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Packliste: Dieses Equipment gehört alles in den Tourenrucksack

Wer für eine Skitour gut ausgerüstet sein möchte, darf einige Dinge nicht vergessen, an die man im ersten Moment vielleicht nicht unbedingt denkt. Unser Experte vom VDBS verrät, was neben der Standardausrüstung auf keiner Tour fehlen darf.
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Dynafit

Welche Ausrüstung gehört alles mit auf eine Skitour? Tourenski, Tourenschuhe, Tourenbindung, Tourenstöcke und Felle sind klar. Dazu natürlich auch ein entsprechendes Skitourenoutfit mit Hose und Jacke, Handschuhe, Socken, Brille und die persönliche Sicherheitsausrüstung mit Schaufel, Sonde und LVS. Mit dieser Grundausstattung kommt man bei fast jeder Skitour den Berg hinauf und wieder runter. Aber dann darf auch nichts Unvorhergesehenes passieren. Sonst kann man in den Bergen Schwierigkeiten bekommen.  

Packliste für Reparaturen

"In den Bergen ist man vor Unfällen und Schäden am Material nie hundertprozentig sicher", sagt Martin Schmidt. Der 38-Jährige ist staatlich geprüfter Ski- und Bergführer und als Bergführer Ausbilder und Mitglied im Bundeslehrteam Bergsteigen des DAV fast den ganzen Winter bei Skitouren in den Bergen unterwegs und kennt daher so ziemlich jede schwierige Situation, mit der man auf einer Skitour in den Bergen rechnen muss. „Gerade bei den extremen Belastungen, die die Ausrüstung auf einer Skitour aushalten muss, kann es immer passieren, dass etwas kaputt geht. Daher empfehlen wir, an Reparaturen am Berg beim Packen für eine Skitour zu denken." 

Tourenbindung, Felle, Schuhe und Skitourenstöcke - im Prinzip kann beim Equipment so ziemlich alles kaputt gehen, was bewegt wird. Ohne Werkzeug kann man gerade im Hochgebirge in gefährliche Situationen geraten, beispielsweise wenn die Tourenbindung bricht oder das Fell nicht mehr am Tourenski hält. „Weil man oft an Material spart, um das Gewicht der Tourenausrüstung leichter zu machen, sind Schuhe und Bindung oft nicht mehr so stabil und daher anfälliger für Schäden", sagt auch Martin. 

Von Tourenski bis Tourenstock

„Wenn man sich die Probleme von unten nach oben anschaut, kommt man zuerst zum Fell, das stollen kann oder nicht mehr richtig am Tourenski haften bleibt“; erklärt der Bergführer. Unter stollen oder aufstollen versteht man, wenn Eis am Fell hängen bleibt und es so nicht mehr auf dem Untergrund haftet. Das kann passieren, wenn es erst nass wird und man dann über Schnee läuft, der dann am Fell festfriert. Damit das nicht passiert, gibt es spezielles Wachs, mit dem man das Fell neu imprägnieren kann, damit kein Eis mehr daran haften bleibt. Neben dem Fellwachs, wobei man zur Not auch normales Skiwachs benutzen kann, gehört daher auch eine Abziehklinge aus Plastik mit in den Rucksack, damit man das Fell zunächst von Eis und Schnee befreien kann, bevor man es neu wachst. 

Ein weiteres Problem mit den Fellen ist, wenn der Kleber nicht mehr richtig hält und sich die Felle vom Tourenski lösen. Dann kann Schnee zwischen Fell und Lauffläche gelangen und man wird mit den Skiern keinen Halt mehr auf dem Schnee finden. Gerade wenn es steil wird, kann das zu einem großen Problem werden. Die Felle sind zwar nicht kaputt, trotzdem muss man auf so einen Fall vorbereitet sein. Martin empfiehlt hier, so genannte Glue Transfer Tapes in den Rucksack zu packen. Diese Klebestreifen erinnern an doppelseitiges Klebeband und werden einfach auf das Fell geklebt und das kommt dann auf den Tourenski. Vorher muss man den Ski gut saubermachen, damit kein Schnee zwischen Fell und Ski mehr ist, wofür wieder die Abziehklinge benutzt werden kann. Außerdem empfiehlt es sich, das Fell kurz am Körper unter der Jacke anzuwärmen, damit eventuelle4s Eis auftauen und abfließen kann. Das Glue Transfer Tape ist zwar keine Dauerlösung, aber für einen Aufstieg hält das Fell auf jeden Fall am Ski. Nach der Tour muss man dann eben noch den Kleb erneuern. 

