Fahren wie die Rennprofis

Unsere Experten vom Deutschen Skilehrerverband geben Ihnen Tipps, wie sie auch als guter Skifahrer noch besser werden. Diesmal: Wie kann ich schnell und sportlich fahren und mich dann erfolgreich durch einen Riesensalom kämpfen?

neuer_name
Je früher der Außenski belastet wird, desto besser kann die Geschwindigkeit kontrolliert werden
© Werner Krause

Text: Christiane Bauer

Ende Oktober startet die neue Weltcup Saison in Sölden und Sie sitzen gespannt vor dem Fernseher, um Viktoria Rebensburg und Felix Neureuther die Daumen zu drücken. Schaut doch eigentlich ganz leicht aus, wie die Rennläufer durch die Stangen tanzen, doch der Schein trügt … Um schnell durch die Tore zu fahren, bedarf es einer super Technik und ganz viel Training. In einigen Skigebieten haben Sie aber die Möglichkeit dazu. Hier stehen offene Riesenslalom Rennstrecken, teilweise sogar mit Zeitnahme, zur Verfügung. Im nachfolgenden Text finden Sie wichtige Technik-Tipps, um schnell und sportlich aber trotzdem sicher Ski zu fahren. Dann können Sie sich zukünftig mit Ihren Freunden in einem Riesenslalom antreten.

Schnell und sportlich

Um schnell und sportlich Ski zu fahren gibt es einige Grundvoraussetzungen. Die übergeordneten Ziele sind:

• Die Kontrolle der Richtung

• Die Kontrolle der Geschwindigkeit

Leider sind viele schnelle Skifahrer unterwegs, die nicht wirklich Herr ihrer Lage sind und somit andere Pistenteilnehmer gefährden. Die Geschwindigkeit muss immer an die Gegebenheiten angepasst werden, um ständige Kontrolle zu haben: So muss man das Tempo bei schlechter Sicht, viel Verkehr oder schwierigen Schneebedingungen unbedingt reduzieren. Außerdem ist es gerade wenn man schnell unterwegs ist wichtig, durch vorausschauendes Verhalten die Fahrspur so zu planen, dass zu allen anderen Pistenteilnehmern ein Sicherheitsabstand eingehalten werden kann.

Für die richtige Technik bei höheren Geschwingigkeiten muss der Körper eine mittige Position über dem Ski haben, so wird eine ständige Bewegungs-bereitschaft gewährleistet. Fällt man durch höhere Geschwindigkeit in Rücklage, verringert sich die Belastung der Skischaufel. Diese kann dann keinen Druck mehr im Schnee aufbauen, was zu Kontrollverlust führt. Zusätzlich muss der Körperschwerpunkt bei jeder neuen Kurve nach vorne bewegt werden, damit die Taillierung des Skis, der an der Schaufel die größte Breite hat, ihre Wirkung entfalten kann. Denn wenn der vordere Teil zur Kurveneinfahrt Druck bekommt, kann der Ski schnell in die Kurve einfahren und die Falllinie, die zur massiver – oft unkontrollierter – Geschwindigkeitszunahme führt, zügig überwunden werden.

Um die Bewegung des Körperschwerpunktes nach vorne zu spüren, habe ich hier eine Übung, die sicher für ein „Aha-Erlebnis“ bei Ihnen sorgt. Suchen Sie sich eine flache Piste, und legen Sie die Stöcke für eine Fahrt auf die Seite. Dann beugen Sie den Oberkörper sehr weit nach unten und nehmen die Hock-Position ein. Dabei fassen Sie die Hände hinten in den Kniekehlen zusammen. Jetzt nicht mehr loslassen! Versuchen Sie nun, in langsamem Tempo mittlere Radien zu fahren. Schnell werden Sie feststellen, dass in dieser Position Kurvenfahren nur funktioniert, wenn Sie sich zu Beginn der neuen Kurve aktiv nach vorne bewegen und die Schaufel Ihrer Ski belasten.

Ein weiterer wichtiger Punkt, um schnell und sicher Ski zu fahren, ist die Belastung des Außenskis. Je früher dessen Innenkante belastet wird, desto besser kann die Geschwindigkeit kontrolliert und die geplante Spur eingehalten werden. Am schnellsten lässt sich der Wechsel von der alten zur neuen Innenkante durch die Sprunggelenke realisieren. Um ein frühes Aufkanten zu trainieren, suchen Sie sich ebenfalls ein einfaches Gelände aus. Stemmen Sie zu Beginn der neuen Kurve den Bergski nach oben aus. Achten Sie dabei auf das Setzen der Innenkante und den Belastungs-wechsel vom alten Außenski zum neuen Außenski. Wenn es gut funktioniert, reduzieren Sie langsam den Umfang des Ausstemmens und steigern Ihre Geschwindigkeit.

