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Lesedauer 8 Min.

Ein Ruhepol im Sauerland

Der Wilzenberg gilt als heiliger Berg des Sauerlandes. Eine herbstliche Wanderung führt durch raschelndes Laub zu einer jahrhundertealten Kapelle, den Spuren alter Wallanlagen und einem Aussichtsturm über den Wäldern. Am Fuß des Berges erzählt ein ehemaliger Gutshof davon, wie sich die Region verändert hat.

Viele Wanderungen in der Umgebung sind familienfreundlich. So auch die Tour auf den Wilzenberg.

© Daniel Elke

Der Herbst macht keine großen Versprechen an diesem Morgen. Über den Höhen des Schmallenberger Sauerlandes liegt ein blasses Licht, die Sonne bleibt zunächst hinter den Wolken. Doch gerade deshalb wirkt der Wald so, wie ein Herbstwald wirken sollte: kühl, erdig und ein wenig geheimnisvoll. Vom Tal aus führt der Weg hinauf zum Wilzenberg. Anfangs begleitet noch das offene Land die Wanderung. Wiesen ziehen sich an den Hängen entlang, dahinter staffeln sich die bewaldeten Höhen des Rothaargebirges. Dann schließt sich der Wald. Buchen stehen dicht am Weg, ihre Kronen leuchten gelb, rostrot und braun. Unter den Schuhen raschelt das Laub, dazwischen liegen dunkle, vom Regen glänzende Steine. Für Andreas Deimann, der das nahegelegene Hotel Deimann gemeinsam mit seinem Vater Theo, seinem Bruder Jochen und seiner Schwester Eva in dritter und vierter Generation führt, ist der Wilzenberg weit mehr als ein beliebiges Wanderziel. „Der Berg ist seit jeher unser Hausberg“, erzählt er mir. Früher trug das Hotel den Wilzenberg sogar im Namen. Ein Marketingexperte habe seinem Vater irgendwann erklärt, in Köln wisse kaum jemand, wo dieser Berg liege, und der Name sei zudem ein Zungenbrecher. Der Zusatz verschwand, die Verbindung blieb. 
 

Die Wanderung führt vorbei an der ­Marienkapelle. An der Kreuzigungsgruppe am Freialtar werden noch heute die Wallfahrtsgottesdienste abgehalten.

© Daniel Elke

Auf dem heiligen Berg 
Kurz vor dem Gipfel verändert sich die Atmosphäre. Zwischen den Bäumen tauchen Kreuze auf, dazu Mauern und religiöse Wegzeichen. Schließlich steht die kleine Marienkapelle im herbstlichen Wald. Ihr weißes Mauerwerk hebt sich vom dunklen Boden und dem goldenen Laub ab. Bänke laden zum Innehalten ein, rund um die Kapelle erinnern Stationen des Kreuzwegs daran, dass der Wilzenberg seit Jahrhunderten ein Ziel für Pilger ist. Ich lasse mich für einen Moment nieder und genieße die Ruhe und das Rauschen des Windes, der gerade mit großen Streichen in die Herbstblätter der Bäume greift. 
Eine erste Kapelle auf dem Berg ist bereits für das 16. Jahrhundert belegt. Der heutige Bau entstand 1633 und wurde später erweitert. Damit gehört der Wilzenberg zu den ältesten Wallfahrtsstätten der Region. Die Kapelle liegt auf rund 658 Metern Höhe – zurückgezogen im Wald und doch an einem Ort, dessen religiöse Bedeutung weithin sichtbar werden sollte. Im Gelände sind noch heute Erdwälle zu erkennen. „Vor über 2.200 Jahren stand hier eine erste Wallburganlage“, erklärt mir Andreas. Bei Ausgrabungen seien unter anderem Waffen und Münzen gefunden worden. „Es war immer schon ein Zufluchtsort“, sagt er. Gerade diese Verbindung aus Landschaft, Archäologie und Wallfahrt mache den Wilzenberg für ihn zum Highlight der Umgebung. 
Von der Kapelle führt der Weg noch ein Stück durch den Wald. Dann erscheint zwischen den Stämmen das Stahlgerüst des Aussichtsturms. Der 17 Meter hohe Wilzenbergturm stammt in seiner ursprünglichen Form aus dem späten 19. Jahrhundert. Schon der Gründer des damaligen Hotels „Zum Wilzenberg“ beteiligte sich am Turmbaukomitee, erzählt mir der wanderbegeisterte Geschäftsführer. Berg, Aussichtspunkt und Beherbergung gehörten damit bereits früh zusammen. Die Metallstufen hinauf verlangen etwas Konzentration. Mit jedem Absatz weitet sich der Blick, bis schließlich die Baumkronen unterhalb der Plattform liegen. Von oben zeigt sich das Sauerland als gefaltete Landschaft: bewaldete Rücken, eingeschnittene Täler, verstreute Ortschaften und Wiesenflächen. Die Herbstfarben verbinden alles zu einem Mosaik aus Gelb, Rot, Grün und Braun. Der Wind ist hier oben stärker als im Schutz des Waldes. Wolkenschatten wandern über die Hügel. Einzelne Sonnenstrahlen brechen durch und lassen für wenige Augenblicke einen Hang oder eine Baumgruppe aufleuchten. 
 