© Martin Schmidt

Reparaturen auf der Skitour

Schwierig wird es, wenn die Aufhängung der Felle abreißt oder abbricht. Dann hilft kein Kleb mehr, dann muss man etwas zum Reparieren dabei haben. Für Martin Schmidt gehören daher verschiedene Utensilien in das Reparatur-Set, das zumindest einer aus der Gruppe mitnehmen sollte: „Wir nehmen immer ein paar gute Kabelbinder mit auf Skitour, die auch einigermaßen kälteresistent sind, weil sie sonst bei Kälte spröde werden und leicht brechen. Die Kabelbinder sollten daher etwas dicker sein. Ins Reparatur-Set kommt zudem immer ein Stück Draht, das zwar stabil, aber trotzdem sehr biegsam ist. Mit Kabelbinder und Draht kann man im Notfall eine Fellaufhängung meistens so reparieren, dass man die Skitour zu Ende bringen kann. Zum Set gehören dann auch immer ein Multitool mit verschiedenen Aufsätzen und eine Zange, um den Draht biegen zu können." 

Nach den Fellen kommt von unten nach oben betrachtet der Tourenski. Nur wenn der bricht, hat auch unser Experte keinen Tipp, wie man einen gebrochenen Ski reparieren kann. Dann heißt es nur noch, halbwegs sicher ins Tal kommen. Bei der Bindung hängt es davon ab, was kaputt geht. Einige Schäden lassen sich ebenfalls mit Draht beheben, wobei man bei solchen Provisorien immer vorsichtig sein muss und die notdürftig reparierte Bindung nicht stark belasten darf. 

Reparatur von Tourenschuhen

Bei den Tourenschuhen kann es immer passieren, dass eine Schnalle bricht. „In so einem Fall empfehlen wir, immer zwei oder drei möglichst lange Skistraps im Rucksack zu haben, mit denen man normalerweise die Ski zusammenbindet", sagt Martin. „Die kann man sich um den Skischuh wickeln und zu ziehen, um so den Schuh zumindest einigermaßen stabil zu bekommen. Das ersetzt die Schnalle zwar nicht, aber es ist besser, als mit offenen Schuhen zu fahren. Zur Not kann man mit den Straps auch den Schuh behelfsmäßig auf den Ski binden, wenn die Bindung kaputt ist, um halbwegs zurück ins Tal zu kommen." Im Gegensatz zu Kabelbindern sind die Ski Straps für kalte Bedingungen konzipiert und bleiben auch bei extremen Minustemperaturen elastisch und brechen bzw. reißen nicht. 

Jeder gute Handwerker hat für den Notfall immer etwas Panzertape dabei oder Gewebeband bzw. Ductape, wie es im Fachterminus heißt. Auch bei einer Skitour kann das Multifunktionsklebeband so manche schwierige Situation entschärfen. Getreu dem Motto: wackelt es? ja, soll es fest sein? ja - nimm Panzerband - kann man mit Ductape so einiges reparieren, angefangen vom gebrochenen Tourenstock bis zu Löchern in der Bekleidung. Wichtig ist hier, dass es gut klebt, aber kälteresistent ist. „Ich wickle mir immer ein paar Meter Pantertape unter den Griff von meinem Tourenstock", sagt Martin. „Dann hat man es immer dabei und es nimmt keinen Platz im Rucksack weg. Wenn es stört, hat man noch einen zweiten Stock, den man dann tiefer greifen kann, wenn es notwendig ist." Mit dem Tape kann man sogar eine Notschiene bauen, wenn ein Sturz etwas schlimmer ausgegangen ist. 

© Martin Schmidt

Tourenstöcke nicht vergessen

Für den Notfall sollte man laut Martin Schmidt auch immer einen Ersatzteller für den Skistock dabei haben, falls im Backcountry das Original kaputt oder verloren geht. Wenn er stört, kann man ihn mit Kabelbinder und Panzerband an jedem Stock befestigen.  

Gut sind für das Multitool auch noch möglichst lange Bits oder eine Mini-Ratsche, um im Notfall die Bindung neu einstellen zu können. Diese Ausrüstung muss nicht jeder unbedingt dabei haben. Gerade in einer Gruppe spricht man sich am besten vor der Tour ab und teilt die Ausrüstung auf, damit es für den einzelnen nicht zu schwer wird, auch wenn diese Gegenstände zusammen wahrscheinlich keine 500 Gramm auf die Waage bringen. 

