« Voriger Artikel   |   Nächster Artikel »

Fester Griff, aber ganz viel Gefühl

Kalte Hände sind wie kalte Füße beim Skifahren der absolute Spaßkiller. Moderne Skihandschuhe halten sie jedoch warm und trocken, verhelfen zu einem guten, kraftvollen Griff und schützen die Hand bei Stürzen. Welche Modelle dies besonders gut erfüllen, haben wir für Sie getestet

neuer_name

Text Hubert Fehr Bild Hersteller, Zanier

Hände sind sehr sensible Instrumente, feinfühlige Sensoren in den Fingern spüren Druck und Vibrationen. Über die Zusammenarbeit mit den Stöcken geben sie uns Skifahrern deutliche Rückmeldung über unsere Position auf dem Ski und das Gleichgewicht. Das gelingt aber nur, solange die Hände nicht vor Kälte starr sind.

Ein gelungener Skihandschuh sorgt also für Wärme, Trockenheit, Beweglichkeit, Griffgefühl, er schützt die Hand und passt möglichst komfortabel.

Die großen Fortschritte in der Technologie werden beim Vergleich heutiger Modelle mit den Klassikern aus Walkloden klar. Diese waren wirklich warm, aber wenn sie nass wurden, waren sie gefühlt kiloschwer. Neue Isolationsmaterialien sorgen für Wärme, Membranen sperren die Feuchtigkeit aus, neue Schnitt- und Fertigungstechnologien schaffen eine viel bessere Passform, verbessern zusätzlich die Griffergonomie. Die Hersteller passen die Form des Handschuhs meist der natürlichen Haltung der Hand an, das garantiert den festen Griff am Stock.

Auf die Größe kommt es an

Für die Passform ist vor allem die richtige Größe wichtig: Sind die Handschuhe zu weit, muss bei jedem Griff überschüssiges Handschuh-material zusammengedrückt werden, das Gefühl geht dadurch verloren. Zu kleine Handschuhe sind anstrengend, sie müssen ständig gedehnt werden, sorgen für kalte Finger, da zu wenig Raum für ein isolierendes Luftpolster bleibt. Vor allem Daumen und Zeigefinger müssen exakt sitzen, hier geben sich alle Hersteller große Mühe die Finger so auszuformen, dass sie auch ihrer taktilen Aufgabe nachkommen können.

In puncto Wärme- und Feuchtigkeitsmanagement lässt sich sagen: Je dicker die Isolierung, desto wärmer ist der Handschuh. Die Hersteller verarbeiten dafür zumeist Mikrofasern wie Primaloft oder Polyester-Gewebe, die selber keine Feuchtigkeit aufnehmen, mit ihrer flauschigen Struktur aber viel isolierende Luft halten können. Auch die Trikot-Futter, z. T. gebürstet und aufgeraut, sind nicht nur Handschmeichler, sie liefern zusätzliche Wärme. Dicker gefütterte Handschuhe sind allerdings weniger beweglich, auch wenn die Hersteller mit Schnittgestaltung und Beugezonen an den Fingern dagegenwirken.

Je dicker die Isolierung, desto stärker wird die Hand jedoch besonders bei anstrengenden Abfahrten schwitzen. Im Frühjahr hilft da nur der Umstieg auf dünnere Modelle. Skifahrer, die an den Händen sehr stark schwitzen, kommen mit membranlosen Handschuhen eventuell besser zurecht. Da das Kälteempfinden sehr individuell ausfällt – Frauen und Kinder frieren generell deutlich eher – können aber keine allgemeinen Empfehlungen gegeben werden. Es kommt auch sehr auf den Anwendungsbereich und die Einsatzzeit an.

Nässe bleibt draußen

Alle Hersteller verarbeiten zwischen der Außenschicht und der Polsterung wasserdichte Membranen, meist vom bekannten Hersteller Gore, oder verwenden funktionsähnliche Materialien. Bei den Testhandschuhen waren fast alle Handschuhe solchermaßen ausgerüstet. Diese lassen die Feuchtigkeit, die auf der Haut entsteht, in Form von Wasserdampf nach außen diffundieren, zumindest wenn nicht zu viel Feuchtigkeit im Handschuh anfällt. Ferner schützen sie nicht nur gegen die Nässe von außen, sie isolieren zusätzlich gegen die Windauskühlung.

