Wohin laufen die Ski?

Es tut sich was bei den Brettl-Schmieden. Neue Technologien, Konzepte und Trends drängen auf den Skimarkt. Wir haben die Firmen gefragt, worauf wir uns im kommenden Winter freuen können

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Text Eveline Heinrich-Kaindl BILD DIETER MENNE, Hersteller, PRIVAT

Welche Innovationen werden Sie in der aktuellen Saison in den Handel bringen?

Tom Rakuscha – Blizzard

Unsere intelligente Dämpfungstechnologie „IQ – Power Full Suspension“ reduziert mittels eines Öldruckstoßdämpfers unerwünschte Schwingungen und verbessert den Fahrkomfort deutlich. Außerdem sorgen die mit dem Stoßdämpfer verbundenen „Carbon-Power-Boost“-Streben für gleichmäßige Kraftaufnahme auf der gesamten Länge des Skis. Für den Skifahrer sind verbesserte Laufruhe, schneller Kantengriff und damit ein präzises Fahrverhalten auch bei starken Schlägen deutlich spürbar. Mit diesen Technologien hat unser Modell „R-Power Full Suspension IQ“ in der Kategorie Hardware Ski den European Ski Award 2010 gewonnen.

René Harrer – Head

Zum einen „KERS“ (Kinetic Energy Recovery System), ein Chip im Ski, der die Energie speichert, die entsteht, wenn der Ski durchgebogen wird, und dann am Kurvenende freigibt. Der Ski beschleunigt also aus der Kurve heraus. Die Technik wurde aus der Formel 1 übernommen und ist in den Rennmodellen bis zur „Super-Shape“-Linie eingebaut. Zum zweiten die „Flow Ride“-Technologie in den Allmountain-Ski, eine Art automatisches Rocker-System. Zwei Längsstabilisatoren ermöglichen Drehfreudigkeit und Laufruhe beim Pistenfahren und abseits der Piste eine Art Rocker-Bonus und besseren Auftrieb.

Andrea Tiling – K2

Als Vorreiter in Sachen Rocker präsentiert K2 die „Baseline“-Technologie über alle Ski-Serien. Baseline ist eine Kombination aus Vorspannung und Rocker. Außerdem ersetzt die komplett neue Allmountain-Serie „AMP“ die Apache-Serie. Als weitere Neuheit kombinieren neue Hybritech-Seitenwangen die Kraft und Sportlichkeit einer Seitenwangen-Konstruktion mit der Haltbarkeit und Lebendigkeit einer Cap-Konstruktion. K2 wartet auch mit „Snowphobic Topsheets“, also einer schneeabweisenden Ski-oberfläche in der „BackSide“-Kollektion auf. Das verspricht Gewichtsreduktion bei aufstiegsorientierten Ski ohne Kompromisse bei der Fahrperformance. „K2 Skins“ sind Felle mit neuartigem, patentiertem Befestigungssystem für BackSide- und Factory-Ski.

Christian Pichler – Nordica

Die neue „Spitfire-EDT“-Technologie (Efficient Dynamic Technology) wurde entwickelt, um die Kraftübertragung zu verbessern. Diese Innovation, die ursprünglich bei Skischuhen angewendet wurde, gibt es nun für den neuen „Dobermann Spitfire EDT“-Ski. Eine spezielle Einlage aus Kohlenstahl, die in den Ski eingesetzt und an vier Punkten befestigt wird, liefert höheren Flex, mehr Durchschlagskraft bei der Schwungauslösung und unübertroffene Stabilität auch in extremen Situationen. Eine weitere Neuheit ist „Fire Arrow“ – das sind quasi drei Ski in einem: Eine neue Kombination aus einem modernen Frontside Sidecut, einer vielseitigen Taillierung und einem Twin Tip. Ein Ski für alle Skilehrer.

Walter Reusser – Stöckli

Mit der „Soft-Flex“-Linie bringen wir fünf Damen-Modelle auf den Markt, die in Form, Härte und Montagepunkt auf die Bedürfnisse der Frauen abgestimmt sind. Die Kategorien reichen von Allround bis Allmountain. Mit „Torsio-Tech“ in den Modellen „SX“ und „CX“ wird die Torsionssteifigkeit durch gezielte Aussparungen über die Mitte definiert: Die Torsion wird dabei über die ganze Länge verteilt.

Martin Traninger – Atomic

Wir werden unsere „D2“-Technologie überarbeiten und noch sichtbarer gestalten. Es ist sehr wichtig, Technologien so zu gestalten, dass der Endverbraucher sie sehen kann. Eine ebenfalls neue Technologie wurde in der „Nomad“-Kollektion eingeführt, die „Adaptive Camber“ bei den Allmountain-Ski: Bei Belastung werden Schaufel und Skiende leicht angehoben, was eine einfache Schwungeinleitung bewirkt und verhindert, dass der Ski verkantet. Bei aufgekantetem Ski hat man dann wieder die volle effektive Kantenlänge.

