Fanclubs: So fröhlich, so treu, so nackt

Fanclubs folgen ihren Skistars teilweise rund um den Globus zu den Rennen – und sind für den Weltcup-Zirkus in vielerlei Hinsicht von Bedeutung

neuer_name
Fanclub-Mitglieder beim Saisonfinale in Lenzerheide
© Traudl Münch, Lutz Ebert

Text: Brigitte von Imhof

Die E-Mail-Antwort kam prompt und war unmissverständlich: „As far as I know I do not have an official fanclub :) Unfortunately. Best Regards, Kjetil“ Die Skimagazin-Autorin wunderte sich. Was? Kjetil Jansrud, der norwegische Shootingstar im Skiweltcup, hat keinen eigenen Fanclub? So sympathisch und so unverkrampft wie er ist? Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen.

Fanclubs sind fester Bestandteil im Skiweltcup-Zirkus. Man kennt sie, hört sie, sieht sie. Und wo immer die Skipiloten in der Abfahrtshocke oder zwischen Slalomstangen um Hundertstelsekunden kämpfen, schreien oder jubeln sich die Fans die Kehle wund, lassen Ratschen oder – allen voran die Schweizer – Kuhglocken sprechen. Recken riesige Transparente in die Höhe, auf denen Name und Bild ihres Idols und ein Markenzeichen-Spruch prangen.

Für die Skirennläufer sind sie während der winterlichen Tingelei von einem Ort zum anderen ein Stück Heimat, ein Stück Zuhause – zumal sich die Fanclubs oft aus Familienmitgliedern und persönlichen Freunden der Athleten zusammensetzen.

Kameradschaftlicher Umgang

Das ist auch bei Felix Neureuther der Fall. Den 250 Kopf starken Fanclub des Garmisch-Partenkircheners betreut Traudl Münch, die langjährige Masseurin des Deutschen Skiverbandes und (zusammen mit ihrem Mann, dem Orthopäden Ernst-Otto „Burschi“ Münch) enge Freunde der Familie. Zur Seite steht ihr der ehemalige DSV-Trainer Heinz Mohr.

„Ich vergesse nie das strahlende Gesicht von Felix, als er uns bei einem seiner ersten Weltcuprennen in Kranska Gora im Ziel entdeckt hat.“ Seitdem ist immer eine Gefolgschaft von zwei Dutzend Fans bei den Rennen. Bei der Ski-WM in Vail 2015 wurde Felix von einer 35-köpfigen Truppe begleitet.

Anders als bei Fußballfans, die leider oft durch aggressive Hitzigkeit den gegnerischen Mannschaften und deren Fans gegenüber auffallen, pflegen die Fans im Skizirkus einen höchst kameradschaftlichen Umgang miteinander. Das gilt auch und vor allem für die Fanclubs der großen Rivalen Felix Neureuther und Marcel Hirscher. „Die beiden verstehen sich sehr gut“, versichert Traudl München. „Und so hat es sich eingebürgert, dass die beiden Fanclubs im Zielraum immer nebeneinander stehen.“ Auch außerhalb der Rennen, bzw. der Rennsaison tauschen sich die Fans aus und bereiten ihr nächstes Wiedersehen vor.

Dass Felix Neureuther nur halb so viele Mitglieder hat wie der Hirscher-Fanclub, soll keine Rückschlüsse auf etwaige Beliebtheitsunterschiede zulassen. Wie Traudl Münch versichert, hält Felix Neureuther den Ball absichtlich etwas flacher. Von Kind auf gewohnt, dass ständig wildfremde Menschen auf die berühmte Mama Rosi Mittermaier zustürmten, ist er mit dem Bad in der Menge etwas vorsichtiger als so manche anderen Athleten. Sein 250 Köpfe starker Fanclub besteht überwiegend aus Familienmitgliedern, Freunden und ehemaligen Skirennläufern. Es ist das „Who’s who“ der deutschen Skirennszene, von Markus Wasmeier zu den Epple-Schwestern, von Christa Kinshofer zu Max Rieger.

Das Salz in der Suppe

Die Fanclubs sind auch bei den Rennveranstaltern sehr beliebt und werden mit offenen Armen aufgenommen. Kein Wunder, ohne die Fanclubs wäre bei den Rennen die Stimmung nicht halb so gut. Sie sind das Salz in der Suppe und beleben nicht nur die Zielräume, sondern bringen auch Schwung und gute Umsätze in die Weltcuporte. Dass sie gerne und ausgiebig feiern, versteht sich von selbst, doch von Ausschreitung ist nichts bekannt.