Erste Hilfe auf Skitour

„Für den Notfall gehört ein guter Biwaksack immer zur Grundausrüstung", sagt Martin. „Am besten ein schön stabiler Sack für zwei Personen mit der Öffnung oben und mit eingenähten Ösen. Damit kann man sich nicht nur zudecken, wenn man von einem Schneesturm überrascht wird, man kann einen verunfallten Kameraden auch besser abtransportieren.“  

Neben dem Biwaksack gehören daher auch noch zwei Rebschnüre mit rund fünf Metern Länge und vier Millimetern Durchmesser mit zur Sicherheitsausrüstung. Damit kann man auch noch etwas reparieren, wenn man das Panzerband vergessen hat oder es nicht mehr richtig klebt. Martin nimmt dann immer noch ein paar sehr leichte Karabiner mit. Die sind zwar nicht unbedingt nötig, sie erleichtern den Abtransport eines Verletzten in einem Biwaksack aber deutlich. 

© Martin Schmidt

Nachts auf Skitour

Mindestens einer, besser aber zwei oder drei aus der Gruppe sollten ein Erste-Hilfe-Set dabei haben und zwar am besten eins, das wasserdicht ist und nicht sein halbes Leben in den Niederungen eines Tourenrucksacks verbracht hat. Hier besteht sonst die Gefahr, dass nach ein paar Jahren die sterilen Dinge nicht mehr steril sind, die Dinge, die kleben sollen nicht mehr kleben, und dafür die Dinge kleben, die es eigentlich nicht sollen. Alle paar Jahre sollten man den Inhalt auf Haltbarkeit prüfen. 

Auch bei einer kurzen Skitour empfiehlt unser Bergführer, immer eine Stirnlampe (mit aufgeladenen Batterien) mitzunehmen. Die kann den Unterschied machen zwischen einem unangenehmen Notbiwak am Berg oder doch noch sicher ins Tal kommen. Denn man weiß nie, was am Berg geschieht und ob man den Zeitplan der Skitour auch wirklich einhalten kann. Daher gehören auch immer ein paar Harscheisen mit in den Rucksack, falls die Schneedecke mal zu abgeblasen und zu hart ist. 

Wohlfühlen am Berg

Bei der Tourenausrüstung muss es nicht immer um das Thema Sicherheit gehen. Schließlich soll eine Skitour Spaß machen und man soll sich wohlfühlen. „Ich merke immer wieder, dass einige beim Packen vergessen, dass es auf einer Skitour sehr kalt werden kann", sagt Martin. „Wer keine isolierte Trinkflasche dabei hat, auch für kalte Getränke, muss damit rechnen, dass die Flüssigkeit am Berg einfriert. Wir empfehlen immer, einen heißen Tee in einer Thermoskanne mitzunehmen, um sich bei Bedarf zu wärmen.“ Gut ist ein bisschen Zucker, damit der Körper schnell verwertbare Energie zur Verfügung hat und wem es schmeckt noch ein bisschen Salz im Tee, um den Elektrolythaushalt auszugleichen. Denn wenn man schwitzt, verliert der Körper auch wertvolle Salze. 

Vorsicht ist bei Schoko-, Müsli und Energieriegeln geboten. Bei großer Kälte können die einfrieren und sollten daher lieber direkt am Körper getragen werden. Gut ist noch Studentenfutter, denn Nüsse enthalten viel Energie bei geringem Gewicht, sind leicht verdaulich und können nicht einfrieren. 

Falls man sich in der Pause nicht auf seinen Rucksack setzen möchte, bewahrt ein Iso-Sitzkissen vor kaltem und nassem Hintern und lässt sich im Falle eines Unfalles sogar noch als Schiene für alle Extremitäten zweitverwenden. Wer jetzt noch an den Sonnenschutz denkt und ein zweites Paar dickere Handschuhe, ein trockenes Shirt und eine Skibrille für die Abfahrt mitnimmt, ist gut gerüstet für die nächste Skitour. 

© Martin Schmidt

Packliste für die Skitour

Das gehört auf jeden fall für den Notfall noch in den Tourenrucksack:

  • Fellwachs
  • Anziehklinge
  • Glue Transfer Tape
  • Kabelbinder
  • Draht
  • Multitool mit Zange und Bits
  • 2-3 Ski Straps
  • Panzertape
  • Ersatzteller
  • Biwaksack
  • 2 Rebschnüre (ca. 5m)
  • Stirnlampe
  • Harscheisen
© Martin Schmidt

Experte: Martin Schmidt

Alter: 38 Jahre 

Ausbildung: Staatl. Geprägt. Berg- & Skiführer 

Funktion: Mitglied im Lehrteam des VDBS - Bergführerausbilder, Mitglied im Bundeslehrteam Bergsteigen des DAV 

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