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Ein Ski-Entwicklungshelfer aus Leidenschaft

Mathias Metzler ist gerade einmal Mitte 20 – aber schon Besitzer eines Skigebiets. Als der Vorgänger in Pension ging, übernahm er die Haldenlifte im Bregenzerwald. Jetzt hofft er auf viele schneereiche Winter. Wir haben den enthusiastischen Skiliftbetreiber getroffen.
Mathias Metzler, Betreiber der Haldenlifte im Bregenzerwald.
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Bregenzerwald Tourismus/Adolf Bereuter

Die meisten Urlauber, die vom Rheintal und vom Bodensee in den Bregenzerwald fahren, entscheiden sich für die gut ausgebaute Bundesstraße 200. Die Direttissima führt jedoch über das Bödele, das auch als Losenpass bezeichnet wird. Hier, auf 1.140 Metern, vergnügen sich vor allem einheimische Familien im Revier der Skilifte Bödele. Sie schätzen die kurze Anreise, den Naturschnee, die gemütlichen Hütten. Fährt man von der Passhöhe jedoch weiter bergab Richtung Schwarzenberg, dann tauchen da rechter Hand noch zwei weitere Schlepper auf, die zu den knapp 24 Pistenkilometern des Mini-Skigebiets gehören: Haldenlift und Haglift. Sie sind das Reich von Mathias Metzler.

Nostalgie im Skigebiet

Bevor wir Mathias zum Interview treffen, staunen wir jedoch zunächst einmal über das nostalgische Flair, dieses besondere Ski-Ambiente von anno dazumal, das wohlige Kindheitserinnerungen weckt: ein langer Oldtimer-Schlepplift, der sich zwischen Fichten und wettergegerbten Heustadeln den Hang hinaufwindet, dazu ein Babylift und eine Abfahrt bis ins Dorf. In Summe: eineinhalb Pisten-Kilometer. Neben den günstigen Tageskarten für das Bödele-Revier (96 Euro für Eltern plus Kind) gibt es sogar noch Punktekarten. Für zehn Punkte bezahlen Kinder 6,30 Euro. Sie können sich damit an Mathias’ Babylift fünfmal nach oben ziehen lassen.

Er schmunzelt, wenn man ihn darauf anspricht. Ja, auch er hat hier als kleiner Bub das Skifahren gelernt, ist in jeder freien Minute die Pisten hinuntergeflitzt und auf der Raupe mitgefahren. Später hat er hier mit seinen Kumpels so manchen Blödsinn ausgeheckt. Und noch später, während seiner Lehre als Fahrzeugmechaniker und Hydrauliktechniker, half er bei der Liftrevision im Herbst und beim Service der Pistenraupen. Deshalb ließ es ihn nicht kalt, als Florian Berchtold, der langjährige Besitzer der beiden Haldenlifte, in Pension ging und die Sache vor dem Aus stand. „Als er mich fragte, ob ich die Lifte nicht selbst übernehmen möchte, schlug ich schließlich ein: Mehr als schiefgehen kann es ja nicht!“

Startschwierigkeiten durch schneearme Winter

Ausgerechnet im ersten Pandemie-Jahr 2020 ging der junge Schwarzenberger an den Start. Im Winter 2020/21 durften nur Einheimische Ski fahren, im folgenden Winter fehlten ihm lange die Ungeimpften. „Corona war nicht lustig“, lautet sein Fazit. Dennoch lief es ganz gut an, denn Schnee fiel in beiden Wintern reichlich. Um einen kleinen Gewinn zu machen, braucht er mindestens 30.000 Fahrten am großen und 10.000 am kleinen Lift, was ungefähr 30 bis 40 Betriebstagen entspricht. In der Saison 2021/22 kam er auf 60.000 Fahrten, doch der viel zu warme und selten weiße Winter 2022/23 bereitete ihm Kopfzerbrechen. Bis Anfang März liefen seine Lifte an nur sieben Tagen. Der 26-Jährige nimmt es sportlich: „Schneearme Winter hat’s auch früher gegeben.“