Die Außenmaterialien bestehen aus Polyester- und Nylon-Stoffen, kombiniert mit Stretch-Einsätzen für einen komfortablen Sitz. Für die Bündchen verwenden einige Hersteller auch neoprenartige Materialien, um einen dichten Abschluss zum Ärmel hin zu erreichen. Die Oberstoffe nehmen Nässe fast gar nicht auf, müssen aber hin und wieder nachimprägniert werden, um diese Eigenschaft zu erhalten. Das besonders für die Handflächen und einzelne Finger vielfach verwendete Leder (zumeist Ziegen- oder Rindsleder), ist fast wasserundurchlässig, lässt aber Wasserdampf austreten. Auch Leder muss imprägniert werden, damit es sich nicht mit Wasser vollsaugt.

Eine interessante Lösung wie aus einem eher leichten und beweglichen Handschuh eine Version mit besonderem Kälte- und Nässeschutz wird, liefert Ziener mit dem Damen-Modell Kari AS PR DCS. Hier kann ein im Handrücken verstauter Überfäustel über die Hand gezogen werden und packt sie warm ein, die Oberfläche der Finger ist kleiner und kann nicht so auskühlen.

Alles im Griff

Ebenfalls wichtig ist das taktile Vermögen. Die gute Griffigkeit von Handflächen und Fingern besorgen weiches Leder und bei Herstellern wie Leki, Zanier und Roeckl auch Silikon-Prints. Diese punktuellen oder wabenförmigen Silikon-Beschichtungen haften perfekt am Stockgriff, die Kraft wird so sicher übertragen und die taktile Rückmeldung funktioniert. Handschuhleder haftet bereits sehr gut. Mit einer an den Zugriff-Stellen aufgerauten Struktur versehen (wie beim Mammut-Handschuh) erhält es einen zusätzlichen Grip-Bonus. Um auch auf der Piste sein Smartphone bedienen zu können ohne die Handschuhe ausziehen zu müssen, bauen Hersteller wie Roeckl oder Outdoor Research spezielle, induktive wirkende Zonen an Daumen und Zeigefinger ein, die auf dem Touch-Screen funktionieren.

In alle Testhandschuhe schlüpft man recht mühelos hinein, zumindest solange sie trocken sind. Erleichternd sind auch die sich weit öffnenden bzw. sehr elastischen Armabschlüsse und Schneefänge. Schlaufen am Bund (Scott, Mammut) helfen beim Anziehen. Den dichten und schneefreien Übergang zum Ärmel besorgen zumeist breite Klettbänder oder Kordelzüge.

Manche Modelle kommen mit spezieller Protektorenfunktion. Dann sorgen – vor allem für den Renneinsatz – stabile Polsterungen auf dem Handrücken und Fingern für den Schlagschutz an harten Torstangen. Solche Protektoren machen die Handschuhe allerdings deutlich steifer, die geringere Beweglichkeit muss man in Kauf nehmen. Auch Lekis Trigger-System gehört zu den in den Handschuh integrierten Schutzsystemen: Bei einem Sturz bleibt die Hand nicht in der Stockschlaufe hängen, eine Auslösefunktion am Stockgriff gibt die Hand frei und verhindert so die Quetschung des Daumengrundgelenks. Gegen den gefürchteten „Skidaumen“ ein wirkungsvolles Mittel.

Für unseren Test forderten wir Handschuhe für die wohl größte Skifahrer-Zielgruppe an, die Pistenskifahrer, die auch gelegentlich Off-Piste-Ausflüge unternehmen. Die Charakteristiken der gelieferten Modelle waren dann sehr unterschiedlich. So hat jeder die Möglichkeit, das für sich passende Material herauszufinden.

neuer_name

Artikel herunterladen

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat

Events

21.11 – 28.11.2020
SkiMAGAZIN Skitestwoche in Sulden