Besonders wertvoll sind die Fanclubs bei den Damenrennen, die per se nicht so viele Zuschauer anlocken wie die Herrenwettbewerbe und außerdem terminlich oft ungünstig mitten in der Woche liegen. Ohne die Fans würden sich oft nur ein paar Dutzend Zuschauer im Zielraum verlieren. Fast noch bekannter als die Rennläuferin selbst ist der Fanclub der Österreicherin Carmen Thalmann. Mit ihrem Namen verbindet man „ihre nackten Männer“ – alles Freunde aus ihrer Heimat im Drautal. Ihre mit dem Schriftzug „Carmen“ bemalten nackten Oberkörper sind die Hingucker bei jedem Rennen, bei dem die 26-jährige Kärntnerin am Start ist. Die frechen Oben-ohne-Fotos vor winterlicher Kulisse wurden wiederholt in diversen Zeitungen abgedruckt sowie auch online gezeigt und geteilt.

neuer_name
Fanclubs für Skistars sind in den USA eher unüblich – darum gründete der Zwickauer Lutz Ebert einen für Ted Ligety.
© Traudl Münch, Lutz Ebert

Kreative Weltreise

Aber auch sonst fallen die Fanclubs gerne auf. Ihren größten Auftritt haben sie gleich beim Saisonauftakt in Sölden, wo rund 40 Fanclubs mit insgesamt 2.000 Fans bei einem großen Einzug ihre Originalität publikumswirksam zur Schau stellen können – ein großes, fröhliches „Familientreffen“. „Am kreativsten sind die Franzosen“, findet Rennleiter Ernst Lorenzi. „Einmal haben sie sich alle als Präsident Sarkozy verkleidet, ein anderes Mal als Asterix und Obelix. Die ziehen immer eine tolle Show ab.“

Die Schweizer Fans setzen auf akustische Auffälligkeit mit ihren Kuhglocken, mit denen sie das hintere Ötztal kompromisslos beschallen. Die Mitglieder des Christoph-Innerhofer-Fanclubs reisen aus dem Südtiroler Bruneck an, alle in wunderschöne historische Outfits gekleidet.

Wie man es als Fanclub zu landesweitem Ruhm bringen kann, zeigt die Meissnitzer Band, die Mitte der 1990er Jahre von der Cousine der erfolgreichen Skirennläuferin Alexandra „Meisi“ Meissnitzer gegründet wurde. Das ursprüngliche Trio Meisi Musi rockte den Damen-Weltcup so mitreißend und professionell, dass die talentierten Ladys von einem Musikproduzenten entdeckt wurden und es bis zum Grand Prix der Volksmusik brachten.

Obwohl in den USA eher unüblich, hat auch Ted Ligerty einen Fanclub – Lutz Ebert aus Zwickau sei Dank. Als Repräsentant des Skihelm- und Skibrillenherstellers Shred arbeitete er mit dem sympathischen Amerikaner zusammen und konnte gar nicht glauben, dass der Skistar keinen Fanclub hat. Spontan beschloss er, diesen untragbaren Zustand zu beenden und gründete 2012 den Ted Ligerty Fanclub, der mittlerweile 63 Mitglieder aus Deutschland, Österreich und den USA zählt. Lutz Ebert kümmert sich um die Fanpost, bestückt den Blog und die Fanpage mit Text und Fotos, organisiert Autogrammstunden und die Reisen zu den Rennen. „In Sölden, Garmisch und Alta Badia sind wir immer stark vertreten, „meint Lutz Ebert. „Nach Vail zur WM sind immerhin acht von uns mitgekommen. Highlight war natürlich Teds Goldmedaille im Riesenslalom. Dass ich in Vail auch Teds Eltern kennengelernt habe, war eine besondere Ehre.“

Doch was wird aus dem armen, Fanclub-losen Kjetil Jansrud? Es wäre doch gelacht, würde sich demnächst nicht bald ein Fanclub für den gefeierten Norweger finden lassen würde.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 05 / 2015

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat

Events

25.11 – 02.12.2017
SkiMAGAZIN - Skitestwoche in Sulden
26.11 – 02.12.2017
WSV - Saison Opening im Pitztal