Immerhin hat er die Haldenlifte, die seit ihrem ersten Tag im Jahr 1971 als private Gesellschaft auf eigenen Beinen stehen, gerettet. Sie konnten vor zwei Jahren ihren 50. Geburtstag feiern. Außerdem sind die beiden Schlepper nicht Mathias’ einzige Erwerbsquelle. Im Hauptjob ist er Servicetechniker für Pistengeräte und Landmaschinen bei der BG Fahrzeugtechnik + Service GmbH in Sonntag im Großwalsertal, dem Vorarlberger Vertragspartner der Firma Kässbohrer (PistenBully). Er kommt also vom Fach. Nach der Lehre war er drei Jahre lang als Mechaniker für die Pistengeräte der Skigebiete Diedamskopf, Warth und Jöchelspitze zuständig. Die Betriebsleiterprüfung für Liftanlagen, die er 2020 absolvierte, war deshalb keine wirkliche Hürde für ihn.

Skilift Krähenberg in Sibratsgfäll.

Skilift Krähenberg in Sibratsgfäll

© Bregenzerwald Tourismus/Nadine Lerho

Ein Leben für's Skifahren - und für Pistenraupen

Finanziell ist es natürlich sehr wohl ein Wagnis, doch Mathias’ umfangreiches Know-how gibt ihm Sicherheit. Außerdem brennt er für seine neue Aufgabe. Ja, er fährt gerne Ski. Aber noch größer ist sein Faible für Pistenraupen, die ihn schon immer fasziniert haben. Jetzt ist er stolzer Besitzer zweier solcher Großkatzen, Baujahr 2010 und 2012. „Ist an ihnen etwas kaputt, repariere ich das natürlich selbst“, sagt er. „Sonst wäre das viel zu teuer.“ Weil er fast alles selbst macht, haben seine Arbeitstage im Winter bis zu 16 Stunden. Saison ist, wenn Schnee liegt. Das kann bereits im November der Fall sein und noch im April. Oder eben auch gar nicht. Da heißt es flexibel bleiben.

Hat es nachts geschneit, ist er schon um fünf Uhr morgens mit der Pistenraupe unterwegs, um die Abfahrt hinunter ins Dorfzentrum zu präparieren. Um neun Uhr ist Betriebsbeginn, dann ist Mathias überall dort im Einsatz, wo man ihn gerade braucht. Mit Einbruch der Dunkelheit endet der Skitag nur für die Gäste, denn nun muss die Piste für den kommenden Tag präpariert werden. Und wenn nachts die Schneekanone läuft, ist Mathias alle zwei Stunden auf den Beinen, um am Hang nach dem Rechten zu sehen: „Wenn etwas kaputtgeht und die Leitungen gefrieren, stehe ich am Morgen vor einem Haufen Eis – und habe ein Riesenproblem!“

Skiliftbetreiber als One Man Show

Festangestellte Mitarbeiter, die ihn permanent unterstützen, wären natürlich zu teuer. Unter der Woche genügen drei Aushilfen, am Wochenende braucht er bis zu fünf Helfer, die mit anpacken. Der Bruder, die ganze Familie ist dann im Einsatz. Außerdem gibt es einen Kollegen, der eine 50-Prozent-Stelle hat und deshalb entsprechend flexibel ist. Die Gemeinde Schwarzenberg unterstützt Mathias, indem sie die Dienstbarkeiten, also die Bezahlung für die Überfahrtsrechte an die verschiedenen Grundbesitzer, übernimmt. Alles andere wie Reparaturen, Revisionen und Pistenpflege macht Mathias selbst.

