Entdecke das Juragebirge
Weit, wild, wohltuend
Ein Gebirge, zwei Länder
Die Montagnes du Jura liegen im Osten Frankreichs, direkt an der Grenze zur Schweiz. Das Reiseziel erstreckt sich über drei Départements – Doubs, Jura und Ain – und über zwei Regionen: Bourgogne-Franche-Comté und Auvergne-Rhône-Alpes. Es reicht von Montbéliard im Norden bis vor die Tore von Lyon im Bugey.
Über 230 Kilometer teilt sich das Gebirge eine natürliche Grenze mit dem Schweizer Jura. Diesseits und jenseits der unsichtbaren Linie wachsen dieselben Wälder, grasen die Kühe auf denselben Weiden. Auch Uhrmacherei, Absinth und Käseherstellung verdanken beide Seiten einem jahrhundertealten Austausch. Entstanden ist ein einheitliches Mittelgebirge, wild und doch einladend: mit Gipfeln, abgelegenen Hochebenen, Seen und kleinen, gemütlichen Dörfern.
Weite Natur im Süden des Juragebirges: das Naturreservat Marais de Lavours mit Blick auf den Grand Colombier.
Marika Godin – MK / BFC TourismeNäher als gedacht
• Köln – Besançon: 600 km
• Frankfurt am Main – Besançon: 450 km
• München – Besançon: 560 km
• Direkte TGV-Verbindung Frankfurt am Main – Besançon
• Ab Paris rund 2,5 Stunden mit dem Zug, von Lyon etwa 1 Stunde; der Flughafen Genf liegt in der Nähe
Ein leicht erreichbares Ziel, um aufzutanken und Natur pur zu erleben.
Weite Weiden, offene Kämme, Ruhe: Auf dem Mont d’Or zeigt sich der Jura von seiner stillen Seite. Hier verlaufen die Grenze zur Schweiz und die Grande Traversée du Jura nah beieinander.
Mattias Kröll – Altitude rando / BFC TourismeVon Etappe zu Etappe: die großen Wege
Die Grande Traversée du Jura (GTJ) führt von Mandeure bis Culoz einmal längs durch das Gebirge. Die 394 Kilometer folgen dem Jurabogen und nutzen die Fernwanderwege GR®5 und GR®9; vom tiefsten Punkt auf 235 Metern steigt der Weg bis auf 1.720 Meter. Bei durchschnittlich 15 bis 25 Kilometern pro Etappe dauert die komplette Durchquerung etwa 15 Tage. Unterwegs führt der Weg durch Wälder, vorbei an Seen, Wasserfällen und hohen Schluchten und über sanft geformte Gipfel. Dabei trifft man die „montagnons“, die Einheimischen, die bei einer Pause oder beim Abendessen gern von ihrem Wissen und ihrem Leben erzählen. Über 150 Gastgeber gehören zum GTJ-Netzwerk. Wer nicht alles gehen möchte: Eine „Light-Version“ lässt sich in vier Tagesetappen erwandern. Gepäcktransport bietet die Agentur Roule ma poule an, einige Unterkünfte übernehmen ihn ebenfalls.
Die Échappée jurassienne verbindet Wandern mit Genuss und Kulturerbe. Sie führt von Dole nach Nyon (oder umgekehrt). Auf mehr als 300 Kilometern lässt sie sich in 2 bis 18 Tagen ganz nach eigenem Tempo gehen. Seit 2021 führt sie in die Schweiz: Die letzten drei Etappen verlaufen über La Cure am Genfersee entlang bis Nyon. Zu den Höhepunkten zählen der Lac de Chalain, die Cascades du Hérisson, der Pic de l’Aigle mit Blick auf vier Seen, das Hochtal der Saine, der Gipfel der Dôle (1.677 m) und der Regionale Naturpark Haut-Jura. Auch kulturell ist die Strecke vielseitig: Sie berührt die Königliche Saline in Arc-et-Senans und Salins-les-Bains (beide UNESCO-Welterbe), das Weinbaugebiet um Arbois und die Dörfer Château-Chalon und Baume-les-Messieurs.
Ein Höhepunkt der Échappée jurassienne: Die Cascades du Hérisson gelten als die schönsten Wasserfälle des Jura. Der Wanderweg führt direkt an ihnen vorbei.
