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Lesedauer 8 Min.

Willkommen in der weißen Wildernis

Bei White Wilderness Heliskiing in British Columbia trifft Schweizer Präzision auf kanadische Gelassenheit – it’s a Match! Wir durften einen Blick hinter die Kulissen werfen und das Abenteuer selbst erleben. Ein Erfahrungsbericht – auch über einen der schönsten Jobs unseres Planeten.
Skifahrer auf einer Ridge im Powder
© WWH

Ein Ferrari hat eigentlich rot zu sein. Dieser hier ist schwarz, pechschwarz. Er fährt nicht, er fliegt. Und er hört auch nicht auf Namen wie Testarossa oder Gran Turismo, sondern auf Eurocopter A-Star. Für Pilot Tanner ist es der beste Arbeitsplatz der Welt. „Mein fliegender Ferrari ist schnell und wendig, elegant zu steuern“, schwärmt er. Er dreht jetzt eine Pirouette, scannt das Gelände, bevor er seine Libelle auf einem ziemlich schmalen Grat zentimetergenau neben den Markierungspfosten mit den roten Fähnchen aufsetzt. So geht Präzisionsarbeit! Nicht mehr, aber auch nicht weniger wird von Tanner erwartet, der als einer der besten seines Faches in ganz

British Columbia gilt. Wir hätten in dem flachen Licht nicht annähernd erkannt, wo die Luft aufhört und der Boden anfängt. Tanner weiß es einfach. „Aus Erfahrung gut“, sozusagen.

Blick von hinten ins Hubschrauber Cockpit

Während des Flugs ins „Einsatzgebiet“ stimmen sich Pilot und Guide eng miteinander ab.

© WWH

Während wir in geduckter Körperhaltung aus Tanners Ferrari aussteigen und uns bei laufendem Rotor in den Schnee kauern, lädt Guide Eliel die Ski aus. Sein „Daumen hoch“ signalisiert dem Piloten, dass er abheben kann. Eine Schneefahne hinter sich herziehend, dreht Tanner die Maschine um 180 Grad, taucht ab wie ein Base-Jumper und schießt hinab zum Pickup, wo er die zweite Gruppe einsammeln und wieder nach oben katapultieren wird. Kaum ist der Hubschrauber verschwunden, schweift der Blick in die unendliche Weite der Skeena Mountains und bleibt am Horizont an den Seven Sisters hängen, einem Bergmassiv mit sieben Gipfeln, dem Wahrzeichen auf der anderen Talseite des Skeena River. Für einige Sekunden ist es still, fast andächtig still. Dann klacken die Bindungen. Griffe von Lawinen-Airbags werden herausgefummelt, Rucksack- Schnallen geschlossen. Würde das Kribbeln in den Beinen, die Vorfreude auf eine unbeschreibliche Abfahrt im milden Nachmittagslicht inmitten eines Meeres von Gipfeln einen Sound produzieren, dann wäre er jetzt ohrenbetäubend laut. Guide Eliel fährt voraus, wir folgen in einer V-Formation – den kanadischen Wildgänsen gleich – in gebührendem Abstand, um keine Lawinen auszulösen. In dem leichten, knietiefen Powder fährt es sich so zuckersüß, als würde man seinen Naschfinger durch Schlagsahne ziehen. Während wir den Pulverhang hinuntertoben, donnert Tanner im Tiefflug über uns hinweg. Wer dieses Schauspiel einmal erlebt hat – das Knattern des Heli, weicher Pulverschnee bis zu den Ohren, von den Rotoren aufgewirbelte Schneekristalle, Sonne und blauer Himmel – ist für alle Zeiten verloren und süchtig. Ein Guide und vier kleine Skifahrer, umgeben von „The Big White“. Der Kontrast zu den Pisten der Alpen, wo sich an manchen Tagen an wenigen Liften bis zu 10.000 Skifahrer drängeln, könnte größer nicht sein. Weiter unten im Wald trennt sich die Spreu vom Weizen, trennen sich gute von sehr guten Skifahrern. Eliel, der im Osten Kanadas aufwuchs und dort an Freestyle-Wettbewerben teilnahm, mag es gerne steil. Selbst im 40-Grad-Gelände fährt er stets in Falllinie, nimmt jeden Jump über Felsklippen mit und lässt die Bäume wie Slalomstangen stehen. Ganz ungefährlich ist „Tree Skiing“ nicht. Es lauern „Tree Holes”: Wer kopfüber in einem solchen Loch landet, das sich rund um den Stamm bildet und manchmal mehrere Meter tief ist, kann im grundlosen Triebschnee ersticken, wenn niemand zeitnah zu Hilfe kommt. Im Wald wird deshalb immer in Zweiergruppen gefahren, man bleibt in Sichtweite und ruft ständig „Hejo“. Für den Fall, dass sich doch mal jemand zwischen dichtstehenden Kanada- Zedern verirren sollte, haben alle Gäste und Guides Funkgeräte dabei.

