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Komfort trifft Performance

Allmountain-, Freeride. und Tourenschuhe: Die Marschroute beim Schuhkauf ist klar: Man sucht Stiefel für den speziellen eigenen Einsatzbereich. Lautet die Formel deshalb Pisten- oder Rennschuhe für Pistenfahrer und Allmountain-Modelle für Geländefreunde? Mitnichten! Denn die vielseitigen Touren- und Freeride-Stiefel können auch den Skifans, die hauptsächlich auf der Piste unterwegs sind, ein dickes Plus an Komfort bringen!

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Text: Timo Böckenhüser

Jeder kennt die Situation, sie ist der Traum eines jeden Skifahrers. Beim ersten Blick aus dem Fenster lacht einen Neuschnee an. Herrlicher, fluffiger Pulver. Das Herz schlägt direkt schneller, die freudige Erwartung an die ersten Schwünge zaubert postwendend ein Kribbeln in die Bauchgegend. Kurz darauf sehen die direkt nach dem Start des Liftbetriebs noch unverspurten Pisten aus dem Sessel fantastisch aus. Und dennoch ist etwas noch ein wenig verlockender – die Flächen neben den präparierten Bereichen, die unberührten Hänge abseits der normalen Ski-Areale: der Tiefschnee.

Und was vor einigen Jahren noch das Metier für die Cracks gewesen ist, wird inzwischen immer häufiger von „Otto Normalfahrer“ angesteuert. Der Trend im Skibereich geht klar Richtung Gelände, dementsprechend werden die Bretter immer vielseitiger, und auch die Schuhhersteller fertigen heutzutage wahre Alleskönner, vielseitig einsetzbare Allmountain-, Touren- und Freeride-Modelle, die über einige clevere Features verfügen. Doch für wen lohnen sich eigentlich solche Stiefel? Und wo liegen die Unterschiede zum sportlichen Pistenmodell? Die Antworten auf diese Fragen geben wir im vierten Teil unserer Schuhserie.

Entspannung für die Beine

Die bekannteste Sonderausstattung ist die Walk-Funktion, durch die der Schaft sich wahlweise feststellen oder lösen lassen kann. Durch den Verstellmechanismus kann dieser für mehr Komfort senkrecht gestellt und vor der Abfahrt wieder in die Skiposition, sprich in einem gewissen Vorlagewinkel arretiert werden. Der Hintergrund: Der Aufstieg am Berg wird dadurch deutlich angenehmer. Positiver Nebeneffekt: Man kann auch im Tal deutlich entspannter kurze Strecken wie etwa zur Gondel gehen und im Lift oder nach dem Einkehrschwung nachmittags beim Après-Ski quasi auf Knopfdruck in angenehmerer Position stehen, da Waden und Oberschenkel etwas entlastet werden. Zudem verfügen Allmountain-Modelle über einen angenehmeren Flex.

Eine Frage des Komforts

„Man kann es durchaus so sagen: Komfort­orientierte Genussfahrer oder Skifans, die sich in normalen Pistenschuhen beim Laufen etwas unsicher fühlen, sind mit Allmountain-Stiefeln inklusive Walk-­Mechanismus gut beraten, auch wenn sie größtenteils auf der Piste unterwegs sind“, bestätigt Martin Rotter, Inhaber des Fachgeschäfts Ski und Sport Rotter in Lippstadt. „Zudem sind Freeride- und Tourenschuhe nach vorne hin nicht so hart und verfügen über einen elastischeren Flex. Kurzum: Sie sind nicht so extrem, sondern eine vielseitige Alternative. Ganz wichtig: Man kann natürlich nie alles bekommen. Entweder eine exzellente Top-Performance für hochsportliches Fahren auf der Piste oder einen etwas komfortableren Schuh, der zwar ­etwas weicher und flexibler ist, dafür aber mit einem breiteren Einsatzspektrum glänzt.“ So lautet eine Faustregel heutzutage: Ein wirklich passender Skistiefel ist derart bequem, dass man die Schnallen selbst bei der Mittagspause nicht öffnen muss!

Deshalb raten Skistiefel-Experten wie ­Martin Rotter inzwischen eigentlich jedem, der mit dem Gedanken spielt, auch abseits der Piste unterwegs zu sein, zu einem Allmountain-Modell. Denn die heutigen Allmountain-Schuhe müssen sich wie Allmountain-Ski in Sachen Pistenperformance nicht mehr verstecken. Sie vereinen die Vorteile zweier Welten – und sind dadurch auch in puncto Sicherheit eine echte Alternative.

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Eigener Charakter: Beim Skischuhkauf sollte jeder genaue Vorstellungen haben, denn die unterschiedlichen Stiefel haben allesamt einen eigenen Charakter, sind auf bestimmte Einsatz­bereiche abgestimmt.

Ein Plus an Sicherheit

Warum? Ganz einfach. Neben dem Walk-Mechanismus verfügen viele Allmountain-Schuhe auch über eine „Walk to Ride“- (WTR-) oder Ultra-Grip-Sohle. Mit dieser lässt es sich bedeutend besser in Stiefeln laufen. Nicht nur im Gelände, sondern auch auf dem mit Eisplatten übersäten Parkplatz der Liftstation, auf der Straße, auf Treppen – die weichere, griffigere Gummiprofilsohle bietet überall mehr Grip und damit mehr Sicherheit. Man sieht also: Wer nicht eine brutal starke Performance für hochintensives, sportliches (Renn-)Fahren auf der Piste sucht, ist mit einem vielseitigeren und komfortableren Allmountain-Stiefel gut beraten.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt eines für den Geländeeinsatz konzipierten Schuhs: Wer die Berge hochstiefelt, sollte so kraftsparend wie möglich unterwegs sein. Dementsprechend sind die meisten Allmountain-Modelle leichtere Skischuhe, denn beim Aufstieg zählt jedes Gramm, vor allem wenn man es an den Füßen trägt. ­Zudem stapft man viel bei Minusgraden durch den Schnee, dementsprechend sind die Innenschuhe nicht nur weicher, sondern auch aus hochfunktionellen Materialien wie Primaloft.

Der perfekte Schuh

Bei Freeride-Modellen, die oft auch über Dämpfungseigenschaften verfügen, um im Geländeeinsatz Schläge abzufangen, ist jedoch ein Aspekt zu bedenken: Die Schale ist nicht nur etwas weicher (für mehr Beweglichkeit im Schaft), die Leistenbreite bewegt sich ähnlich wie bei sportlichen Pistenmodellen, die auf direkte Kraftübertragung ausgelegt sind, im Bereich von 97 bis 101 Millimetern. Fahrern, die mehr Breite benötigen, kann aber ein Bootfitter helfen. „Wir bieten wie die meisten anderen Fachgeschäfte diesen Service inzwischen jedem Kunden“, sagt Martin Rotter. „Für gute Beratung und individuelle Anpassung sollte man etwas Zeit ­mitbringen. Wer die einplant, kann sicher sein, dass er einen gut zu seinem Fahrstil und seinen ­Wünschen passenden Schuh findet.“

Zudem muss man bei Allmountain-, Touren- und Freeride-Stiefeln beachten, dass es in diesem Bereich andere Bindungssysteme gibt. Deshalb rät der Experte, die Bindung oder den kompletten Ski mitzubringen. So kann der Fachmann ein böses Erwachen vermeiden und jeden individuell perfekt beraten.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 01 / 2017

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