Ötztal: Kampf den harten Pisten!

In Obergurgl im Tiroler Ötztal wird seit letztem Winter eine neue Labortechnik erprobt, bei der Schnee nicht mit einer Kanone, sondern mit einer künstlichen Wolke produziert wird

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Dies soll hochwertigen Neuschnee mit relativ geringer Dichte, deutlich reduziertem Energieverbrauch und wesentlich effizienterer Nutzung der Ressource Wasser erzeugen, hieß es. Die Methode soll feingliedrige, echte Schneekristalle produzieren, wie sie bislang nur die Natur erzeugt. Dipl.-Ing. Michael Bacher, wissenschaftlicher Leiter des Projekts, beschäftigt sich gemeinsam mit Kollegen der Universität für Bodenkultur Wien und der Technischen Universität Wien schon seit 2009 mit dem Thema Schnee-Erzeugung. Nach der Patentanmeldung und Weiterentwicklung der „Dendritic Snow Production“ gründete er 2014 das Unternehmen „Neuschnee“. Im Rahmen der Reise-Experten-Veranstaltung „Touristische Runde“ in München beantwortete Bacher die wichtigsten Fragen, die sich zu dem Projekt stellen.

SkiMAGAZIN: Wird bei der Methode Energie eingespart?

Michael Bacher: Ja. Aber dies ist natürlich im Vergleich zu konventionellen Beschneiungsanlagen zu verstehen. Kurz ein Blick zurück: Vor etwa 20 Jahren gab es nur vereinzelt Beschneiungsgeräte. Natürlicher Schnee bildete die Grundlage für den Wintertourismus. War er vorhanden, konnten Skigebiete die Lifte öffnen. Mit dem Einzug von Schneekanonen und Schneelanzen wurde der Wintertourismus planbarer – eine Notwendigkeit angesichts der hohen Investitionen in Infrastruktur, Hotels etc. Die Beschneiungsanlagen lieferten und liefern immer dann verlässlich Schnee, wenn die Temperaturen ausreichend unter Null Grad gefallen sind. Dieser technische Schnee weist eine sehr hohe Dichte auf und hat daher ein sehr hohes Volumengewicht. Oder anders ausgedrückt: pro Kubikmeter Wasser ergibt sich nur eine sehr geringe Volumenausbeute an Schnee.

Man spricht von 2 cbm technischem Schnee pro 1 cbm Wasser. Aber bildet er nicht eine prima Grundlage? Das schon. Dieser relativ kompakte Schnee hat seine Vorteile bei der Verwendung als Pistenfundament. Wintersportler schätzen aber griffige Pisten, und dafür ist dieser Schnee von Natur aus weniger geeignet. Es kommt natürlich auch darauf an, wie „intelligent“ die Piste präpariert wird. Hat man in einem Skigebiet die Möglichkeit, sowohl auf Naturschnee also auch auf technischem Schnee Ski zu fahren, wird dieser Unterschied sofort spürbar. Okay, das ist jetzt meine persönliche Erfahrung …

Um noch einmal auf das Energiesparpotenzial zurückzukommen … Ja, natürlich. Also: Wir produzieren den Schnee in einem geschlossenen Volumen. Das heißt, ähnlich wie konventionelle Schneekanonen erzeugen wir einen feinen Wassernebel. Dieser geht aber im Unterschied zu diesen nicht durch Wind etc. teilweise verloren sondern wird für die Schnee-Erzeugung verwendet. Hier ist also das erste Einsparpotenzial. Skigebietsbetreiber haben uns bestätigt, dass rund 30 Prozent des Wassers wegen Verdunstung, Verwehung, Rohrleitungsverlusten usw. bei der Erzeugung nicht in Schnee umgewandelt werden können.

Und das zweite? Das findet sich bei der Bereitstellung des Wassers. Unsere Geräte werden nicht dieselben Wassermengen benötigen wie es z. B. konventionelle Schneekanonen tun. Einerseits, weil wir Schnee mit geringer Dichte erzeugen, andererseits, weil das Verfahren noch nicht so weit entwickelt ist. Bezogen auf das Schneevolumen können wir laut Laborergebnissen aus einem cbm Wasser bis zu 15 cbm Schnee produzieren. Theoretisch ist das rund sieben Mal mehr Schnee als mit konventionellen Geräten! Wenn wir nun 20 cbm Schnee pro Stunde erzeugen – womit auch gemeint ist, dass dieser Schnee „ready to use“ ist und nicht 24 bis 48 Stunden liegen bleiben muss, um vollständig zu gefrieren - dann würden wir dafür bei einer Dichte von 200 kg/cbm vier Kubikmeter Wasser benötigen. Konventionelle Geräte benötigen dafür mindestens 10 Kubikmeter Wasser, Verdunstung etc. nicht mit eingerechnet.

Was bedeutet das? Ganz einfach: Muss weniger Wasser pro Zeiteinheit bereitgestellt werden, dann müssen die Pumpen weniger Energie dafür aufwenden. Hier steckt enormes Potenzial. Unsere Hypothese ist: Es braucht mehr natürlichen Schnee im Skigebiet, um das Skifahren wieder attraktiver zu machen bzw. harten Pisten den Kampf anzusagen. Mit konventionellem Kunstschnee ist das schwer zu bewerkstelligen. Unser naturähnlicher Schnee ist also nicht nur ressourcenschonender, sondern hat auch das Zeug dazu, die Freude am Skifahren wiederzubeleben. 

Infos: www.obergurgl.com , www.neuschnee.co.at

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 02 / 2016

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