Daniel Elke

© Die Wege sind jetzt kaum besucht und die Herbstatmosphäre lässt sich hier perfekt genießen. 

Wandern als Inspirationsquelle
Nach der Weite des Turms rücken die Dinge näher: Pilze am Wegesrand, Moos auf alten Steinen, Blätter, die sich in feuchten Mulden gesammelt haben. Man hört die Schritte, das Tropfen aus den Kronen und gelegentlich einen Vogel. Der Herbst reduziert die Landschaft und macht sie zugleich detailreicher.
Dass Wandern in Schmallenberg eine zentrale Rolle spielt, liegt für Andreas Deimann in der Natur der Region. „Die Umgebung gibt das eigentlich ein Stück weit vor“, sagt er. Während Winterberg stärker vom Wintersport geprägt sei, habe sich Schmallenberg deutlicher auf Familien- und Wandertourismus ausgerichtet. Das Hotel Deimann liegt hier eingebettet in die sanfte Hügellandschaft des Sauerlands, umgeben von Wäldern, Wiesen und aussichtsreichen Höhenzügen. Direkt vor der Haustür beginnen gut ausgeschilderte Wege; auch bekannte Routen wie Rothaarsteig und Sauerland-Höhenflug lassen sich von hier aus perfekt erkunden.
Im Hotel reicht die Wandertradition weit zurück. Schon sein Vater habe in den 1960er- und 1970er-Jahren geführte Wanderungen und Wanderwochen angeboten. Heute organisiert das Haus im Frühjahr, Sommer und Herbst jeweils eine eigene Wanderwoche. Dann steht täglich eine Tour auf dem Programm, mit Rast im Wald, Einkehr oder einem Abschluss an der Waldhütte. Auch während der Saison werden regelmäßig geführte Wanderungen angeboten. Dabei führt Andreas Deimann seine Gäste selbst durch die Umgebung. Es gehe nicht allein um Bewegung oder Wegkenntnis. „Ich habe den Kontakt zu den Gästen auf einer ganz anderen Ebene, als wenn ich beim Abendessen mal eben ein bisschen mit ihnen spreche“, erzählt er. Während zwei oder drei Stunden entstehen längere Gespräche. Er erfahre, was den Gästen gefalle, was ihnen fehle und welche Ideen sie hätten. „Ich nutze das sehr gerne als Inspirationsquelle für mich und für Dinge, die wir noch planen.“
 

Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren bot Andreas ­Deimanns Vater geführte ­Wanderungen rund um ­Schmallenberg an. Hier starten viele Touren direkt „vor der Haustür“. Auch die Einstiege in den Rothaarsteig oder den ­Sauerländer Höhenflug liegen in unmittelbarer Entfernung. 