Marika Godin – MK / BFC TourismeNeu: Les Haltes – schlafen mitten im Gebirge
Seit sechs Jahren entwickeln die Vereine Grandes Traversées du Jura (GTJ) und Espace Nordique Jurassien (ENJ) gemeinsam das Programm La Halte: Biwakplätze und Holzhütten aus Jura-Holz mitten im Gebirge. Langfristig soll sich ein Netz umweltfreundlicher Unterkünfte von Nord nach Süd über den Jura spannen – für sichere und komfortable Mehrtagestouren.
Pause mit Aussicht auf Weiden und Wald: Die Haltes des Programms La Halte bieten Wanderern Biwakplätze und Holzhütten aus Jura-Holz, hier im Val de Morteau.
Laurent Cheviet – ENJ GTJ / BFC TourismeLa Halte Étape – Alpage des Granges Raguin (Rochejean)
Auf den Weiden des Mont d’Or stehen direkt an der GTJ zwei umweltgerecht gebaute Holzhütten:
• „Le Refuge“: gemeinsam genutzter Raum mit 5 Schlafplätzen (25 € pro Person inkl. Bettwäsche)
• „Le Nid“: Hütte für 4 Personen, privat buchbar
Im Refuge gibt es Wasserkocher, Mikrowelle und Kühlschrank; die Sanitäranlagen liegen rund 20 Meter entfernt in einem Nebengebäude. Zur Halbpension gehören Gerichte im Glas von der Konservenfabrik „Le Franc Bocal“ aus Métabief; auf Wunsch gibt es auch Frühstück und ein Picknick für den nächsten Tag. Weiter südlich stehen entlang der GTJ außerdem überdachte Picknick- und Biwakplätze in Les Moussières und am Col de Cuvery bereit.
Vor Ort lässt sich der Abend gleich fortsetzen: In Rochejean wartet ein Outdoor-Escape-Game auf den Schmugglerpfaden (mehr dazu unten).
Erst ins Wasser, dann auf den Weg: Der Lac des Rousses im Haut-Jura ist gut erschlossen, mit Picknickplatz und Wassersportzentrum. Von hier aus führt ein Weg zum Felsen Rocher du Lac, über einen 450 Meter langen Holzsteg durch das Moor.
Marika Godin – MK / BFC TourismeKleine Runden und stille Seen
Das Juragebirge ist nicht nur etwas für Weitwanderer. Tagestouren und kurze Rundwanderungen ab einem Dorf oder einem See sind auf jedem Niveau machbar – ideal für einen Kurzurlaub. Waldwege rund um die Seen eignen sich für ruhige Spaziergänge; für Familien werden etwa die fünf „geheimen Seen“ empfohlen.
Wasser prägt das Reiseziel ohnehin. Die Seen entstanden vor mehr als 10.000 Jahren, als die Gletscher schmolzen und Schmelzwasser und Quellen die Senken füllten. Heute laden sie zum Baden, Bootfahren und Angeln ein, und manche liegen so abgelegen, dass man sie fast für sich hat. Rund um viele Seen beginnen Rad-, Mountainbike- und Stand-up-Paddling-Touren direkt vor der Unterkunft. Auf dem Doubs ist sogar eine Bootsreise von Montbéliard über Besançon nach Dole möglich.
Gemütlich ums Wasser: Am Lac du Morond lässt sich der Jura auch mit Kindern erwandern. Métabief ist im Sommer nicht nur Skiort, sondern bietet auch Landschaft, Outdoor-Aktivitäten und hochwertige Unterkünfte.
Benjamin Becker – Station Métabief / BFC TourismeFünf Seen zum Verweilen
• Lac de Chalain: der größte natürliche See im Jura, mit türkisfarbenem Wasser. Motorboote mit Verbrennungsmotor sind verboten.
• Lac de Vouglans: einer der größten Stauseen Frankreichs, mehr als 30 Kilometer lang und bis zu 100 Meter tief, mit drei Sandstränden und einem Ausflugsschiff.
• Les 4 lacs (Narlay, Ilay, Petit und Grand Maclu): Vom Aussichtspunkt am Pic de l’Aigle (993 m) liegen die vier Seen zu Füßen. Der dreieckige Narlay ist mit 48 Metern der tiefste und lässt sich auf einem Weg umrunden.