Sein Wissen, seine praktischen Kenntnisse und seine schier unerschöpfliche Energie sind die Grundvoraussetzung dafür, dass das Projekt Haldenlifte funktioniert. Der entscheidende Faktor jedoch ist die Schneesituation: „Wenn viel Schnee fällt, komme ich gut über die Runden. Doch zwischen November und April bestimmt nichts mein Leben so sehr wie der Schnee: Ob er kommt, ob er geht, wie lange er bleibt. Das Schicksal der Lifte hängt am Wetter, daran ist nicht zu rütteln.“ Er denke manchmal schon darüber nach, wie es in Zukunft weitergehen wird. „Aber man muss das Ganze einfach ein bisschen locker sehen und sich nicht zu sehr hineinsteigern.“

Verschneite Bergkulisse im Bregenzerwald.
© Bregenzerwald Tourismus/Adolf Bereuter

Herausforderung Klimawandel

Mathias weiß, dass ihm der Klimawandel das Leben nicht leichter macht. Seine Talstation liegt auf gerade mal 850 Metern über dem Meer. Am nahen Pfänder, dem Hausberg von Bregenz, hat man schon aufgegeben. Die Skilifte wurden im Sommer 2022 abgebaut. Sie hatten in den vergangenen zwölf Jahren einen Verlust von 1,8 Millionen Euro eingefahren. Immerhin: Die Gondel, die im Sommer Wanderer und im Winter Rodler auf den Pfänder bringt, fährt weiter – wobei das Sommergeschäft schon lange umsatzstärker ist. Die steigenden Temperaturen treffen alle der mehr als 400 Skigebiete in Österreich, aber nicht in gleichem Maße. Vor allem die kleinen Reviere hätten Probleme, hat Oliver Fritz herausgefunden, Tourismusexperte am Wiener Wirtschaftsforschungsinstitut wifo. Diese können die Investitionen – vor allem den Einsatz von Schneekanonen – nicht stemmen. Aber ohne deren Hilfe wird es immer schwieriger:

Eine Studie der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), die die Schneesituation in Österreich bis zum Jahr 2100 prognostiziert, lässt sich grob so zusammenfassen: Für alle Gebiete unter 1.500 Metern wird es schwierig. Mathias besitzt eine einzige Schneekanone. Um die gesamte Piste künstlich zu beschneien, bräuchte er 15, besser wären 20. „Die Preise beginnen bei 35.000 Euro pro Kanone – das sind dann die günstigeren Modelle“, rechnet er vor. Hinzu kämen die Kosten für Strom und Wasser. Letzteres bekommt er zwar aus der kommunalen Versorgung, muss es aber Kubikmeter für Kubikmeter teuer bezahlen. Die Alternative, einen eigenen Speicherteich zu bauen, wäre noch kostspieliger. Apropos Kosten: Mathias hat auch eine spezielle Versicherung für die – übrigens schon immer elektrisch angetriebenen – Schlepplifte abgeschlossen, denn er weiß: Heutzutage droht ja schon Ärger, wenn einem Gast ein Tröpfchen Fett aus dem Führungsseil auf den Anorak tropft.

Ein Ski-Weltcup am Haldenlift

Trotz aller Hürden: Mathias lässt sich nicht entmutigen. Was viele nicht wissen: 1987 fand hier am Bödele sogar einmal eine Weltcup-Abfahrt der Frauen statt. Gestartet wurde am Gipfel des Hochälpelekopf (1.467 m), das Ziel befand sich unten in Schwarzenberg, und die Fahrerinnen waren dabei auch auf „seiner“ Piste unterwegs. Gefeiert wurde danach im Haldenstüble, das es noch immer gibt und wo sich heute Familien aufwärmen.

Wenn es nach Mathias geht, soll das so bleiben, denn ihre überschaubare Größe macht die Haldenlifte zu einem idealen Skigebiet für Familien und Kinder: „Heim von der Schule, ab an den Skilift: Was damals mein Leben war, ist hier für die Kleinen noch immer möglich.“ Jeden Mittwoch-Nachmittag hätten die Kinder schulfrei, außerdem kämen die Bregenzerwälder Skiclubs zum Training. „Letztere schätzen meine lange Piste sehr, weil sie eben ziemlich anspruchsvoll ist“, erzählt Mathias.

