messen, hält MAPtoSNOW noch etwas Besonderes bereit. Eine Vielzahl an Wettbewerben, bei denen es attraktive Preise zu gewinnen gibt. Der Aufwand solche Wettbewerbe für die User zu organisieren ist sicher nicht gering. Auch wenn werbliche Zwecke dahinter stecken, so haben die Wettbewerbe und die viele Preise ihren Reiz. Erst recht, da sie nicht einfach auf Höhenmeter oder Geschwindigkeiten abzielen.

Alles in allem bin ich sehr gespannt, wohin die Reise der Wintersport-Apps geht. Schlussendlich entscheidet nur der User, ob ein solches Angebot gut oder schlecht ist. Akki Bruchhausen

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 03 / 2014

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