• Lac de Bonlieu: ein kleiner, von Wald umgebener Gletschersee, im Herbst besonders farbenprächtig. Die Cascades du Hérisson, die schönsten Wasserfälle des Jura, sind nicht weit.
• Lacs de Clairvaux-les-Lacs: zwei Seen mit warmem Wasser und flachen Ufern, im Sommer ein beliebter Badeort für Familien.
Die Grande Traversée du Jura ist nicht nur etwas für Wanderer: Auch per Rad lässt sich das Gebirge einmal von einem Ende zum anderen durchqueren, rund 375 Kilometer lang. Für Tagesausflüge bietet sich dazu das Knotenpunktsystem im Doubs an.
Laurent Cheviet / Doubs TourismeAufs Rad: Knotenpunkte und E-Bike-Runden
Das Knotenpunktsystem gibt es seit 2022 im Département Doubs: Nummerierte Kreuzungen weisen den Weg zur nächsten, es gibt keinen festen Start und keine vorgegebene Fahrtrichtung. Wer sich seine Route nach eigenem Tempo zusammenstellt, notiert die Nummern – auf der kostenlosen Papierkarte aus den Tourismusbüros, auf Lenkeretiketten oder mit dem Online-Routenplaner. Erschlossen sind unter anderem das Plateau de Frasne, das Vallée du Drugeon und der Haut-Doubs von der Mont-d’Or-Spitze bis zur Doubs-Quelle in Mouthe; das Vallée de la Loue soll 2026 folgen.
Die Jurassic Vélo Tour verbindet als „Route des Lacs“ Quellen, Seen und Wasserfälle. Das Netz umfasst 26 Rundwege für E-Bikes mit 15 bis 60 Kilometern Länge. An etwa 20 Startpunkten stehen 200 E-Bikes zum Verleih bereit; über einen vernetzten Lenker gibt die App Hinweise zu Sehenswürdigkeiten und zur Sicherheit. Die längste Route ist die siebentägige „Grand Tour“ von Pontarlier nach Nantua. Unter dem Label „Vélo & Fromage“ verbinden drei Touren das Radeln mit Käsewissen rund um Comté, Morbier und Bleu de Gex.
Picknick bei Arbois: regionale Spezialitäten genießen, mitten im Weinbaugebiet.
Marika Godin – MK / BFC TourismeGenuss als Fortsetzung der Wanderung
Was der Jura hervorbringt und was seine Handwerker fertigen, ist der perfekte Abschluss eines Wandertags. Comté, der berühmte Käse, ist das Herzstück der Käsetradition im Gebirge. Auch der Mont d’Or zählt zu den Spezialitäten, und viele Käsereien kann man besichtigen. Wer unterwegs einkehrt, entdeckt außerdem Wein, Töpferwaren und regionale Wurstwaren und isst in den Gasthöfen der Region ehrlich und bodenständig.
Die Absinth-Straße
Rund 48 Kilometer lang verläuft die Route zwischen Pontarlier (Frankreich) und Noiraigue (Schweiz). Etwa 80 Adressen – Plantagen, Trocknungsanlagen, Museen, Brennereien und Handwerksbetriebe – zeigen, wie Absinth entsteht, und laden zur Verkostung ein. Im 19. Jahrhundert galt er als „Königin der Aperitifs“, später wurde er verboten und im Verborgenen weiter gebrannt. Heute ist er wieder erlaubt, und Pontarlier gilt als Hauptstadt des Absinths. Dieses kulturelle Erbe teilt sich der Jura mit der Schweiz. Übermäßiger Alkoholkonsum ist gesundheitsschädlich.
Ein außergewöhnlicher Tisch: La Maison des Cimes
In Malbuisson am Lac Saint-Point, auf rund 1.000 Metern Höhe, hat Sternekoch Matthias Marc sein neues Projekt eröffnet; er war früher Kandidat der französischen Kochshow Top Chef. Das Gästehaus mit neun Zimmern und Suiten gehört zu Relais & Châteaux. Im Gourmetrestaurant La Table des Cimes wird über dem Holzfeuer gekocht – eine Hommage an die Familiengeschichte des Küchenchefs, der aus der Forstwirtschaft stammt. Auf den Teller kommen Süßwasserfisch, Wildkräuter, Knospen, Wild und andere regionale Produkte. Im Herbst, laut Haus im November 2026, folgt das Bistrot des Bûcherons („Holzfäller-Bistro“), das ebenfalls auf Holzfeuer und Grillgerichte setzt. Geöffnet ist das Haus von Mittwoch bis Sonntag.