Luka Grilc – Elan

Die größte Innovation 2010/11 ist die Waveflex-Serie mit sechs Modellen, die für Piste sowie für Allmountain geeignet sind. Die Mittelbreiten der Ski reichen von 72 bis 82 mm. Wir sind auch sehr stolz auf unseren „Triglav“-Ski, der mit einem Gewicht von unter 699 Gramm und einer Mittelbreite von 66 mm der leichteste Tourenski der Welt ist. Triglav wurde mit der „Waveflex-Bridge“-Technologie entwickelt und nach dem höchsten Berg in Slowenien benannt.

Christian Lutz – Fischer

Das „C-Line“-Konzept kommt mit technischem Mehrwert: Einem „Full Carbon Jacket“, das ist eine zu 100 Prozent ummantelte Carbon-Konstruktion, und „Flowflex tune it“ zur Individualisierung, dabei können Fahrwerk und Platte auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Fahrers eingestellt werden – je nach Fahrkönnen, Pistenverhältnissen und Gewicht des Fahrers. Außerdem wird die Lochski-Technologie im Race-Bereich technisch weiterentwickelt.

Ralf Schörghofer – Dynamic

Wir bringen die „VR 77“-Serie mit Echtholzfurnier als Oberfläche, so können wir ökologisch sauberer produzieren und erreichen eine einzigartige Optik. Natürlich kommen unsere Allmountain-Modelle („VR 77 AM“) mit einem Soft-Rocker, um die Performance abseits der Piste zu erhöhen. Die Ski sind so auch auf der Piste einfacher zu drehen.

Dirk Reinhardt – Salomon

Unsere „Powerline“- und „Powerline All Mountain“-Technologien machen den Ski auf der Piste laufruhiger und stabiler, ohne ihn aber zu steif und unkomfortabel zu machen. Des Weiteren haben wir den All-Terrain-Rocker für Piste und Gelände. Dieser gemäßigte Rocker-Shape garantiert dem Ski ein leichteres Handling, leichteres Drehen auf der Piste, bei gleicher Länge und Stabilität. Zusätzlich verbessern sich der Auftrieb und die Manövrierbarkeit im Gelände.

Julia Spiesberger – Kästle

Unsere Freeride-Modelle „MX98“, „MX108“ und „MX128“ sind mit der Rocker-Technologie ausgestattet, die das Freeriden leichter, stabiler und effizienter macht. Für Ski, die ausschließlich auf der Piste gefahren werden, halten wir das Thema allerdings nicht für sinnvoll. Außerdem gehen wir stark auf das Thema Gewichtsreduktion ein: Mit „Hollowtech“ kehrt die Loch-Ski-Innovation von 1976 zurück – die Aussparung in der Schaufel verringert das Gewicht und der Ski wird so stabiler. Bei den Bindungen sparen wir Gewicht, indem wir im Hinterbacken Aluminium durch Titanal ersetzen.

Wie unterscheidet sich der amerikanische vom europäischen Skimarkt?

Julia Spiesberger – Kästle

Der Markt für Freeride- und Allmountain-Ski ist in den USA viel weiter fortgeschritten. Das Inbound-Skiing wird immer mehr von den USA auch zu uns kommen. Pisten-Ski haben in den USA eine untergeordnete Bedeutung.

Ralf Schörghofer – Dynamic

Grundsätzlich ist der Osten Amerikas aufgrund der Schneeverhältnisse mit Europa zu vergleichen. Der mittlere Westen und der Westen von Amerika verlangen nach noch breiteren Ski, die drehfreudig und leicht zu fahren sind. Wenn ein Design in Europa gut ankommt, funktioniert es auch in Amerika und umgekehrt.

Walter Reusser – Stöckli

Im Schnitt werden in den USA Ski gefahren, die um 10 mm breiter sind. Der Markt für Allmountain-Ski ist dort groß, was auch an den Bedingungen liegt: Der Schnee ist trockener, die Gebiete im Durchschnitt größer, es gibt mehr weichere Pisten.

Welche Bedeutung hat der Rennlauf für Ihre Marke?

Dirk Reinhardt – Salomon

Man kann auf den Rennlauf nicht ganz verzichten, da er für die Außenwirkung einer Marke wichtig ist und auch auf die Entwicklung der Pisten-Ski einen großen Einfluss hat. Der verkaufsfördernde Einfluss ist in Relation zu den Kosten, die dadurch verursacht werden, gerade in Deutschland aber eher gering.

Andrea Tiling – K2

Für K2 hat der Rennlauf seit Jahren keine Bedeutung mehr. Generell gehen wir von einer weiter stark abnehmenden Bedeutung für den gesamten Skimarkt aus. Stetig sinkendes Interesse am Rennlauf zeigt deutlich den Wandel, in dem sich der Sport befindet. Es kamen auch keine der großen Entwicklungen in den letzten Jahren aus dem Rennbereich, wie Carving, Ski mit Sidecut, Damenkategorie, Twin Tips, Allmountain oder Rocker. Der Einfluss des Rennsports auf Kaufverhalten und Abverkäufe ist entsprechend rückläufig und künftig als eher gering einzustufen.

