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Lesedauer 5 Min.

Schritt für Schritt Richtung Freiheit

Rund 5 % der Bevölkerung leidet unter Höhenangst. Die Gründe und Auslöser sind vielfältig. Nicht selten wird es als Tabuthema behandelt und ist mit Scham behaftet. Doch es gibt Wege, die Angst zu bändigen. Chefredakteur David Vinzentz im Gespräch mit Höhencoach David Elsasser.
Kaiserstuhl
© hoehencoach
Blick auf eine Brücke aus dem 20. Jahrhundert

David Elsasser (49) versteht die Sorgen von Betroffenen, denn er hat früher selbst einmal unter Höhenangst gelitten. Heute begleitet er als Höhencoach andere Betroffene dabei, ihre Höhenangst zu verlernen. Die Ausbildung zum Coach hat David Elsasser am Institut für angewandte Psychologie der Zürcher Hochschule ZHAW absolviert. Aktuell bildet er sich beim Schweizer Alpenclub zum Hochtourenleiter aus und ist mehrheitlich in den Bergen anzutreffen.

© hoehencoach

Was genau passiert im Kopf eines Menschen mit Höhenangst?

Ein Mensch mit Höhenangst beurteilt eine bestimmte Situation in der Höhe als gefährlich, obwohl objektiv keine oder nur eine geringe Gefahr besteht. Auch wenn die Angst somit irrational ist, sind die folgenden körperlichen Symptome real. In dem Moment, wo unser Hirn eine steile Grashalde als Bedrohung einstuft, wird unser Körper in einen Alarm-Modus versetzt. Als Folge wird Adrenalin ausgeschüttet und die Muskulatur in Spannung gesetzt, damit wir unseren Urinstinkten entsprechend kämpfen oder flüchten können – was auf einer normalen Wanderung aber natürlich absolut unangebracht ist.


Welche Symptome erfährt man dadurch?

Körperlich äußert sich die Höhenangst meist durch Schwindel, weiche Knie, Herzrasen, Schwitzen, Atemnot und eine Kombination daraus. Diese Körpersymptome wirken sich dann wiederum auf unser Verhalten aus. Wir atmen nicht mehr richtig, klammern uns fest oder wollen möglichst rasch aus der unangenehmen Situation fliehen. Viele Betroffene berichten auch von einem Gefühl, in die Tiefe gesogen zu werden. Das Fiese an diesem Mechanismus ist, dass die Körperreaktionen wiederum die Angstgefühle verstärken.

Warum ist Höhenangst keine Charakterschwäche, sondern eine ernstzunehmende Reaktion?

Wichtig ist erst einmal zu verstehen, dass wir alle einen biologisch eingebauten Respekt vor großen Höhen haben. Ungesicherte Höhen stellen für uns schließlich eine Lebensgefahr dar. Als Kind lernen wir jedoch rasch, welche Höhen wirklich gefährlich sind. Bei Menschen mit Höhenangst ist dieser Respekt mit zunehmendem Alter in eine übertriebene Angst übergegangen. Die Ursachen dafür sind vielfältig, meist aber in einer überbehüteten Erziehung zu finden, welche zu einem überhöhten Kontroll- und Sicherheitsbedürfnis führen kann. Wenn sich dann noch familiärer oder beruflicher Stress hinzugesellen, fehlen uns in den jeweiligen Situationen schlicht die notwendigen Ressourcen.

Was können Auslöser für Höhenangst sein?

Meist reicht ein Blick in die bedrohliche Tiefe aus, um in Panik zu geraten. Aber auch fehlende Trittsicherheit, überraschende Wetterverschlechterung oder eine ebenso unsichere Begleitperson können sich auf das Angstempfinden auswirken. Nebst diesen äußeren Faktoren spielen vor allem auch die körperliche und psychische Verfassung der Betroffenen eine zentrale Rolle. So können wenig Schlaf oder viel Stress dazu führen, dass der gleiche schmale Grat als sehr bedrohlich wahrgenommen wird, bei der letzten Wanderung jedoch noch als unproblematisch erlebt worden ist.


Woran erkennen Sie, ob jemand „nur Respekt“ vor der Höhe hat oder wirklich unter Höhenangst leidet?

Die Grenze zwischen Respekt, unberechtigter aber eben auch berechtigter Angst ist fließend und individuell verschieden. Nicht jeder beurteilt das objektive Gefahrenpotenzial eines schmalen Grates gleich. Ein wichtiger Indikator ist deshalb die Selbstbeobachtung. Die meisten Betroffenen sind sich nämlich sehr wohl bewusst, dass ihre Angst nicht angemessen ist. In unseren Trainings stellen wir deshalb auch immer folgende Frage: Schränkt sie ihre Höhenangst ein, Wanderungen zu unternehmen, die sie sich rein technisch und konditionell zutrauen würden? Wenn das zutrifft, ist die Antwort meist klar.

Wie läuft ein typisches Höhenangst-Training bei Ihnen ab?

Meist starten wir mit einer kurzen Wanderung in eine Berghütte, um die erste Anspannung zu lösen. Hier folgt die theoretische Einführung, wobei die Teilnehmer zuerst einmal ihre Ängste richtig benennen und einordnen können. Im Anschluss lernen die Betroffenen Methoden kennen, welche nachweislich die Angstgefühle reduzieren können. Diese gilt es dann auf dem Berg an einer exponierten Stelle auch effektiv auszutesten, respektive eben zu trainieren, damit diese nach dem Training auch selbständig angewendet werden können. Aus Erfahrung reichen dann eine oder zwei Methoden aus.


Das ganze Interview gibt es in unserer Frühlingsausgabe der Wanderlust und natürlich im Wanderlust-Abo! 5 x im Jahr. Hier sichern!

Wandern & Genießen

BURGUNDERTOUR

Die eigens für diesen Anlass ausgeschilderte Burgundertour findet jedes Jahr an Fronleichnam in einem anderen Vogtsburger Ortsteil statt. 2026 führt die Burgundertour am 4. Juni nach Bischoffingen. Die Abschlussparty findet in der

Winzergenossenschaft Bischoffingen statt.

www.burgundertour.de

WANDERN, WEIN UND WEITBLICK

Im Kaiserstuhl gibt es in der Saison von Ostern bis Oktober etliche Erlebnisangebote rund um den Wein. Von Weinwanderungen über Weinbergsfahrten bis zum prall gefüllten Genuss-Rucksack ist alles dabei.

www.Naturgarten-Kaiserstuhl.de

EINKEHREN BEIM WINZER

Umgeben von Reben kann man bei Familie Schätzle herrlich bei Badischer Küche und hervorragenden Weine entspannen. Winzer und Kaiserstühler Gästeführer Siegbert Schätzle ist bekannt für seine Erlebnis-Traktorfahrten, Weinbergführungen und Kräuterwanderungen.

www.gaestehaus-schaetzle.de

Der Winzerhof der Familie Schätzle gehört zur Marke der „Kaiserstühler Winzerhöfe“. Unter diesem Begriff vereinen sich zahlreiche regionaltypische Höfe mit komfortablen Ferienwohnungen oder Gästezimmern. Eine Übersicht über die Winzerhöfe findet sich unter

www.naturgarten-kaiserstuhl.de/uebernachten

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