© Daniel Elke

Karl May und Kühe im Schwimmbad
Zurück geht das heutige Hotel auf einen alten Gutshof, der an dieser Stelle bereits seit mehr als 500 Jahren nachweisbar ist. Über Jahrhunderte bewirtschaftete ihn die Familie Fischer. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts heiratete die Hoferbin einen wohlhabenden Geschäftsmann namens Hülsmann, der das bis heute erhaltene Herrenhaus errichten ließ.
Damals war das Areal ein Ensemble aus Landwirtschaft und verschiedenen Gewerbebetrieben. „Dort, wo jetzt der Torbogen und der Innenhof sind, standen landwirtschaftliche Gebäude“, erzählt Andreas Deimann. Auf einer Seite des Baches habe sich ein Holzkontor befunden. „Da, wo heute die Rezeption ist, war die Sägerei mit einem Schreinereibetrieb.“ Zum Besitz gehörten außerdem Waldflächen und ein Steinbruch. Der Holzhandel und die Verarbeitung von Holz prägten also den Ort, an dem heute Gäste ankommen. 
1883 eröffnete Hülsmann hier das Hotel „Zum Wilzenberg“. Es sei bereits eine „relativ noble Herberge“ gewesen, sagt Deimann. Urlauber im heutigen Sinne waren zunächst allerdings selten. Unterwegs waren vor allem Händler und andere Reisende. Gasthäuser dienten als Poststationen, Pferdewechselplätze und Unterkünfte.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen die Sommerfrischler. Mit der Industrialisierung wuchs in den Städten das Bedürfnis nach Erholung auf dem Land. Der Wilzenberg, die Wälder und das vergleichsweise milde Mittelgebirgsklima wurden zu Gründen, einige Tage oder Wochen im Sauerland zu verbringen. Sogar Karl May soll Ende der 1890er-Jahre hier übernachtet haben. Sein Name steht nach Angaben Deimanns in einem alten Gästebuch; gesichert ist zumindest, dass sich der Eintrag mit seinen damaligen Reisen decken könnte.
1917 übernahm die Familie Deimann das Anwesen. „Der Urgroßvater, ein Schulrektor aus Brilon, zog mit seiner Familie und neun Kindern auf den Hof. Zunächst standen Landwirtschaft und Sägerei im Mittelpunkt. Erst 1933 erhielt der Betrieb wieder eine Gaststättenkonzession“, erzählt mir Deimann. Aus einer dörflichen Gastwirtschaft mit wenigen Betten entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg allmählich ein Hotel. Der Umbau verlief nicht nach einem großen Masterplan, sondern Schritt für Schritt. Wo einst Kühe standen, entstand das erste Schwimmbad. Landwirtschaftliche Gebäude wurden zu Garagen und Gästezimmern. 1974 endete die Landwirtschaft, 1978 wurde das Sägewerk stillgelegt. Erst als morgens keine Säge mehr anlief, erzählt Deimann, hätten seine Eltern den Mut gehabt, das Haus konsequent zum Ferienhotel auszubauen. „Wo jeden Morgen um sieben eine Säge geht, kann man kein Urlaubshotel aufbauen“, sagt er und lächelt. Beharrlichkeit und kleine Schritte zahlen sich aus. Heute ist es das einzige Fünf-Sterne-Superior-Hotel im Sauerland.
Als die Wanderung wieder ins Tal führt, hat sich das Licht verändert. Zwischen den Wolken zeigt sich die Sonne und lässt die nassen Blätter glänzen. Hinter den Baumstämmen verschwindet langsam der Gipfel. Der Wilzenberg bleibt zurück – als Aussichtspunkt, Wallfahrtsort und Zuflucht, aber auch als stiller Zeuge einer Landschaft, in der Wandern und Gastgeben schon lange zusammengehören. 

Die Herbstausgabe der Wanderlust bekommt ihr hier.

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Touren und Tradition

Direkt am Hotel Deimann starten ­mehrere ausgeschilderte Rundwege durch das Sorpetal sowie die Wälder und Höhen 
rund um Winkhausen. Besonders naheliegend ist eine ­Wanderung zum Wilzenberg mit seinem Aussichtsturm und ­weitem Blick über das Schmallenberger Sauerland. In der Nähe befinden sich außerdem Einstiege in den Rothaarsteig und den Sauerland-Höhenflug. 
Die Herbstwanderwoche des Hotels mit geführten Touren von Andreas Deimann findet vom 11.10. bis 18.10.2026 statt.

Das familiengeführte Hotel Deimann in Winkhausen bei Schmallenberg verfügt über 115 Zimmer und Suiten und verbindet zurückhaltenden Luxus mit herzlicher, familiärer Gastfreundschaft. Für Erholung sorgt eine mehr als 5.000 Quadratmeter große Wellnesslandschaft mit Pools, ­Saunen, Anwendungen und verschiedenen Ruhebereichen. Kulinarisch reicht das Angebot von der Verwöhn-Halb­pension bis zum Sternerestaurant Hofstube Deimann. Trotz des gehobenen Standards bewahrt das traditionsreiche Hotel mit viel Holz, warmen Farben und regionaler Verbundenheit eine gemüt­liche, heimische Atmosphäre.
deimann.de

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