Freerider im Gelände mit Ausblick auf das Bergpanorama
© WWH

HELISKI-UNTERNEHMER DURCH ZUFALL

Als Tanner an diesem Tag seinen Ferrari direkt neben der Lodge von White Wilderness Heliskiing (WWH) parkt, steigen alle Gäste mit leuchtenden Augen aus dem Chopper. Insgesamt 19 Runs stehen im Logbuch, fast 10.000 Höhenmeter. Niemand freut das mehr als Martin Jäger. Der Schweizer ist neben Marcel Schneider einer der beiden Köpfe, die hinter WWH stehen. Er ist im Hauptjob in der Finanz- und Immobilien- Branche tätig, zum Heliski-Unternehmer wurde er durch einen Zufall. Alles fing damit an, dass Schneider, ein passionierter Fliegenfischer, einige Male in der Skeena Salmon Lodge eines deutschen Paares nahe Terrace zu Gast war. Der Skeena River, der direkt vor der Haustür des großen Blockhauses vorbeifließt, ist im Sommer ein Mekka für Flugangler. Schneider und die Deutschen freundeten sich an. Als diese einen Investor suchten, stieg er ein. Und als sie später aus Altersgründen verkaufen wollten, war es fast schon logisch, dass der Schweizer die Lodge komplett übernehmen würde – zunächst allerdings nur im Sommerbetrieb. Es war Schneiders Kumpel Martin Jäger, der als Heliski-Fan sofort das Potenzial der Lodge für den Winter erkannte. „Die weiten Wälder und die imposanten Bergketten rund um die Lodge sorgen für ein fantastisches Terrain. Zudem gehören die Schneemengen in den Skeena Mountains zu den größten in ganz British Columbia“, betont er. Aus den Freunden wurden zusätzlich Geschäftspartner. Das Duo sicherte sich in einem ersten Schritt ein 1.500 Quadratkilometer großes Areal exklusiv. 2015 starteten die Newcomer in die erste Saison. Fast täglich kamen neue Runs dazu. Das Skierlebnis wurde von Tag zu Tag besser. Als sie kurz vor der Pandemie die Chance bekamen, weitere 1.000 Quadratkilometer zu pachten, schlugen sie wieder zu, sodass heute ein riesengroßes Winter-Wunderland auf die 24 Gäste wartet, die die Lodge maximal beherbergt. WWH bietet ihnen einen perfekten Mix aus weiten, offenen Gletscherhängen und atemberaubenden Waldabfahrten mit genügend Optionen in der Nähe der Lodge für Schlechtwettertage.

 

 

Nordlichter über der Lodge

Wer Glück hat, sieht sogar Polarlichter.

© WWH

EIN PERFEKTES GENUSS-ERLEBNIS

Das ist jedoch nur eines der Asse von WWH. Das zweite ist die Nähe zur Kleinstadt Terrace, die man von Vancouver aus in nur eineinhalb Flugstunden erreicht. Von dort ist es weniger als eine halbe Stunde zur Lodge, während man bei der Konkurrenz oft zwei Tage in Shuttle- Bussen für die An- und Abreise verliert. Trumpf Nummer drei ist die Lodge selbst. Die liegt zwar am Fluss im Tal, wo man nicht immer eine geschlossene Schneedecke findet, und auch nahe des Highways, was das Wildnis-Feeling etwas beeinträchtigt. Dafür glänzt sie mit einer perfekten und sehr europäischen Infrastruktur: Während andere Lodges oft nur ein Outdoor- Jacuzzi bieten, gibt es bei WWH zusätzlich eine Blockhaus-Sauna sowie eine richtige Wellness-Oase mit Dampfbad, Bio-Sauna und Infrarotkabine im Keller unter dem bestens ausgestatteten Fitness-Studio, wo gleich nebenan Kicker, Pool-Billard und eine Tischtennisplatte stehen, falls das Wetter doch einmal zu schlecht zum Fliegen ist. Down Days lassen sich hier ohne Langweile überbrücken. Apropos: Die beiden Schweizer haben verstanden, dass sie auf Wetter, Lawinenlage und Schneesituation keinen Einfluss haben – jedoch sehr wohl auf das, was auf die Teller kommt. Und deshalb legen sie Wert auf eine niveauvolle Kulinarik mit möglichst vielen biologisch angebauten Produkten aus der Region: Fleisch kommt von heimischen Bauern, Gemüse aus den Gewächshäusern im Tal wie etwa von der nur einen Kilometer entfernten Current Creek Farm. „Unsere Gäste wohnen und essen ja auch in den Alpen in ihrem normalen Skiurlaub auf höchstem Niveau. Das sind sie gewohnt, und das sollen sie auch bei uns vorfinden“, fasst Jäger die Philosophie zusammen, während sein Team frisch gefangenen Heilbutt aus dem nahen Pazifik aufträgt. Zum Apéro hatte es zuvor bereits Sushi und Jakobsmuscheln gegeben, was sich von den Chicken Wings und Nachos anderer Lodges wohltuend unterscheidet. Eine Weinkarte mit spannenden Positionen aus neuer und alter Welt komplettiert das Genuss-Erlebnis.