Skifahrer auf Piste vor Bergpanorama im Bregenzerwald.
© Bregenzerwald Tourismus/Michael Meusburger

Geheimtipp für Schleppliftfans

Was er da aufzieht, ist praktische Nachwuchsförderung. Man könnte ja meinen, die Großen im Ski-Business wären froh, wenn die Konkurrenz wegfällt. Aber so einfach ist das nicht. „Die großen Skigebiete wissen, dass sie die kleinen brauchen“, bestätigt wifo-Experte Fritz. „Der Nachwuchs steht dort zum ersten Mal auf Ski und entwickelt so einen Bezug zum Sport.“ Einen Bezug, der auch in der Ski-Nation Österreich nicht mehr gottgegeben ist. Die Nähe der Bevölkerung zum Skifahren schwindet, hat das wifo herausgefunden: Vor 20 Jahren gaben 40 Prozent der Österreicher an, nie Ski zu fahren. Heute sind es schon 61 Prozent.

Mathias ist deshalb mit gerade einmal 26 Jahren ein Entwicklungshelfer im besten Sinne des Wortes. Und nachhaltig ist seine Nachwuchsförderung obendrein: „Meine Lifte liegen gleich neben dem Zuhause der Kids. Sie können mit geschulterten Ski zu Fuß gehen, müssen nicht von den Eltern im Auto gefahren werden.“ Von den Locals allein kann er allerdings nicht leben. „Wir sind ein Geheimtipp, nicht nur für Einheimische. Auch aus Deutschland und der Schweiz kommen viele Schleppliftfans zu uns.“

Skigebiets-Infos Bödele – Schwarzenberg

Skifahren

Skigebiet Bödele – Schwarzenberg (mit den Haldenliften): 24 Pistenkilometer, davon 9 km blau, 11 km rot und 4 km schwarz; 12 Lifte. www.boedele.info

Das Revier ist Mitglied im Verbund „3TÄLER-Skipass“ (www.3taeler.at). Wer mehr als zweieinhalb Tage im Bregenzerwald Ski fährt, erhält ohne Aufpreise automatisch diesen Pass. Er gilt für alle Skigebiete im Bregenzerwald, im benachbarten Großen Walsertal, im Tiroler Lechtal sowie in einigen Gebieten im Allgäu. Außerdem darf man mit dem Pass die Skibusse benutzen, die die einzelnen Reviere miteinander verbinden (www.vmobil.at).

Allgemeine Auskünfte

www.boedele.info, www.bregenzerwald.at

Kleine Skigebiete im Bregenzerwald

Im Bregenzerwald gibt es weitere kleine, aber feine Skigebiete, die es zu entdecken lohnt (und die alle Verbund-Mitglieder sind):

Egg-Schetteregg: 10 Pistenkilometer, davon 3 km blau, 6 km rot und 1 km schwarz; 1 Sesselbahn, 5 Schlepplifte, 2 Förderbänder und 1 Karussell, www.schetteregg.at

Hochlitten-Riefensberg: 4,4 Pistenkilometer, alle blau; 3 Schlepplifte und 1 Übungslift, www.skilifte-hochlitten.com

Niedere (Andelsbuch-Bezau): 10 Pistenkilometer, davon 5 km blau, 4 km rot und 1 km schwarz; 1 Großkabinenbahn, 4 Schlepplifte, 1 Übungslift und 1 Förderband, www.niedere-skiing.com

Hochhäderich: 9 Pistenkilometer, davon 4 km blau, 3 km rot und 2 km schwarz; 1 Sesselbahn und 4 Schlepplifte, www.alpenarena.com

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