René Harrer – Head

Head hat in den letzten Jahren durch den Rennsport eine Wende im Markenimage erfahren und sehr hohe Sympathiewerte bekommen. Wir setzen nicht auf Quantität, sondern auf Qualität und haben die Top-Stars unter Vertrag. Wir gehen das Thema jedoch „rebellisch“ an – World-Cup-Rebels ist unsere Submarke – und wollen nicht als reine Rennlauf-Marke gesehen werden, sondern auch als erfolgreiche Freeride-Marke. Mit Jon Olsen, der als Freestyler in Sotschi auch im alpinen Rennlauf starten will, haben wir ein Testimonial für diese Philosophie. Wir wollen alle Bereiche professionell abdecken.

Viel diskutiert: Die Rocker-Technologie. Wie stellt sich Ihre Marke auf diesen Trend ein? Haben Sie bereits Modelle/ Konzepte für die aktuelle Saison?

Luka Grilc – Elan

Rocker ist ein großer Trend, der aus den USA kam, wo er allerdings aufgehört hat zu wachsen, da die Leute festgestellt haben, wo er funktioniert und wo nicht. Ursprünglich begann es mit Surfbrettern, Snowboards und dann schließlich mit breiteren Ski. Anfangs waren Skier mit Rocker praktisch nicht auf präparierten Pisten fahrbar. Als Elan mit der Entwicklung des Rockers begann, hatten wir zwei Ziele: Der Trend muss speziell für den richtigen Ski entwickelt werden, wo er Sinn macht. Und wenn der Ski nicht carvt, darf nicht Elan draufstehen. Deshalb haben wir für unsere Freestyle-Segment drei Rocker-Shapes entwickelt: „back country“, „jib“ und „resort“.

Christian Pichler – Nordica

Nordica hat für die aktuelle Saison im Freeski-Bereich eine eigene Rocker-Technologie. Je nach Einsatzgebiet ist diese mehr oder weniger ausgeprägt. Im Allmountain- und Allround-Bereich bieten wir noch keine Rocker-Technologie an, hier werden wir erst noch abwarten, wie sich diese in diesem Segment bewährt.

Martin Traninger – Atomic

Wir verfolgen den Trend sehr stark. 50 Prozent unserer Range sind bereits mit einem Rocker ausgestattet. Speziell im deutschen Markt ist diese Szene sehr im Kommen.

Andrea Tiling – K2

K2 ist Vorreiter in Sachen Rocker und setzt diese Konstruktion mit der neuen Baseline-Technologie am konsequentesten um. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Rocker mit Vorspannung. Die K2-Skikollektion 2010/11 besteht zu 99 Prozent aus Ski mit Rocker-Design. Im Rahmen der Baseline-Technologie unterscheiden wir spezifische Rocker-Designs für die verschiedenen Anwendungsbereiche: All-Terrain-Rocker, Speed-Rocker, Catch-Free-Rocker, Powder-Rocker und Jib-Rocker. Die größte Bedeutung (und das größte Volumen) hat dabei der All-Terrain-Rocker. Dabei handelt es sich um die vielseitigste Baseline-Konstruktion, die bei vielen Modellen der „A.M.P.“- „T:Nine“-, „BackSide“-, „Factory“- und „Groms“-Serien zum Einsatz kommt: Eine leicht angehobene Schaufel sorgt für optimale Performance in wechselndem und weichem Schnee – genug Vorspannung unter der Bindung garantiert Präzision und Kantengriff auf eisiger Piste und hartem Schnee.

Werden sich Allmountain-, Freestyle- und Freeride-Modelle auch in Europa noch stärker durchsetzen?

Christian Pichler – Nordica

Ja, mit Sicherheit, wir sehen hier bereits jetzt jährlich eine Zunahme von über 10 Prozent. Gerade der Allmountain-Bereich wächst stetig. Der Freestyle-/Twin-Tip- Anteil wächst gerade durch ehemalige Snowboarder, die jetzt wieder auf Ski umsteigen. Freeride wird von Spezialisten bedient, die sich hier einen guten Namen in der Szene machen können.

Christian Lutz – Fischer

Der Allmountain-Trend wird auch in Mitteleuropa stärker und wird sich in den kommenden Jahren noch weiter entwickeln. Als Allmountain-Ski werden sich die Skibreiten bis ca. 80 mm durchsetzen. Der Bereich Freestyle ist als stabil anzusehen und gibt uns die Möglichkeit, den Skisport für Jugendliche wieder attraktiver zu machen. Im Erwachsenen-Bereich ist der Markt eher klein und von Nischen-Anbietern belegt.

Tom Rakuscha – Blizzard

Ich glaube ja – allerdings eher das Allmountain-Thema mit gemäßigten Mittelbreiten von rund 75 bis 88 mm. Freeride-Ski mit Mittelbreiten deutlich über 100 mm werden in Europa keine Mengenbringer werden. Interessant ist sicher die Entwicklung der breiten Twin-Tip-Ski, da auf diese vielseitigen Produkte viele, vor allem junge Leute aufspringen.

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