Von der Quelle bei Mouthe bis zu den Schluchten an der Grenze: Der Doubs begleitet viele Wege im Jura, auch die „Chemins de la Contrebande“, auf denen man auf den Spuren von Hausierern, Schmugglern und Zöllnern wandert oder radelt.
Marika Godin – MK / BFC TourismeAuf Schmugglerpfaden
Der Grenzverlauf zwischen Frankreich und der Schweiz hat im Jura Geschichten hinterlassen. Auf den „Chemins de la Contrebande“ schlüpft man selbst in die Rolle von Hausierern, Schmugglerinnen und Uhrenschmugglern.
Vier Routen stehen zur Wahl: Der Colporteur (Der Hausierer) führt zu Fuß in drei Tagen über 45 Kilometer von Clos du Doubs nach Saint-Hippolyte. Die Bricotte (Die Schmugglerin) ist ein Rundweg ab und bis Maîche, 77 Kilometer lang und in fünf Etappen unterteilt. Der Orlogeur (Der Uhrmacher) legt in fünf Tagen 60 Kilometer von Morteau nach La Chaux-de-Fonds zurück. Wer lieber radelt, nimmt die Gabelous (Die Zöllner): Die schwierige Mountainbike-Tour führt in sieben Tagen über 252 Kilometer von Morteau nach Clos du Doubs.
Auf dem Colporteur übernimmt man die Waren in Saint-Ursanne und verkauft sie in Saint-Hippolyte. Die Bricotte spielt im Hungerjahr 1816: Man versorgt Familie und Nachbarn mit Lebensmitteln und schmuggelt sie an den Zöllnern vorbei, entlang der Doubs-Schlucht, der Échelles de la Mort und des Sees von Biaufond. Der Orlogeur folgt den Spuren des Uhrenschmuggels zum Saut du Doubs und an vier Uhrenmuseen vorbei; die Uhrmacherstädte Le Locle und La Chaux-de-Fonds sind UNESCO-Welterbe. Zurück geht es bequem mit der Ligne des Horlogers.
Zum Spielen: Outdoor-Escape-Game in Rochejean
Als Mitglied eines Hirtennetzwerks gilt es, die Schmuggelware abzuholen, bevor der Zoll sie findet. Für Gruppen von 4 bis 12 Personen, nur mit Reservierung, auf Französisch und Englisch; ab 15 € pro Person (4–8 Spieler).
Wald vor dem Fenster: Zur Auswahl an Unterkünften im Jura gehören auch Holzhütten und außergewöhnliche Orte mitten in der Natur, wie die Lodges am Moulin de Cramans.
Marika Godin – MK / BFC TourismeNachhaltig reisen, gut schlafen
Slow Travel heißt im Jura: kurze Wege, lokale Erzeugnisse, Begegnungen. Fernwander- und Radwege lassen sich ohne Auto erkunden, die Anreise gelingt mit dem Zug, und regionale TER-Linien sowie historische Strecken wie die Ligne des Hirondelles verbinden die Orte. Les Rousses wurde als erster Ort Frankreichs mit dem Label „Flocon Vert“ für nachhaltige Bergorte ausgezeichnet. Bei den Unterkünften reicht die Auswahl von Chalets und kleinen Hotels mit Spa über Bed & Breakfasts in einem Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert oder einem ehemaligen Sägewerk bis zu Baumhäusern, Holzhütten und Campingplätzen. Für Radfahrer bieten sich Hotels mit sicherer Radabstellmöglichkeit an.
Genuss bei und nach der Wanderung: Rund um Arbois reifen die Reben des Jura, und die Wanderung lässt sich mit Wein und regionalen Spezialitäten verbinden.
Benjamin Becker / BFC TourismeKontakt und Info
Mehr Inspiration bekomme ihr auch hier:
Montagnes du Jura auf Instagram und Facebook und auf der offiziellen Homepage!