Ist der Außenski rechtzeitig gekantet und belastet, ist es während der Kurvensteuerung aufgrund der höheren Kräfte entscheidend, dass der Druck auf den Außenski erhöht wird. Dies erreicht man durch verstärktes Kanten und eine umfangreiche Oberkörperausgleichs-bewegung. Wird die Situation schwieriger, z. B. bei Eisplatten, muss die Außenskibelastung nochmals erhöht werden. Im sportlichen Tempo-bereich ist die Oberkörper-ausgleichsbewegung optisch nicht mehr so stark ausgebildet, die Kurvenkräfte steigen, deshalb wird der Oberkörper weiter zur Kurvenmitte verlagert um dem Druck standhalten zu können. Die vermehrte Außenskibelastung darf dabei aber nicht verloren gehen.

neuer_name
Innenarm nach vorne ----> 2/3 der Kurve vor dem Tor fahren
© Werner Krause

Rein in den Stangenwald!

Bevor die Profis in vollem Renntempo durch die Stangen fegen, besichtigen sie diesen Lauf. Dabei rutschen sie langsam durch den Riesenslalom und prägen sich Details, wie Torabstände, Torkombinationen, Wellen und Löcher in der Fahrspur ein. Jetzt kennen sie die richtige Linie, um eine schnelle Zeit zu fahren. Falls Sie für diesen Schritt zu ungeduldig sind, können Sie auch mit Besichtigungsfahrten in mittlerem Tempo beginnen und sich bei jeder Abfahrt steigern.

Als Grundregeln für die Spurwahl durch die Tore gilt:

• Runde Linie fahren

• 2/3 des Schwungs vor dem Tor

• 1/3 des Schungs nach dem Tor

Die Idee dabei ist, die Kurve kurz nach dem Tor zu beenden, um sich noch ausreichend auf den nächsten Schwung vorbereiten zu können. Sonst ist man – im Kommentatoren-Jargon – „zu spät dran“ und kann sich nur von Tor zu Tor retten. Direkt am Tor darf es richtig eng werden. Dabei wird der Innenarm nach vorne ausgestreckt und die Stange kann so an diesem nach hinten abrutschen. Allerdings darf nicht um jeden Preis der Arm oder die Schulter das Tor berühren, die richtige Körperposition über dem Ski ist entscheidend und eine gute runde Linienwahl. Insgesamt befindet sich der Körperschwerpunkt bei einem Riesenslalom etwas tiefer als beim freien Skifahren. Achten Sie aber darauf, dass der Oberkörper nicht zu stark nach vorne abklappt, da sonst die Kraftübertragung leidet. Die Technik ändert sich im Vergleich zum schnellen und sportlichen Fahren ohne Stangen nicht wesentlich. Es werden aber keine Unsauberkeiten tolertiert, da man durch die vorgegebene Linie gleich die Quittung präsentiert bekommt. Auch hier geht es um eine ständig bewegungsbereite Postion, vermehrte Außenskibelastung und Körperschwerpunktsverlagerung nach vorne.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch ein paar Tipps mit in die Tore geben: Stehen diese nahe der Falllinie, gehen Sie in die Hocke, um den Luftwider-stand zu verringern. Außerdem sind gut präparierte und gewachste Ski wesentliche Voraussetzungen, um schnell zu sein. Die Riesenslalom-Rennstrecken in den Skigebieten sind durch viele Skifahrer schnell ausgefahren, d. h. es bilden sich Wannen neben den Toren. Also seien Sie entweder früher dran als die anderen, oder passen Sie Ihre Linie den Verhältnissen an: Die Ski sollten dann immer in der Wanne bleiben, auch wenn die ausgefahrene Spur nicht Ihrer individuellen Wunschlinie entspricht, denn es ist meistens schneller in dieser „Bobbahn“ zu fahren. Um Verletzungen und blaue Flecken zu vermeiden, ist ein Helm Pflicht und Protektoren empfehlenswert. Halten Sie circa die Hälfte der Streckenlänge Abstand zu den Fahrern vor Ihnen, um sicher unterwegs zu sein. Jetzt wünsch ich Ihnen viel Spaß beim Gas geben!

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 04 / 2015

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat

Events

27.10 – 29.10.2017
Sölden - Ski Opening
25.11 – 02.12.2017
SkiMAGAZIN - Skitestwoche in Sulden
26.11 – 02.12.2017
WSV - Saison Opening im Pitztal