 

Outdoor-Whirpool in der Nacht
© WWH

VIP-WOCHEN MIT WELTKLASSEFAHRERN

Mit diesem Anspruch katapultierte sich WWH binnen weniger Jahre in die Liga der besten Boutique-Heliski-Anbieter in ganz British Columbia. Dazu trägt natürlich auch bei, dass jeder der beiden Hubschrauber nur drei Gruppen à vier Gäste bedient, was die Wartezeiten am Pickup auf ein Minimum reduziert. Nicht ganz so schnelle Gruppen sind meist sogar ganz froh, wenn sie kurz verschnaufen können. Und ja: Rasant geht es mitunter sehr wohl zu, vor allem dann, wenn spezielle VIP-Heli-Wochen anstehen, die von ehemaligen Schweizer Weltklasse-Skifahrern wie Daniel Mahrer, Didier Cuche oder Franco Cavegn begleitet werden. Auch Glen Plake, das Gesicht vieler Freeski-Kampagnen und der berühmteste Ski-Punk der Welt, war schon zu Gast bei WWH. Jäger und Schneider hatten die US-amerikanische Freeride-Legende auf der Sportartikelmesse ISPO kennengelernt. Sie waren nach München gereist, um Kooperationen mit Skifirmen anzubahnen. Doch viele Big Brands ignorierten die Newcomer. Eher zufällig landeten sie am Messestand von Elan und lernten dort mit Plake einen der Markenbotschafter der Slowenen kennen. Auch die Elan-Manager zeigten Interesse an der neuen Heliski-Lodge, und so kam eine „Ski-Ehe“ zustande, die bis heute hält. Natürlich war Plake auch selbst schon zu Besuch in den Skeena Mountains. Und irgendwie muss er es trotz seines Markenzeichens, des Irokesen-Haarschnitts, auch in den fliegenden Ferrari geschafft haben. „Ich liebe es, hier Ski zu fahren“, schwärmte der Punk-Rocker der Szene hinterher.

 

Glen Plake mit seinem Irokesen und Elan-Ski

Auch Glen Plake hatte seinen Spaß bei White Wilderness Heliskiing.

© WWH

DER BESTE POWDER DES PLANETEN

Am nächsten Morgen hängen tiefe Wolken über dem Tal des Skeena River. Während die meisten Gäste noch schlafen und einige Eifrige die Stretch-Class besuchen, sitzen die Heli-Guides zur Lagebesprechung zusammen. Wer dort einmal „Mäuschen“ spielt, merkt schnell, dass es großer Blödsinn ist, den Jungs (und wenigen Mädels) zu erzählen, dass es doch keine harte Arbeit sei, sich jeden Tag aufs Neue im besten Powder des Planeten austoben zu dürfen. Sie tragen enorm viel Verantwortung, denn Sicherheit steht bei WWH an allererster Stelle. Die Strategie für den Tag festzulegen – das ist eine komplexe Aufgabe: Wetter, Lawinenlage, Treibstoff-Management, Schneehöhen und das skifahrerische Können der Gruppen müssen berücksichtigt und miteinander verrechnet werden. Beim Frühstück kommt das Go von Eliel: Die Wolken haben sich nahezu aufgelöst, wir können fliegen! Tanner zieht die Nacht-Haube von seinem Ferrari, wenig später knattern die Rotoren. Runs mit Namen wie „Most Magnificent“ oder „Ski World” versprechen einen epischen Tag. Und dann droppen wir auch schon in den ersten jungfräulichen Powder-Hang. Wir sind heute mit Michaela unterwegs, der einzigen Frau im Guide-Team. Als wir unten die Ski abschnallen und auf den Pickup warten, lässt sie unser Quartett mit einem breiten Grinsen wissen: „I love heliskiing!“ Vielleicht hat sie, vielleicht haben die Guides ja doch den schönsten Job der Welt.

 

Die Guides machen einen Rutschblock-Test

Anhand eines Rutschkeils überprüfen die Guides die Stabilität der Schneedecke – denn Sicherheit hat immer höchste Priorität.

© WWH

Anreise

Mit Air Canada (www.aircanada.com) – Ski-Ausrüstung reist gratis mit – nach Vancouver und im „The Fairmont Vancouver Airport“ (www.fairmont.com/vancouverairport-richmond) übernachten. Man schläft in schalldichten Zimmern mit bodentiefen Fenstern, von denen man direkt aufs Flugfeld sieht. Am nächsten Tag geht es dann ebenfalls mit Air Canada weiter nach Terrace, rund 800 Kilometer nördlich von Vancouver und 60 Kilometer vom Pazifik entfernt, von wo der kurze Transfer zur Lodge erfolgt.

Reisen Erlebnisse

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